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Weisses Bräuhaus im Tal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Weisses Bräuhaus, Eckansicht

Das Haus Tal 7 in München, allgemein bekannt als Weisses Bräuhaus, ist ein Wohnhaus mit Gaststätte. Es ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[1]

Das Gebäude liegt an der Nordseite der Straße Tal in der Münchner Altstadt schräg gegenüber der Heilig-Geist-Kirche. Es ist ein Eckbau, seine Westseite liegt an der Maderbräustraße. Das Haus bildet eine bauliche Einheit mit dem nördlich benachbarten Haus Maderbräustraße 2.

Tal, am rechten Bildrand die Häuser Bachlbräu und Maderbräu, 1878

An der Stelle des heutigen Hauses standen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zwei Häuser: an der Ecke zur Maderbräustraße der sogenannte Bachlbräu,[2] benannt nach dem früher zwischen Tal und Ledererstraße fließenden Ledererbachl, und östlich daneben der sogenannte Maderbräu,[3] benannt nach der langjährigen Inhaberfamilie Mader. Der eigentliche Brauereitrakt des Maderbräu lag nördlich des Bachlbräu an der Maderbräustraße, so dass der Gebäudekomplex des Maderbräu den Bachlbräu umschloss.[4]

Weisses Bräuhaus (rechts), 1904

Kurfürst Karl Theodor hatte 1792 das Weißbiermonopol der Wittelsbacher aufgehoben, den bayerischen Herrschern aber die Vergabe des Braurechts vorbehalten. Gebraut wurde Weißbier zunächst nur in dem dem Hof gehörenden Hofbräuhaus am Platzl. 1872 erwarb der damalige Pächter des Hofbräuhauses, Georg Schneider, das Weißbierregal des Hofbräuhauses und im selben Jahr auch das Anwesen des Maderbräu. 1874 eröffnete er dort die Weißbierbrauerei G. Schneider & Sohn. Sie war die erste private Weißbierbrauerei in München. Im Vorderhaus am Tal lag die Gaststätte „Weiss-Weizen-Bierbrauerei zum Mader“. Georgs Sohn, der ebenfalls Georg hieß, erwarb 1886 das Nachbargrundstück mit dem Eckbau dazu. Im Jahr 1901 wurden die Bauten abgerissen und das Doppelgrundstück zur Erweiterung der Maderbräustraße in seiner Breite verringert. Auf dem reduzierten Grundstück errichtete die Baugesellschaft Heilmann & Littmann 1902/03 das noch bestehende Weisse Bräuhaus.[4]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das 1944 durch Bomben beschädigte Haus in teilweise vereinfachten Formen, vor allem im Dachbereich, wiederaufgebaut. Die Brauerei wurde in das Weisse Bräuhaus in Kelheim verlegt,[5] das Herzog Maximilian I. als Kurfürstliches Weisses Hofbräuhaus gegründet hatte und das die Familie Schneider bereits 1928 erworben hatte. Von 1987 bis 1993 wurde das Haus im Tal umfassend renoviert. Dabei wurden die ursprünglichen Zwerchgiebel an beiden Fassaden rekonstruiert. Das erste Obergeschoss, das Wohnungen enthielt, wurde in die Gaststätte einbezogen und entsprechend umgebaut.[6]

Tal 7 mit Maderbräustraße 2, Grundriss Erd- (links) und 2. Obergeschoss (rechts), um 1903

Das fünfgeschossige Eckgebäude ist an der Maderbräustraße etwa 27 Meter lang und am Tal etwa 13 Meter breit. Dem stumpfen Winkel zwischen Maderbräustraße und Tal folgend sind der kurze Südflügel am Tal und der längere Westflügel an der Maderbräustraße ebenfalls stumpfwinklig zueinander angeordnet. In der Nordostecke des trapezfömigen Grundstücks verbleibt dadurch ein schmaler Innenhof, in dem der Eingang zum Treppenhaus des Gebäudes liegt.

Die Südfassade am Tal hat fünf Fensterachsen, von denen die mittlere verbreitert ist und vom ersten bis dritten Obergeschoss einen flachen Erker mit drei Fensterachsen aufweist. Über den drei mittleren Fensterachsen erhebt sich ein großes Zwerchhaus mit geschwungenem Giebel, über dessen Mittelfenster ein Stuckrelief des heiligen Florian angebracht ist. Das Erdgeschoss hat in der Mitte zwei große korbbogige Gaststättenfenster. Links daneben liegt in einem über Eck gestellten, mit einem Eckpfeiler gestützten offenen Vorraum der Eingang zur Gaststätte. Auf der rechten Seite liegt der Hauseingang, von dem aus ein tonnengewölbter Flur in den Innenhof und darüber zum Treppenhaus führt.

Die Westfassade an der Maderbräustraße hat acht Fensterachsen. Das Erdgeschoss mit der Gaststätte hat große Rundbogenfenster. Rechts liegt der offene Vorraum mit dem Eingang zur Gaststätte, links ein weiterer Eingang mit einem Rundfenster darüber. Die Fassade ist in zwei durch unterschiedliche Traufhöhen kenntliche Teile gegliedert. Der südliche Teil mit fünf Fensterachsen hat dieselbe Traufhöhe wie die Südfassade. Die mittlere Fensterachse wird von einem kleinen Zwerchhaus mit Dreiecksgiebel überragt. Der nördliche Teil mit drei Fensterachsen war ursprünglich wie das nördliche Nachbarhaus nur viergeschossig und wurde später aufgestockt.

Horizontal gegliedert sind die Fassaden durch zwei die Ecke umlaufende Gesimse, ein schmaleres über dem Erdgechoss und ein breiteres über dem ersten Obergeschoss. Vertikal gegliedert sind sie durch Lisenen, zwischen denen in den Fensterbrüstungen des dritten und vierten Obergeschosses erhöhte rechteckige Putzfelder mit kreisförmig ausgeschnittenen Ecken angeordnet sind.

Durch den Eingang in der Südwestecke gelangt man zunächst in die Schwemme, einen etwa 9 × 9 Meter großen vertäfelten Saal, der auf seiner Nordseite durch eine Arkade begrenzt ist und dessen Decke in der Mitte durch eine Säule gestützt wird. In der rechten Arkade führt eine Holztreppe in das Obergeschoss, das ebenfalls als Gastwirtschaft genutzt wird. Durch die linke Arkade gelangt man in einen weiteren Gastraum, in dem sich der Ausschank befindet. An dessen Nordseite ist der Zugang zum nördlich angrenzenden Nachbarhaus mit noch einem Gastraum, dessen Obergeschoss ebenfalls zur Gastwirtschaft gehört.

  • Tal 7. In: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 1097 f.
Commons: Weißes Bräuhaus (Tal) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. Denkmalliste für München (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Abgerufen am 27. Oktober 2025 (Denkmalnummer D-1-62-000-6741)
  2. Helmuth Stahlecker: Bachlbräu. In: Haus- und Straßennamen der Münchner Altstadt. Hugendubel, München 1992, ISBN 3-88034-640-2, S. 465.
  3. Helmuth Stahlecker: Maderbräu. In: Haus- und Straßennamen der Münchner Altstadt. Hugendubel, München 1992, ISBN 3-88034-640-2, S. 475.
  4. a b Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 1097.
  5. Der raue Charme DER VORSTADT. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
  6. Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München – Mitte (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band I.2/1). Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 1098.

Koordinaten: 48° 8′ 11,17″ N, 11° 34′ 42,47″ O