Weiterode

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Weiterode
Stadt Bebra
Koordinaten: 50° 57′ 13″ N, 9° 48′ 53″ O
Höhe: 204 m ü. NHN
Fläche: 7,27 km²
Einwohner: 2344 (1. Jan. 2005)
Bevölkerungsdichte: 322 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36179
Vorwahl: 06622
Blick auf Weiterode vom Aussichtspunkt „Stirnpilz“

Weiterode ist ein Dorf in Nordost-Hessen und ein Stadtteil von Bebra.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterode liegt in Nordost-Hessen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und ist ein Stadtteil der Stadt Bebra. Das Dorf liegt am westlichen Ausgang des Ulfegrundes, wo das Richelsdorfer Gebirge (im Norden) und der Seulingswald (im Süden) zurücktreten und das Ulfetal in die Fulda-Aue bei Bebra einmündet. Seit rund 100 Jahren ist das Dorf von einem Schienendreieck der Eisenbahn vollkommen umschlossen. Nur durch Brücken gelangt man heute in den Ort. Weiterode war jahrhundertelang Kreuzungspunkt alter Handelsstraßen und Zollstation.

Nachbarorte von Weiterode sind im Uhrzeigersinn: Bebra (im Nordwesten), Iba, Ronshausen, Breitenbach. Die nächstgrößeren Städte sind zum einen Bad Hersfeld (ca. 15 km) und zum anderen Kassel und Fulda (jeweils ca. 60 km).

Ausdehnung und Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Höhe: 204 m ü. NHN
  • Gesamtfläche: 727 ha
  • Bebaute Fläche: 48 ha
  • Einwohner 1852: 775
  • Einwohner 1951: 2711
  • Einwohner am 31. Dez. 2006: 2344

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundliche Ersterwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Weiterode am 27. August 1057. Ursprünglich gehörte Weiterode zum Erzbistum Mainz als einziger Ort in der Gegend um Bad Hersfeld. Demgegenüber besaß Hersfeld in seinem Territorium das Dorf Schornsheim, das südlich von Mainz (Richtung Alzey) lag. Erzbischof Liutbold von Mainz und Abt Meginher von Hersfeld tauschten die beiden Orte der einfacheren Bewirtschaftung wegen gegeneinander aus. Als Vertragsschließende haben unterzeichnet: Liutbold, Erzbischof zu Mainz und Meginher, Abt der Hersfelder Kirche sowie 33 Zeugen. Verhandelt wurde dies am 27. August 1057 in Mainz auf Anordnung des Königs Heinrich IV. und mit Zustimmung des ehrwürdigen Erzbischofs Liutbold sowie des Abtes Meginher.

Geschichtliche Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1344 gehörte Weiterode zu Hessen und lag in der Vogtei Ziegenhainisch.

1376 wurde in Dokumenten eine Burg erwähnt, auf die heute noch der Straßen- und Gemarkungsname Burgrain hindeutet. Seit 1502 gehörte Weiterode zum Amt Rotenburg und wurde später Gerichtsstuhl dieses Amtes für mehrere Ortschaften im Obergericht. In dieser Zeit fielen einige Orte im Umfeld wüst, unter anderem Stockhausen, Erdhausen und Rudolferode. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Dorf und Kirche vom Heer geplündert.

Das bäuerliche Dorf Weiterode entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert zu einem Leinenweberdorf und mit dem Bau der Eisenbahn um 1850 und dem aufstrebenden Bahnhof Bebra schließlich zu einem Eisenbahnerdorf. Seit dem Bau der sogenannten Umgehungsbahn schloss sich ein Gleisdreieck um Weiterode. Die stetige Aufwärtsentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg endete mit dem Niedergang des Bebraer Bahnhofs Mitte der 1980er Jahre.

Im Rahmen der hessischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde Weiterode am 31. Dezember 1971 in die Stadt Bebra eingegliedert.[1]

950-Jahr-Feier 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2007 feierte Weiterode in einer Festwoche vom 4. bis 12. August das 950-jährige Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung (August 1057, s. o.).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verwaltungsorgan von Weiterode ist der Ortsbeirat, der von den Einwohnern am gleichen Wahltag wie die Stadtverordnetenversammlung Bebra gewählt wird. Der Vorsitzende des Ortsbeirates ist gleichzeitig Ortsvorsteher. Dieses Amt ist in Weiterode durch Andreas Nölke besetzt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orgel in der Weiteröder Kirche

Die Weiteröder Kirche wurde im 13. Jahrhundert gebaut, von diesem ursprünglichen Gebäude ist heute noch der Chorturm erhalten. Bei erheblichen baulichen Veränderungen im Jahr 1619 wurde der Altar nach Westen in das Kirchenschiff verlegt und ein Portal als Haupteingang in den Turm gebrochen. Nach der Verwüstung des Innenraumes während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Wehrkirche ab 1719 gründlich erneuert und zählt seitdem zu den schönsten hessischen Landkirchen. Die noch heute bestehende Orgel wurde 1739 gebaut.

Die unter dem Oberbegriff „Himmlische Musik“ bekannt gewordene barocke Deckenmalerei und die ausgemalten doppelstöckigen Emporen wurden in den Jahren 2003 und 2005 aufwendig restauriert.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach räumlicher Enge in älteren Schulgebäuden infolge wachsender Schülerzahl wurde 1933 eine moderne achtklassige Volksschule eingeweiht, die später zur Mittelpunktschule wurde. Heute ist die Weiteröder „Ulfetalschule“ eine vierzügige Grundschule.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2006 hatte die evangelische Kirchengemeinde Weiterode 1711 Mitglieder. Am 25. September 2007 fanden die Kirchenvorstandswahlen statt, bei denen 8 Mitglieder gewählt worden sind.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt 28 Vereine und Verbände haben sich im Laufe der Zeit in Weiterode etabliert, darunter:

  • 7 Sportvereine (darunter der ESV 1920 Weiterode, Fußball Kreisoberliga-Fulda-Nord)
  • 4 Chöre
  • 2 Musikgruppen
  • 2 Hilfsorganisationen (Rotes Kreuz und die Freiwillige Feuerwehr)
  • 1 Jugendclub (Jugendclub Blechdose)
  • 1 Schützenverein
  • Kulturverein "Ellis Saal", der überregionale Veranstaltungen organisiert
  • Der "Heimatverein 1969 Weiterode" unterhält und pflegt die Freizeitanlage Burgrain mit Grillanlage und Schutzhütte, den Burgkräutergarten, drei Brunnen, den Aussichtspunkt Pilz und Meißnerblick sowie über 40 Rastbänke in der Weiteröder-Gemarkung.
  • Die Mundartgruppe Weiterode, die regelmäßige Auftritte in "Weiteröder Platt" halten

Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterode ist von Wald umgeben, in dem sich zahlreiche ausgeschilderte Wander- und Radwege befinden. Der Naherholung dienen außerdem die Anlagen des Heimatvereins, wie beispielsweise der Aussichtspunkt Stirnpilz, das Tretbecken Heiertal, Schutzhütten an Wanderwegen, der Kräutergarten am Burgrain sowie der Burgrainplatz mit Grillhütte und Waldlehrpfad. Außerdem befinden sich noch die Fuldawiesen, durch die die Fulda fließt, sowie das Baggerloch bei Breitenbach in unmittelbarer Nähe.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jährliches Kirmes- und Heimatfest am 3. Oktoberwochenende mit:
  • Sportwoche des ESV 1920 Weiterode im Mai
  • Dorffest im August (alle 2 Jahre im Dorf unter der Linde)

Infrastruktur und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größte Straße in Weiterode ist die Landesstraße 3251, die von Bebra nach Wildeck führt und einmal komplett durch Weiterode verläuft. Die nächstgrößeren Straßen in der Umgebung sind die Bundesstraße 27 sowie die Bundesstraße 83. Die nächstgelegenen Autobahnanschlussstellen sind die AS 34 (Wildeck-Hönebach) auf die Bundesautobahn 4 und die AS 83 (Malsfeld) auf die A 7. In Weiterode gibt es zwei Bushaltestellen, von denen allerdings hauptsächlich während der Schulzeit Busse zum Schülertransport fahren.

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Weiterode komplett von Schienen umgeben ist, hat es keinen eigenen Bahnhof oder Bahnhaltepunkt. Der nächste Bahnhof ist in Bebra.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 406.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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