Weitershain

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Weitershain
Stadt Grünberg
Koordinaten: 50° 39′ 58″ N, 8° 57′ 41″ O
Höhe: 323 m ü. NHN
Fläche: 9,26 km²[1]
Einwohner: 475 (30. Jun. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35305
Vorwahl: 06634
Karte
Stadtteile von Grünberg

Weitershain ist ein Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen und hat rund 500 Einwohner.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitershain befindet sich auf der Hochebene des Vorderen Vogelsbergs zwischen Zwester Ohm und dem Lumdatal. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3146.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1265 wird Weitershain als Widradeshagen in den Güterverzeichnissen des Klosters Haina erstmals urkundlich erwähnt. Der Ritter Heiderich von Dalheim (Thalheim) und seine Ehefrau Kunigunde schenken am 16. Dezember 1265 dem obigen Kloster ihrer Sünden halber die Hälfte ihrer Güter in Weitershain (Widradeshagen). Der jährliche Ertrag wird mit 9 Schilling weniger 4 Pfennige genannt. Ebenfalls schenken sie die Hälfte ihrer Güter im Dorf Sickels (Wüstung 4,5 km nordöstlich von Allendorf), die mit 8 Schilling Pfennige, 1 Malter Hafer, 4 Gänse und 4 Hühner angegeben werden. Um 1267 bestimmt ein Walter von Nordeck, dass nach dem Tod seiner Frau die Güter zu Weitershain an den Deutschen Orden in Marburg fallen sollen. 1269, möglicherweise 1270, gibt Hartrad von Merenberg die ihm Walter von Nordeck zu Lehen übertragenen Güter zu Odenhausen, Weitershain, Nordernahe und Stembel als sein Eigentum an. 1282/83 ist der Zehnte zu Weitershain eppsteinisches Lehen der Herren von Nordeck 1341, im Streit zwischen dem Deutschen Orden Marburg und den Erben Walters von Nordeck spricht Graf Johann von Nassau die Güter dem Deutschen Orden zu. Im Jahre 1489 verkauft Kloster Arnsburg den Grünberger Antonitern seinen Besitz zu Weitershain.

Historische Ortsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Weitershain unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Widradeshagen (1265) [Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, Nr. 454, S. 241 f.]
  • Widradeshagen, in (1267) [Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1, Nr. 241]
  • Widradeshan, in (vor 1282/83) [Anfang XIII. Jahrhundert Wagner, Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse, S. 110 Nr. 333]
  • Widratzhen, czu (1369) [Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen), Nr. 1025]
  • Wydertzhayn, im dorffe (14. Jahrhundert) [UB Gießen....]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 wurde Weitershain im Rahmen der Gebietsreform in Hessen ein Stadtteil von Grünberg.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Weitershain lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][4]

Gerichte seit 1803[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Weitershain das „Patrimonialgericht der Freiherren Nordeck zur Rabenau“ in Londorf zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. 1822 traten die Freiherren Nordeck zur Rabenau ihre Recht am Gericht Londorf an das Großherzogtum Hessen ab.[8]Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Weitershain zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[9] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Weitershain wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.[10] Mit Wirkung vom 1. Januar 1882 wurden Weitershain dem Amtsgericht Homberg an der Ohm zugeteilt.[11] Weitershain kam aber bereits zum 1. Juli 1886 an den Sprengel des Grünberger Gerichts zurück.[12]

Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1577: 052 Hausgesesse
• 1669: 193 Seelen
• 1742: 1 Geistlicher/Beamter, 57 Untertanen, 22 Junge Mannschaften, kein Beisasse/Jude
Weitershain: Einwohnerzahlen von 1669 bis 2017
Jahr  Einwohner
1669
  
193
1804
  
448
1830
  
475
1834
  
475
1840
  
499
1846
  
506
1852
  
487
1858
  
434
1864
  
443
1871
  
502
1875
  
478
1885
  
483
1895
  
524
1905
  
524
1910
  
545
1925
  
548
1939
  
496
1946
  
668
1950
  
706
1956
  
554
1961
  
531
1967
  
525
1970
  
522
1987
  
508
2003
  
556
2013
  
505
2017
  
475
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2][1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1830: 465 evangelische Einwohner
• 1961: 481 evangelische, 32 römisch-katholische

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1961: Erwerbspersonen: 178 Land- und Forstwirtschaft, 84 Produzierendes Gewerbe, 19 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 12 Dienstleistungen und Sonstiges.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burschen- und Mädchenschaft Weitershain
  • Freiwillige Feuerwehr Weitershain
  • Jugendfeuerwehr Weitershain
  • Gesangverein "Liederkranz" Weitershain
  • Reit- und Fahrverein Weitershain
  • Schützenverein Weitershain e. V.
  • Tanzgruppe „Teufelchen“
  • VDK-Ortsgruppe Weitershain
  • Sportverein VfL Weitershain

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Einwohnerzahlen. In: Internetauftritt. Stadt Grünberg, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018. (Daten aus Archiv)
  2. a b c d e f Weitershain, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 9. Februar 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 294
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 174, 283 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 6 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 413 (online bei Google Books).
  8. Großherzoglich Hessisches Ministerium des Innern und der Justiz: Abtretung der Partimonial Gerechtsame der Freiherren von Nordeck zur Rabenau in dem Londorfer Grund, zur Ausübung durch den Staat vom 3. April 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1822 Nr. 15, S. 177 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 36,6 MB]).
  9. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  10. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  11. Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Hungen, Lich, Laubach, Grünberg, Homberg, Alsfeld, Vilbel und Friedberg betreffend vom 24. Dezember 1881 (Hess. Reg.Bl. S. 203–204)
  12. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz: Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Grünberg und Homberg betreffend vom 9. April 1886. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1886 Nr. 10, S. 75 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 11,8 MB]).