Weitmar

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Wappen von Bochum
Weitmar
Stadtteil von Bochum
Lage von im Südwest
Koordinaten 51° 27′ 8″ N, 7° 11′ 32″ OKoordinaten: 51° 27′ 8″ N, 7° 11′ 32″ O
Höhe 100 m ü. NHN
Fläche 9,93 km²
Einwohner 27.803 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte 2800 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Apr. 1926
Postleitzahlen 44795, 44797
Gliederung
Bezirk Südwest
Gemarkungen

Mark, Mitte, Bärendorf, Sundern, Neuling

Quelle: [1][2]

Weitmar ist ein Stadtteil von Bochum, der südlich der Innenstadt liegt und an die Stadtteile Linden, Eppendorf, Höntrop, Westenfeld, Hamme, Wiemelhausen und Stiepel grenzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1892 gab es das Amt Weitmar, nachdem die Landgemeinde Weitmar vom Amt Bochum II (Süd) abgetrennt worden war. Durch die kommunale Neugliederung des gesamten Rheinisch-Westfälischen Industriebezirks wurde die Amtsgemeinde Weitmar am 1. April 1926 der Stadt Bochum zugesprochen.[3][4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2021 lebten 27.930 Einwohner in Weitmar (Gesamtwert Weitmar-Mitte und Weitmar-Mark).

Strukturdaten der Bevölkerung in Weitmar (Gesamtwerte Weitmar-Mitte und Weitmar-Mark):

  • Minderjährigenquote: 13,7 % [Bochumer Durchschnitt: 14,9 % (2021)]
  • Altenquote (60 Jahre und älter): 33,0 % [Bochumer Durchschnitt: 28,9 % (2021)]
  • Ausländeranteil: 9,5 % [Bochumer Durchschnitt: 15,2 % (2021)]
  • Arbeitslosenquote: 7,3 % [Bochumer Durchschnitt: 8,9 % (2017)]

Die Chaussee nach Hattingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnhaus auf dem Gelände der ehemaligen Radrennbahn,
Hattinger Straße

Die wichtigste Straße mit fast tausend Hausnummern ist die Hattinger Straße, deren Geschichte schon auf den Hilinciweg zurückreicht und die bis zu ihrer Herabstufung Ende 2009[5] ein Teilstück der Bundesstraße 51 von Bremen nach Saarbrücken bildete. Die Chaussee von Hattingen nach Bochum diente dem Kohletransport von den Ruhr-Bergwerken zu den Verladestationen an der Lippe und war eine der ersten befestigten Überlandstraßen im späteren Ruhrgebiet.

Grünanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom einstigen Waldreichtum stellt das Weitmarer Holz nur noch einen Rest dar; heute ist es Ziel für Ausdauersportler und Spaziergänger. Im angrenzenden Schlosspark Bochum befindet sich das Haus Weitmar. Das zusammenhängende Dürertal und Wiesental bilden einen sich bis zum Wiemelhauser Ortsteil Ehrenfeld ziehenden Grüngürtel.

Schlosspark mit Haus Weitmar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Weitmar, Situation Kunst und Museum unter Tage

Der Schlosspark von Haus Weitmar ist an ein Naherholungsgebiet angeschlossen, das vom Planungsgebiet einer neuen Ruhrgebietsautobahn, der DüBoDo, tangiert wird. Vom Haus selbst ist seit dem Zweiten Weltkrieg nur noch eine Ruine erhalten. In dem Park wurden in den 2000er im Sommer Stücke von Shakespeare von den Schülern der Bochumer Schauspielschule aufgeführt. Eine der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum, die „Situation Kunst (für Max Imdahl)“ mit dem „Museum unter Tage“[6], sowie die „galerie m“ liegen am Schlosspark. Der Ortsteil Bärendorf besaß ein eigenes Rittergut (Haus Bärendorf), von dem jedoch nichts mehr vorzufinden ist.

Bergbau, Industrie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kraftwerk Springorum (um 1975)
Erzeugnis der Rombacher Hütte

Weitmar, unweit des Ruhrufers gelegen, war eines der frühesten Bergbaureviere auf dem Areal der Stadt Bochum. Jahrhundertelanger Stollenbergbau fand seine Fortsetzung in einer Handvoll Tiefbauschächte, so die Zeche Prinz Regent, die Zeche Vereinigte General & Erbstollen oder die Zeche Brockhauser Tiefbau, deren Malakow-Turm heute noch zu den Wahrzeichen von Weitmar gehört.

Außerdem war Weitmar bekannt für sein Stahlwerk Rombacher Hütte des Bochumer Vereins wie auch für die Westfälischen Stahlwerke. Im Gewerbegebiet befindet sich heute unter anderem eine Großraumdiskothek, der Club Taksim, vormals Polonia Palais, Rombach’s, Exhibition und Tarm Center.

Der Bahnhof Bochum-Weitmar lag an der Bahnstrecke Essen-Überruhr–Bochum-Langendreer und der Bahnstrecke Bochum Nord–Bochum-Weitmar. Die vielen stillgelegten Eisenbahnstrecken wie zum Beispiel der Hasenwinkeler Kohlenweg (zur Zeche Hasenwinkel in Dahlhausen) zeugen von seiner frühindustriellen Bedeutung. Weitmar besaß seit 1870 einen eigenen Bahnhof an dieser Trasse, die über Zeche Prinz Regent an eine 3,92 km lange Strecke via Wiemelhausen an den Bahnhof Bochum Nord angebunden war. Der Personen- und Gepäckverkehr wurde von der Königlichen Eisenbahndirektion in Essen jedoch am 1. Mai 1906 eingestellt. Heute dient diese schnurgerade Trasse als innerstädtischer Fahrradweg.

Personenverkehr auf der Schiene gibt es in Weitmar nur noch auf der Hattinger Straße auf der Straßenbahnlinie 308/318 von Gerthe nach Hattingen bzw. Dahlhausen. Es existiert eine Anschlussstelle der Bundesautobahn 448.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Matthäuskirche wurde 1868 eingeweiht, im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1953 wieder aufgebaut.[7]

1883 begann der Bau der katholischen Kirche St. Franziskus, die die damalige Kapelle der 1863 gegründeten Pfarrei ersetzte. Sie wurde am Palmsonntag 1885 gesegnet. Am 9. Oktober 1944 wurde sie bei einem Luftangriff fast vollständig zerstört, lediglich der Turm blieb stehen. Nachdem 1946 in den Ruinen eine Notkirche errichtet worden war, begann drei Jahre später der Bau der heutigen Kirche.[8]

Die katholische Heimkehrer-Dankeskirche unter dem Patrozinium der Heiligen Familie wurde auf Initiative des Vikars August Halbe von 1956 bis 1959 gebaut. Seit 2005 steht sie unter Denkmalschutz. Seit 2009 ist sie Filialkirche von St. Franziskus. 2016 wurde in der Kirche eine Gedenkstätte eingerichtet, die an Abbé Franz Stock erinnert.

Die katholische Vierzehnheiligen-Kirche am Graffring in Bärendorf wurde 1956/1957 nach Plänen von Kurt Hubert Vieth erbaut.[9] Die südliche Fassade war als Wandbild aus Terrazzo gestaltet, das die namengebenden vierzehn Nothelfer zeigte.[10] 2010 wurde die Kirche geschlossen und es den Gemeindemitgliedern untersagt, darin weiterhin Wortgottesdienste zu halten.[11] Im Frühjahr 2014 wurde die Kirche abgerissen. Bitterkeit löste auch aus, dass das große Kreuz über dem Altar beim Abriss im Bauschutt lag.[12]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitmar ist heute noch die Heimat von vier Fußballvereinen:

  • SV Blau-Weiß Weitmar 09 (gegründet 1909) ist 2001 aus einer Fusion von Westfalia Weitmar und SG Blau-Weiß Weitmar entstanden. Westfalia Weitmar war lange Zeit die sportliche 'Nr. 1' am Ort und nahm einmal am DFB-Pokal teil. Die Sportanlage Erbstollen ist wie die gleichnamige Stichstraße nach der einst direkt nebenan beheimateten Zeche Carl Friedrich Erbstollen benannt. In den Jahren 1985–1986 wurde die 1. Mannschaft vom späteren Bundesligatrainer Peter Neururer trainiert. Mit Annike Krahn brachte die Westfalia eine spätere Weltmeisterin hervor.
  • DJK Rasensport Weitmar entstand 1909 als Sportgruppe der katholischen Kirchengemeinde und gehört bis heute dem Sportverband Deutsche Jugendkraft an. „Rasensport“ teilt sich den Kunstrasen am Waldschlösschen mit dem
  • SC Weitmar 45. Der aktuelle Bezirksligist entstand bereits 1928 als „Sparta Blumenfeld“ und war die Mannschaft der Bergleute der Zeche Vereinigte General & Erbstollen. Der Verein verfügt über eine Kunstrasenplatzanlage.
  • Genclerbirligi Weitmar ist der Verein der türkischen Gastarbeiter. Der Vereinsname bedeutet etwa 'Jugendvereinigung'.

Der Tischtennisverein TTG Weitmar-Munscheid spielte 2002/03 in der Bundesliga. Als Weitmarer TTC Bochum ist der Verein noch immer mit mehreren Mannschaften im Tischtennissport vertreten.

Eingang des Schwimmbads des SV Blau-Weiß Bochum von 1896 e. V. im Wiesental

Im Grüngebiet Wiesental ist mit dem SV Blau-Weiß Bochum einer der größten deutschen Schwimmvereine beheimatet.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die städtische Brantrop-Grundschule 2012 geschlossen und 2015 abgerissen wurde, bestehen in Weitmar noch die fünf Grundschulen

und die beiden Gesamtschulen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von den Nationalsozialisten 1943 ermordete Kommunalpolitiker (SPD) und Widerstandskämpfer Heinrich König wurde 1886 in Weitmar geboren. Von 1919 bis 1924 war er der erste sozialdemokratische Gemeindevorsteher Weitmars und danach bis zur Eingemeindung Weitmars nach Bochum am 1. April 1926 Amtsverordneter des Amtes Weitmar. Auf seine Initiative hin wurde von 1924 bis 1925 der ans Weitmarer Holz grenzende Kommunalfriedhof Weitmar angelegt. Auf diesem befindet sich sein Grab sowie eine an ihn erinnernde Gedenkstätte, die zu seinem 90. Geburtstag 1976 eingeweiht wurde. Die von der Hattinger Straße nach Weitmar-Mark führende Heinrich-König-Straße führt an dem Friedhof vorbei. Am Amtshaus Weitmar in Weitmar-Mitte erinnern eine Gedenktafel und eine Infotafel an König.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst-Albrecht Plieg, Michael Wolter: Weitmar, Landkreis Bochum: Biographie einer Amtsgemeinde im Ruhrgebiet, 1. Oktober 1892 – 1. April 1926. Schriftenreihe der Volkshochschule Bochum, 2000, 343 Seiten, Horb am Neckar: Geiger, ISBN 3-89570-648-5
  • Wolfgang Werbeck: Geschichte der Ev. Kirchengemeinde Weitmar
  • Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. Verlag Langewiesche Nachfolger, Königstein im Taunus, 6. Aufl. 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9, S. 158–159 (zu den Zechen in Weitmar).
  • Johann C. Petersen: Der Kirchsprengel Weitmar, 1823, Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bochum-Weitmar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bochum 2017 ([1])
  2. Die Einwohnerzahlen sind nach statistischen Bezirken und nicht nach den Gemarkungen angegeben, die Zahlen hierfür sind im Artikel Einwohnerentwicklung von Bochum
  3. Ernst-Albrecht Plieg, Michael Wolter: Weitmar, Landkreis Bochum: Biographie einer Amtsgemeinde im Ruhrgebiet, 1. Oktober 1892 – 1. April 1926
  4. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 292.
  5. Ratsinformationssystem der Stadt Bochum: ris.bochum.de, Vorlage 20100815
  6. Situation Kunst
  7. Matthäuskirche.
  8. Sven Westernströer: Kirchenjubiläum – St. Franziskus feiert 150-Jähriges. In: waz.de. 24. September 2013, abgerufen am 18. Mai 2020.
  9. Bauten von Kurt Hubert Vieth in Bochum, abgerufen am 15. Dezember 2021.
  10. artibeau : kunst in bochum - umsonst und draußen, abgerufen am 15. Dezember 2021.
  11. Armin Mattes: Bochum-Weitmar: Kirche gegen Kirche. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. März 2011, S. 2.
  12. Eine Kirche in Schutt und Asche. Vierzehnheiligen ist Geschichte - Abriss dauerte vier Wochen. In: Vor Ort ... in Weitmar und Eppendorf, Heft Juni 2014, S. 3–4.
  13. Johannes Volker Wagner: ...nur Mut, sei Kämpfer! Heinrich König – Ein Leben für die Freiheit. Studienverlag Dr. N. Brockmeyer, Bochum 1976, ISBN 3-921543-52-5 (234 S.).