Wellblech

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Slumdächer aus Wellblech

Als Wellblech bezeichnet man eine Platte aus Blech, die durch ihren wellenförmig gestalteten Querschnitt auch bei geringer Stärke des Blechs eine hohe Steifigkeit und Tragfähigkeit erreicht.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wellblech besteht normalerweise aus feuerverzinktem Stahl. Seltener ist die Beschichtung mit einer Zink-Aluminium-Legierung (Galvalume). Das Wellblech kann sowohl gerade gestreckt als auch zu einer Zylinderfläche gebogen sein. Die zuerst hergestellten Wellbleche besaßen eine nur geringe Amplitude, heute stellt man Bleche mit 20 cm Tiefe bei 0,5 mm Blechdicke her. Die Herstellung erfolgt hauptsächlich durch Walzprofilieren bzw. Breitbandprofilieren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Maschine zur manuellen Herstellung von Wellblech
Wellblechbeplankung einer Junkers Ju 52
Wellblechsicken an einem Citroën Typ H

Der Ingenieur bei den London Docks, Henry Robinson Palmer, gilt als Erfinder, der sich das Wellblech 1829 patentieren ließ.[1] Nach dem Auslaufen des Patents im Jahr 1843 wurde das Wellblech zum weltweiten Baumaterial. Schon Mitte der Fünfzigerjahre des 19. Jahrhunderts wurde es als Dachdeckmaterial in England angewendet. Bei der Eroberung des Westens des USA und ab 1900 in Australien und Neuseeland wurde Wellblech als improvisiertes Baumaterial verwendet.[2][3]

Der Barmer Industrielle Carl Ludwig Wesenfeld schuf die Voraussetzung für die weite Verbreitung und Anwendung dieser Technik sowohl als Baustoff als auch im Maschinenbau, indem er ein Wellblech erfand, bei dem die Wellenhöhe größer als die halbe Wellenbreite angeordnet ist.[4][5]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wellblech wird als raumabschließendes Element, häufig als Dachbedeckung, verwendet. Große Verbreitung hat es bei Industriegebäuden und in Slums. Das französische Wort für Slum, Bidonville, kommt von französisch bidon = Blechkanister.[3]

Auch Flugzeuge wurden bereits aus Aluminium-Wellblech gebaut. Besonders bekannt ist die Junkers Ju 52/3m. Der Lieferwagen Citroën Typ H sowie die frühen Exemplare des Citroën 2CV (Ente) bestanden teilweise aus gesickten und damit wellblechartig profilierten Blechen.

Im ersten Weltkrieg wurde mobile Wellblechgebäude („Nissenhütten“) erfunden.[6] Diese Nissenhütten, heute auch Rundbogenhallen genannt, sind auch heute noch beliebt, aufgrund des geringen Platzbedarfs und da sie im Vergleich zu Hallen aus Trapezblech niedrige statische Anforderungen an die Konstruktion stellen (abhängig vom Standort bezüglich Schneelast und Windlast) und durch die mobile Bauweise auch ohne Baugenehmigung aufstellbar sind.

Nissenhütte im Panzermuseum Munster

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verzeichniß der zu London im Jahre 1829 ertheilten Patente. In: Polytechnisches Journal. 32, 1829, Miszelle 1, S. 446–447.
  2. History of Corrugated Metal Roofing
  3. a b History of Corrugated Iron
  4. Ludwig Darmstaedter: Handbuch zur Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik. In chronologischer Darstellung. 2., umgearbeitete und vermehrte Auflage. Singer, Berlin 1908, Seite 735
  5. Ernst Walter Röhrig: Zur Geschichte der Familie Wesenfeld. Band I., Barmen 1929, S. 74
  6. Francis Nenik: XO (Roman), bes. S. 567ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wellblech – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wellblech – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen