Trentino

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Autonome Provinz Trient
Provincia autonoma di Trento
Wappen
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Über dieses Bild
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Hauptstadt: Trient
Fläche: 6.206,90 km² (8.)
Einwohner: 536.237 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 86,4 Einwohner/km²
Anzahl Gemeinden: 210
Kfz-Kennzeichen: TN
ISO-3166-2-Kennung: IT-TN
Landeshauptmann: Ugo Rossi (PATT)
Website: www.provincia.tn.it
Trento mappa.png

Das Trentino (Welschtirol, amtlich Autonome Provinz Trient; italienisch Provincia autonoma di Trento) ist eine Provinz im Norden Italiens und bildet zusammen mit Südtirol die autonome Region Trentino-Südtirol. Hauptstadt ist Trient.

Das Trentino ist zudem Teilglied der Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino, die im Wesentlichen dem Gebiet des Kronlandes Tirol des früheren Kaisertums Österreich und der nachfolgenden Österreichisch-Ungarischen Monarchie entspricht.

Der Name[Bearbeiten]

Der Name Trentino bezeichnete ursprünglich ab dem 17. Jahrhundert das Land um die Stadt Trient (ältester Beleg 1670).[2] Die Bewohner der Stadt wurden Trentini genannt. Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Bezeichnung im Zuge der Sezessionsbestrebungen italienischer Nationalisten von Tirol bzw. Österreich auf das gesamte Gebiet der beiden Tiroler Kreise Trient und Rovereto ausgedehnt. Die beiden im Zuge der Verwaltungsreform von 1803 errichteten Kreise umfassten die geschlossen italienisch besiedelten Gebiete Tirols, das ladinische Fassatal und weitere von Ladinern und Deutschen bewohnte Sprachinseln. Im Wesentlichen war damit das Gebiet der heutigen Autonomen Provinz Trient gemeint.

Erstmals im nationalpolitischen Sinne gebraucht wurde die Bezeichnung Trentino 1810 vom Juristen und ehemaligen Hofkanzler des Hochstifts Trient Francesco Vigilio Barbacovi.[3] Die Bezeichnungen Trentino und Trentini wurden von der italienischen Nationalbewegung ab 1866 allgemein im nationalpolitischen Gegensatz zu Tirol und Tiroler gebraucht.[4] Unter den italienischen Tirolern (Welschtiroler) bezeichneten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts italienisch Gesinnte zunehmend als Trentini, österreichisch Gesinnte als Tiroler.

Das heutige Trentino wurde bis 1918 als Welschtirol (auch Welsch-Tirol), Welschsüdtirol oder schlicht Südtirol bezeichnet. Die Südtirol entsprechende Bezeichnung Tirolo Meridionale lebt in der Bezeichnung des Trentiner (Welschtiroler) Schützenbundes[5] weiter. Hervorgehoben wird die Zugehörigkeit zu Alttirol auch im Namen des PATT (Partito Autonomista Trentino Tirolese), einer auf Autonomie bedachten Regionalpartei, die den Landeshauptmann stellt.

Amtlich trägt das Gebiet heute den Namen Autonome Provinz Trient, umgangssprachlich ist meist von Trentino die Rede. Amtliche Bedeutung erhielt die Bezeichnung im Namen der 1948 errichteten Region Trentino-Südtirol, seit 1972 Autonome Region Trentino-Südtirol.

In den Minderheitensprachen wird das Trentino amtlich als Provinzia Autonoma de Trent (auf Ladinisch), Autonoma Provinz vo Tria (auf Zimbrisch) und Autonome Provinz va Trea’t (auf Fersentalerisch) bezeichnet.

Sprachen[Bearbeiten]

Minderheitensprachen im Trentino.
Volkszählung 2011

Im Gegensatz zu Südtirol wird im Trentino großteils Italienisch bzw. ein italienischer Mischdialekt gesprochen. Einen einheitlichen Trentiner Dialekt gibt es nicht. Im Westen sind lombardische Einflüsse bemerkbar, im Osten, insbesondere in der Region Primiero und im unteren Suganertal, werden venetische Dialekte gesprochen. Dazwischen liegt ein sprachliches Übergangsgebiet, in dem auch Trient liegt; dieser Trentiner Dialekt wird ebenfalls am stärksten vom Venetischen beeinflusst.[6] Vereinzelt kommen im Trentiner Dialekt auch vom Deutschen bzw. Bairischen abgeleitete Wörter vor.[7]

Deutsche Mundarten, die dem Bairischen zuzuordnen sind, werden in den Sprachinseln der Zimbern (italienisch Cimbri) und Fersentaler (italienisch Mocheni) gesprochen, die als jeweils eigenständige Sprachen anerkannt sind. Während das Zimbrische noch von fast der gesamten Dorfbevölkerung in Luserna/Lusern gesprochen wird, ist es in Lavarone/Lafraun/Lavróu und Folgaria/Vielgereuth/Folgrait in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Fersentalerisch wird in Fierozzo/Florutz/Vlarötz, Palù del Fersina/Palai im Fersental/Palae en Bersntol und Frassilongo/Gereut/Garait, einschließlich Roveda/Eichleit/Oachlait gesprochen. Darüber hinaus wurde noch bis ins frühe 19. Jahrhundert in ausgedehnten Gebieten des Trentino Deutsch oder Ladinisch gesprochen.

Die Sprachgrenze verlief bis um 1800 rund 15 Kilometer südlich von Salurn bei der Einmündung des Noce (dt. Ulz) und des Avisio (dt. Efeis) in die Etsch. Das gesamte links der Etsch gelegene Gebiet einschließlich der Stadt Trient (ausgenommen die Täler am Avisio und das Gericht Ivano in der Unteren Valsugana) hatten vom 11. bis 17. Jahrhundert, teils darüber hinaus, eine deutsche Mehrheit oder eine starke deutsche Minderheit.[8] Das Cembratal, Fleimstal (ausgenommen die deutschen Orte Altrei und Truden) sowie der Nonsberg (ohne Deutschnonsberg) und der Sulzberg waren ladinisch.[9]

Das italienische Trentino entstand in seiner heute kompakten Form erst durch eine intensive Italianisierungsphase durch ethnische Homogenisierung seit Mitte des 18. Jahrhunderts.

In einigen Tälern, namentlich im Fassatal (lad. Val de Fascia), ist die ladinische Sprache in Gebrauch. Anerkannte ladinische Gemeinden sind Campitello di Fassa/Ciampedel, Canazei/Cianacei, Mazzin/Mazin, Moena, Pozza di Fassa/Poza, Soraga/Sorèga, Vigo di Fassa/Vich. Am Nonsberg (lad. Val de Non) und vereinzelt noch am Sulzberg (lad. Val de Sol) werden die Idiome Nones und Solander gesprochen, deren Anerkennung als Ladinisch bislang erfolglos geblieben ist.

Seit der Volkszählung von 2001 können die Bürger des Trentino ihre Zugehörigkeit zu einer sprachlichen Minderheit – ladinische, fersentalerische oder zimbrische – angeben. Bei der letzten Volkszählung 2011 haben sich im Nonstal erstmals mehr Ladiner als im Fassatal erklärt.[10] [11]

Minderheit 2001
Sprecheranzahl[12]
2001
Anteil an der
Gesamtbevölkerung
2011
Sprecheranzahl[13]
2011
Anteil an der
Gesamtbevölkerung
Ladinisch 16.462 3,5 % 18.550 3,5 %
Fersentalerisch 2.276 0,5 % 1.660 0,3 %
Zimbrisch 882 0,2 % 1.072 0,2 %

Geographie[Bearbeiten]

Gardasee, Blick auf das Nordufer
Seepromenade in Riva del Garda

Das Trentino ist 6.206 km² groß und hat 536.237 Einwohner (31. Dezember 2013).

Die Provinz grenzt nördlich an Südtirol, im Osten und Süden an Venetien, im Westen an die Lombardei.

Das Land ist sehr gebirgig und wird von der Etsch durchflossen. Es bildet einen Teil der Brennerlinie und reicht von der Salurner Klause im Norden bis ca. 15 km vor die Veroneser Klause bzw. bis zum Gardasee im Süden.

Es gliedert sich in sechs große Talschaften: In der Mitte von Nord nach Süd das Etschtal (südlich von Trient die Vallagarina (Lagertal)), im Westen die Giudicarie (Judikarien) und das Val di Sole, im Osten das Fleimstal (Val di Fiemme) – mit dem Fassatal und der Valsugana (Suganertal) und schließlich im Südwesten zwischen Vallagarina und Giudicarie das untere Sarcatal mit dem Gardasee.

Die Vallagarina und das untere Sarcatal sind die tiefstgelegenen Täler der Alpen.

Der höchste Berg des Trentino ist der Monte Cevedale (3769 m s.l.m.) in der Ortlergruppe, weitere bedeutende Gipfel sind:

Zur Autonomen Provinz Trient gehört auch der nördliche Teil des Gardasees mit den Touristenorten Riva del Garda und Torbole.

Talgemeinschaften[Bearbeiten]

Administrative Einteilung in 16 Distrikte seit 2006
Historische Einteilung in 11 Distrikte bis zum Jahr 2006

Ähnlich wie Südtirol ist das Trentino in Gemeinschaften unterteilt, die aber seit 2010 nicht mehr Bezirksgemeinschaften, sondern Talgemeinschaften (ital. Comunità di valle) genannt werden. Im Zuge dieser Gebietsreform ist die Anzahl von 11 auf 15 Gemeinschaften gestiegen. Die vormalige Bezirksgemeinschaft Valle dell’Adige ist abgeschafft worden: Deren Funktionen übernimmt unmittelbar die Landeshauptstadt Trient und übt sie auch für die Gemeinden Aldeno, Garniga Terme und Cimone aus.

Talgemeinschaft Deutscher Name Hauptort Fläche Bevölkerung
Alta Valsugana e Bersntol Oberes Suganertal und Fersental Pergine Valsugana 0394 km² 49.833
Alto Garda e Ledro Oberer Gardasee und Ledrotal Riva del Garda 0353 km² 46.315
Altipiani Cimbri Hochebene Lavarone 0106 km² 4.548
Valle di Cembra Zimmerstal Faver 0135 km² 11.315
Fascia Fassatal Pozza di Fassa 0318 km² 9.530
Paganella Andalo 0 97 km² 4.810
Primiero Primör Tonadico 0413 km² 10.097
Rotaliana-Königsberg Mezzocorona 0 95 km² 27.799
Val di Fiemme Fleimstal Cavalese 0415 km² 19.364
Val di Non Nonsberg Cles 0596 km² 38.693
Val di Sole Sulzberg Malè 0609 km² 15.510
Vallagarina Lagertal Rovereto 0694 km² 85.025
Valle dei Laghi Sarchetal Vezzano 0140 km² 10.023
Valli Giudicarie Judikarien Tione di Trento 1.176 km² 37.098
Valsugana e Tesino Suganertal und Tesin Borgo Valsugana 0578 km² 26.741

Gemeinden[Bearbeiten]

Die Autonome Provinz Trient zählte zum 1. Januar 2015 210 Gemeinden. Die größten davon sind:

Gemeinde Bevölkerung
Trient 117,285
Rovereto 38,905
Pergine Valsugana 20,950
Arco 17,199
Riva del Garda 16,733
Mori 9.737
Ala 8.966
Lavis 8.845
Levico Terme 7.776
Stand: 31. Dezember 2013

Geschichte[Bearbeiten]

Das Trentino repräsentiert mit Südtirol die Verbindungsregion zwischen dem mediterranen und dem zirkumalpinen Raum. Die Besiedlung des Trentino beginnt – außer seltenen mittelpaläolithischen Spuren – im Spätpaläolithikum. Es können Siedlungszonen im Gebirge und im Tal unterschieden werden, wobei von über 200 Fundstellen lediglich zehn im Tal liegen. Dies ist durch die massiven Talablagerungen erklärbar. Bei den Talfundstellen handelt es sich im Etschtal um 23 Abris mit umfassender Stratigraphie, die auf das Altmesolithikum zurückgeht und im Spätmesolithikum zunimmt (Sesshaftwerdung). Während der Neolithisierung wurden die Felsdächer zunächst aufgelassen und Freilandstationen bevorzugt. Die Phase 2 der Vasi a bocca quadrata-Kultur (VBQ) konnte für diesen Zeithorizont erstmals in Isera la Torretta bei Rovereto nachgewiesen werden.

Die mächtige Schichtenabfolge mit fünf Horizonten bestand aus:

  • VBQ 3 mit Ritz- und Stichverzierungen (in Isera 1)
  • VBQ 3 mit Verzierungen mit Chassey-Einflüssen (in Isera 2) und Fiave-Castelaz di Cagno (in Isera 3 und 4)
  • sowie Keramik mit glatten Leisten vom Typ Tamins-Carasso (Isera 5).

In Isera 1 und 2 wurden erstmals Höhensiedlungen in strategisch günstiger Lage besiedelt. In Isera 3 und 4 wurden auch Abris wieder genutzt. Die Feuchtbodensiedlung tritt als neue Besiedlungsart auf. Isera 5 brachte die Verarmung der Keramik und ihrer Zierelemente. Charakteristisch wurde die Verbreitung der metallurgischen Tätigkeit. Die meisten Felsdächer wurden erneut genutzt, allerdings in Zusammenhang mit der Transhumanz, der Kupferverarbeitung sowie für Grabanlagen. Die Verarmung der keramischen Formen wurde als Folge der nun notwendigen Mobilität erklärt.

Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus geriet das Gebiet des heutigen Trentino unter römische Herrschaft. Ob es sich bei dem Ort Tridentum (Trient) um eine keltische oder rätische Gründung ist, gilt als ungeklärt. Belegt ist sie seit dem 1. vorchristlichen Jahrhundert. Um 50 bis 40 v. Chr. wurde Tridentum zum römischen Municipium erhoben und nach römischer Verwaltungsgliederung das umliegende Land dem Municipium als Territorium zugewiesen. Das Gebiet der römischen Stadt umfasste weitgehend das Gebiet der heutigen Provinz Trient ausgenommen die Untere Valsugana, Primiero und das Fassatal, dafür einschließlich des Südtiroler Unterlandes mit Bozen und dem Etschtal bis zur Einmündung der Passer in die Etsch und im Eisacktal bis zur Einmündung des Tinnebaches in den Eisack südlich von Klausen.

Das Gebiet wurde im 4./5. Jahrhundert christianisiert und Trient Bischofssitz. Ende des Jahres 400 erlitt Bischof Vigilius in der Val Rendena das Martyrium. Er wird von 385 bis 400 als dritter Bischof von Trient gezählt.

Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches gelangte das heutige Trentino unter die Herrschaft der Ostgoten. 568/569 folgte die Eroberung durch die Langobarden. Sie errichteten auf dem Gebiet des ehemaligen Municipiums Tridentum das langobardische Herzogtum Trient, das zu den bedeutendsten des Langobardenreiches zählte. Bereits im 7. Jahrhundert musste das Gebiet von Bozen nördlich von Branzoll und links der Etsch bis zur Passer an die Baiern abgetreten werden.

Mit der Eingliederung der Langobardia Maior 774 in das Frankenreich unter Karolinger Karl dem Großen wurde die karolingische Verwaltungseinteilung eingeführt. Das langobardische Herzogtum wurde zur fränkischen Grafschaft der langobardischen Krone.

Im Jahre 952 trennte Otto I., König des Ostfrankenreiches, seit 951 auch König von Italien und späterer Kaiser die Markgrafschaft Verona vom Regnum Italicum und gliederte es dem Stammesherzogtum Baiern an, darunter auch die Grafschaft Trient, die damit Teil des Regnum Teutonicum wurde. Ab dieser Zeit setzte nach der langobardischen Einwanderung des 6. Jahrhunderts eine deutsche, hauptsächlich bairischen Siedlungstätigkeit auch in Teilen des heutigen Trentino und südwärts darüber hinaus ein.

Die Grafschaft Trient wurde 1027 von Kaiser Konrad II. im Zuge des Reichskirchensystems innerhalb des Herzogtums Baiern dem Bischof von Trient zum Lehen gegeben. Der Bischof wurde gleichzeitig zum Reichsfürsten erhoben. Durch den südlichen Teil des Herzogtums Baierns führte die wichtigsten Pässe nach Reichsitalien. Die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser sahen sie in der Hand der Bischöfe in sicherer Hand als in jener eines eventuell aufmüpfigen Adels.

Im Norden brachten die mit dem mächtigen Welfen verwandten Grafen von Eppan und Ulten die zwischen der Töll bei Meran und der Salurner Klause rechts der Etsch gelegenen Teile des heutigen Südtirol unter ihre Kontrolle und entzogen sie den Fürstbischöfen von Trient. Nach ihrem Aussterben 1250 gingen das Ultental, mittlere Etschtal, Überetsch und Unterland an die Grafen von Tirol über, die auch die Vögte des Hochstifts Trient waren. Weitere Teile, so das Gebiet südlich von Salurn bis zur Einmündung von Noce und Avisio kamen direkt zur Grafschaft Tirol, ebenso Herrschaften am Nonsberg, im Fleimstal und in der Valsugana. 1282 erlangte die Grafschaft Tirol die Reichsunmittelbarkeit und schied aus dem Herzogtum Baiern aus.

1363 ging die Grafschaft Tirol auf dem Erbweg von den Grafen von Tirol an die Habsburger über, ebenso ihr Amt als Erbvögte der Hochstifte Trient und Brixen. In den Kompaktaten desselben Jahres wurde eine Staatenbund unter Führung der Grafschaft Tirol geschlossen, der auch die beiden geistlichen Reichsfürstentümer umfasste. Außenpolitik und Verteidigung für alle drei Länder gingen auf die Grafen von Tirol über.

Die östlichen Teile des heutigen Trentino gehörten nie zum geistlichen Reichsfürstentum Trient. Das Fassatal wurde im 11. Jahrhundert ein Teil des Hochstifts Brixen, die Untere Valsugana und Primiero des Hochstifts Feltre. Die Gebiete Feltres wurden im 14. Jahrhundert von den Habsburgern für Tirol gewonnen. Nachdem 1487 mit der Schlacht von Calliano südlich von Trient durch Tirol der 1410 begonne Eroberungszug Venedigs gestoppt werden konnte, eroberte 1508 Kaiser Maximilian I. die von Venedig besetzten Gebiete des Hochstifts Trient wieder zurück. Teilweise gab er diese links der Etsch stark deutsch besiedelten Gebiete den Fürstbischöfen zurück, teilweise unterstellte er sie als „Welsche Confinen“ zur Grenzsicherung gegen Venedig direkt der Grafschaft Tirol.

War das Gebiet des Hochstifts Trient bereits seit dem 13. Jahrhundert indirekter Teil der Graftschaft Tirol wurde das geistliche Reichsfürstentum 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluß mediatisiert und nunmehr direkt der Grafschaft Tirol eingegliedert.

Vom Territorium des heutigen Trentino gehörten vor 1803

  • 54,1 % zum Hochstift Trient (mit 57,8 % der damaligen Einwohner)
  • 40,8 % zur Grafschaft Tirol (40,6 % der Einwohner)
  • und 5,1 % zum Hochstift Brixen (1,6 % der Einwohner).[14]

Mit dem Friede von Preßburg wurde das als Tirolo meridionale, Welschtirol oder Tirolo italiano bezeichnete Gebiet nach der Niederlage Österreichs in der Schlacht von Austerlitz 1805 an das im Dritten Koalitionskrieg mit Napoleon I. verbündete Bayern zugesprochen. Im Zuge der bayerischen Verwaltungsreform von 1808 wurden die beiden österreichischen Kreise Rovereto und Trient zum Etschkreis und damit das heutige Trentino erstmals in einer einzigen Verwaltungseinheit zusammengefasst. 1809 nahm Welschtirol am Tiroler Freiheitskampf unter Andreas Hofer teil. Nach Napoleons Sieg in der Schlacht bei Wagram und dem Friede von Schönbrunn besetzten französische und verbündete Truppen erneut Tirol. Im Februar 1810 trennte Napoleon Bonaparte den Etschkreis und Bayern und gliederte ihn als Dipartimento Alto Adige dem von seinem Schwiegersohn Eugène Beauharnais für Napoleon regierten norditalienischen Königreich Italien an. Ebenso einen Teil des bayerischen Eisackkreises um Bozen samt dem Südtiroler Unterland. 1813 befreiten sich die Tiroler in einer Volkserhebung von der italienisch-französischen Herrschaft. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde das heutige Trentino wieder ein Teil Tirols und Österreichs.

Das historische Tirol in den Grenzen vor dem Ersten Weltkrieg

Nach 1815 wurden Teile von Adel und Bürgertum, vor allem Freiberufler von der italienischen Nationalbewegung erfasst. Sie behaupteten, Welschtirol habe vor 1803 zur Gänze zum Hochstift Trient gehört und sei erst seit kurzem gegen seinen Willen ein Teil Tirols. Zudem sei Welschtirol einheitlich von Italienern bewohnt. Die ladinische und deutsche Präsenz wurde geleugnet.

Auch nach dem Krieg von 1866, wonach die Habsburger ihre letzten Besitzungen in Italien räumen mussten, blieb das Trentino unter der Herrschaft der Habsburger (Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn). Der italienische Irredentismus bemühte sich, auch das Trentino mit seiner italienischsprachigen Bevölkerung mit dem neugegründeten Königreich Italien zu vereinen. Seit 1866 erhob eine radikale Strömung des italienischen Nationalismus Gebietsansprüche über den von Italienern bewohnten Raum hinaus. Gefordert wurde der Alpenhauptkamm als Nordgrenze Italiens. Eine Forderung, die sich direkt gegen die Schweiz und Österreich richtete. Nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti am Ende des Ersten Weltkriegs bzw. offiziell mit dem nachfolgenden Vertrag von Saint-Germain wurde das Trentino von italienischen Truppen besetzt und am 10. Oktober 1920 von Italien annektiert. Gleichzeitig erfolgte auch die Annexion Deutschsüdtirols und des von Ladinern bewohnten Teils von Tirol. Noch kurz vor dem Kriegseintritt Italiens hatte Alcide Degasperi als Abgeordneter zum österreichischen Reichsrat die Gewissheit gegenüber dem österreichischen Botschafter in Rom, Karl von Macchio geäußert, dass bei einer Volksabstimmung 90 Prozent der Italiener Tirols für den Verbleib bei Österreich stimmen würden.[15] Im Ersten Weltkrieg kämpften rund 60.000 Welschtiroler in den Reihen der Österreich-Ungarischen Armee gegen Italien und an der Ostfront;[16] 10.500 Soldaten verloren dabei ihr Leben.[17] Rund 750 Trentiner desertierten und kämpften in den Reihen der Italienischen Armee gegen Österreich.[18]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die neu annektierten Gebiete Tirols als Venezia-Tridentina von einem italienischen Zivilkommissar verwaltet. Mit der Machtübernahme des italienischen Faschismus wurde am 21. Januar 1923 die Provinz Trient errichtet, der auch die ladinischen Gebiete und Südtirol unterstanden. Im selben Jahr wurden die ladinischen Täler Ampezzo und Buchenstein (lad. Fodom, ital. Livinallongo) der Provinz Belluno angeschlossen. 1927 wurde mit der Errichtung einer eigenen Provinz Bozen der größte Teil Südtirols von der Provinz Trient gelöst. Bei Trient blieben das Südtiroler Unterland sowie die deutschen Gemeinden des Fleimstals und der Deutschnonsberg. 1929 wurde Pedemonte von der Provinz Trient ausgegliedert und der Provinz Vicenza zugeschlagen. 1934 wurden dann die Gemeinden Valvestino und Magasa der Provinz Brescia angegliedert.

Mit der deutschen Besetzung Italiens im Zweiten Weltkrieg wurden die ehemaligen Tiroler Gebiete Italiens im September 1943 nicht von Italien getrennt, aber mit der Operationszone Alpenvorland (OZAV) einer deutschen Zivilverwaltung unterstellt. Die deutschen Gemeinden der Provinz Trient mit Ausnahme der Sprachinseln wurden mit der Provinz Bozen vereint.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dem Trentino, insbesondere der Stadt Trient, eine wichtige Rolle innerhalb der neugegründeten Region Trentino-Tiroler Etschland zu. Italiens Ministerpräsident Alcide De Gasperi, selbst ein Trentiner aus Pieve Tesino, sorgte dafür, dass seinen Landsleuten eine weitgehende Autonomie zuerkannt wurde, wie sie ursprünglich nur für Südtirol vorgesehen war.

Die Regionalregierung in Trient, wo die Italiener in der Mehrheit waren, war auch weitestgehend für die Belange der Südtiroler zuständig, was bei diesen für Unmut sorgte, weil damit die im Gruber-De-Gasperi-Abkommen versprochene Selbstverwaltung Südtirols umgangen wurde.

Nach dem Autonomiestatut von 1972 hat das Trentino seine Autonomie beibehalten und zum Teil sogar ausbauen können: Allerdings ist es von Südtirol fast vollständig abgekoppelt worden und die Region hat nur mehr eine koordinierende Funktion zwischen den Provinzen.

Bei Tesero in Val di Stava brach am 19. Juli 1985 der Damm eines Absetzbeckens eines Bergwerks und verursachte eine Flutwelle, die 268 Todesopfer forderte. In der Ortschaft Cavalese ereigneten sich zwei schwere Unglücke der zum Monte Cermis führenden Luftseilbahn.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war das Trentino noch eine abgelegene, überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region, erlebte aber in den Folgejahren des miracolo economico (Wirtschaftswunder) wie die Nachbarregionen Südtirol, Venetien und Friaul einen beträchtlichen Wirtschaftsaufschwung und gehört heute zu den wirtschaftlich erfolgreichsten und wohlhabendsten Italiens.

Autonomie und Politik[Bearbeiten]

Das Trentino ist eine Autonome Provinz und genießt dementsprechende Sonderrechte, die im Statut der Region Trentino-Südtirol verankert sind. Das Land hat weitgehende Kompetenzen in den Bereichen Raumordnung, Handwerk, Messen und Märkte, Jagd und Fischerei, Kommunikations- und Transportwesen, Fremdenverkehr und Gastgewerbe, Landwirtschaft, Kindergärten, Schulbau.

Große Teile der vom Staat eingetriebenen Steuern fließen in die Landeskassen zurück, von der Mehrwertsteuer bis hin zur Einkommens- und Körperschaftssteuer. Dafür muss das Land Funktionen wahrnehmen (wie z. B. das Schulwesen), die im übrigen Italien vom Staat ausgeübt werden, und diese auch finanzieren.

Wegen der effizienten Verwaltung und der finanziellen Vorzüge haben zahlreiche Gemeinden der Provinzen Belluno und Vicenza die Angliederung an das Trentino beantragt.

Nachdem über Jahrzehnte hinweg die italienischen Christdemokraten die Regierungsverantwortung hatten, hat es nach dem Politskandal Mani pulite ein Abwechseln verschiedener politischer Konstellationen gegeben. Zuerst haben die Autonomisten Bazzanella und Andreotti die Wahlen für sich entscheiden können, von 1999 bis Dezember 2012 war Lorenzo Dellai Landeshauptmann, unterstützt von einer Mitte-links-Koalition. Die Landtagswahlen 2013 gewann Ugo Rossi vom Partito Autonomista Trentino Tirolese.

Trentiner Landeshauptleute[Bearbeiten]

Trentiner Landtag[Bearbeiten]

Hauptartikel: Trentiner Landtag

Seit den Landtagswahlen vom 27. Oktober 2013 setzt sich der Trentiner Landtag wie folgt zusammen:

Partei Mandate
Partito Democratico 9
Partito Autonomista Trentino Tirolese 8
Unione per il Trentino 5
Union Autonomista Ladina 1
Regierungskoalition 23
Progetto Trentino 5
Lega Nord 2
Fünf-Sterne-Bewegung 2
Civica trentina 1
Amministrare il Trentino 1
Forza Trentino 1
Opposition 12

Wirtschaft[Bearbeiten]

Landwirtschaft spielt im Trentino eine wichtige Rolle: insbesondere die Produktion von Äpfeln der Sorte Golden Delicious nimmt hier einen hohen Stellenwert ein. Die Weinproduktion ist auch bedeutend.

Die Industrie beschäftigt rund 33 % der arbeitenden Bevölkerung. Viele Betriebe sind im Textil-, Holzverarbeitungs- und Druckereigewerbe tätig.

Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor. Jeder zehnte Trentiner ist überdies bei der Landesverwaltung angestellt. Herausragend ist die Rolle des Tourismus. Touristische Zentren sind zunächst Trient selbst, dann die Wintersportorte Madonna di Campiglio, Canazei und San Martino di Castrozza, das Klettererzentrum Arco und das Windsurf-Zentrum Riva del Garda.

Das nominale pro-Kopf-Einkommen lag 2004 bei 28.212 Euro, kaufkraftmäßig erreicht das Trentino einen Wert von 126,9 (EU-27 = 100).[19]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Giovanni Francesio, Redaktion Rolf Eder: Südtirol & Trentino: Burgen – Nationalparks – Wein – Wanderungen – Bozen – Meran – Palazzi – Dolomiten – Törgellen – Gletscher. Dorling Kindersley, Starnberg 2003, aktualisierte Neuauflage 2008 / 2009 (übersetzt von Benjamin Schwarz), ISBN 978-3831005307.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trentino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Michael Mayr: Der italienische Irredentismus, 2. vermehrte und verbesserte Auflage, Innsbruck 1917, S. 261
  3. Francesco Vigilio Barbacovi: Considerazioni sulla prosperità dei popoli del Trentino ora riuniti al Regno d’Italia, Trento 1810
  4. Michael Mayr: Der italienische Irredentismus, 2. vermehrte und verbesserte Auflage, Innsbruck 1917. S. 266
  5. Compagnie Schützen del Tirolo Meridionale.
  6. BONFADINI, Giovanni, 1983 Il confine linguistico veneto-lombardo In: Guida ai dialetti veneti / a cura di Manlio Cortelazzo. – Padova: CLEUP, 1983. – V. 5, S. 23–59
  7. Z. B. "matèla" vom Bairischen Madel.
  8. Bernhard Wurzer: Die deutschen Sprachinseln in Oberitalien, 4. überarb. Ausgabe, Bozen 1977
  9. Bepe Richebuono: Breve storia dei Ladini dolomitici, Istitut Ladin Micurà de Rü, San Martin de Tor 1992
  10. Zugehörigkeit zur Bevölkerung ladinischer, fersentalerischer und zimbrischer Spracher, nach Gemeinde und Wohngebiet (Volkszählung 2001) (PDF; 27 kB) Statistisches Jahrbuch (Annuario Statistico) 2006 der Autonomen Provinz Trient
  11. Vorläufiges Endergebnis der Volkszählung 2011 (PDF; 202 kB), Statistikamt der Autonomen Provinz Trient
  12. Appartenenza alla popolazione di lingua ladina, mochena e cimbra, per comune ed area di residenza (censimento 2001). Website „Minoranze Linguistiche“ der Autonomen Provinz Trient, abgerufen am 4. Oktober 2012 (PDF; 27 kB, italienisch).
  13. Vorläufiges Endergebnis der Volkszählung 2011 (PDF; 202 kB), Statistikamt der Autonomen Provinz Trient
  14. Hermann Ignaz Bidermann: Die Italiener im Tirolischen Provinzial-Verbande, Innsbruck 1874, S. 61ff
  15. Piccoli Paolo; Vadagnini Armando - De Gasperi. Un trentino nella storia d'Europa, Soveria Mannelli 2004, S. 103
  16. Claus Gatterer: Erbfeindschaft Italien-Österreich, München-Zürich 1972, S. 138
  17. Tiroler Ehrenbuch - Digital
  18. Miria Manzana: Volontari trentini nell'esercito italiano, www.trentinocultura.net
  19. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRegionales BIP je Einwohner in der EU27. In: 23/2007. Eurostat, 19. Februar 2007, S. 5, abgerufen am 16. Februar 2009 (Pressemitteilung, deutsch).

46.06944444444411.121666666667Koordinaten: 46° N, 11° O