Weltbevölkerungskonferenz

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Die Weltbevölkerungskonferenzen (engl. International Conference on Population and Development (ICPD)) sind eine Reihe von der UNO veranstalteter Gipfel zu Fragen der Weltbevölkerung. Große internationale Beachtung erfuhr die Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo. Dort berieten ca. 20.000 Delegierte, darunter auch der damalige US-Präsident Bill Clinton, weitere Vertreter verschiedener Regierungen, Angehörige von UN-Agenturen sowie von nichtstaatlichen Organisationen über eine Vielzahl von Themen, etwa der Immigration, der Säuglingssterblichkeit, der Familienplanung, der Stärkung von Frauen und des Schutzes für Frauen vor unsicherer Abtreibung. Vertreter der 179 anwesenden Regierungen verabschiedeten in Kairo ein Aktionsprogramm, das die reproduktive Gesundheit und reproduktiven Rechte des Menschen in den Mittelpunkt der Bevölkerungspolitik stellt.[1] Das Programm sah vor, bis zum Jahr 2014 allen Menschen Zugang zu Sexualaufklärung, Empfängnisverhütung und Familienplanung, zum Schutz vor HIV und AIDS sowie zur Gesundheitsversorgung rund um Schwangerschaft und Geburt zu ermöglichen.[2]

Mit der High-Level Task Force for ICPD entstand im Oktober 2012 ein unabhängiges, internationales Gremium, das darauf hinwirkt, die Ziele der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz in die Post-2015-Agenda zu integrieren.[3]

2004 fand keine Konferenz statt – es gab allerdings eine Parlamentarierversammlung zum Thema in Straßburg. 2014 wurden die internationalen Beratungen zu Bevölkerungsfragen in die Generalversammlung der Vereinten Nationen integriert.

Austragungsorte und Termine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kontroverses Vorfeld zur Weltbevölkerungskonferenz 1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld der Weltbevölkerungskonferenz 1994 fand im Dezember 1993 in Bangladesch ein Symposium von Feministinnen statt, in der das Bevölkerungswachstum als Ursache von steigender Armut und Umweltzerstörung abgelehnt wurde. Diese Ansicht schiebe Frauen nicht nur Schuld zu, sondern mache sie auch zum Ziel von Bevölkerungspolitik.[4] Papst Johannes Paul II. kritisierte am 19. März 1994 in einem Brief, das geplante Aktionsprogramm richte sich nur an entwickelte Gesellschaften, die materiell reich und säkularisiert sind, nicht jedoch an naturverbunde, moralgeleitete oder religiöse Gesellschaften.[5] Ausgehend von dieser Initiative kam es auf der Konferenz es zu einem konzertierten Vorgehen vatikanischer Vertreter mit Vertretern afrikanischer und asiatischer (zumeist islamisch geprägter) Staaten.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. International Conference on Population and Development – ICPD – Programme of Action
  2. Infoblatt "Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte", Stiftung Weltbevölkerung (PDF-Datei)
  3. "Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte für alle", Stiftung Weltbevölkerung, 16. Mai 2013
  4. Renate Klein (2008): From Test-Tube Women to Bodies without Women. Shorted Reprint (2015) in: Mutterschaft im Patriarchat (PDF), S. 161: "The aim of the meeting was to discuss and formulate a feminist position regarding the myth spread all over the world that population growth is the main cause of ongoing and increasing poverty and environmental destruction. This propaganda not only puts the blame on poor people, especially on women, but also makes them the main target for population control policies. The participants expect that this propaganda will be intensified and false representation of reality will be greatly aggravated before and during the upcoming INTERNATIONAL CONFERENCE ON POPULATION AND DEVELOPMENT (ICPD) ’94 in Cairo, in September, 1994."
  5. „In realtà, la lettura di questo documento che, è vero, costituisce solo un progetto, lascia l' amara impressione di un' imposizione: quella di uno stile di vita tipico di certe frange delle società sviluppate, materialmente ricche, secolarizzate. I paesi più sensibili ai valori della natura, della morale e della religione accetteranno senza reagire una simile visione dell' uomo e della società?“ [1]
  6. Ralph Rotte: Die Außen- und Friedenspolitik des Heiligen Stuhls. Eine Einführung. 2. Auflage. Springer, Wiesbaden, 2014, ISBN 978-3-531-19959-7, Seite 187f.