Weltempfänger

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Dieser Artikel behandelt Kurzwellenrundfunkempfänger. Für die gleichnamige Band siehe Weltempfänger (Band).
Taschen-Weltempfänger mit digitaler Anzeige und Direkteingabe der Frequenz
Großer Weltempfänger Grundig Satellit 2100 (1976–1979) in Doppelsuper-Technik
Weltempfänger Barlow Wadley XCR-30 Mark 2 in Dreifachsuper-Technik

Ein Weltempfänger ist ein Radiogerät, das sich besonders für den Empfang von Kurzwellenrundfunksendern eignet. Der Name ergibt sich aus der Tatsache, dass Kurzwellen sich von einem einzigen Sender aus über den gesamten Globus ausbreiten und so weltweit empfangen werden können. Häufig ist mit diesen Radios zusätzlich der Empfang von weiteren Frequenzbändern und des UKW-Rundfunks möglich.

Tragbare Weltempfänger wurden im Jahr 1939 von Eugene F. McDonald, dem Chef der Zenith Radio Corporation eingeführt.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bauformen von Weltempfängern reichen vom kleinen Taschenempfänger, kaum größer als eine Zigarettenschachtel sowie dem tragbaren Empfänger in verschiedenen Größen bis zum großen, leistungsfähigen Stationsempfänger.

Über die Möglichkeiten eines normalen Radiogerätes hinaus sind Weltempfänger besonders für den Empfang ferner Stationen ausgelegt. Dazu benötigen sie eine hohe Eingangsempfindlichkeit, aber auch eine hohe Trennschärfe zum Ausblenden von Nachbarstationen und sonstigen Störungen.

Oftmals lässt sich bei Empfängern im Taschenformat auch eine leistungsfähigere Zusatzantenne anschließen.

Spezielle Techniken wie ein schaltbarer Synchrondetektor zur Aufbereitung schwächster Signale, eine einstellbare Eingangsempfindlichkeit oder eine Vorselektion (Abstimmung des Antennenvorverstärkers) erleichtern den Empfang ferner und daher schwacher oder stark gestörter Sendungen erheblich.

Weltempfänger arbeiten bei hochwertigen Ausführungen in der Regel als zweistufiger Überlagerungsempfänger (Doppelsuper), einige besonders aufwendig konstruierte Geräte auch als Dreifachsuper mit drei Zwischenfrequenzen bzw. Mischstufen. Ganz selten fanden sich auch professionelle Empfangsgeräte mit vier Stufen.

Viele der einfacheren analogen Taschenempfänger oder älteren tragbaren Empfänger sind dagegen meist als Einfachsuper mit nur einer Zwischenfrequenz bzw. Mischstufe gehalten, weshalb sie im Vergleich zu den Doppelsupern deutlich weniger empfangsstark wie auch wenig resistent gegen Spiegelfrequenz-Störungen sind.

Bedienung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einfacher Taschen-Weltempfänger mit sechs gespreizten Kurzwellenbändern

Viele hochwertige Weltempfänger zeigen die empfangene Frequenz auf einem digitalen Anzeigefeld an, meist gekoppelt mit der Möglichkeit, die Frequenz direkt über Zifferntasten einzugeben.

Bei analog (also per Zeiger auf einer Skala) abstimmbaren Weltempfängern sind im Gegensatz zu gewöhnlichen Radiogeräten die Frequenzbänder gespreizt, das heißt in mehrere Teilbereiche aufgeteilt, die jeweils die komplette Skalenlänge umfassen, um auch auf dicht benachbarte Sender sehr genau abstimmen zu können. Oft ist auch eine zusätzliche Frequenz-Feinabstimmung vorhanden.

Spezielle Empfangsmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei mittleren bis gut ausgestatteten Weltempfängern können auch spezielle Modulationsarten wie Einseitenbandmodulation (SSB, englisch single side band) mit Auswahlmöglichkeit des oberen (USB, englisch upper side band) oder des unteren (LSB, englisch lower side band) Seitenbandes genutzt werden. Dadurch kann man neben KW-Rundfunk auch den Amateurfunkdienst auf Kurzwelle empfangen. Da Weltempfänger jedoch primär zum Empfang von (Fern-)Hörfunk (insbesondere Kurzwelle) konzipiert sind, können in der Regel weitere Betriebsarten, wie beispielsweise Funkfernschreiben, mit einem Weltempfänger nicht oder nur mit Zusatzgeräten empfangen werden.

Einige neuere Weltempfänger bieten die Möglichkeit, digitale Kurzwellensignale zu empfangen, wie sie von einigen Rundfunksendern des Digital-Radio-Mondiale-Konsortiums (DRM) ausgestrahlt werden.

Bedeutung des Weltempfängers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Betreiben einer Kurzwellenrundfunk-Sendeanlage ist in der Regel mit hohem Aufwand verbunden. Da mit dem Ende des Kalten Krieges sowohl die Motivation, aus Propagandagründen zu senden, als auch die Notwendigkeit, „neutrale“ Informationen bereitzustellen, weggefallen sind, geht der Sendebetrieb auf Kurzwelle weltweit zurück. Seit 2016 sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine staatlichen Kurzwellen-Rundfunksender mehr in Betrieb. Häufig wird als möglicher Ersatz auf Internet-Radio oder auf Podcasts verwiesen.

Das Betreiben eines Internet-Radios beziehungsweise das Verbreiten einer Rundfunksendung über Internet ist unvergleichlich einfacher als das Betreiben eines Kurzwellensenders. Es gibt keine Frequenzknappheit oder Probleme mit der Wellenausbreitung. Die per Internet zu erzielenden Reichweiten sind groß – allerdings werden gerade jene Gegenden nicht erreicht, die technisch unterversorgt sind oder in denen abweichende Ansichten aus politischen Gründen staatlicherseits unterdrückt werden und in denen folglich auch das Internet zensiert wird (z. B. China, Iran, Nordkorea). In diesen Gebieten ist der Kurzwellenrundfunk nach wie vor eine der wenigen direkten Informationsquellen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Klawitter: Kaufberater Weltempfänger Was kann... Was soll... Was muss er können, Verlag für Technik und Handwerk neue Medien GmbH, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-88180-873-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weltempfänger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Weltempfänger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen