Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen

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Welternährungsprogramm
World Food Programme
Programme alimentaire mondial
Organisationsart Sonderorganisation
Kürzel WFP
Leitung David Beasley
Gegründet 1961
Hauptsitz Rom, ItalienItalien Italien
2-Euro-Gedenkmünze zum 40. Geburtstag des WFP

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (englisch UN World Food Programme, WFP) ist eine gemeinsam von der Generalversammlung der Vereinten Nationen und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) getragene humanitäre Einrichtung und die wichtigste Institution der Vereinten Nationen im Kampf gegen den globalen Hunger. 2011 hat das WFP 99,1 Millionen Menschen mit Ernährungshilfe in 75 Ländern unterstützt. Größtenteils handelt es sich dabei um die Versorgung von Menschen in Not mit Nahrungsmitteln nach Naturkatastrophen, Dürren oder gewalttätigen Konflikten. Außerdem hilft das WFP auch Menschen in Gebieten mit dauerhaft schlechter Ernährungslage und führt dort Entwicklungsprojekte durch. Hierzu zählen Schulspeisungsprogramme [1] für etwa 25 Millionen Kinder pro Jahr in 60 Ländern, oder so genannte Food-for-Work-Programme, bei denen Menschen Nahrungsmittel als Ausgleich für ihre verrichtete Arbeit erhalten, die der nachhaltigen Entwicklung dienen – etwa dem Bau von Brunnen oder Bewässerungskanälen.

Neben acht Verbindungsbüros in den wichtigsten Geberstaaten (u. a. in Berlin für den deutschsprachigen Raum) gibt es weltweit über 70 Länderbüros, in denen WFP die Arbeit vor Ort koordiniert.[2]

Organisation und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptquartier des WFP liegt in der italienischen Hauptstadt Rom. Die Organisation beschäftigt circa 15.000 Mitarbeiter, wovon 90 % der Mitarbeiter in den Projektländern arbeiten.[3] Exekutivdirektor des WFP ist seit April 2017 der US-Amerikaner David Beasley. Der Leiter des Verbindungsbüros in Berlin für Deutschland, Österreich und Liechtenstein ist Ralf Südhoff.[4][5]

Das WFP verfügt nur über einen sehr geringen festen Etat. Die Einrichtung finanziert sich überwiegend aus freiwilligen Zuwendungen von Geberstaaten, die in der Regel bestimmte Programme gezielt finanzieren. Außerdem sind Spenden von Unternehmen und Privatpersonen von Bedeutung. Noch im Jahr 2007 betrug der Etat knapp 3 Milliarden US-Dollar. Im Zuge der Welternährungskrise stieg es 2008 auf 5 Milliarden US-Dollar. Für 2010 wurde mit Ausgaben in Höhe von fast 6 Milliarden US-Dollar gerechnet, tatsächliche Spenden beliefen sich auf etwa 3,82 Milliarden US-Dollar.[6] Die Zuwendungen erfolgen überwiegend in Barmitteln, teils auch in Sachspenden. Gesteuert wird WFP vom so genannten „Exekutivrat“. Hier sind 36 Staaten abwechselnd vertreten, zurzeit auch Deutschland. 2011 war Deutschland der viertgrößte Geber des WFP.[7] 2015 und 2016 war Deutschland jeweils drittgrößtes Geberland – 2015 mit mehr als 296 Millionen Euro für über 45 WFP-Operationen[8] beziehungsweise 2016 mit mehr als 894 Millionen US$ für die WFP-Operationen.[9] 2017 war Deutschland zweitgrößter Geber nach den USA.[10]

Das WFP ist rechtlich nicht selbständig und damit auch keine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, sondern – wie z. B. UNICEF und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen auch – ein integraler Teil der Vereinten Nationen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Lockheed C-130 der UN liefert Nahrung aus

Die Gründung des WFP wurde 1961 von der UN-Generalversammlung und der FAO beschlossen, um die Nahrungsmittelversorgung in Kriegs- und Katastrophengebieten zu sichern. 1963 nahm das WFP seine Arbeit offiziell auf. Neben dem WFP sitzen mit der FAO und dem IFAD (International Fund for Agricultural Development) zwei UN-Sonderorganisationen in Rom, die sich mit dem Thema Ernährung befassen. Heute ist das WFP die weltweit größte Einrichtung zur Versorgung von hungernden Menschen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand eine enge Zusammenarbeit zwischen dem WFP und zahlreichen internationalen Hilfsorganisationen und nichtstaatlichen Organisationen. Das WFP arbeitet im Schnitt jedes Jahr mit ca. 3.000 Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Das WFP ist auch für den Betrieb des Humanitären Flugdienstes der Vereinten Nationen (UNHAS) zuständig. UNHAS befördert Personal und Sachgüter von zahlreichen Hilfsorganisationen mit Flugzeugen in Krisengebiete wie etwa im Sudan, in Afghanistan oder in Westafrika.

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WFP besitzt einen humanitären und unpolitischen Auftrag. Es hilft dort, wo Menschen von Hunger betroffen sind und die jeweilige nationale Regierung um Hilfe bittet – unabhängig von den politischen Umständen. In den letzten Jahren sind integrative Ansätze, die Entwicklungszusammenarbeit und Ernährungshilfe vereinen, zunehmend wichtiger geworden. So kaufte WFP 2010 in den Entwicklungsländern lokal Nahrungsmittel im Wert von 975 Millionen US-Dollar (83 % der Gesamtmenge) auf und investierte so in die dortige Landwirtschaft.[11] In diesen Kontext fällt auch die von WFP gestartete Initiative „Purchase for Progress“ (P4P). Dieses Pilotprojekt soll durch den lokalen Ankauf von Nahrungsmitteln bei Kleinbauern die lokalen und nationalen Märkte in den von Ernährungsunsicherheit betroffenen Ländern stärken, die Produktivität der Kleinbauern erhöhen und sie so von Hunger und Armut befreien.

Die Arbeit von WFP in Katastrophen- und Krisengebieten ist oftmals gefährlich. So wurden im Sudan 2008 über 80 Lastwagenfahrer des WFP überfallen und entführt, zwei Fahrer wurden ermordet.[12] Auch in Somalia wurden Anfang 2009 zwei einheimische WFP-Mitarbeiter ermordet.[13] Der dortige Einsatz erlangte auch im Zuge der Piraterie am Horn von Afrika und der internationalen Marinemissionen Atalanta, die auch die Schiffe des WFP schützen sollen, eine gewisse Bekanntheit. Am 5. Oktober 2009 verübte ein Selbstmordattentäter einen Bombenanschlag auf Büros des WFP in Islamabad und tötete fünf Menschen.[14]

ShareTheMeal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Thema Hunger und entsprechenden Spenden gegen den Hunger in das Alltagsleben jedes Einzelnen zu bringen, veröffentlichte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen im Jahr 2015 die Smartphone App ShareTheMeal für iOS, Android und im Amazon App Store. Mit dieser App kann der Nutzer direkt Geld an notbedürftige Kinder spenden. Mit einem Betrag von 40 Cent kann jeweils ein Kind einen Tag mit Essen versorgt werden. Mit Stand Januar 2016 waren so schon mehr als 3,8 Millionen Mahlzeiten finanziert worden.[15]

Millennium-Entwicklungsziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hunger ist das größte Gesundheitsrisiko weltweit. Mehr Menschen sterben jährlich an Hunger als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. Genau deshalb ist die Zahl der Hungernden zu halbieren das erste der Millenniums-Entwicklungsziele.[16]

Ein wichtiges Hauptziel des Welternährungsprogramms ist es, die Zahl der an Hunger und Armut leidenden Menschen im Vergleich von 1990 bis 2015 zu halbieren, um so die UN-Millenniumsziele aus dem Jahr 2000 zu erreichen.[17]

Hungernde weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der Hungernden hat im Vergleich zu 1990 abgenommen. Das Milleniumsentwicklungsziel wurde jedoch noch nicht erreicht. Im Jahr 2016 litten nach Schätzungen der FAO 815 Millionen Menschen an Hunger. Das sind rund 200 Millionen Hungernde weniger im Vergleich zu 1990–1992, jedoch gegenüber dem absoluten Tiefstand 2013 und 2014 etwa 40 Millionen mehr. Auch in Relation zur Weltbevölkerung stieg 2016 der Anteil der Hungernden von 10,6 % auf 11,0 %.

Zwei gegenläufige Bewegungen spielten 2013–2015 eine Rolle: In Asien nahm die Zahl der Hungernden ab, während sie in Subsahara-Afrika zunahm. Im Jahr 2016 nahm sie dann in den meisten Regionen der Welt zu. Ursachen waren vor allem Konflikte, hinzu kamen Einflüsse des El Niño und Klimawandels sowie Wirtschaftsschwäche in Ländern mit bedeutsamen Rohstoffexporten.[18]

Grafische Aufbereitung der nebenstehenden Daten. Zwischen 2011 und 2015 stagniert die absolute Zahl der Hungernden (blaue Linie) annähernd. Im gleichen Zeitraum sinkt der prozentuale Anteil (rote Linie) noch etwas aufgrund des Anstiegs der Weltbevöklerung. Seit 2015 steigen beide Kurven deutlich an
Anzahl der Hungernden
weltweit[19]
Jahr Anzahl der Hungernden Prozent
2000 900,0 14,7
2001 917,5 14,8
2002 936,3 14,9
2003 947,2 14,9
2004 941,7 14,6
2005 926,0 14,2
2006 890,9 13,5
2007 854,5 12,8
2008 831,8 12,3
2009 814,7 11,9
2010 794,6 11,5
2011 782,1 11,2
2012 779,3 11,0
2013 775,4 10,8
2014 775,4 10,7
2015 777,0 10,6
2016 815,0 11,0

Welternährungskrise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2008 kam es bei Nahrungsmitteln zu drastischen Preissteigerungen, teils um mehrere hundert Prozent. In zahlreichen Ländern brachen deshalb sogar so genannte Hungerrevolten aus, in Haiti stürzte im April die Regierung. Im Zuge der Welternährungskrise wurde auch das WEP stark gefordert. Im Laufe des Jahres 2008 musste es seine Operationen massiv ausweiten und sein Budget nahezu verdoppeln. So unterstützte WEP im Jahre 2008 102 Millionen Menschen in 78 Ländern mit Ernährungshilfe. 2012 musste WEP über 90 Millionen Menschen in 75 Ländern mit Ernährungshilfe unterstützen.[20]

Obwohl das extrem hohe Preisniveau mittlerweile gesunken ist, kostet Getreide immer noch deutlich mehr als vor der Nahrungsmittelkrise. Dies trifft Menschen in Armut, die schon vorher zwei Drittel bis drei Viertel ihres Einkommens für Essen ausgeben mussten, sehr hart. Noch vor 30 Jahren hungerte mehr als jeder dritte Mensch auf der Erde, heute ist es noch jeder sechste.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schulspeisungprogramme, zusätzlicher Text.
  2. Länderbüros, zusätzlicher Text.
  3. Mitarbeiter, zusätzlicher Text.
  4. Ralf Südhoff, zusätzlicher Text.
  5. WFP Büro für Deutschland, Österreich und Liechtenstein
  6. Ausgaben, zusätzlicher Text.
  7. Geber, zusätzlicher Text.
  8. de.wfp.org/deutschland-und-wfp
  9. Contributions to WFP in 2016 | WFP | United Nations World Food Programme - Fighting Hunger Worldwide. Abgerufen am 1. Juni 2017 (englisch).
  10. Interview in der FAZ vom 4. Juli 2017, S. 4
  11. Entwicklung, zusätzlicher Text.
  12. Gunmen shot dead two workers for a French aid group
  13. "The World Food Programme has halted its food shipments to Somalia in a high-stakes attempt to press local warlords to rein in violence that has killed two of its employees this month."
  14. WFP-Pressespiegel zu Pakistan
  15. Artikel zum Start von ShareTheMeal
  16. Fakten über Hunger, zusätzlicher Text.
  17. Sicherheitsnetze, Sicherheitsnetze.
  18. FAO, IFAD, UNICEF, WFP und WHO (Hrsg.): The State of Food Security and Nutrition in the World 2017. Building resilience for peace and food security. Rom 2017, ISBN 978-92-5109888-2, S. 5–6,27 (fao.org [PDF; 4,4 MB]).
  19. How close are we to #ZeroHunger? The State of Food Security and Nutritio in the World. FAO, 2017, abgerufen am 17. September 2017.
  20. Steigende Nahrungsmittelpreise: 10 Fragen und Antworten
  21. Die Zahl der Hungernden ist seit 1990 um 130 Millionen zurückgegangen, jedoch steigt die Hungerzahl seit 2008 wieder an. (Quelle: State of Food Insecurity in the World, FAO, 2012)