Weltmeister im Chess960

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Weltmeister im Chess960 mit klassischer Zeitkontrolle wurden noch nie ermittelt. Stattdessen wurden von 2001/03 bis 2009 im Rahmen der Chess Classic in Mainz Chess960-Weltmeisterschaften unter einer Schnellschach-Zeitkontrolle ausgetragen. Den Titel holten sich Pjotr Swidler (2003, 2004, 2005), Lewon Aronjan (2006, 2007) und Hikaru Nakamura (2009).

Im Jahr 2018 wurde ein Zweikampf zwischen Nakamura und Magnus Carlsen ausgetragen, der von vielen als „inoffizielle Weltmeisterschaft“ angesehen wurde. Carlsen gewann diesen Wettkampf.[1]

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chess Tigers und das Finale der Chess960-Schnellschach-Weltmeisterschaft 2009

Chess960 ist eine populäre Schachvariante, die durch insgesamt 960 mögliche (zufällig ausgewählte) Aufstellungen der Schachfiguren auf der Grundreihe jeder Partei gekennzeichnet ist. Sie ist auch als Fischer Random Chess bekannt.

Der Modus der Chess960-Weltmeisterschaften ist eng an die klassischen Schachweltmeisterschaften geknüpft. Bis einschließlich 2006 hatte der Weltmeister seinen Titel nur gegen einen Herausforderer zu verteidigen, nämlich gegen den Chess960-Open-Sieger des Vorjahres.

Im Jahr 2001 duellierten sich Péter Lékó und Michael Adams im Chess960. Lékó wurde ausgewählt, da er zum einen viele Neuerungen in die Schachtheorie eingebracht hatte und zum anderen Sieger des vorjährigen Turniers war. Dazu hatte er mit Fischer selbst Fischer Random Chess gespielt. Adams wurde gewählt, weil er die Weltrangliste im Blitzschach anführte und als extrem starker Spieler in ungewöhnlichen Situationen galt. Lékó siegte 4,5:3,5. Das Match wurde noch nicht als Weltmeisterschaft ausgegeben.[2]

2003 trat Lékó, nun doch bereits „Chess960-Weltmeister“ genannt,[3] gegen den Sieger des Chess960-Opens von 2002, Pjotr Swidler, den Kampf um den Chess960-Weltmeistertitel an. Swidler gewann und verteidigte seinen Titel 2004 und 2005, verlor ihn aber 2006 an Lewon Aronjan.

2006 wurde in Mainz in einem Frauenturnier erstmals eine Chess960-Weltmeisterin ermittelt. Den Titel holte sich Alexandra Kostenjuk. Außerdem war das Jahr 2006 das bisher einzige, in dem auch Senioren- und Junioren-Weltmeisterschaften im Chess960 ausgetragen wurden. Sie wurden von Vlastimil Hort beziehungsweise P. Harikrishna gewonnen.

Seit 2007 hat der Weltmeister seinen Titel gegen drei Gegner in einem doppelrundigen Turnier mit anschließendem Finale der beiden Bestplatzierten zu verteidigen. Das gelang 2007 Lewon Aronjan und 2008, als nur die Frauen um die Chess960-Weltmeisterschaft zu kämpfen hatten, Alexandra Kostenjuk.

2009 verlor Lewon Aronjan den Titel an Hikaru Nakamura. Danach wurden lange Zeit keine Chess960-Weltmeisterschaften mehr durchgeführt.

2018 kam es schließlich zu einem Match zwischen dem Titelverteidiger und Magnus Carlsen, dem aktuellen Weltmeister im klassischen Schach. Es wurde vom 9. bis 13. Februar im Henie Onstad Kunstsenter in Oslo ausgetragen. An den ersten vier Wettkampftagen wurden jeweils zwei Partien mit vertauschten Farben und gleichen Anfangsstellungen gespielt. Die Bedenkzeit betrug 45 Minuten für 40 Züge plus 15 Minuten für den Rest der Partie. Jede dieser Partien wurde doppelt gewertet. Danach führte Carlsen mit 9 zu 7 Punkten. Am fünften Tag schließlich wurden weitere acht Partien gespielt, jedoch jeweils nur mit 10 Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie. Diese Schnellschachpartien wurden einfach gewertet. Carlsen gewann den Wettkampf mit 14:10.[1][4]

Liste der Weltmeister im Chess960 bei Schnellschach-Zeitkontrolle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Péter Lékó ist nicht fettgedruckt und hellgrau schattiert, da er erst im Nachhinein als „Weltmeister“ bezeichnet wurde.

Weltmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Weltmeister Teilnehmerzahl Turniermodus Ergebnis und Gegner des Finalduells
2001 Mainz UngarnUngarn Péter Lékó
2
Duell über 8 Partien
4,5:3,5 gegen Adams
2003 Mainz RusslandRussland Pjotr Swidler
2
Duell über 8 Partien
4,5:3,5 gegen Lékó
2004 Mainz RusslandRussland Pjotr Swidler
2
Duell über 8 Partien
4,5:3,5 gegen Aronjan
2005 Mainz RusslandRussland Pjotr Swidler
2
Duell über 8 Partien
5:3 gegen Almási
2006 Mainz ArmenienArmenien Lewon Aronjan
2
Duell über 8 Partien
5:3 gegen Swidler
2007 Mainz ArmenienArmenien Lewon Aronjan
4
doppelrundig, dann Finale 2:2 gegen Anand, 1,5:0,5 im Tiebreak
2009 Mainz Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Hikaru Nakamura
4
doppelrundig, dann Finale 3,5:0,5 gegen Aronjan
2018 Oslo NorwegenNorwegen Magnus Carlsen
2
Duell über 16 Partien
14:10 Punkte[Anm. 1] gegen Nakamura
  1. 8 Langpartien wurden doppelt, 8 Schnellschachpartien einfach gewertet.

Weltmeisterinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Weltmeisterin Teilnehmerzahl Turniermodus Ergebnis und Gegner des Finalduells
2006 Mainz RusslandRussland Alexandra Kostenjuk
2
Duell über 8 Partien
5,5:2,5 gegen Pähtz
2008 Mainz RusslandRussland Alexandra Kostenjuk
4
doppelrundig, dann Finale 2,5:1,5 gegen Lagno

Seniorenweltmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Seniorenweltmeister Teilnehmerzahl Turniermodus Ergebnis und Gegner des Finalduells
2006 Mainz TschechienTschechienDeutschlandDeutschland Vlastimil Hort
2
Duell über 8 Partien
4:4 gegen Portisch, 1,5:0,5 im Tiebreak

Juniorenweltmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Juniorenweltmeister Teilnehmerzahl Turniermodus Ergebnis und Gegner des Finalduells
2006 Mainz IndienIndien P. Harikrishna
2
Duell über 8 Partien
4,5:3,5 gegen Naiditsch

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Artikel von Peter Doggers auf chess.com, abgerufen am 14.02.2018
  2. Noch 2002 hieß es: „Auch auf einen ersten inoffiziellen Weltmeister können wir uns freuen.“
  3. Lékó als „Chess960-Weltmeister“ tituliert (Memento vom 8. Februar 2004 im Internet Archive)
  4. Regularien auf der Homepage des Wettkampfs, abgerufen am 14. Februar 2018