Weltmuseum Wien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Völkerkundemuseum ist im Corps de Logis der Neuen Burg untergebracht (Ansicht vor 1898)

Das Weltmuseum Wien, zuvor Museum für Völkerkunde, ist ein ethnologisches Museum in der Wiener Hofburg. Es enthält Sammlungen aus allen Kontinenten. Zudem verfügt es über eine Bibliothek, ein Archiv und eine bedeutende Fotosammlung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenhof des Corps de Logis
Erzherzog Franz Ferdinand mit Begleitung vor dem Fujiya-Hotel in Miyanoshita, August 1893 (aus dem Fotoalbum der Sammlung Este)

Ethnographische Sammlungen in Österreich vor 1876[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 16. Jahrhundert wurden in den sogenannten Kunst- und Wunderkammern ethnographische Objekte gesammelt. Bedeutende Stücke fanden sich etwa in der „Ambraser Sammlung“ von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, die in der Zeit der Napoleonischen Kriege nach Wien übersiedelt wurde. Zuwachs bekam die Sammlung v.a. durch im 18. und 19. Jahrhundert unternommenen Expeditionen und Reisen, etwa durch den Weltumsegler James Cook (1728–1779), den Naturforscher Johann Natterer (Österreichische Brasilien-Expedition 1817–1836) und durch die österreichische Fregatte „Novara“.[1]

k. u. k. Monarchie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1876 wurden die Bestände der Anthropologisch-Ethnographischen Abteilung des „k. k. Naturhistorischen Hofmuseums“, des späteren Naturhistorischen Museums übernommen. Darunter befand sich auch die Sammlung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este, der 1892/93 eine Weltreise unternommen hatte. Sie allein umfasst etwa 14.000 Objekte.

Das Museum für Völkerkunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Mai 1928 erfolgte schließlich die Eröffnung eines eigenen „Museums für Völkerkunde“ im ursprünglich als Wohntrakt geplanten Corps de Logis der Neuen Burg. In der Nachkriegszeit wurden entscheidende Umbaumaßnahmen vorgenommen. Dies ermöglichte eine Erweiterung des Programms, das durch zahlreiche Wechselausstellungen geprägt war. Schloss Matzen und die Kartause Gaming fungierten dabei als Außenstellen des Museums.[1]

Seit 2001 wird das Museum vom Kunsthistorischen Museum verwaltet. Nach umfangreicher Sanierung wurde es im Mai 2007 wieder eröffnet.[2] Das gilt allerdings nur für Sonderausstellungen.[3] Die Dauerausstellung ist inzwischen schon seit 2001 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Im April 2013 wurde das Museum in Weltmuseum Wien umbenannt.[4]

Seit dem 3. November 2014 ist das Museum für Umbauten geschlossen, es soll 2017 wiedereröffnet werden.[5] Kulturminister Josef Ostermayer forderte am 26. November 2014 aus finanziellen Gründen eine Redimensionierung der Neugestaltung.[6] Im Jänner 2015 wurde bekannt, dass das Weltmuseum auf 3.900 Quadratmeter Ausstellungsfläche verkleinert werden soll. Gleichzeitig soll ein Haus der Geschichte mit rund 3.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche geschaffen und 2018 eröffnet werden.[7]

Sammlungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum besitzt über 200.000 ethnografische Objekte, 25.000 historische Fotografien und 136.000 Bücher zur Kultur und Geschichte außereuropäischer Völker. Neben der Sammlung von Cook, mit Objekten aus Ozeanien und Nordamerika, gibt es präkolumbische Federarbeiten wie Montezumas Federkrone, die große Sammlung Johann Natterers von der österreichischen Brasilien-Expedition, Bronzen aus dem westafrikanischen Königreich Benin sowie etwa 14.000 Objekte, die Thronfolger Franz Ferdinand auf seiner Weltreise zusammentragen ließ.[8]

Das Weltmuseum Wien beherbergt neun Sammlungen:

  • Afrika südlich der Sahara
  • Nordafrika, Vorder-, Zentralasien und Sibirien
  • Ostasien: Korea, China, Japan
  • Süd-, SO-Asien, Himalaya
  • Insulares Südoastasien
  • Südamerika
  • Ozeanien und Australien
  • Nord- und Mittelamerika
  • Fotosammlung

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums mit Museum für Völkerkunde und Österreichischem Theatermuseum ist seit Beginn 2009 Sabine Haag. Ab 2010, nach dem Abgang von Christian Feest, leitete sie auch das Museum für Völkerkunde interimistisch.[9] Mit 1. Mai 2012 wurde der Niederländer Steven Engelsman neuer Direktor.[10]

Leitung seit 1928[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Röck: 1928–1945
  • Robert Bleichsteiner: 1945–1953
  • Leopold Schmidt: 1954–1955 (kommissarische Leitung)
  • Etta Becker-Donner: 1955–1975
  • Hans Manndorff: 1976–1993
  • Armand Duchateau: 1993–1994 (interimistische Leitung)
  • Peter Kann: 1994–2002
  • Gabriele Weiss: 2002–2004 (interimistische Leitung)
  • Christian Feest: 2004–2010
  • Sabine Haag: 2010–2012 (vertreten durch Barbara Plankensteiner)
  • Steven Engelsman: seit 2012

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b [1] Fakten und Geschichte zum Weltmuseum Wien. Website Weltmuseum Wien. Abgerufen am 23. Dezember 2016
  2. Webpräsenz des Museums für Völkerkunde (Memento vom 28. Februar 2011 im Internet Archive)
  3. Sonderausstellung «Naga – Schmuck und Asche» bis 11. Juni 2012 rezensiert von Samuel Herzog, NZZ vom 26. Mai 2012, abgerufen am 9. Juni 2012
  4. Voelkerkundemuseum mutiert zum Weltmuseum Wien. DerStandard.at vom 4. April 2013. Abgerufen am 15. Mai 2013.
  5. weltmuseumwien.at – Seit 3. November 2014 sind unsere Tore geschlossen.. Artikel vom 3. November 2014, abgerufen am 26. November 2014.
  6. orf.at – Weltmuseum: Umbaupläne abgelehnt. Artikel vom 26. November, abgerufen am 26. November 2014.
  7. orf.at – Ostermayer zu Weltmuseum: „Nutzen Chance“. Artikel vom 19. Jänner 2015, abgerufen am 19. Jänner 2015.
  8. Sammlungen (Memento vom 27. Oktober 2009 im Internet Archive)
  9. KuratorInnen und wissenschaftliche MitarbeiterInnen (Memento vom 25. Oktober 2009 im Internet Archive)
  10. Steven Engelsman wird neuer Direktor des Museums für Völkerkunde. Der Standard vom 24. Oktober 2011.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museum für Völkerkunde in Wien (Hrsg.): Das Museum für Völkerkunde in Wien. Residenz-Verlag, Salzburg/Wien 1980, ISBN 3-7017-0260-8.
  • Wilhelm P. Bauer (Hrsg.): Museum für Völkerkunde Wien. Verlag Westermann, Braunschweig 1980.
  • Peter Linimayr: Wiener Völkerkunde im Nationalsozialismus. Lang, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-631-46736-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weltmuseum Wien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 12′ 18″ N, 16° 21′ 48″ O