Weltwirtschaftskrise ab 2007

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Die Weltwirtschaftskrise ab 2007 wurde ausgelöst durch das Platzen einer Immobilienpreis-Blase (insbesondere in den USA), mit einhergehender Finanzkrise und Bankenkrise, auf die später Staatsschuldenkrisen bis zum Teil Staatskrisen wie in Griechenland folgten. Zudem kam es zu Hungerkrisen in armen Ländern. Inwiefern diese Teilkrisen miteinander zusammenhängen, ist Gegenstand von Debatten. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise wird gemeinhin als schwerste Krise seit der ersten Weltwirtschaftskrise betrachtet. Es ist seither ein vermehrtes zivilgesellschaftliches Engagement in Form von Demonstrationen zu beobachten. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit der weltweiten Wirtschaftskrise ist jedoch nicht immer feststellbar. Über Ursachen und Lösungswege aus der Krise herrscht innerhalb von Politik und Wissenschaft ebenso wenig Klarheit wie über das Ausmaß und die Fortdauer der Krise. Von baldiger Erholung, über langjährige Stagnation, bis hin zu wiederkehrender oder sich fortsetzender Krise gibt es unterschiedlichste Sichtweisen. So wird auch von einer multiplen Krise gesprochen.

So erklärte im März 2012 die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bei der Board of Governors of the Federal Reserve System 2012 conference in ihrem Fazit, dass Schulden nicht mit Schulden zu lösen seien.[1] Obwohl das einleuchtend klingt, ist das saldenmechanisch so nicht korrekt - da kreditfinanzierte Ausgaben anderen Schuldnern die Bedienung ihrer Kreditverbindlichkeiten ermöglichen (Bilanzverkürzung) - also ein Schuldner einen anderen ablöst[2] - ist die Feststellung der BIZ jedenfalls (auch aus Perspektive der Kreditmechanik sowie der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung) zu relativieren.[3]

Beispielsweise warnte Robert Shiller Europa und die USA vor übertriebenem Sparen.[4] Ähnlich weist der Bericht von Olivier Blanchard (Chefvolkswirt des IWF), der am 1. Januar 2013 auf den Seiten des IWF (WP 13/1)[5] veröffentlicht wurde, auf ein mögliches Sparparadoxon hin, indem auch eingestanden wird, die Höhe des Fiskalmultiplikators[6] zu gering angenommen, den Einfluss nationaler Sparpolitik auf das Wirtschaftswachstum massiv unterschätzt zu haben.[7][8] Olli Rehn (EU-Währungskommissar) bezweifelt die Korrektur der Höhe des Fiskalmultiplikators, bzw. dessen generelle Ermittlungsfähigkeit und hält an europäischen Sparprogrammen weiter fest.[9]

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz erklärt, dass keine größere Wirtschaft jemals eine Krise durch Sparmaßnahmen überwand und wörtlich: „Sparmaßnahmen machen alles nur schlimmer - sie schwächen die Nachfrage, erhöhen die Arbeitslosigkeit und die Sozialkosten - und führen in die Rezession.“[10]

Eurozone: Disinflation 2014

Die seit Anfang 2013 angesichts des weiterhin negativen Niveaus der Importpreise für Deutschland zu bemerkende disinflationäre Tendenz[11] ist im Rahmen innerer Abwertung (Strukturreformen/Wettbewerbsfähigkeit) von der EU-Wirtschaftspolitik (gegenüber den Krisenstaaten) beabsichtigt. Weiterhin besteht die Gefahr[12] rückläufiger Nettokreditaufnahme (gesamtsektoral). Seit 2012 investieren die europäischen Unternehmen überaus zurückhaltend.[13] Trotz aller Aufschwungsprognosen schwächte sich die konjunkturelle Dynamik ab Mitte 2014 sogar im exportorientierten Deutschland ab[14] und erstmals trat seit Bestehen der Eurozone Deflation (-0,2 %) im Dezember 2014 auf.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negativ-Multiplikator aufgrund Einspar-Wettbewerb.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bank for International Settlements: Board of Governors of the Federal Reserve System 2012 conference: Central banking in a balance sheet recession und als PDF, S. 4, Conclusions. Beide abgerufen am 18. Januar 2013.
  2. Wolfgang Stützel: Volkswirtschaftliche Saldenmechanik. Ein Beitrag zur Geldtheorie. (Nachdruck d. 2. Auflage) Tübingen 2011. (online) S. 218 f:
    „[...] daß ohne Neigung zur Einlagenbildung in der Gesamtwirtschaft jede Vermehrung der Neuausleihungen zu einer gleich großen Verstärkung des Stroms der Kreditrückzahlungen führen muß [...]“
  3. Wilhelm Lautenbach: Über Kredit und Produktion. Frankfurt 1937. S. 18:
    Wie funktioniert der Kreditapparat, wenn der Staat große Ausgaben durch Kredit finanziert? Woher kommen die Mittel?
    „Die meisten, die die Frage stellen, und es sind keineswegs nur Laien, haben dabei die Vorstellung, als gäbe es irgendeinen begrenzten Vorrat an Geld oder Kredit. Mit dieser Vorstellung verknüpft sich gewöhnlich die besorgte Frage, ob der Staat durch seine Kreditansprüche nicht der Wirtschaft den Kredit verknappe. In Wahrheit verhält es sich aber genau umgekehrt. Wenn der Staat in großem Stil Kredit nimmt, wird die ganze Kreditwirtschaft aufgelockert. Die Geld- und Kreditmärkte werden flüssig, die Unternehmer werden liquide, ihre Bankkredite nehmen ab, die Geschäftsdepositen steigen […].“
  4. Handelsblatt, 25. November 2012: Ökonom Shiller warnt Europa und die USA vor übertriebenem Sparen Abgerufen am 18. Januar 2013.
  5. IWF, Working Paper 13/1: Growth Forecast Errors and Fiscal Multipliers (PDF, 43 S.; 1,1 MB) Abgerufen am 18. Januar 2013.
  6. Jens Berger, 10. Januar 2013: IWF und Fiskalmultiplikator: Der Irrtum der Euroretter und das Schweigen im Blätterwalde Abgerufen am 18. Januar 2013
  7. Washington Post, 3. Januar 2013: An amazing mea culpa from the IMF’s chief economist on austerity Abgerufen am 18. Januar 2013.
  8. Wiener Zeitung, 9. Januar 2013: Einfluss nationaler Sparpolitik auf Wirtschaftswachstum unterschätzt. IWF verrechnete sich dramatisch Abgerufen am 18. Januar 2013.
  9. Reuters, 11. Januar 2013: Budget cuts must go on, EU's Rehn says Abgerufen am 18. Januar 2013.
  10. Manager Magazin, 1. Oktober 2012: Stiglitz: Ein Gang am Rande des Abgrunds Abgerufen am 2. Februar 2013.
  11. Statistisches Bundesamt: Ein- & Ausfuhrpreisindex
  12. Vgl. Oesterreichische Nationalbank: Kreditbericht Dezember 2013 (PDF) - siehe: Kredite der MFI an nicht-finanzielle Unternehmen im Euroraum: S. 4.
  13. Süddeutsche, 2. Juli 2014: Wirtschaftskrise: Europa fehlen Investitionen in Höhe von 200 Milliarden Euro
  14. Deutsche Bundesbank, 21. Juli 2014: Konjunkturelle Dynamik in Deutschland lässt nach