Wendy O. Williams

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Wendy Orlean Williams (* 28. Mai 1949 in Webster, New York; † 6. April 1998 in Storrs, Connecticut), besser bekannt als Wendy O. Williams, war die Leadsängerin der US-amerikanischen Punkband „Plasmatics“. Die Plasmatics waren vor allem für ihre Bühnenshows bekannt, in denen sie (halb)nackt Geräte und Autos in die Luft jagten und mit der Kettensäge Gitarren zersägten.

Ihr Spitzname war „The Queen of Shock Rock“. Williams wurde außerdem weithin als die kontroverseste und radikalste Sängerin ihrer Zeit angesehen.[1] Sie trug oft einen Irokesenschnitt. Auf dem Höhepunkt ihrer Berühmtheit als Solokünstlerin wurde sie 1985 für den Grammy in der Kategorie „Best Female Rock Vocal“ nominiert.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Williams wurde in Webster geboren. Sie besuchte die öffentliche R.L. Thomas High School in Webster bis mindestens zur Hälfte der zehnten Klasse, aber verließ die Schule offensichtlich vor ihrem Abschluss. Im Alter von 16 Jahren fuhr sie per Autostop nach Colorado, wo sie ihr Geld mit gehäkelten Stringbikinis verdiente.[2] Danach ging sie nach Florida und schließlich weiter nach Europa, wo sie zunächst als makrobiotische Köchin in London und schließlich als Tänzerin in einer Zigeunertruppe arbeitete.[3] 1976 kam sie am Port Authority Bus Terminal in New York City an, wo sie eine Anzeige in einem Show Business Magazine, das offen auf dem Boden der Busstation lag, sah. In dieser Anzeige war ein Casting des radikalen Antikünstlers und Yale-MFA-Absolventen Rod Swenson ausgeschrieben, in dem er für sein experimentelles Kapitän-Perverso-Theater („Captain Kink’s Theatre“) warb. Sie meldete sich auf die Anzeige, und da es zwischen ihr und Swenson, der übrigens Captain Kink spielte, sofort funkte, begann hiermit eine zweiundzwanzigjährige Beziehung, die es ihr ermöglichte, ungefähr zwei Jahre später als Leadsängerin der Punk/Metal Rock Band „Plasmatics“ aufzutreten. Mit ihrem Debüt in New-York-City-Clubs im Jahre 1978 wurden Williams und die Plasmatics in der Untergrundszene schnell bekannt.

Im Januar 1981 wurde sie von der Polizei in Milwaukee verhaftet, da sie auf der Bühne Sex simulierte. Außerdem wurde sie beschuldigt, einen Beamten verprügelt zu haben und sich obszön zu verhalten, wurde aber später freigesprochen. Später im selben Jahr wurde Williams in Cleveland, Ohio für die Erregung öffentlichen Ärgernisses freigesprochen, da sie auf der Bühne – nur mit Rasierschaum „bekleidet“ – Sex simuliert hatte (um der Verhaftung zu entgehen, bedeckte sie ihre Brustwarzen nachträglich mit Isolierband).[4][5] Im November wurde sie schließlich von einem Richter in Illinois zu einem Jahr auf Bewährung und einer 35-Dollar-Buße verurteilt, da sie einen Paparazzo verprügelt hatte, der versucht hatte, sie beim Joggen am Ufer des Chicago Lakes zu fotografieren.

Währenddessen waren die Plasmatics auf Welttournee, auf der ein Konzert in London aus Sicherheitsgründen abgesagt wurde und sie von der Presse als Anarchisten tituliert wurden. Während der Aufnahme für eine Sendung des Senders NBC in der Serie SCTV, einem Comedy-Programm von 1981, weigerten sich Studioleiter, die Folge auszustrahlen, da ihr Bühnenkostüm ihre Brustwarzen nicht bedeckte. Williams lehnte den Kostümwechsel ab. Der Make-up-Künstler der Show fand einen Kompromiss und bemalte ihre Brüste schwarz.

1984 veröffentlichte sie das Album W.O.W., welches von Gene Simmons, einem Mitglied von KISS, produziert worden war, der auch den Bass auf dem gesamten Album spielte. Dabei nahm Williams auch vier Titel auf, die entweder von Kiss-Mitgliedern geschrieben worden waren oder bereits als Kiss-Demo („It’s My Life“) existierten. Der Titel „Thief In The Night“ wurde 1987 von Kiss für das Album Crazy Nights erneut aufgenommen. Die KISS-Mitglieder Paul Stanley, Ace Frehley, Eric Carr und Vinnie Vincent sind auch auf W.O.W. zu hören.[6]

1985 trat Wendy im Westport Playhouse in St. Louis in der Rocky Horror Show auf. Die Show wurde über sechs Monate lang aufgeführt, aber eine Amerikatour kam nicht zustande.

1986 spielte sie in Tom DeSimones Independent-Film Reform School Girls mit. Weder sie noch ihr Manager Rod Swenson mochten den Film, als er rauskam, aber zu diesem Zeitpunkt hatten die Produzenten ihr zweites Soloalbum Kommander of Kaos gehört und wollten drei Stücke daraus als Filmmusik verwenden. Sie sprachen Rod darauf an, ob er den Titelsong produzieren und Wendy ihn singen würde. Die Band stimmte dem zögerlich zu. Onkel Brian von „The Broc“ war Rods Koproduzent und spielte auch Saxophon. Die Filmgesellschaft bat Rod auch, ein Musikvideo zu produzieren und dabei Regie zu führen. Auch in diesem wirkte Onkel Brian wieder mit, trug ein Tutu und spielte Saxophon.

1987 verkörperte Wendy im Film The New Adventures of Beans Baxter den Teilzeitfreund und Feind des Titelhelden in der Untergrundspionswelt der Firma Fox. Ebenfalls 1987 spielte sie in dem Film Eat the Rich eine Terroristin.

Die letzte Tour der Plasmatics fand Ende des Jahres 1988 statt. 1988 veröffentlichte Wendy ein weiteres Soloalbum, dieses Mal ein „Thrash-Rap“-Album, Deffest and Baddest, mit dem Pseudonym „Ultrafly and the Hometown Girls“.

Wendys letzte bekannte Aufführung eines Plasmatics-Liedes kam zustande, weil Joey Ramone darauf bestand. Sie sang Masterplan ein letztes Mal mit Richie Stotts, als Richies Band als Vorband für die Ramones zu Silvester 1988 auftrat.[7]

1990 war Williams noch einmal in dem Film Pucker Up and Bark Like a Dog zu sehen, dessen Regisseur Paul S. Parco war.

Nach den Plasmatics[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 zog Williams nach Storrs, Connecticut um, wo sie mit ihrem Lebenspartner und Exmanager, Rod Swenson, lebte. Dort arbeitete sie als Wildtierpflegerin und besaß einen Reformkostladen in Manchester.[2] Sie erklärte diesen Lebenswandel mit der Begründung, dass sie einfach genug habe, sich mit Leuten herumzuschlagen (she „was pretty fed up dealing with people“).[8]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz ihres Rufes als furchteinflößende Künstlerin engagierte sich Williams in ihrem Privatleben aufopfernd im Tierschutz. Diese Leidenschaft schloss eine vegetarische Ernährung, ihre Arbeit als Wildtierpflegerin sowie ihre Tätigkeit als Aktivistin für natürliches Essen mit ein. Bei einem Auftritt in der Fernsehtalkshow The Morning Show des zum CBS-Netzwerk gehörenden Senders KPIX beschuldigte sie Debbi Fields, Autorin des Buches Mrs. Fields cookie fame und Besitzerin der Mrs.-Fields-Bäckereikette in den USA, nicht besser als ein Heroinpanscher zu sein, weil sie so viel weißen Zucker in ihren Produkten benutze.[9]

Suizid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1993 versuchte Williams das erste Mal, sich das Leben zu nehmen, indem sie ein Messer in ihre Brust stieß; das Messer blieb in ihrem Brustbein stecken. Sie überlegte es sich noch einmal anders und bat Swenson, sie ins Krankenhaus zu bringen.[4] 1997 versuchte sie es erneut mit einer Überdosis Ephedrin.[4]

1998 erschoss sich Williams im Alter von 48 Jahren in einem Waldgebiet nahe ihrer Wohnung.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Plasmatics[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plasmatics Diskografie

Solo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • W.O.W. (LP, 1984)
  • Kommander of Kaos (LP, 1986)
  • Deffest! and Baddest! (als „Wendy O Williams’ Ultrafly and the Hometown Girls“") (LP, 1988)
  • Fuck You!!! And Loving It: A Retrospective (LP, 1988)

Singles/EPs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stand By Your Man EP (7" EP, 1982) - mit Lemmy von Motörhead
  • It's My Life/Priestess (7" single, 1984)
  • Fuck 'N' Roll (live) (Cassette EP, 1985)

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bump 'n' Grind (live) (DVD, 2006)

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schauspielerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • MacGyver (Harry's Will) als "Big Mama" (1990)
  • Pucker Up and Bark Like a Dog als "Butch" (1990)[10]
  • The New Adventures of Beans Baxter (A Nightmare on Beans' Street) als "Machine Gun Woman" (1987)
  • The New Adventures of Beans Baxter (Beans' First Adventure: Part 1) as "Conju" (1987)
  • The New Adventures of Beans Baxter (Beans' First Adventure: Part 2) as "Conju" (1987)
  • Eat the Rich (1987)
  • Reform School Girls als "Charlie Chambliss" (1986)
  • SCTV (I'm Taking My Own Head...) als sie selbst (1981)
  • 800 Fantasy Lane (uncredited) "Girl playing tennis" (1979)[11]
  • Candy Goes to Hollywood als sie selbst (1979)[12]

Soundtrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Legend of Billie Jean performing "It's My Life"[13] (1985)

Als sie selbst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • VH-1 Where Are They Now? (Girls, Girls, girls) (2002)
  • Candy Goes to Hollywood (1979)[12]

Archivaufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Video on Trial (TV Episode 2.8) (2006)
  • 100 Most Metal Moments (2004)
  • Wendy O. Williams Live (Embassy Video, VHS 1985; Cherry Red, DVD 2006)[14]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wendy O. Williams' Death (Memento vom 15. Oktober 2011 im Internet Archive) In: modernatomic.com
  2. a b Phamous69. In: phamous69.com. Abgerufen am 8. Februar 2015.
  3. Butch Star, Edouard Dauphin, Kruger: Plasmatics: Your Heart In Your Mouth! (The First Four years). Raging Rhino Entertainment, United States of America 1982, S. 8.
  4. a b c Joy Williams (1998): The Love Song of Wendy O. Williams, SPIN, September 1998, S. 134–138 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  5. The Love Song of Wendy O. Williams, auf popmatters.com, gesehen 1. Juni 2010.
  6. Infos zu W.O.W. auf kissfaq.com
  7. glam-metal.com: The Shock Rock Giant – Interview with Richie Stotts By Thomas S. Orwat, Jr. (Memento vom 24. Juni 2008 im Internet Archive)
  8. Jayne Keedle: Wendy O., We Hardly Knew You. Archiviert vom Original am 5. Dezember 1998. Abgerufen am 20. Dezember 2008. 
  9. Wendy O. Williams suicide note
  10. Pucker Up and Bark Like a Dog. Internet Movie Database; abgerufen am 10. Juni 2015 (englisch).
  11. 800 Fantasy Lane. Internet Movie Database; abgerufen am 10. Juni 2015 (englisch).
  12. a b Candy Goes to Hollywood in der Internet Movie Database (englisch)
  13. Soundtrack "It's My Life" auf imdb.com
  14. Wendy O. Williams Live Video

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]