Werchow

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Stadt Calau
Koordinaten: 51° 43′ 33″ N, 13° 57′ 21″ O
Höhe: 90 m ü. NHN
Fläche: 12,81 km²
Einwohner: 438 (1. Jun. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 03205
Vorwahl: 03541

Werchow, niedersorbisch Wjerchownja, ist ein Ortsteil der Stadt Calau im nördlichen Teil des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Bis zur Eingemeindung nach Calau am 26. Oktober 2003 war Werchow eine eigenständige Gemeinde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werchow liegt in der Niederlausitz im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Der Ort ist umgeben von den Cabeler und Werchower Bergen. Nördlich liegt die Stadt Calau und der Gemeindeteil Plieskendorf. Im Osten folgen die Ortsteile der Stadt Vetschau/Spreewald Ogrosen und Gahlen. Südlich befinden sich Orte und Wohnplätze der Gemeinde Luckaitztal wie Gielow, Weißag, Zwietow und Gosda sowie der Werchower Gemeindeteil Cabel. Westlich von Werchow liegt der Calauer Ortsteil Kemmen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Gemarkung des Ortes konnten Archäologen bei Grabungen Siedlungsspuren sicherstellen, die in die jüngere Steinzeit datiert werden konnten. Werchow wurde am 5. November 1527 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname bedeutet der oben gelegene Ort und ist auf das niedersorbische Wort Wjerch Hügel zurückzuführen. Die Stadt gibt in einer Broschüre die Übersetzung Aue vor der Höhe an. Die niedersorbische Namensform wurde mit dem Suffix -nja erweitert, was einen Ort bezeichnet. Die sorbischen Namensformen Wėrchownej und Weŕchowna wurden 1761 und 1843 genannt. Aufgrund seiner Lage wird Werchow auch als Tor zur Calauer Schweiz bezeichnet. Durch den Ort führte ein Kirchsteig, über den die Einwohner der umliegenden Dörfer in die Kirche nach Calau gelangten.

Nach dem Wiener Kongress kam Werchow mit der gesamten Niederlausitz an das Königreich Preußen und gehörte zum Landkreis Calau. Zu dieser Zeit betrieben die Gebrüder Mende eine kleine Tuchfabrik im Ort, die jedoch in der Mitte des 19. Jahrhunderts schloss. 1830 wurde im Werchower Weinberg Braunkohle gefunden. Dies führte dazu, dass auf dem Areal der einstigen Tuchfabrik im Jahr 1851 die erste Braunkohlegrube Grube Marie eröffnete. Sie wurde ein Jahr später bei Werchow um die Grube Emilie und 1867 die Grube Margarete I ergänzt. Weitere drei Braunkohlegruben eröffneten und wurden bis 1904 betrieben. Im Jahr 1861 befanden sich vier von sieben im damaligen Landkreis registrierten Dampfmaschinen in Werchow. Zwei waren in Dampfmühlen und zwei in der Tuchfabrik. 1905 eröffnete eine Schule, die im 21. Jahrhundert von einer Kindertagesstätte genutzt wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Werchow zum 1952 neugegründeten Kreis Calau. Am 1. Januar 1957 wurde Cabel und am 15. Juli 1965 Plieskendorf nach Werchow eingemeindet.[2] Das zu Cabel gehörende Settinchen wurde am 1. Januar 1957 jedoch nach Gollmitz umgegliedert. In den 1980er Jahren lag Werchow in einem Bergbauschutzgebiet des Feldes Calau-Süd im Lausitzer Braunkohlerevier und war durch die Devastierung bedroht. Nach der Wende wurden die Planungen zur Öffnung des Feldes wieder verworfen.[3][4] Am 26. Oktober 2003 wurde Werchow mit seinen Gemeindeteilen und den Orten Mlode, Groß Mehßow, Kemmen, Bolschwitz sowie Saßleben in die Stadt Calau eingegliedert.[5] Werchow gehört zur Kirchengemeinde Calau, die seit 2010 Teil des Kirchenkreises Niederlausitz ist.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Werchow von 1875 bis 2002[6]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 490 1933 530 1964 626 1989 488 1993 527 1997 662 2001 698
1890 438 1939 464 1971 700 1990 488 1994 567 1998 663 2002 699
1910 502 1946 643 1981 565 1991 508 1995 570 1999 703
1925 528 1950 653 1985 542 1992 518 1996 645 2000 703

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goldborn

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich von Werchow verläuft die Bundesautobahn 13. Durch den Ort führt die Bahnstrecke Halle–Cottbus.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auskunft des Einwohnermeldeamtes der Stadt Calau vom 18. Juni 2020. Ohne Cabel (98 EW) und Plieskendorf (81 EW).
  2. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  3. Karte der Bergbauschutzgebiete von 1986. Abgerufen am 1. Februar 2021.
  4. Studie zur Fortschreibung der Tagebauentwicklung im Lausitzer Braunkohlerevier. Ministerium für Wirtschaft des Landes Brandenburg (Hrsg.), Mai 2007, S. 67. Abgerufen am 1. Februar 2021.
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  6. Statistik Brandenburg (PDF)
  7. Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (Hrsg.): Von Schwedenlinden, Findlingen und Rummeln – Naturdenkmale in Brandenburg, 2. Aktualisierte Ausgabe, 2011, S. 98

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1975.
  • Verlag+Druck Linus Wittich KG (Hrsg.) in redaktioneller Verantwortung der Stadt Calau: gemeinsam leben in Calau… kerngesunde Kleinstadt mit Witz, ohne Datumsangabe, S. 32

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Werchow/Wjerchownja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien