Werdorf

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Werdorf
Stadt Aßlar
Koordinaten: 50° 35′ 58″ N, 8° 25′ 2″ O
Höhe: 168 m ü. NHN
Fläche: 11,8 km²[1]
Einwohner: 3070 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 260 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 35614
Vorwahl: 06443

Werdorf ist ein Ortsteil der mittelhessischen Kleinstadt Aßlar im Lahn-Dill-Kreis mit etwa 3100 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dill bei Werdorf

Werdorf liegt im Tal der Dill, gegenüber von Berghausen und zwischen dem Westerwald (Westen) und dem Gladenbacher Bergland (Osten), mitten im Lahn-Dill-Gebiet. Im Westen liegt Ehringshausen, im Süden Berghausen und im Osten die Kernstadt von Aßlar. Im Norden wird der Ort von Wald mit dem 333 m hohen Behlkopf umgeben. Die nächste größere Stadt ist Wetzlar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Bronzezeit siedelten Menschen an dem den Ort durchfließenden Schönbach, da dieser leichter zu überqueren war (oder bei Hochwasser sicherer war) als die Dill.

Im Jahre 772 wurde die Ortschaft Werdorf im Lorscher Codex erstmals urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vom altgermanischen Wero ab, was „Mann“ bedeutet. Es bildete eine eigene Mark, die zeitweilig zum Bistum Speyer gehörte, ehe das Dorf zu den Besitztümern der Grafen von Solms zählte. Mittelpunkt des Ortes war die solmsische Vogtei mit einem herrschaftlichen Hof, an dem später das Schloss errichtet wurde. Kirchlich war Werdorf dem nahegelegenen Dillheim zugeordnet, bis im Zusammenhang mit der Errichtung des Schlosses auch eine eigene Pfarrei 1686 entstand, der das nahegelegene Berghausen als Filiale beigeordnet war. Seit dem 18. Jahrhundert sind des Weiteren jüdische Einwohner nachgewiesen. So existierten sowohl eine Synagoge als auch ein Jüdischer Friedhof. Außerdem entstanden eine Religionsschule und eine Mikwe. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sank die Zahl der jüdischen Einwohner, so dass im Jahre 1908 die jüdische Gemeinde, noch bestehend aus 4 jüdischen Einwohnern, aufgelöst wurde. Das jüdische Gotteshaus wurde im Jahr 1979 abgerissen.[3] Der zwischen 1888 und 1941 genutzte Friedhof (Breitenbacher Straße) mit 1020 m² ist erhalten geblieben. In dieser Zeit wurden rund 50 Personen beigesetzt, neben Juden aus Werdorf auch jüdische Bewohner von Ehringshausen und Kölschhausen.[4]

Dorfplatz

Werdorf wurde im Zuge der hessischen Gebietsreform am 1. Januar 1977 per Landesgesetz in die Gemeinde Aßlar eingegliedert.[5] Die Großgemeinde erhielt ein Jahr später, am 16. November 1978, schließlich die Stadtrechte.[6]

Die Gründungslegende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gründung und Namensgebung von Werdorf gibt es eine Legende, die etwa wie folgt erzählt wird: Es waren einmal zwei Gräfinnen, die an einen Ort an der Dill ritten. Ihnen gefiel dieser Ort, und sie ließen sich hier ein Schloss bauen. Als nun die Handwerker hier wohnten, sagte die eine: "Es werde eine Stadt!" Die andere widersprach: "Nein, es werde ein Dorf!" Und so wurde aus "Werd-Dorf" der Name Werdorf.

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Werdorf unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Wertorph, in (772/3) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3119 = 3687b]
  • Werdorpher, in marca (772/3) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3119 = 3687b]
  • Wertorph, in villa (782) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3105 = 3704c]
  • Wertdorf (782) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3105 = 3704c]
  • Wertorph, in (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3185 ]
  • Wertorph, in villa (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3106 = 3714b]
  • Wertorpher, in marca (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3106 = 3714b]
  • Wertdorf, in (802/817) [XII Jh. Codex Eberhardi 1 I, 156 ra [62], S. 271 = Dronke, Traditiones Capitulum 6 Nr. 62, S. 37]
  • Wertorph, in villa (817) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3103 = 3729c]
  • Werdorph, in villa (817) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3103 = 3729c]
  • Werhtorf (1150) [Fälschung Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3, Nr. 1336, S. 311-313]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Werdorf unterstand im Überblick:[1][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[1]

  • 1834: 680 evangelische Einwohner, 4 Katholiken, 21 Juden
  • 1905: 1053 Einwohner
  • 1939: 1431 Einwohner
  • 1961: 2137 Einwohner
  • 1970: 2291 Einwohner
Werdorf: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
725
1840
  
851
1846
  
913
1852
  
878
1858
  
869
1864
  
927
1871
  
897
1875
  
904
1885
  
936
1895
  
1.021
1905
  
1.053
1910
  
1.128
1925
  
1.291
1939
  
1.431
1946
  
2.016
1950
  
2.139
1956
  
2.063
1961
  
2.137
1967
  
2.211
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik und Gerichtsbarkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsbeirat waren in der Legislaturperiode von 2006 bis 2011 die SPD mit 3 Sitzen, die CDU mit 2 Sitzen, die FWG mit 3 Sitzen und die Grünen mit 1 Sitz vertreten. Ortsvorsteher ist Rainer Apfelstedt (SPD), sein Stellvertreter Erich Hofmann (CDU).

Im Ort befindet sich ein Ortsgericht, das auch für den Nachbarort Berghausen zuständig ist. Werdorf liegt des Weiteren im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Wetzlar.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdorfer Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werdorfer Schloss

In den Jahren 1680 bis 1700 wurde das Barockschloss von den Grafen zu Solms-Greifenstein erbaut und diente als Witwen- sowie als Sommersitz für die gräfliche Familie. Ab 1720 war es ein Fideikommissgut und wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrmals als Lehranstalt genutzt.

Der dreigeschossige Hauptbau besitzt an der Nordseite ein übergiebeltes Mittelrisalit und zwei haubenbekrönte Ecktürme mit Schießscharten. An der Südfront befindet sich ein Eingangsbau aus dem Jahr 1914, der durch den Architekten Carl Seiler aus Braunfels gestaltet wurde.[8]

Heute wird das Fürstenzimmer vom Standesamt Aßlar als offizielles Trauzimmer genutzt. In den übrigen Räumen ist seit 1982 das Museum für Heimatkunde untergebracht.[9][10]

Evangelische Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Pfarrkirche

Die evangelische Kirche von Werdorf bildet den Ortsmittelpunkt. Erst durch die Errichtung des Schlosses wird das 1253 erstmals erwähnte Gotteshaus zur Pfarrkirche erhoben. Die Kirche besteht aus einem spätromanischen Chorturm und einem Kirchenschiff in Saalbauweise, das erst 1755 bis 1757 errichtet wurde. Der Chorturm besitzt zudem zwei Wehrgeschosse mit Spitzhelmdach.[11]

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Werdorf verläuft die Bundesstraße 277, die von Dillenburg kommend nach Wetzlar führt. Nördlich des Dorfes verläuft die Trasse der Autobahn 45, an die in Ehringshausen Anschluss besteht. In der Ortsmitte zweigt die Kreisstraße 385 in Richtung Süden, nach Berghausen, ab. Sie ist in Werdorf als Bahnhofstraße geführt. Im Jahr 1889 wurde auch ein Haltepunkt an der neugebauten Dillstrecke am südlichen Ortsrand eingerichtet. Er wird im Schienenpersonennahverkehr bedient.

Der Ort besitzt eine Grundschule, eine Kindertagesstätte, eine Sporthalle und fünf Restaurants. Außerdem verfügt Werdorf über eine eigene Freiwillige Feuerwehr und eine Geschäftsstelle der Volksbank Mittelhessen und zwei Supermärkte.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Werdorf, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 25. November 2016)
  2. Einwohnerzahlen der Stadt Aßlar, abgerufen im Februar 2017.
  3. Geschichte der jüdischen Gemeinde Werdorf
  4. Der Jüdische Friedhof in Werdorf
  5. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/ Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 383.
  7. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  8. Denkmalpflege Hessen: Werdorfer Schloss
  9. Stadt Aßlar: Werdorfer Schloss
  10. Verein für Heimatgeschichte 1980 Werdorf: Museum/Schloss - Heimatmuseum
  11. Evangelische Pfarrkirche Werdorf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Werdorf – Sammlung von Bildern