Kunstgewerbeschule- und Handwerkerschule Hannover

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Das Schulgebäude vor 1899

Die Kunstgewerbeschule- und Handwerkerschule Hannover war eine Kunstgewerbeschule in Hannover.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtmauerturm am Neuen Weg Ecke Knappenort (im Hintergrund die Marktkirche) stand auf dem Gelände der ehemaligen Werkkunstschule;
Chromolithographie von Ernst Jordan, um 1915

Gegründet wurde die Schule 1791 als Freye Zeichenschule für das Handwerk. Im 19. Jahrhundert wurde sie in Kunstgewerbeschule- und Handwerkerschule Hannover umbenannt. Von 1889 bis 1891 erbaute Paul Rowald südlich der Innenstadt zwischen Friedrichswall und Köbelinger Markt ein neues Schulgebäude.

Kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten diente die nunmehrige „Staatlich-städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule“ als Sammelstelle für die auszusondernden Bücher, die der Bücherverbrennung in Hannover an der Bismarcksäule zum Opfer fallen sollten.[1]

Das Schulgebäude wurde während der Luftangriffe auf Hannover 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Nach dem Krieg wurde die Schule als Werkkunstschule wieder eröffnet, war zeitweilig in den Räumen des Künstlerhauses untergebracht.[2] In den 1960ern bezog sie einen Neubau in der Herrenhäuser Straße 8 (heute Sitz des Fachbereichs Architektur der Universität Hannover)[3] und wurde mit Einrichtung der Fachhochschulen zum 1. August 1971 Teil der Fachhochschule Hannover. Sie bildete dort die Fakultät III – Medien, Information und Design.

Der Fachbereich Bildende Kunst und der Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen wurden zum Sommersemester 2008 bzw. Wintersemester 2008/2009 im Rahmen des Hochschuloptimierungskonzepts der niedersächsischen Landesregierung geschlossen. Es werden keine neuen Bewerber zugelassen.

Das Fächerangebot hat sich in der Zeit des Bestehens häufig gewandelt, ebenso wie der Standort der Schule.

Die Zeit der Kunstgewerbeschule (bis 1943)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste von Schülern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgende alphabetische Liste führt ausgewählte Personen auf, die an der Kunstgewerbeschule Hannover studiert haben.

Liste von Lehrern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgende alphabetische Liste führt ausgewählte Personen auf, die an der Kunstgewerbeschule Hannover unterrichtet haben:

  • Carl James Bühring (* 11. Mai 1871; † 2. Januar 1936) lehrte um 1900 nebenberuflich als Architekt
  • Fritz Burger-Mühlfeld (* 3. März 1882; † 1969) war ein deutscher Maler der Neuen Sachlichkeit und unterrichtete mit Unterbrechungen von 1919 bis 1947
  • Wilhelm von Debschitz (* 21. Februar 1871; † 10. März 1948), war Maler, Innenarchitekt, Kunsthandwerker, Kunstpädagoge und von 1914 bis 1921 Direktor der Kunstgewerbeschule
  • Karl Gundelach (* 16. Juni 1856; † 19. Januar 1920) war ein deutscher Bildhauer und unterrichtete von 1900 bis 1920
  • Friedrich Heinrichsen (* 24. November 1901; † 14. November 1980) war ein deutscher Typograf, Grafiker und Textdichter und lehrte ab 1929 an der Kunstgewerbeschule
  • Rudolf Kempf (* 6. Dezember 1864);[5]
  • Ferdinand Moser (* 14. Juli 1859; † 23. Juli 1930) war ein deutscher Architekt und Direktor von Kunstgewerbeschulen, als Subdirektor war er von 1891 bis 1892 in Hannover
  • Adolf Narten (* 7. Januar 1842; † 27. Dezember 1928) war ein deutscher Architekt.
  • Hermann Narten (* 17. Mai 1839; † 30. Mai 1916) war ein deutscher Bildhauer, Architekt und Museumsleiter.
  • Hermann Scheuernstuhl (* 1894; † 1982) unterrichtete Bildhauerei.
  • Kurt Sohns (* 9. Januar 1907; † 4. Januar 1990) war nicht nur Schüler, sondern unterrichtete von 1932 bis 1939 auch Farbenlehre
  • Ludwig Vierthaler (* 16. Januar 1875; † 4. März 1967) war Bildhauer und unterrichtete ab 1915
  • Carl Wiederhold (* 2. August 1863; † 25. August 1961) war Maler und unterrichtete zwischen 1900 und 1930 nebenberuflich Farbenlehre, Freihandzeichnen, Kopfstudien und Aktzeichnen, Ornamentzeichnen und Dekorationsmalerei
  • Heinrich Zeininger (* 11. März 1867; † 15. Mai 1939) war von 1902 bis 1905 Stadtobergärtner in Hannover und unterrichtete nebenamtlich gärtnerisches Fachzeichnen.

Die Zeit der Werkkunstschule (bis 1971)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste von Schülern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgende alphabetische Liste führt ausgewählte Personen auf, die an der Werkkunstschule Hannover studiert haben:

  • Herbert Aulich (* 27. Januar 1927) ist ein deutscher Maler, Grafiker und Objektkünstler
  • Dagmar Brand (* 1943), deutsche Künstlerin
  • Ulrich Behl (* 1939) ist ein deutscher Grafiker
  • Rolf-Hermann Geller (* 1945), deutscher Grafiker und Maler sowie Lehrbeauftragter[2]
  • Johann Georg Geyger (* 1921; † 2004) war ein deutscher Maler und Grafiker.
  • Raimund Girke (* 28. Oktober 1930; † 12. Juni 2002) war ein deutscher Maler
  • Erich Grün (* 1915), Kunsterzieher und Maler
  • Hermann Kracht (* 1929; † 2011) ist ein deutscher Bildhauer
  • Hanns Joachim Klug (1928; † 2013) ist ein deutscher bildender Künstler
  • Arnold Leissler (* 3. Juli 1939) ist ein deutscher Maler und Grafiker
  • Godehard Lietzow (* 18. November 1937; † 6. August 2006) war ein deutscher Künstler und Galerist
  • Peter Marggraf (* 19. September 1947) ist ein deutscher Bildhauer, Zeichner und Büchermacher
  • Alf Mintzel (* 18. April 1935) ist ein deutscher Soziologe und Politologe
  • János Nádasdy (19. Juli 1939) ist ein deutscher bildender Künstler ungarischer Herkunft
  • Alfred Pohl (* 22. August 1928) ist ein deutscher Grafiker und Holzschneider
  • Hans Gerd Ruwe (* 1926; † 1995) war ein deutscher Steinmetz und Bildhauer
  • Benjamin Schubert (* 1961) ist ein deutscher bildender Künstler
  • Hansrudi Wäscher (* 5. April 1928) ist ein Comiczeichner und Comicautor
  • Detlef Winter (*4 April 1929; † 11. September 2010) war ein deutscher Maler, Grafiker, Lithograph und Bühnenbildner
  • Dieter Witte (1937–2008), deutscher Industriedesigner
  • Sigrid Wylach (* 3. Dezember 1941) ist eine deutsche Textil- und Möbeldesignerin

Liste von Lehrern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgende alphabetische Liste führt ausgewählte Personen auf, die an der Werkkunstschule Hannover unterrichtet haben.

  • Raimund Girke (* 28. Oktober 1930; † 12. Juni 2002) war ein deutscher Maler und unterrichtete von 1966 bis 1971.
  • Rolf Hartung (* 1908; † 7. Oktober 1995) war ein deutscher Kunsterzieher, Maler und Autor.
  • Klakow
  • Louis Niebuhr (* 1936) lehrte von 1969 bis 1972 Bildhauerei.
  • Karl Otto, Ingenieur und Leiter der Werkkunstschule in den späten 1950ern, Mitbegründer der Sonderschauen formgerechter Industrieerzeugnisse auf der Hannover Messe.[6]
  • Erich Rhein (* 19. Juli 1902; † 22. Dezember 1956) war ein deutscher Maler und Grafiker und leitete ab 1947 die Schule
  • Johannes Friedrich Sass (* 5. Mai 1897; † 1972) war ein deutscher Maler und unterrichtete ab 1956
  • Gerhard Wendland (* 29. Oktober 1910; † 23. Juli 1986) war ein deutscher Maler und Grafiker der Abstrakten Kunst und leitete ab 1956 die Abteilung Freie Malerei.
  • Ernst Zietzschmann, Architekt und Leiter der Werkkunstschule Hannover, mitbegründete 1965 den Verein Die gute Industrieform e. V.,[7] der seit 1954 den iF-Award verleiht.
  • Hinnerk Schrader (* 1932; † 1989) war ein Maler, Zeichner und Konstrukteur fragiler Zeltbauten und poetischer Skulpturen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemalt, gedruckt, gewebt: Aufbau und Werk der Textilabteilung an der Werkkunstschule Hannover. Katalog zur Ausstellung vom 10. bis 31. Juli 1960. Hannover 1960.[8]
  • Hans Richter: 40 Jahre Rollenbild und Film. Katalog zur Ausstellung der Werkkunstschule Hannover und der Staatlichen Werkkunstschule Kassel in Verbindung mit dem Kasseler Kunstverein. Hannover 1960.[9]
  • Ausstellung der Werkkunstschule Hannover. Unterrichtsmethodik und Ergebnisse der Abteilung Gebrauchsgraphik. Ausstellungskatalog. Hannover 1961.[10]
  • Gestaltete Umwelt. Ausstellungskatalog zur Werkbundausstellung 5. August bis 27. August 1961, Orangerie Hannover-Herrenhausen. Hannover 1961.[11]
  • Pier Luigi Nervi. Ausstellungskatalog zur Ausstellung der Werkkunstschule Hannover und der Architekturabteilung der Technischen Hochschule Hannover im Lichthof der Technischen Hochschule Hannover vom 22. Januar bis 19. Februar 1961. Hannover 1961.[12]
  • Ines Katenhusen: Werkkunstschule (bis 1949: Kunstgewerbeschule). In: Stadtlexikon Hannover, S. 671.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kunstgewerbeschule (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Hoffschildt: Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933, in: Olivia. Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover. Verein zur Erforschung der Geschichte der Homosexuellen in Niedersachsen, Hannover 1992, Selbstverlag, ISBN 3-9802909-0-5, S. 87ff.
  2. a b Assunta Verrone 
(Verantw.): Rolf-Hermann Geller und das Logo des Festivals der Philosophie auf der Seite accademia-di-ipazia.de, zuletzt abgerufen am 27. Juni 2016
  3. Bauen und Wohnen 7/1965
  4. Hugo Thielen: Nitzschke, Hans. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 271 u.ö.
  5. Kempf, Rudolf (Architekt, Kunstmaler, geb. 06.12.1864) in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  6. Historie des iF Industrie Forum Design (Memento vom 3. September 2009 im Internet Archive), abgerufen am 26. Oktober 2015.
  7. Historie des iF Industrie Forum Design (Memento vom 3. September 2009 im Internet Archive), abgerufen am 26. Oktober 2015.
  8. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  9. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  10. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  11. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  12. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek