Werkleitz Gesellschaft

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Werkleitz unterstützt professionelle Künstler und Kunstnachwuchs, realisiert und präsentiert Filmkultur und Medienkunst, vom Kurzspielfilm über Dokumentarfilm bis zu interaktiven Installationen und Internetprojekten. Werkleitz wurde 1993 im Dorf Tornitz/Werkleitz gegründet und ist seit 2003 in Halle ansässig. Das jährliche Werkleitz Festival, hervorgegangen aus der Werkleitz Biennale, ist eine internationale Präsentationsplattform für Film- und Medienkunst in den neuen Bundesländern.

Das Stipendien- und Förderprogramm European Media Artists in Residence Exchange, A38 Produktionsstipendium, Werkleitz-Projektförderung, Supported Artist von Werkleitz unterstützt und vernetzt Einzelkünstler aus dem In- und Ausland. Seit 2011 bietet Werkleitz mit der mehrmonatigen Professional Media Master Class eine erfolgreiche Praxis-Weiterbildung für Dokumentarfilmer und Medienschaffende in Ost-/Mitteldeutschland. Der Technikverleih im Haus bietet Ausrüstung für unkommerzielle Film- und Videoproduktionen und steht beratend zur Seite. In Kooperation mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle betreibt Werkleitz das Videorama als Präsentationsort für Videokunst.

Werkleitz wird institutionell gefördert vom Land Sachsen-Anhalt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde von 27 Studenten und Kulturschaffenden aus den alten und neuen Bundesländern im gleichnamigen Dorf gegründet. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte 1993. Das erste Ergebnis der Vereinsarbeit war die erste Werkleitz Biennale 1993 mit dem Titel „Tapetenwechsel“, der programmatisch für den Aufbruch in ein neues Konzept eines Medienkunstfestivals stand: die gemeinsame und gleichwertige Präsentation von Film/Video, Bildender Kunst, Computerkunst und Performance in einer (kulturell wie finanziell) strukturschwachen ländlichen Gegend.

Im Jahr 2004 wurde die Werkleitz Gesellschaft von der Stadt Halle eingeladen, ihren Sitz dort einzurichten. Vor allem aus logistischen und strukturellen Gründen folgten die Verantwortlichen der Einladung; mit Vereinsbeschluss vom 24. Oktober 2004 verließ man Werkleitz und operiert seitdem von Halle aus.

Tätigkeitsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft leistet die Arbeit eines Medienbüros sowie einer Medienwerkstatt bei der Realisierung von Projekten im Bereich des Bewegtbilds und der digitalen Medien. Weitere Angebote umfassen diverse Förderstipendien (EMARE, EMAN), Künstlerpräsentationen (Visiting Artist, Supported Artist), Workshops zu den Themen Filmprojektvorbereitung, Aufnahme, Postproduktion und Film- und Medientheorie, sowie die Erstellung und Betreuung der weltweit ersten umfangreichen Internet-Datenbank für Experimentalfilm und Videokunst, Cinovid (seit 1996). Darüber hinaus organisiert die Werkleitz Gesellschaft unterschiedliche Veranstaltungen teils allein, teils mit Kooperationspartnern; so zum Beispiel das von der Europäischen Union geförderte und zusammen mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt durchgeführte Projekt „Import Export“, bei dem es um die Dynamik der gegenseitigen Wahrnehmung Indiens/Europas im Globalisierungszeitalter ging.

Werkleitz Biennale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eines der Aushängeschilder waren die Werkleitz Biennalen, die alle zwei Jahre als ein topografische und kategorielle Grenzen übergreifendes Forum durchgeführt wurden, welches stets aus einem aufwendig kuratierten Filmprogramm und einer entsprechenden Ausstellung bestanden. Die Besonderheit, dies in ländlicher Umgebung durchzuführen, machte Werkleitz sowohl als Ort als auch als Medienkunstprojekt nicht nur für Fachkreise bekannt, spätestens nachdem Ulrich Wickert in den Tagesthemen von der „documenta des Ostens“ gesprochen hatte (31. Juli 2002).

Werkleitz Festival[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 findet anstelle der Werkleitz Biennalen ein jährliches Werkleitz Festival statt, welches im Stadtraum Halle durchgeführt wird.

Die Feuilletons der regionalen und überregionalen deutschen Presse berichten regelmäßig über die Werkleitz Biennale und das Werkleitz Festival, u. a. weil es diesen Veranstaltungen gelingt, mit Thema und Präsentationsweise Aufmerksamkeit und Gemüter zu erregen. Die wechselnden Verantwortlichen konzentrieren sich dabei jeweils auf ein konkretes, gesellschaftlich relevantes Thema und hinterfragen dieses mithilfe künstlerischer Positionen.

Die Biennalen:

  • Tapetenwechsel (1993)
  • Cluster Images (1996)
  • Sub Fiction (1998)
  • [real]work (2000)
  • Zugewinngemeinschaft (2002)
  • Common Property/Allgemeingut (2004)
  • Happy Believers (2006)

Die Festivals:

  • AMERIKA (2008)
  • .move (2009)
  • Angst hat große Augen (2010)
  • ZOO (2011)
  • .move forward (2012)
  • Werkleitz Jubiläums Festival 2013 Utopien vermeiden (2013)

Werkleitz Festival 2014: Doppelgänger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Medium Film ist ideal für das Motiv des Doppelgängers. Figuren, die im Kino auf der Leinwand erscheinen, wirken geradezu so lebendig, als seien sie leibhaftig und nicht Abbild. Früh entdeckten Filmemacher, dass man Figuren mittels Doppelbelichtung duplizieren kann, so dass sich der filmische Raum bis in den letzten Winkel mit scheinbar identischen Gestalten füllen lässt. In den acht für Werkleitz Festival 2014 von Marcel Schwierin (Berlin) und Luc-Carolin Ziemann (Leipzig) kuratierten Filmprogrammen erscheinen Doubles, Klone und Roboter, Spiegel-, Zerr- und Vexierbilder aller Art. Die Filmprogramme hinterfragen, wie in einer Welt, in der Kopien allgegenwärtiger sind als Originale, Doppelgänger zu Projektionsflächen und Orientierungspunkten werden. Sie verhandeln den Unterschied von Kopie und Original und die politische Dimension deren Austauschbarkeit.

Werkleitz Festival 2015: .move ON[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werkleitz Festival 2015 .move ON stellte aktuelle Medienkunst von 16 Künstlern sowie Künstlerkollektiven aus Kanada, Australien und Europa vor. Die Arbeiten wurden im Rahmen des Stipendiatenprogramms European Media Artists in Residence Exchange (EMARE) 2014/15 realisiert. Die bei den insgesamt zehn Gastgeberinstitutionen des EMARE-Netzwerks entstandenen Arbeiten sind überwiegend medienanalytisch. Sie verhandeln aktuelle Technologien und deren gesellschaftliche Relevanz. Die Künstler setzten sich mit virtueller Realität, Fiktion und mit veränderten audiovisuellen Erzählstrukturen auseinander. So wurden etwa Afrofuturismus (Soda_Jerk), alternative Zukunftsszenarien, Asyl (Wachter und Jud), Großstadtleben (Christina Picchi) und Seifenblasen (Verena Friedrich) zum Gegenstand der Auseinandersetzung. 

Werkleitz Festival 2016: Trans-Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werkleitz Festival 2016 Trans-Positionen fand im Oktober 2016 in Korrespondenz zu dem internationalen Radiokunst-Festival Radio Revolten von Radio Corax in Halle (Saale) statt. Vor dem Hintergrund dieser Kooperation geht das Werkleitz Festival in seiner Ausstellung, in der Performance und dem mehrteiligen Filmprogramm medienübergreifend auf das Radio als Träger von Hör-Kunst ein. Trans-Positionen untersucht das Verhältnis von Ton und elektronischem Bild sowie die politische Bedeutung des Radios und die Aktualität des Mediums. Das Werkleitz Festival umfasst die Ausstellung des Audioscopic Research Archive von Friedrich Jürgenson, eine Leihgabe des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM), im Foyer der Kulturstiftung des Bundes, die audiovisuelle Performance der schwedischen Künstler Hampus Lindwall, Joakim Forsgren und Leif Elggren in der Halleschen Moritzkirche, die auf Einladung des Kurators Martin Hartung für Trans-Positionen entwickelt wird, sowie das von Florian Wüst kuratierte Filmprogramm im Zazie Kino & Bar.

Projekte und Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil des Charmes, Kunst auf dem Dorf zu inszenieren, ging mit dem Umzug nach Halle verloren, gleichzeitig eröffneten sich neue Projektmöglichkeiten. So wächst die Zahl der nationalen und internationalen Kooperationen, z.B. mit dem Theater der Welt 2008, im Rahmen der EU-geförderten Stipendien (2007 etabliertes European Media Art Network zusammen mit Impakt!-Festival Utrecht/Niederlande, VIVID Media Arts Centre Birmingham/UK und Interspace Medienkunstzentrum Sofia/Bulgarien) oder auch durch Personalaustausch mit der Ars Electronica Linz/Österreich.

1995 initiiert die Werkleitz Gesellschaft das European Media Artists in Residence Exchange (EMARE) Programm mit wechselnden europäischen Medieneinrichtungen als Partner, das mit mehrfacher EU-Förderung bis heute 150 europäische Künstler unterstützen konnte.

2011 startet die Werkleitz Gesellschaft mit Unterstützung des European Social Funds und der Mitteldeutschen Medienförderung die Professional Media Master Class (PMMC) – eine halbjährige Weiterbildung für mitteldeutsche Medienschaffende im Dokumentarfilmbereich. Die 10 Teilnehmer produzieren 5 kurze Dokumentarfilme. Partner sind die Dokwoche Leipzig, das Dokfest Kassel, sowie das Bandits-Mages Festival in Bourges und Labomedia in Orléans. Zu den Dozenten zählen bekannte Personen wie die Gründer des Internationalen Forums des Jungen Film der Berlinale, Erika Gregor und Ulrich Gregor, der Filmessayist Harun Farocki, sowie die mehrfach mit dem deutschen und internationalen Kamerapreisen ausgezeichnete Kamerafrau Sophie Maintigneux.

Professional Media Master Class (PMMC)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Professional Media Master Class (PMMC) von Werkleitz bietet mitteldeutschen Film- und Medienschaffenden verschiedenster Bereiche die Möglichkeit, sich in der professionellen Medienpraxis weiterzubilden und für den Medienmarkt zu qualifizieren. Die PMMC ist keine akademische Ausbildung, sondern eine praxisorientierte Weiterbildung bei Meistern ihres Faches. Sie soll helfen, die Lücke zwischen den zahlreichen Medienstudiengängen Mitteldeutschlands und den praktischen Anforderungen der Medienbranche zu schließen.

Luther-Trip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkleitz initiierte 2013 in Kooperation mit der lkj (Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V.) das mehrjährige Projekt Luther-Trip. Gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird eine webbasierte Karte, auf der Luthers Wege und bekannte Punkte der Reformationsbewegung mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen verknüpft werden entwickelt. Ziel ist die Erforschung und Neuinterpretation der Themen Reformation und Luther im Rahmen von Exkursionen in Luthers Heimat, das Mansfelder Land. Bereits vor Ort können die gewonnen Eindrücke in Form von Text-, Bild- und Audiomaterial von den Teilnehmenden über eine eigens entwickelte App in eine digitale Karte eingepflegt werden. Die kartierten Wege sind Basis für jede weitere Exkursion. Mit jeder eingetragenen Tour wird das Netzwerk engmaschiger. Die Exkursionen führen durch die von Landwirtschaft, Bergbau und Hüttenwesen geprägten Siedlungen. Neben dem Wirken des Reformators nehmen die Touren auch die kulturelle Identität der Region in den Blick.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Voeux de lʹInternet Europe 2007 wird EMARE-Koordinator und Werkleitzgründungsmitglied Peter Zorn im Haus der europäischen Parlamentarier in Straßburg mit dem Golden @ Award in der Kategorie Kunst ausgezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]