Werkstein

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Steinmetz an einem Werkstein mit sogenanntem Geschirr arbeitend (Dresden 1948)
Werksteinblöcke in einem Hafenlager auf einer historischen Darstellung

Ein Werkstein ist ein Stein, der als Werkstück, also als Gegenstand der Fertigungstechnik, betrachtet wird. Damit steht der Werkstein im Unterschied zum unbearbeiteten Lesestein oder Bruchstein beziehungsweise zum Rohblock, der als solcher noch nicht als Baumaterial oder Gebrauchsgegenstand dient. Der Werkstein ist außerdem das zentrale künstlerische Medium des (Stein)bildhauers.

Werkstein im Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Massiver Stein wird von Steinmetzen verwendet. Natursteine unter einer Dicke von 8 cm werden in der Naturstein-DIN 18332 als Platten und über 8 cm als Massivarbeiten bezeichnet. Massive Arbeiten herzustellen, nennen die Steinmetzen Werkarbeit, sie stellen demzufolge ein Werk, Werksteine, her. Die Werksteinbearbeitung und der entsprechende Werkzeugeinsatz durch die Steinmetzen unterscheidet sich erheblich nach Weichgestein oder Hartgestein.

Werden alle Sichtflächen bearbeitet, spricht man vom allseits bearbeiteten Werkstück. Die nicht sichtbaren Flächen eines Werkstücks bleiben meist rau und werden entsprechend den Anforderungen lediglich in der Oberfläche eingeebnet.

Naturwerkstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Werkstein fließt in den Begriff Naturwerkstein ein, denn Naturstein oder Stein ist jeder in der Natur vorkommende Stein (z. B. Findling, Lesestein, Gesteinsvorkommen). Vom Werkstein unterschieden wird der auch zum Haus- bzw. Mauerbau verwendete Bruchstein.

Betonwerkstein / Kunststein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betonwerksteine sind künstlich hergestellte Werksteine, auch Kunststein genannt.

Neben Zement als Bindemittel und gegebenenfalls verschiedenen Hilfs-, Zusatz- und Füllstoffen wird für die Herstellung überwiegend Kies, also natürliches Gestein als Zuschlag verwendet.

Bearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Werksteinoberfläche wird bearbeitet, um beispielsweise folgende Strukturen zu erhalten: spaltrau, geflammt, gestockt, bossiert, gesägt, geschliffen oder poliert. Geflammte Oberflächen werden heute häufig auch noch gebürstet, um eine angenehmere und pflegeleichtere Oberfläche zu erhalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größeren Steine der Tempel von Göbekli Tepe gehören zu den ältesten bekannten Werksteinen der Weltarchitektur. Die Außenmauern bestehen hingegen aus Bruchsteinen.

Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Beginn der Sesshaftigkeit (um 10000 v. Chr.) gab es überhaupt keine Steinbauten; erst bei den repräsentativen religiösen Bauten der Frühzeit im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes (z. B. Göbekli Tepe) wurden einige der verwendeten Steine behauen und geglättet. In der Tempelarchitektur Ägyptens, Griechenlands und Roms wurde diese Technik immer weiter verfeinert und erlebte in der Tempelarchitektur Indiens und Südostasiens sowie in der Kathedralarchitektur der europäischen Spätromanik, Gotik und Renaissance neue Höhepunkte, wenngleich auch hier oft nur die sichtbaren Seiten der Mauern mit exakt behauenen Steinen verkleidet wurden, wohingegen das Füllmaterial aus Bruchsteinen und Bauschutt bestand.

Wohnbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Kulturstufe der Jäger und Sammler lebten die Menschen unter Felsvorsprüngen (abris) oder in kleinen Hütten aus Ästen und Zweigen mit Abdeckungen aus Blättern, Schilf und Gras. Deutlich später entstanden feste Bauten aus Zweigen mit Lehmbewurf oder Fachwerkkonstruktionen. Nur ganz allmählich entwickelte sich auch in der Wohnarchitektur eine Steinbauweise, bei der die zum Bauen verwendeten Fundsteine einfach aufeinander gelegt und mit etwas Erde abgedichtet und stabilisiert wurden; diese Technik hat sich je nach Region und Bauzweck bis in die Gegenwart hinein gehalten (siehe z. B. die Agadire in Marokko). Insgesamt gesehen dauerte es bei Palast- und Wohnbauten deutlich länger bis sich eine Architektur aus exakt geformten Steinen (Lehmziegel bzw. Mauerziegel) durchsetzte.

Wehrbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Wehr- und Festungsbauten (Burgen, Stadtmauern etc.) hielt sich die Bruchsteinbauweise noch bis ins ausgehende Mittelalter, wenngleich die Ecksteine von Torbauten oder Bergfrieden zumeist exakt behauen wurden. Die Mauern wurden in vielen Fällen mit Hausteinen verkleidet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther Mehling: Naturstein-Lexikon. Callwey, München 1993, ISBN 3-7667-1054-0, S. 627–628.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Werkstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien