Werner Barg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Werner C. Barg (* 1957 in Neumünster) ist ein deutscher Autor und Filmproduzent. Unter dem Pseudonym Henrijk van Zaiszt veröffentlichte er in den 1980er Jahren satirische Essays und Kurzfilme.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von 19 Jahren beendete Werner Barg die Immanuel-Kant-Schule in Neumünster und studierte an der Universität Kiel zunächst Philosophie, später Germanistik und Geschichte, zudem Geographie, Soziologie und Pädagogik. Die Ausbildung umfasste Gastsemester sowohl in Marburg als auch in Freiburg im Breisgau.

Nach dem Zivildienst arbeitete Werner Barg zunächst zwei Jahre als Medienpädagoge. Bereits in diese Zeit fielen erste Veröffentlichungen. Gemeinsam mit dem Künstler und Musiker Jonathan Weiszbrodt - in Bargs erster Produktionsfirma Vulkan-Film - formulierten sie offene Briefe an Politiker, publizierten kritische Essays zu Themen wie Kernenergie, Friedensbewegung und drehten Kurzfilme u.a. für den NDR. Die als vulkanistisch bezeichneten Filme und Texte nahmen den bundesrepublikanischen Politikbetrieb satirisch aufs Korn. In Anlehnung an Heinrich von Kleist unterzeichnete Barg seine Arbeiten mit dem Pseudonym Henrijk van Zaiszt.

Von 1987 bis 1993 unterrichtete Barg Ästhetik und Geschichte des Films an der Kieler Universität, sowie Kunst der Medien an der Pädagogischen Hochschule Kiel und Medienpraxis an der dortigen Fachhochschule. 1992 promovierte er über die Filme von Alexander Kluge und Edgar Reitz an der Universität Kiel – die Dissertation erschien ab 1996ff. als Sachbuch [1]. Im Anschluss war Dr. Werner Barg fünf Jahre als künstlerischer-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Fernsehen/Film an der Kunsthochschule für Medien Köln tätig. In Zusammenarbeit mit Prof. Michael Lentz und Prof. Jeanine Meerapfel beteiligte er sich am Aufbau des Lehrbereichs Drehbuchschreiben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon ab 1995 veröffentlichte Barg zahlreiche Rezensionen zu neu erschienenen Film-Fachbüchern in der Zeitschrift Medienwissenschaft und schrieb bis 1998 Filmkritiken für die Kulturredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

1998 wurde Barg zum Studienleiter an die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin berufen. Ab 2001 war er zusätzlich künstlerischer Leiter der angeschlossenen Drehbuchakademie. Mit Ausscheiden von Prof. Reinhard Hauff wurde Barg ab 2005 einer der beiden Interims-Geschäftsführer. In dieser Funktion verantwortete er insbesondere die Außenvertretung der dffb für Produktion und Koproduktion der Abschlussfilme gegenüber Fernsehsendern und Filmförderungen, bei Programm füllenden Filmen zudem die Zusammenarbeit mit Redaktionen und Produzenten. In den über 15 Jahren Lehrtätigkeit betreute Werner Barg zahlreiche Dokumentationen sowie über 20 Spielfilme für Kino und Fernsehen zusätzlich als Koproduzent und Dramaturg. Darunter waren Projekte wie Berlin is in Germany (2001) vom Regisseur Hannes Stöhr, Mitfahrer – Jede Begegnung ist eine Chance (2003), Regie: Nicolai Albrecht sowie Früher oder später (2007) von der Regisseurin Ulrike von Ribbeck.

Ab 2007, seit seinem Ausstieg aus dem Lehrbetrieb, ist Dr. Werner C. Barg hauptberuflich als Autor und Produzent für Fernseh-, Kino- und Wirtschaftsfilm tätig. Als Chefdramaturg betreute er die erste Staffel der Doku-Fiktion-Serie Die Deutschen (2008) vom ZDF; davon fünf Folgen in der szenischen Dramaturgie und zwei Folgen als Koautor. Für den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien war Werner Barg dramaturgischer Berater der geförderten Drehbuchprojekte.

Um bei der Produktion von Debüt-, Dokumentar- und Arthousefilmen, ebenso an der Entwicklung von historischen Doku-Fiktion-Formaten möglichst senderübergreifend zu arbeiten, gründeten Werner Barg und Alexander von Hohenthal, Geschäftsführer der Opal Filmproduktion, in 2011 die herzfeld productions als Erweiterung der Opal-Gruppe. Als erstes Beispiel für die synergetische Zusammenarbeit steht die Kino-Koproduktion mit dem NDR: Über das Meer - Die DDR-Flucht des Erhard Schelter [2] (2011), ein Doku-Drama in der Regie von Arend Agthe; 2017 verantwortete Barg als Produzent den satirischen Kinospielfilm Einsamkeit und Sex und Mitleid, Regie Lars Montag.

Werner Barg arbeitet zudem als Krimi-Autor. Gemeinsam mit Andreas Dirr beteiligte er sich an der ZDF Serie Küstenwache, Folge: Die Bernsteinhexe [3] (2012). Autorenprojekte von Dr. Werner C. Barg behandeln vorwiegend Themen aus Historie und Zeitgeschichte. So auch Die Odyssee der Kinder (2008) über die Fluchtgeschichte jüdischer Kinder, der so genannten Teheran-Kinder während des Zweiten Weltkriegs, zusammen mit Autor und Produzent Stephan M. Vogel für das ZDF. Seit 2010 arbeitet Werner C. Barg als Autor und Realisator für history-vision.de, eines der größten Online-Filmarchive für Zeitgeschichte [4]. Weitere Projekte sind: Jahrestage - 365 Tage - 365 Ereignisse - 365 Clips, in dem für jedes Datum des Jahres ein historisches Ereignis filmisch dokumentiert wird, die Clip-Produktionen Boulevard History sowie das App-Guide zur Geschichte der Berliner Mauer. Zudem arbeitet Barg an der Filmclip-Produktion des kontinuierlich wachsende Webportal Your History - Mehr Wissen über den Holocaust, einem dreijährigen Förderprojekt des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [5].

Weiterhin schreibt Barg Filmkritiken für den sh:z (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag/Flensburger Tageblatt) und veröffentlicht Fachessays zu Themen wie Filmkultur, Filmrezeption, Kinofilm [6].

Werner Barg ist mit der Schauspielerin Lisa Adler verheiratet und lebt in Berlin und in der Uckermark.

Filmpolitisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„…der Zuschauer ist mehr denn je gefordert, auf eine Medienwelt zu reagieren, die weitgehend tabulos fast alles zu zeigen bereit ist. Gefordert ist die eigene Sensibilität, die persönliche Verantwortung, die manchem Medienmacher offenbar abhanden gekommen ist. Wo die gesellschaftlichen Zeigegesten immer grenzenloser werden, wird jeder für sich und individuell seine Tabus finden und seine „persönlichen Skandale“ setzen müssen, um nicht gänzlich in den uferlosen Sex-&-Crime-Attitüden der Medien abzustumpfen. Es geht darum, Tabu im eigentlichen Wortsinne wieder ernst zu nehmen, als das Unanschaubare….“ (Zitat: Barg aus: Skandalfilme. Von der Lust an der Provokation. S. 9) [7].

1980 war Werner Barg Gründungsmitglied der Kieler Künstlervereinigung Deutsche AC.NE und Gründungsmitglied der Filmförderung Schleswig-Holstein e.V., von 1991 bis 1993 war er Mitglied im Vorstand. 1993/94 arbeitete er für den Bundesverband Jugend und Film (BJF) im Kulturmanagement und verantwortete Konzeption und Leitung des Zelttournee-Projekts 100 Jahre Kino. Er war Mitglied der Jury des Internationalen Verbandes der Filmclubs (FICC) beim Internationalen Filmfestival von Locarno 1998 und Mitglied der PANORAMA-Kurzfilmjury der Berlinale 2000 und dem FISH 2007.

Seit 2002 ist Werner Barg Mitglied im Kuratoriums des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums (KJF), ab 2008 sein Stellvertretender Vorsitzender; seit 2009 ist Werner Barg zudem ehrenamtliches Mitglied der Fachjury für den Deutschen Jugendfilmpreis und Mitglied der Jury des Bundes.Festival.Film.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1988: Publikumspreis beim No-Budget-Kurzfilmfestival Hamburg für "Nichtgedanke feat. Die Wanne des Monats".
  • 1997: Debüt-Drehbuchpreis (mit Thomas Plöger) der Medienstiftung Schleswig-Holstein, des Rowohlt-Verlags und des NDR für Der Acker, die Hölle über das Leben der Landarbeiter im 19. Jahrhundert.

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erzählkino und Autorenfilm, Zur Theorie und Praxis filmischen Erzählens bei Alexander Kluge und Edgar Reitz, (Dissertation) München: Fink-Verlag, 1996, ISBN 3-7705-3001-2
  • Kino der Grausamkeit, Die Filme von Sergio Leone, Stanley Kubrick, David Lynch, Martin Scorsese, Oliver Stone und Quentin Tarantino (Koautor: Thomas Plöger), Frankfurt/Main: BJF-Verlag, 1996, ISBN 3-89017-147-8
  • Handbuch: Jugend:Film:Kultur, Grundlagen und Praxishilfen für die Filmbildung (Mitherausgeber, Autor), München,: kopaed-Verlag, 2006, ISBN 3-938028-15-7
  • Spiel mit der Wirklichkeit Zur Entwicklung doku-fiktionaler Formate in Film und Fernsehen (Mitherausgeber, Autor), Konstanz: UVK 2012 (Reihe CLOSE UP, Schriften aus dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart), ISBN 978-3-86764-257-6

Artikel und Essays (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Correct history – falsely told. Intertextuality and the interpretation of history in Rainer Werner Fassbinders Lola and Lili Marleen. In: Kodikas/Code, Volume 17, Tübingen: Narr-Verlag, 1994, S. 91–107 (englisch)
  • Ein Dokumentarist des Protestes. Alexander Kluges Theorie des Dokumentarfilms. Beobachtungen zu seinen Essayfilmen und Fernsehmagazinen. In: Manfred Hattendorf (Hrsg.): Perspektiven des Dokumentarfilms (= diskurs film 7), München: diskurs-verlag, 1995, S. 111–126
  • Grenzenlose Phantasie!? 100 Jahre Kino – Auf dem Weg zum synthetischen Film. In: Horst Schäfer/Walter Schobert (Hrsg.): Fischer Film Almanach 1995, Frankfurt/Main: Fischer-Verlag, 1995, S. 480–490
  • Die Revolution in Großaufnahme – Ein Plädoyer für das Nachdenken über neue Formen der Filmgeschichtsschreibung. In: Knut Hickethier u.a. (Hg.) Der Film in der Geschichte, Berlin: Ed. Sigma, 1997, S. 241–254
  • (Irr)-Wege in die virtuelle Welt: Film, Computer, Cyberspace. In: Wolfgang Zacharias (Hrsg.): Interaktiv – Im Labyrinth der Möglichkeiten, Remscheid 1997, S. 99–105
  • Neue Moderne!? - Eine medienästhetische Standortbestimmung des Kinos am Beginn des 21. Jahrhunderts. In: Horst Schäfer (Hrsg.): Lexikon des Kinder- und Jugendfilms, Meitingen: Corion-Verlag, 2000, Kapitel 6: Genre, Themen und Aspekte
  • Das MATRIX-Phänomen. Ein Essay. In: Horst Schäfer (Hg.): Lexikon des Kinder- und Jugendfilms, Meitingen: Corion-Verlag, April 2004 (16. Erg.-Lfg.)
  • Filmästhetik, Filmsprache, Filmanalyse - Geschichte, Methoden, Perspektiven. In: Werner Barg, Jan Schmolling u.a. (Hrsg.), Handbuch: Jugendkultur und Filmverstehen. München: Kopäd-Verlag, 2005
  • Der metaphysische Psychothriller. In: Psychopraxis 5/2006, S. 22–30 (gemeinsam mit Hinderk Emrich)
  • Das Kino der Rebellen – Jugendprotest im internationalen Film seit dem Zweiten Weltkrieg. In: Horst Schäfer (Hg.): Lexikon des Kinder- und Jugendfilms, Meitingen: Corion-Verlag, November 2007 (26. Erg.-Lfg.)
  • Spannende Geschichten aus der Geschichte – Zur Bedeutung des Fernsehens als historisches Gedächtnis für junge Leute. In: Medienconcret: Politik 2.0., Köln 2009, S. 56–60
  • Kinderbilder und Kindheitsdarstellungen in Spielfilmen für Erwachsene. In: tv diskurs 3/2009, S. 14–19

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.abebooks.de/servlet/SearchResults?an=Barg,+Werner
  2. http://www.ndr.de/fernsehen/epg/epg1157_sid-1036401.html (Memento vom 1. Oktober 2011 im Internet Archive)
  3. http://www.serienjunkies.de/kuestenwache/15x23-die-bernsteinhexe.html
  4. http://www.history-vision.de/home.html
  5. http://www.medienkomm.uni-halle.de/an-institut/him/projekte/your-history/
  6. Barg, Werner C.: Skandalfilme. Von der Lust an der Provokation. In: Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) (Hrsg.): tv diskurs. Tabus. Kulturell gesetzt, medial verhandelt. 14. Jg., Heft 4/10. (Online auf mediaculture-online.de)
  7. Barg, Werner C.: Skandalfilme. Von der Lust an der Provokation. In: Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) (Hrsg.): tv diskurs. Tabus. Kulturell gesetzt, medial verhandelt. 14. Jg., Heft 4/10. (Online auf mediaculture-online.de)