Werner Gephart

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Werner Gephart (* 1949) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler, Soziologe und Künstler. Er ist Gründungsdirektor des an der Universität Bonn ansässigen Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“.

Leben und Wissenschaftlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Gephart studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bonn sowie Soziologie an der Universität zu Köln. Er promovierte 1986 an der Universität Göttingen mit einer Arbeit über Émile Durkheim. 1991 habilitierte er sich an der Universität Düsseldorf mit der venia legendi für Soziologie. Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten an der Universität Düsseldorf (1977–1990) sowie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (1990–1991), folgte 1992 die Ernennung zum Universitätsprofessor für Soziologie an der Universität Bonn. Darüber hinaus hatte Werner Gephart Gastprofessuren in Moskau (1990/1991), Paris (1994/1995), Tunis (1998), St. Louis (2001) und Herzliya (2008) inne. 2010 gründete Werner Gephart das Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für den Zeitraum von 2010 bis 2022 gefördert wird.

Wissenschaftliche Arbeiten und künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der soziologischen Theorie, den soziologischen Klassikern und der Geschichte der Soziologie widmet sich Werner Gephart Fragen der Kunst- und Kultursoziologie, der Literatur- und Mediensoziologie, der Religions- sowie insbesondere der Rechtssoziologie. Er ist Mitherausgeber der Zeitschriften Droit et Société[1], Law and Literature[2] und Law and the Arts sowie Herausgeber des Bandes „Recht“ im Rahmen der historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke Max Webers[3]. Neben Max Weber gilt eine besondere Aufmerksamkeit dem Werk des französischen Soziologen Emile Durkheim[4].

Seit mehreren Jahrzehnten befasst sich Werner Gephart zudem intensiv mit der soziologischen Analyse von Rechtskulturen. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen nimmt Werner Gephart dabei insbesondere auch deren Verhältnis zu konkurrierenden normativen Ordnungen (wie Religion, Sitte oder Mode) in unterschiedlichen „Geltungskulturen“[5][6] in den Blick. Zu diesem Zweck unterscheidet er in seinen Schriften – ausgehend insbesondere von Weber und Durkheim – zwischen einer normativen, einer symbolischen, einer rituellen und einer organisationsförmigen Dimension von Recht als einer zentralen Sphäre des sozialen Lebens. Das Recht bildet damit einen zentralen Bestandteil in der von Gephart entwickelten Theorie der Sphären der Moderne[7][8], die im Gegensatz zu anderen Differenzierungstheorien der modernen Gesellschaft gerade auf die wechselseitige Überlagerung und Durchdringung gesellschaftlicher Teilbereiche abstellt[9].

Aus der langjährigen Beschäftigung mit diesen Themen und klassischen Autoren resultierte im Jahr 2010 die Gründung des Käte Hamburger Kollegs „Recht als Kultur“. Das Kolleg möchte einen Beitrag zum Verständnis von Recht in Zeiten einer voranschreitenden Globalisierung normativer Ordnungen leisten. Anders als in den Rechtswissenschaften, insbesondere der Rechtsdogmatik, geht es im Kolleg darum, Recht als eine wichtige Dimension einer sich globalisierenden Welt mit den kategorialen und methodischen Mitteln der Geisteswissenschaften begreiflich zu machen[10].

Die Forschungsschwerpunkte Werner Gepharts finden sich ebenso in seinen künstlerischen Arbeiten wieder. Seine Gemälde, Collagen und Installationen veranschaulichen die Geschichte der Sozialwissenschaften und ihre Beziehung zu den zugrundeliegenden Rechtskulturen. Ein wiederkehrendes Motiv bilden hierbei Porträts der soziologischen Gründerväter. Darüber hinaus nimmt er in seinen Werken auf aktuelle Ereignisse, beispielsweise den Brexit oder auch die Flüchtlingskrise Bezug. Seine Arbeiten wurden bereits in Düsseldorf, Köln, Bonn, Oldenburg, Paris, New York, Bloomington, Trier, Tunis, New Delhi und zuletzt am King’s College London im Rahmen der Ausstellung “Some Colours of the Law” präsentiert[11].

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reihenherausgeberschaften

  • Werner Gephart (Hrsg.), Schriftenreihe des Käte Hamburger Kollegs „Recht als Kultur“, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2012ff.[13]
  • Werner Gephart (Hrsg., ab Bd. 6 gemeinsam mit Daniel Witte), Gesellschaft und Kommunikation. Soziologische Studien, Münster: LIT Verlag 2005ff.[14]

Monografien und Sammelwerke (Auswahl)

  • Werner Gephart, Jan Christoph Suntrup: Dynamics of Constitutional Cultures. The Cultural Manifestation and Political Force Field of Constitutionalism, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2020.
  • Werner Gephart: In the Realm of Corona Normativities. A Momentary Snapshot of a Dynamic Discourse, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2020.
  • Werner Gephart: Some Colours of the Law. Images and Interpretations, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2017.
  • Werner Gephart/Daniel Witte: The Sacred and the Law. The Durkheimian Legacy, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2017.
  • Werner Gephart/Daniel Witte: Recht als Kultur? Beiträge zu Max Webers Soziologie des Rechts, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2017.
  • Werner Gephart/Jure Leko: Law and the Arts. Elective Affinities and Relationships of Tension, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2017.
  • Werner Gephart/Jan Christoph Suntrup: The Normative Structure of Human Civilization. Readings in John Searle's Social Ontology, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2017.
  • Werner Gephart, Martin Schermaier (Hrsg.), Rezeption und Rechtskulturwandel. Europäische Rechtstraditionen in Ostasien und Russland, Frankfurt am Main 2016.
  • Werner Gephart, Raja Sakrani, Jenny Hellmann (Hrsg.), Rechtskulturen im Übergang/Legal Cultures in Transition. Von Südafrika bis Spanien, vom Nachkriegsdeutschland bis zum Aufbruch der arabischen Welt, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2015.
  • Werner Gephart, Jan Christoph Suntrup (Hrsg.), Rechtsanalyse als Kulturforschung II, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2015.
  • Werner Gephart, Law, Culture, and Society. Max Weber’s Comparative Cultural Sociology of Law, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2015.
  • Katharina Boele-Woelki, Nina Dethloff, Werner Gephart (Hrsg.), Family Law and Culture in Europe. Developments, Challenges and Opportunities, Cambridge: Intersentia 2014.
  • Werner Gephart, Jürgen Brokoff, Andrea Schütte, Jan Christoph Suntrup (Hrsg.), Tribunale. Literarische Darstellung und juridische Aufarbeitung von Kriegsverbrechen im globalen Kontext, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2013.
  • Werner Gephart (Hrsg.), Rechtsanalyse als Kulturforschung, Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2012.
  • Werner Gephart, Recht als Kultur. Für eine geisteswissenschaftliche Erforschung von Recht im Globalisierungsprozess, Nullnummer der Schriftenreihe des Käte Hamburger Kollegs „Recht als Kultur“, Bonn/Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann 2010.
  • Werner Gephart und Siegfried Hermes (Hrsg.), Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte. Nachlaß, Teilband 3: Recht [MWG I/22-3], Mohr Siebeck, Tübingen 2010.
  • Werner Gephart, Goethe als Gesellschaftsforscher. Und andere Essays zum Verhältnis von Literatur und Soziologie, Münster 2008.
  • Werner Gephart, Recht als Kultur. Kultursoziologische Studien zum Recht [Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte. Veröffentlichungen des Max Planck Instituts für Europäische Rechtsgeschichte, Band 209], Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2006.
  • Werner Gephart, Voyages sociologiques. France – Allemagne, Paris: l'Harmattan 2005.
  • Werner Gephart und Karl-Heinz Saurwein (Hrsg.), Gebrochene Identitäten. Zur Kontroverse um kollektive Identitäten in Deutschland, Israel, Südafrika, Europa und im Identitätskampf der Kulturen, Opladen: Leske + Budrich 1999.
  • Werner Gephart und Hans Waldenfels (Hrsg.), Religion und Identität. Im Horizont des Pluralismus, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999.
  • Werner Gephart u. a., Medien-Mythos? Die Inszenierung der Prominenz und Schicksal am Beispiel von Diana Spencer. Opladen; Wiesbaden: Westdeutscher 1999 (Zusammen mit Miriam Meckel, Klaus Kamps, Patrick Rössler).
  • Werner Gephart, Gründerväter. Soziologische Bilder mit Deutungen von Alois Hahn, Wolf Lepenies, Richard Münch u. a., Opladen: Leske + Budrich 1998.
  • Werner Gephart, Bilder der Moderne. Studien zu einer Soziologie der Kunst- und Kulturinhalte, Opladen: Leske + Budrich 1998 (Sphären der Moderne; Bd. 1).
  • Werner Gephart, Handeln und Kultur. Vielfalt und Einheit der Kulturwissenschaften im Werk Max Webers, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1998.
  • Werner Gephart, Symbol und Sanktion. Die Theorie der kollektiven Zurechnung von Paul Fauconnet, Opladen: Leske + Budrich 1997.
  • Werner Gephart und Ludger Honnefelder (Hrsg.), Das Zusammenwachsen Europas. Die europäische Integration als Herausforderung an die Universität. 1994.
  • Werner Gephart, Gesellschaftstheorie und Recht. Das Recht im soziologischen Diskurs der Moderne, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993.
  • Werner Gephart und Hans Peter Schreiner (Hrsg.), Stadt und Kultur, Opladen: Leske + Budrich 1991.
  • Werner Gephart, Strafe und Verbrechen. Die Theorie Emile Durkheims, Opladen: Leske + Budrich 1990.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Droit et société | Lextenso editions. Abgerufen am 26. Januar 2018 (französisch).
  2. Law & Literature. 1. Januar 2012 (degruyter.com [abgerufen am 26. Januar 2018]).
  3. Mohr Siebeck GmbH & Co. KG: Max Weber-Gesamtausgabe. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  4. Strafe und Verbrechen – Die Theorie Emile Durkheims | Springer. 1990 (springer.com [abgerufen am 26. Januar 2018]).
  5. Rechtsanalyse als Kulturforschung. 1 (= Schriftenreihe des Käte-Hamburger-Kollegs „Recht als Kultur“. Band 1). 1. Auflage. Klostermann, Frankfurt, M 2012, ISBN 978-3-465-04147-4 (dnb.de [abgerufen am 26. Januar 2018]).
  6. Inhaltsverzeichnis, Rechtsanalyse als Kulturforschung, Frankfurt 2012. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  7. Bilder der Moderne – Studien zu einer Soziologie der Kunst- | Werner Gephart | Springer. (springer.com [abgerufen am 26. Januar 2018]).
  8. Bilder der Moderne: Studien zu einer Soziologie der Kunst- und Kulturinhalte. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 1998, ISBN 978-3-663-09412-8, urn:nbn:de:1111-201312134979 (ergänzende Literaturangabe).
  9. W O R K S H O P „Differenzierungskulturen. Zu einer kultursoziologischen Wende der Differenzierungsforschung“ – Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  10. Projektvorstellung – Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  11. Prof. Dr. jur. Dr. h.c. Werner Gephart – Käte Hamburger Kolleg „Recht als Kultur“. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  12. Bulletin officiel n°14 du 4 avril 2019. (PDF; 40 KB) In: iufrance.fr. Institut Universitaire de France, 4. April 2019, abgerufen am 26. Januar 2021 (französisch): „Le jury des membres seniors est présidé par Werner Gephart, professeur à l'université de Bonn (Allemagne).“
  13. Verlag Vittorio Klostermann | Rechtswissenschaft – Recht als Kultur. Abgerufen am 14. Februar 2018.
  14. LIT Verlag Berlin-Münster-Wien-Zürich-London. Abgerufen am 14. Februar 2018.