Werner Höfer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Werner Höfer auf der Frankfurter Buchmesse (1977)

Werner Höfer (* 21. März 1913 in Kaisersesch; † 26. November 1997 in Köln) war ein deutscher Journalist, Fernsehmoderator und Fernsehdirektor beim Westdeutschen Rundfunk.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Höfer, Sohn eines Straßenbaumeisters, studierte Philosophie, Geschichte, Theater- und Zeitungswissenschaft und arbeitete zunächst als Feuilletonredakteur beim Neuen Tag in Köln. Seit März 1933 war er Mitglied der NSDAP.[1] Höfer wechselte später nach Berlin zum Magazin Koralle und von hier aus schließlich an die B.Z. am Mittag, bei der er seit 1941 als Theaterkritiker tätig war.

Höfer wurde 1939 vom Wehrdienst freigestellt. 1941 wurde er Pressereferent der Organisation Todt und danach im Rüstungsministerium von Albert Speer.[1] Zeitungsartikel schrieb er von da an in freier Mitarbeit. Als die B.Z. am Mittag eingestellt wurde, schrieb Höfer auch für Das 12-Uhr-Blatt. Zudem war er Mitarbeiter der NS-Propagandazeitung Das Reich.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Höfer (zweiter von links)

Nach seiner Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft (1946) schrieb Höfer zunächst gelegentliche Theaterkritiken für den Rheinischen Merkur, richtete dann aber sehr früh sein Hauptinteresse auf Hörfunk und Fernsehen (Südwestfunk Baden-Baden in der Außenstelle Koblenz, Nordwestdeutscher Rundfunk bzw. Westdeutscher Rundfunk im Funkhaus Köln).[2] Er gilt als Gründervater des WDR-Regionalprogramms und moderierte Sendungen wie Echo des Tages und Hier und Heute. 1964 übernahm Höfer die Leitung des neu geschaffenen dritten Fernsehprogramms des WDR, 1972 wurde er WDR-Fernsehdirektor. Im Jahr darauf bewarb sich Höfer vergeblich um das Amt des WDR-Intendanten, 1977 beendete er auf eigenen Wunsch seine Tätigkeit für den WDR. Zwischenzeitlich fungierte er auch als Chefredakteur der Neuen Illustrierten und als diplomatischer Korrespondent der Zeitschrift Stern.

Größte Bekanntheit erlangte Werner Höfer durch den von ihm moderierten Internationalen Frühschoppen, einen sonntäglichen Journalistenstammtisch, bei dem internationale Medienvertreter aktuelle politische Themen diskutierten. Dabei handelte es sich um ein in Anlehnung an das US-Fernsehen entwickeltes Talking-Heads-Format, das hier jedoch eine unverwechselbare kosmopolitische Note erhielt. Die erste Ausgabe wurde am 6. Januar 1952 im NWDR-Hörfunk gesendet, ab August 1953 übertrug das ARD-Fernsehen die Sendung.[3] Ungeachtet kritischer Stimmen, die Höfer Weitschweifigkeit und einen zuweilen oberlehrerhaften Moderationsstil unterstellten, war die Sendung während eines Vierteljahrhunderts eine feste Institution im deutschen Fernsehen. Eine Besonderheit bestand darin, dass Höfer sich nie vertreten ließ und seinen Urlaub stets so legte, dass er das ganze Jahr über sonntags seine Gastgeberrolle im Frühschoppen wahrnehmen konnte. Zur Wirkung Höfers bilanzierte Norbert Schneider 1979: „Für die ersten 25 Jahre des Deutschen Fernsehens hat es Werner Höfer geschafft, ähnlich wie etwa das ‚Wort zum Sonntag‘, wie die politischen Montagsmagazine der ARD bis 1977, wie die ‚Sportschau‘ am frühen Samstagabend mit Fernsehen schlechthin identifiziert zu werden.“[4]

Kreiten-Affaire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. September 1943 wurde der Pianist Karlrobert Kreiten vom Volksgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und vier Tage später hingerichtet. Kreiten hatte Zweifel geäußert, dass Deutschland den Krieg gewinnen könne. Am 20. September kommentierte Werner Höfer die Angelegenheit im 12-Uhr-Blatt:

„Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!“[5]

1987 berichtete der Spiegel über Höfers Beitrag von 1943 und löste damit eine heftige öffentliche Debatte aus.[6] Zwar hatte schon 1962 der Leiter der Kommission für Agitation und Propaganda beim Zentralkomitee der SED, Albert Norden, den Sachverhalt an die Öffentlichkeit gebracht, doch war dies folgenlos geblieben, da in der Bundesrepublik das Interesse am Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus noch wenig ausgeprägt war und man den DDR-Behörden, die zu Propagandazwecken oft mit falschen Angaben arbeiteten, misstraute. Höfer sagte 1962 genauso wie 1987, ihm sei in den Text hineinredigiert worden, einzelne Passagen seien verändert worden; zudem beziehe sich der Artikel nicht auf Kreiten, da dessen Name nicht erwähnt sei.[7] Gab sich die Öffentlichkeit damit 1962 zufrieden, fiel die Reaktion ab 1987 kritischer aus. 1988 veröffentlichte ein Mitschüler Kreitens ein Buch, zu dem die Familie Kreitens bis dahin unbekannte Einzelheiten beitrug. Außerdem nahmen in dem Buch Historiker die Artikel Höfers aus der Zeit des Nationalsozialismus unter die Lupe und fanden weitere belastende Details.[8] Ihm wurde nachgewiesen, tatsächlich der Verfasser des vom Spiegel als „Hinrichtungshymne“ interpretierten Artikels gewesen zu sein.[9] Daraufhin versuchte sich Höfer mit den Worten zu entschuldigen, in der schlimmsten Zeit der deutschen Geschichte sei er zwar kein Widerstandskämpfer, aber auch kein Schreibtischtäter gewesen. Trotzdem musste er den Frühschoppen aufgeben. Die Sendung musste vom WDR sogar ganz aus dem Programm genommen werden, da Höfer die Urheberrechte an dem Sendeformat besaß. Stattdessen sendete der WDR fortan den Presseclub.

Als pensionierter Fernsehdirektor lebte Werner Höfer abwechselnd in Köln-Rodenkirchen und Kampen auf Sylt. Weiterhin war er als Moderator tätig, etwa für öffentliche Diskussionsveranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten, unter anderem im Auftrag der Sparkassenstiftung „City-Treff“ in Köln. Unter dem Titel Bühler Begegnungen moderierte Höfer (der nach eigenem Bekunden seine Sendung Der Internationale Frühschoppen erst hatte aufgeben wollen, wenn „ich mit einem Glas in der Hand am Frühschoppentisch umfalle“) schließlich nochmals ab 1992, abwechselnd mit anderen Moderatoren, monatlich eine Fernsehsendung aus einem Hotel im Schwarzwald.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Tochter Candida Höfer (* 1944) ist Fotografin.

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sprecher:

Als Autor gemeinsam mit Gustav Zerres:

  • 1953: Gipfelstürmer mit dem Regenschirm – Ein Bericht von Kampf und Sieg um den Mount Everest – Regie: Wilhelm Semmelroth

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Frei, Johannes Schmitz: Journalismus im Dritten Reich. 3. Auflage. C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-45516-6, S. 143 ff.
  • Uwe Kammann: Spätschoppen. Der Fall Werner Höfer. In: Lutz Hachmeister, Friedemann Siering (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47597-3, S. 213–237.
  • Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6.
  • Norbert Schneider: „Zu meiner Linken begrüße ich …“ Rituale der Fernsehdiskussion. In: Helmut Kreuzer und Karl Prümm (Hrsg.): Fernsehsendungen und ihre Formen. Typologie, Geschichte und Kritik des Programms in der Bundesrepublik Deutschland. Reclam, Stuttgart 1979, S. 438–448.
  • Matthias Weiß: Journalisten. Worte als Taten. In: Norbert Frei (Hrsg.): Karrieren im Zwielicht. Hitlers Eliten nach 1945. Campus, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-593-36790-4, S. 241–302.
  • Nina Verheyen: Diskussionslust. Eine Kulturgeschichte des „besseren Arguments“ in Westdeutschland, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Werner Höfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5. S. 253.
  2. DER SPIEGEL 50/1959: Kurzvita in Die Werner-Höfer-Schau (abgerufen am 1. August 2014)
  3. Zur Fernsehpremiere ausführlich Harald Keller: Die Geschichte der Talkshow in Deutschland. S. Fischer, Frankfurt/M. 2009, S. 113ff.
  4. Norbert Schneider, S. 444
  5. Peter Wapnewski: Karlrobert Kreiten – Ich und wir. In: FAZ vom 28. November 1987, abgedruckt in: Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6, S. 168f.
  6. Harald Wieser: Tod eines Pianisten. In: Der Spiegel. Nr. 51, 1987, S. 156–170 (online 14. Dezember 1987).
  7. Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6, S. 134.
  8. Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6.
  9. so Peter Wapnewski Karlrobert Kreiten – Ich und wir. In: Friedrich Lambart (Hrsg.): Tod eines Pianisten: Karlrobert Kreiten und der Fall Werner Höfer. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-48-6, S. 169.