Werner Haftmann

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Werner Haftmann (* 28. April 1912 in Glowno, Weichselland, Russisches Kaiserreich; † 28. Juli 1999 in München) war ein deutscher Kunsthistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium in Berlin und Göttingen, wo er 1936 über das italienische Säulenmonument promovierte, war er Assistent am Kunsthistorischen Institut in Florenz und hatte dort neben seiner Beschäftigung mit der italienischen Kunst der Renaissance auch die Gelegenheit, in Kontakt mit der Kunst der Klassischen Moderne zu bleiben. Anlässlich seiner Überlegung, eine Assistentenstelle in Wien bei Hans Sedlmayr zu bekommen, wird er allerdings 1939 von Friedrich Kriegbaum, dem Direktor des Florentiner Instituts als linientreuer Nationalsozialist, SA-Mann und Parteianwärter angepriesen.[1] Haftmann trat die Stelle dann nicht an, um lieber freischaffend tätig zu sein.

Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat. Seit 1950 war er Dozent an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und veröffentlichte 1954 ein Standardwerk zur Malerei im 20. Jahrhundert. 1955, 1959 und 1964 war er unter der organisatorischen Leitung Arnold Bodes für die kunsthistorische Oberleitung und Thesenfindung der documenta I, documenta II und documenta III verantwortlich. Hier wurde zum ersten Mal ein Überblick über die Klassische Moderne und die aufkommende Pop Art (1964) gegeben. Heftige Kontroversen während der Vorbereitungen zur 4. documenta führten zum Rücktritt Haftmanns.

1967 wurde er erster Direktor der Neuen Nationalgalerie in Berlin, die ein Jahr später in den Neubau von Mies van der Rohe einzog. Haftmann ging daran, aus den beiden Rumpfsammlungen der Nationalgalerie und der Galerie des 20. Jahrhunderts eine geschlossene Sammlung zu machen. Diese sollte an die berühmte Neue Abteilung im Kronprinzenpalais anknüpfen, die ab 1919 von Ludwig Justi aufgebaut und 1937 durch die Aktion Entartete Kunst zerstört worden war. In den Bau zogen zunächst alle Werke der Nationalgalerie (West) und die der städtischen Galerie des 20. Jahrhunderts. Der Ankaufetat der Neuen Nationalgalerie war von Anfang an eher gering. Ende der 60er betrug er etwa 200.000 DM. Viele Bilder konnten aber mit Hilfe der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und ab 1977 durch die Unterstützung der Freunde der Nationalgalerie erworben werden. Die Museumskonzeption und die Ankaufspolitik waren auch jetzt oft von heftiger öffentlicher Anteilnahme geprägt. Haftmann gelang es, der immer noch rudimentären Sammlung eine profilierte Kontur zu geben und sie in einen internationalen Kontext zu stellen. Nach 1968 gab es trotzdem schwere Auseinandersetzungen, als sich Haftmann gegen grenzüberschreitende Happenings und Installationen wandte. In der aufgeheizten Lage wurden teilweise die Glasscheiben des Mies-Baus eingeschlagen und sogar zerschossen. Seit 1970 war Haftmann auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Im Oktober 1974 legte Haftmann aus gesundheitlichen Gründen seine Ämter nieder, publizierte aber weiterhin maßgebliche Bücher und Essays zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Von 1967 bis 1970 war Werner Haftmann mit Roswitha Viollet verheiratet. 1987 heiratete er Evelyn Gutbrod.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Klee, Prestel Verlag, München 1950
  • Deutsche Abstrakte Maler, Verlag Woldemar Klein, Baden-Baden 1953
  • Malerei im Zwanzigsten Jahrhundert. Prestel Verlag, München 1954 (9. Auflage 2000, ISBN 3791304917)
  • Verfemte Kunst. DuMont Buchverlag, Köln 1986. ISBN 3-7701-1940-1
  • Der Bildhauer Martin Mayer. München 1988. ISBN 3-7667-0900-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans H. Aurenhammer: Hans Sedlmayr und die Kunstgeschichte an der Universität Wien 1938–1945, in: Kunst und Politik. Jahrbuch der Guernica-Gesellschaft, Bd. 5, Kunstgeschichte an den Universitäten im Nationalsozialismus, hrsg. von Jutta Held und Martin Papenbrock, Göttingen 2003, S. 167