Werner Onken

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Werner Onken (2021)

Werner Onken (* 1953[1] in Varel[2]) ist ein deutscher Ökonom und Anhänger der Freiwirtschaftslehre des Kaufmanns und Sozialreformers Silvio Gesell (1862–1930). Bekanntheit erlangte er vor allem als Herausgeber der 18-bändigen Gesamtausgabe der Gesell'schen Schriften. Onken ist darüber hinaus Autor zahlreicher Veröffentlichungen, Leiter des Archivs für Geld- und Bodenreform an der Universität Oldenburg sowie verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift für Sozialökonomie.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Onken wuchs im ostfriesischen Dorf Werdum auf.[3] Er besuchte das jeversche Mariengymnasium[4] und absolvierte nach der Reifeprüfung den Zivildienst.

Anschließend studierte er an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg und schloss sein Studium als Diplom-Ökonom ab. Seit 1982 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung für Reform der Geld- und Bodenordnung tätig. Dort verantwortet er die Redaktion der Zeitschrift für Sozialökonomie[5], das Archiv für Geld- und Bodenreform[6] und die Organisation der Tagungsreihe Mündener Gespräche. 2008 gründete er gemeinsam mit Niko Paech die Ringvorlesung zur Postwachstumsökonomie an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, die bis 2018 stattfand.[7][8]

Archiv für Geld- und Bodenreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Werner Onken seit 1983 aufgebaute Archiv soll wissenschaftliche Forschungen über Vorschläge zur Reform des Geldwesens und des Bodenrechts einschließlich der Ressourcenproblematik ermöglichen. Im Archiv befinden sich Primär- und Sekundärliteratur zur Reform der Geld- und Bodenordnung mit mehr als 5.000 deutschsprachigen und 500 fremdsprachigen Büchern, Broschüren und Aufsätzen sowie mehr als 120 jahrgangsweise gebundene Zeitschriften, Schriftenreihen und Zeitungen. Dazu gehören Werke von Pierre-Joseph Proudhon, Gustav Landauer, Henry George, Adolf Damaschke, Franz Oppenheimer, Silvio Gesell, Georg Blumenthal, Rudolf Steiner und von anderen, die die Lösung der sozialen Fragen auf freiheitlichen Wegen anstrebten. Das Archiv für Geld- und Bodenreform befand sich unter dem Namen Freiwirtschaftliche Bibliothek. Wissenschaftliches Archiv zunächst in Varel (Friedrich-Wegener-Straße 11)[9] und hat als Leihgabe der Stiftung für Reform der Geld- und Bodenordnung heute seinen Platz in der Bibliothek der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.[6]

Onkens Momo-Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Titel „Momo für Ökonomen“ verfasste Werner Onken 1986 einen Aufsatz zu Michael Endes Roman Momo[10] und interpretierte ihn ökonomisch.[11] Er entdeckte in dem bekannten Märchenroman hinter den zahlreichen Anspielungen auf die Wirtschaft und das heutige Geldsystem die Ideen Rudolf Steiners („Alterndes Geld“) und Silvio Gesells („Rostendes Geld“).[12] In einem Brief an Onken bestätigte Michael Ende, dass Momo das heutige Geldsystem kritisiere.[13] Es heißt dort unter anderem:

„[...] Übrigens sind Sie [Werner Onken] bis jetzt der erste, der bemerkt hat, daß die Idee des "alternden Geldes" im Hintergrund meines Buches 'Momo' steht. Gerade mit diesen Gedanken Steiners und Gesells habe ich mich in den letzten Jahren intensiver beschäftigt, da ich zu der Ansicht gelangt bin, daß unsere Kulturfrage nicht gelöst werden kann, ohne daß zugleich, oder sogar vorher, die Geldfrage gelöst wird. [...]“

Michael Ende (3. September 1986)[14]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite des von Onken herausgegebenen Katalogs der Freiwirtschaftlichen Bibliothek
als Autor
  • Die ökonomische Botschaft von Michael Endes Märchenroman „Momo“, 1986, Online-Version.
  • Modellversuche mit sozialpflichtigem Boden und Geld. Verlag für Sozialökonomie, Lütjenburg 1997, ISBN 978-3-87998-440-4 (Online als PDF).
  • Silvio Gesell und die Natürliche Wirtschaftsordnung. Verlag für Sozialökonomie, Lütjenburg 1999, ISBN 978-3-87998-439-8.
  • Geld- und bodenpolitische Grundlagen einer Agrarwende. Verlag für Sozialökonomie, Lütjenburg 2004, ISBN 978-3-87998-447-3.
  • Carl von Ossietzky und Silvio Gesell – Eine Begegnung zweier Gedankenwelten. Verlag für Sozialökonomie, Lütjenburg 2006, ISBN 3-87998-773-4.
  • Geld & Natur in Literatur, Kunst und Musik. Verlag für Sozialökonomie, Kiel 2010, ISBN 978-3-87998-460-2.
  • Silvio Gesell in der Münchener Räterepublik – Eine Woche Volksbeauftragter für das Finanzwesen im April 1919. Selbstverlag, Oldenburg 2018, ISBN 978-3-933891-31-0.
  • Marktwirtschaft ohne Kapitalismus – Von der Akkumulation und Konzentration in der Wirtschaft zu ihrer Dezentralisierung, Oldenburg 2019/2020 (online)
als Herausgeber
  • Rolf Engert: Silvio Gesell in München 1919 (mit einem Vorwort und einer Kurzbiografie über Rolf Engert von Werner Onken). Fachverlag für Sozialökonomie, Hann.-Münden 1986.
  • Freiwirtschaftliche Bibliothek – Katalog der Bücher, Broschüren und Zeitschriften. ohne Verlag, Varel 1986.
  • Silvio Gesell: Gesammelte Werke in 18 Bänden (mit Vorworten von Werner Onken). Verlag für Sozialökonomie, Hann.-Münden / Lütjenburg 1988 bis 1997, Registerband.
  • Gerechtes Geld – Gerechte Welt – Auswege aus Wachstumszwang und Schuldenkatastrophe, 100 Jahre Gedanken zu einer Natürlichen Wirtschaftsordnung 1891–1991. Verlag für Sozialökonomie, Lütjenburg 1992, ISBN 978-3-87998-433-6.
  • Silvio Gesell: „Reichtum und Armut gehören nicht in einen geordneten Staat“ – Werkauswahl zum 150. Geburtstag (mit einem Vorwort von Werner Onken). Verlag für Sozialökonomie, Kiel 2012, 2. Auflage, ISBN 978-3-87998-462-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Bartsch: Die NWO-Bewegung Silvio Gesells. Geschichtlicher Grundriß 1891–1992/93. Band 1 in der Reihe Studie zur Natürlichen WirtschaftsOrdnung. Gauke Fachverlag für Sozialökonomie, Lütjenburg 1994. ISBN 3-87998-481-6. S. 297–302

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Redaktioneller Hinweis: Momo für Ökonomen. In: Zeitschrift R-evolution. friedlich, mitmenschlich, nachhaltig, selbstbestimmt (Hrsg. INWO Deutschland). Nr. 20 (Dezember 2003/Januar 2004). ISSN 1660-1653. S. 10
  2. Auskunft auf Anfrage per Email durch Werner Onken vom 12. Februar 2021
  3. Günter Bartsch: Die NWO-Bewegung Silvio Gesells. Geschichtlicher Grundriß. 1891–1992/93. Band 1 in der Reihe Studie zur Natürlichen WirtschaftsOrdnung. Gauke Fachverlag für Sozialökonomie, Lütjenburg 1994. S. 297; Auskunft auf Anfrage per Email durch Werner Onken vom 12. Februar 2021
  4. Auskunft auf Anfrage per Email durch Werner Onken vom 12. Februar 2021
  5. Wolfgang Uchatius: Silvio Gesell: „Geld muss rosten!“. Gespräch mit Werner Onken zum 150. Geburtstag von Silvio Gesell. In: Die Zeit 12/2012.
  6. a b Archiv für Geld- und Bodenreform im BIS – Bibliotheks- und Informationssystem, abgerufen am 3. September 2019.
  7. Vortragsreihe zur Postwachstumsökonomie, abgerufen am 3. September 2019.
  8. Oliver Richters: Analyse: Konfliktlinien und politische Ziele im wachstumskritischen Diskurs. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Band 31, Nr. 4, 2018, S. 80–84, doi:10.1515/fjsb-2018-0085.
  9. Werner Onken (Hrsg.): Freiwirtschaftliche Bibliothek. Wissenschaftliches Archiv. Katalog der Bücher, Broschüren und Zeitschriften mit zahlreichen Leseproben und dokumentarischen Abbildungen. Selbstverlag: Varel 1986. S. 3
  10. Werner Onken: Momo für Ökonomen. In: Zeitschrift Fragen der Freiheit. Heft 183 (November/Dezember 1983). S. 42–55
  11. Arno Schelle: Das Problem des Zinsnehmens in der Theologie und Wirtschaft. Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukunft eines alten Konstruktionsfehlers im Geld- und Währungssystem. Selbstverlag. Hannover-Fredelsloh 2001. S. 120 (Google Books online
  12. Siehe dazu FU-Berlin.de/Robert Mittelstaedt: Michael Endes letzte Worte an die Japaner; eingesehen am 15. Januar 2022
  13. Antje Vollmer: Michael Endes Kritik des Finanzsystems in MOMO (Abschnitt III); eingesehen am 4. Februar 2021
  14. Sozialökonomie.de Ende-Brief