Werner Rügemer

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Werner Rügemer

Werner Rügemer (* 4. September 1941 in Amberg) ist ein deutscher Publizist, Referent und Sachbuchautor. Er bezeichnet sich selbst als „interventionistischen Philosophen“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Rügemer ging in Brendlorenzen/Rhön, Bad Neustadt an der Saale und Berchtesgaden zur Schule. Er studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Ökonomie in München, Tübingen, Berlin und Paris. 1979 wurde er mit der Dissertation Philosophische Anthropologie und Epochenkrise. Studie über den Zusammenhang von allgemeiner Krise des Kapitalismus und anthropologische Grundlegung der Philosophie am Beispiel Arnold Gehlens an der Universität Bremen zum Dr. phil. promoviert.

Rügemer war von 1967 bis 1974 im Vorstand des Service Civil International (SCI) mit der Organisation von Zivildienst und internationalen Workcamps befasst. Von 1975 bis 1989 war er Redakteur der im DKP-nahen Pahl-Rugenstein Verlag erscheinenden pädagogischen Monatszeitschrift Demokratische Erziehung.[1] Seit 1989 arbeitet er als freier Autor,[2] Berater und Lehrbeauftragter an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.[3] Ab 1984 war er mit Radio- und TV-Features sowie Kommentaren für WDR, SWR, DLF und DLR tätig, u.a. zusammen mit Ingolf Gritschneder: Hehler für Hitler. Die geheimen Aufträge der Firma Otto Wolff, WDR 2001; Hundert Jahre wie ein Tag - die heimliche Globalisierung der Städte, WDR/DLF 2001, Mülheim oder das große Schweigen, WDR 2006.

Er war 1999 Mitbegründer der Neuen Rheinischen Zeitung, die zunächst als Kölner Teil der jungen Welt als Printausgabe erschien, dann im Internet.

Zu seinem 70. Geburtstag würdigte ihn Erasmus Schöfer als „Lancelot von Köln“.[4]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spanisch untertiteltes auf deutsch geführtes Interview mit Rügemer zu Banken und Unternehmen, 2013

Werner Rügemer beschäftigt sich häufig mit dem Feld der Banken- und Unternehmenskriminalität. Mit seinen Veröffentlichungen, Vorträgen, Hörfunk-Interviews und gelegentlichen Fernsehauftritten wurde er im deutschsprachigen Raum bekannt. In dem dokumentarischen Kino-Film Let's make money (Regie: Erwin Wagenhofer) erläutert er den Verkauf der Wiener Straßenbahnen[5] im Rahmen eines Cross-Border-Leasing-Vertrages.

Werner Rügemer befasst sich unter anderem mit „Klüngel“, Korruption und Unternehmenskriminalität in seiner Heimatstadt Köln, in europäischen Kommunen wie in der Weltwirtschaft.

Rügemer kritisiert eine Tendenz zur Pervertierung der Demokratie in Deutschland und in der „westlichen Wertegemeinschaft“, da Staatsverschuldung, Korruption und Selbstbereicherung der gewählten und ungewählten Eliten ein Ausmaß erreicht hätten, das man früher nur den „Entwicklungsländern“ zugeschrieben habe.

Cross-Border-Leasing und PPP[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Rügemer war einer der ersten, der die Nachteile von Cross Border Leasing (CBL) und Public Private Partnership (PPP) kritisierte und eine öffentliche Diskussion in Gang setzte. Nach seiner im WDR 3 am 17. Dezember 2001 ausgestrahlten Rundfunksendung „Hundert Jahre wie ein Tag. Die heimliche Globalisierung der Städte“[6] gab es eine breite Nachfrage nach dem Sendemanuskript, nicht nur von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch von Stadträten, Oberbürgermeistern und Beamten der Innenministerien. In seiner Sendung hatte Rügemer an den CBL-Praktiken des Verkaufs öffentlichen Eigentums an private US-Investoren und der anschließenden Rückmietung durch die öffentliche Hand bei einer Vertragslaufzeit von einhundert Jahren Kritik geübt. Das Vertragswerk unterlag größtenteils der Geheimhaltung und lag selbst den verantwortlichen Politikern nur in Auszügen vor. Mit seinem Buch „Cross- Border Leasing. Ein Lehrstück zur globalen Enteignung der Städte.“[7] legte er eine Studie über die aus seiner Sicht damit verbundene Ausplünderung öffentlicher Kassen bei gleichzeitiger Untergrabung der Demokratie vor.[8] Im Jahr 2006 erschien sein Buch „Privatisierung in Deutschland. Eine Bilanz“.[9] Hier zog er eine Bilanz der seit etwa dem Jahr 1984 eingeleiteten und vollzogenen Privatisierungsprojekte und deren Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte, die staatliche Daseinsvorsorge und die Demokratie. In seinem Buch „Heuschrecken im öffentlichen Raum. Public Private Partnership. Anatomie eines globalen Finanzinstruments“[10] stellt Rügemer schließlich PPP als lukratives Modell für die Investoren und als Verlustmodell für die öffentlichen Kassen dar. In der 2. Auflage 2012 hat Rügemer zahlreiche Beispiele für die Rückabwicklung von PPP-Projekten in Deutschland (z. B. Bäderpark Leimen, Digitales Bürgerportal Würzburg) und weltweit (z. B. Metro London) aufgenommen.

Aufgrund dieser Veröffentlichungen bildeten sich in der Bundesrepublik mehrere Bürgerinitiativen, von denen auch Bürgerentscheide ausgingen.

Weltfinanzkrise 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinen Veröffentlichungen zur Finanzkrise plädiert er für die kontrollierte Insolvenzabwicklung der Banken, die sich verspekuliert haben. Er rät zur Abschreibung von unseriös und spekulativ vergebenen Krediten sowie für eine prinzipielle Aufwertung der lohnabhängigen Arbeit und für den politischen Streik.[11][12][13][14] Rügemer plädiert dafür die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor's, Fitch Ratings und Moody’s sowie die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG, Price Waterhouse Coopers, Ernst & Young und Deloitte aufzulösen bzw. weltweit von ihren hoheitlichen Aufgaben zu entbinden.[15] Angesichts der bei Privatisierungen, Public Private Partnership und Bankenrettung herrschenden Geheimhaltung forderte Rügemer Abgeordnete zum Geheimnisverrat auf.[16]

Korruption und Kölscher Klüngel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Rügemer zunächst durch sein Buch Colonia Corrupta. Privatisierung, Globalisierung und Korruption im Schatten des Kölner Klüngels (2002). Darin veröffentlichte er unter anderem seine Artikel über die Kölner Müllverbrennungsanlage, die bereits ab 1995 u.a. in dem Kölner Print - Magazin „StadtRevue“ erschienen waren. [17] und in denen er bereits jene Unregelmäßigkeiten aufgedeckt hatte, über die die großen Kölner und die überregionalen Medien erst 2002 berichteten. In den neunziger Jahren aber hatten diese Artikel für Rügemer zahlreiche Verleumdungsklagen zur Folge. Es klagten der damalige Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier, der damalige Oberbürgermeister Norbert Burger, das SPD-Ratsmitglied Erich Schäfer und der damalige Präsident des 1. FC Köln, Dietmar Artzinger-Bolten. Alle Klagen wurden entweder in höheren Instanzen eingestellt (Ruschmeier, Burger), zurückgewiesen (Schäfer) oder zurückgezogen (Artzinger-Bolten). Die 6. überarbeitete und erweiterte Auflage des Buches (2010) enthält vier neue Kapitel, unter anderem eines über „Köln als Korruptionshauptstadt der jungen Bundesrepublik“ mit Einblicken in die heimliche Unternehmensfinanzierung der Regierungsparteien in den Jahren 1948–1970.

Für den Veranstalter Inside Cologne führt Rügemer seit 2002 die Führungen Lindenthaler Klüngelpfad, Marienburg – Reichtum zwischen Prunk und Versteck sowie Kunst und Kitsch im öffentlichen Raum durch.[18]

Als Kölner Bürger setzte Rügemer sich für den uneingeschränkten Weiterbau des Jüdischen Museums und für die Fortführung der archäologischen Grabungen in der mittelalterlichen jüdischen Zone ein. In seinem Artikel in der Neuen Rheinischen Zeitung kritisierte er die Begründung des Stadtrates und einer vom Kölner Stadt-Anzeiger unterstützten Initiative einflussreicher Bürger, die Stadt solle das Vorhaben aus Kostengründen stoppen. [19]

Die mangelnde Unabhängigkeit von Ratingagenturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Rügemer kritisiert in der Monographie Ratingagenturen : Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart[20] dass die Eigentümer der Ratingagenturen mit den Nutznießern ihrer Ratings weitgehend identisch sind: Hauptsächlich große Hedgefonds wie BlackRock, die etwa auf fallende Länderratings spekulieren können. Dieselben Finanzkonzerne seien oft auch Anbieter von sogenannten strukturierten Finanzprodukten, etwa Subprime-Papieren, die sich gute Ratings bei den Ratingagenturen kaufen konnten. Sein Fazit lautet: Ratingagenturen sind keine unabhängige, objektive Instanz, sondern mit den Bewerteten und den Nutznießern der Bewertung eng verflochten. Ihr Dreifirmen-Oligopol unter Führung von S&P sei mit Duldung der westlichen Regierungen auf rechtswidrige Weise von Verantwortung und Haftungsforderungen ausgenommen.[21] Der rezensierende Ökonom in der Süddeutschen Zeitung, Rudolf Hickel, empfiehlt das Buch Kapitalismuskritikern und -anhängern gleichermaßen. Rügemer lege die „Systematisch gepflegte Intransparenz sowie die mangelnde Haftung für Fehlentscheidungen“ der Agenturen offen.[22]

Union Busting - Arbeitsunrecht in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rügemer betreibt seit 2012 mit dem Journalisten Elmar Wigand den Blog arbeitsunrecht.de[23] zur Dokumentation und Kritik von Union Busting in Deutschland.[24] Beide Autoren erforschen in einem Projekt, das von der Otto-Brenner-Stiftung gefördert wurde, seit Februar 2012 die systematische Bekämpfung von Gewerkschaften, Betriebsräten und Beschäftigten als professionelle Dienstleistung.[25] Das Gespann Rügemer und Wigand organisierte in Zusammenarbeit mit Business Crime Control bereits die Konferenz „ArbeitsUnrecht“, die am 14. März 2009 in Köln stattfand.[26] Aus dieser Aktivität entstand ein gleichnamiger Sammelband, der im selben Jahr erschien.[27]

Werner Rügemer fordert, dass abhängig Beschäftigte ihre Arbeits- und Sozialrechte als universelle und unkündbare Menschenrechte einfordern müssten, wie sie z. B. im UN-Sozialpakt von der BR Deutschland 1973 ratifiziert wurden,[28] um dem - seiner Beobachtung nach - zunehmend rechtsnihilistischen und skrupellosen Verhalten der Kapitalmacht im Produktionsprozess wirksam entgegenzutreten.[29]

In Ihrem 2014 erschienenen Buch Die Fertigmacher[30] analysieren Rügemer und Wiegand, wie sich eine professionelle Dienstleistungsbranche zur Bekämpfung von unliebsamen Beschäftigten, Betriebsräten und Gewerkschaften entwickelt. Wirtschafts- und Medienkanzleien, Wirtschaftsdetekteien, PR-Agenturen, verdeckt von Unternehmen finanzierte Universitäts-Institute und Unternehmens-Stiftungen sowie Strategen für „Human Resources“ arbeiten - teils ähnlich wie in dem Bereich in den USA tätige Organisationen - auf diesem Gebiet. „Christliche“ und „gelbe“ Gewerkschaften und neue Arbeitgeberverbände befinden sich im Auftrieb. Mit den Personenporträts der jeweiligen Akteure und der Schilderung von verschiedenen Betriebskonflikten geben die Autoren einen Einblick in die aktuelle Praxis.

Prozesse der Bank Sal. Oppenheim gegen „Der Bankier“ und andere Gerichtsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 erschien Rügemers Buch „Der Bankier. Ungebetener Nachruf auf Alfred Freiherr von Oppenheim“, den früheren Seniorchef der bis 2009 größten Privatbank Europas Sal. Oppenheim,[31] worin auch die Geschäftspraktiken von Sal. Oppenheim unter anderem in Bezug auf die KölnArena und die Kölner Messehallen[32] zur Sprache kommen. Das Buch deckt neben einigen Aspekten des Parteispendensystems unter Helmut Kohl auf, dass Kohl von der Bank Sal. Oppenheim Anfang der 1980er Jahre mit mindestens 1,3 Mio. DM heimlich finanziell unterstützt wurde.[33] Weiterhin verweist Rügemer auf die enge Zusammenarbeit der Bank mit SPD-Größen in den 1990er Jahren (u. a. mit Rudolf Scharping, dem ehemaligen Bundesbank-Chef Karl Otto Pöhl und dem Kölner Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier). Die Bank Sal. Oppenheim beteiligte sich laut Bericht des Bundestagspräsidenten auch an der Finanzierung des Wahlkampfs von Angela Merkel.[34] Die Bank nutze die Möglichkeiten zahlreicher Finanzoasen[35] und unterhielte mit Argantis eine Tochtergesellschaft, die nach der Private-Equity-Methode („Heuschrecken“) mittelständische Firmen aufkaufe und teilweise in die Insolvenz triebe.[36] Während des Nationalsozialismus wurde die Bank, die mit dem NS-Regime (damals unter dem Namen „Robert Pferdmenges & Co.“) zusammenarbeitete, vom NS-Regime als „kriegswichtig“ eingestuft[37] und hatte sich an Arisierungen beteiligt.[38]

Sal. Oppenheim warf daraufhin Rügemer 2006 „unwahre Behauptungen“ vor und zog mehrfach gegen die Veröffentlichung des Buches vor Gericht.[39] Das Bankhaus erreichte die Schwärzung von 22 Passagen,[40] scheiterte jedoch mit der Forderung nach einem Verbot des Buches. Die oben zitierten Inhalte wurden von Oppenheim nicht beanstandet („ungeschwärzt“). Harry Neubert (Frankfurter Nomen Verlag) warf Oppenheim vor, „das Erscheinen des Buches durch Beanstandungen von belanglosen Textstellen zu verhindern“.[41] Die Bank unternahm ebenso rechtliche Schritte gegen Buchhändler (Abmahnungen), die das Buch in ihrem Sortiment hatten,[41] und gegen die Internetzeitung Neue Rheinische Zeitung (NRhZ) wegen eines Berichtes über die Gerichtsverhandlung.[42] Inzwischen wurde nach Gerichtsentscheid ein Teil der Schwärzungen wieder aufgehoben.[43]

Der Historiker und Journalist Sven Kellerhoff rezensierte Rügemers Buch 2006 in der Zeitung Die Welt unter dem Titel Brisante Falschheiten - In schlechter DDR-Tradition attackiert.[44] Er behauptete, die Darstellung Rügemers treffe nicht zu. Adriana Stern veröffentlichte in dem Magazin haGalil über Rügemer falsche Behauptungen, die belegen sollten er sei Antisemit. Aufgrund dieses Vorwurfes wurde Rügemer später aus einer Veranstaltung der Gewerkschaft Verdi ausgeladen, was wiederum auf deutliche Kritik stieß.[45] Stern unterschrieb schließlich im Januar 2015 eine Unterlassungsverpflichtungserklärung gegenüber Rügemer, welche von ihr vollumfänglich in allen 14 Punkten angenommen wurde. Sie zog den Artikel zurück und ließ ihn aus dem Internet entfernen.[46]

Gegen den Verlag DuMont Schauberg (Kölner Stadt-Anzeiger) erstritt Rügemer 1998 in einem bundesweit bis dahin einmaligen Verfahren zusammen mit Erasmus Schöfer wegen Textfälschung ihres Artikels in der Wochenendbeilage „Moderne Zeiten“ vom 10./11. August 1996 und daraus erwachsender Rufschädigung ein Schmerzensgeld von 10.000 DM.[47]

Nicht nur wegen seiner umstrittenen Enthüllungen über Oppenheim, auch allgemein wurde Rügemer wegen seiner Kritik an mehreren Banken und Finanzinvestoren angegriffen. Insbesondere sorgte ein kritischer Artikel in der Zeitung der IG Metall im Jahr 2005 über das Verhalten der Finanzinvestoren „Investcorp“ und „Kohlberg Kravis Roberts & Co.[48] für eine Kontroverse mit polarisiert lobenden und verurteilenden Reaktionen. In diesem Zusammenhang wurde auch die zum Artikel dazugehörige (jedoch nicht von Rügemer erstellte) Karikatur kritisiert, die Finanzinvestoren als mit den Farben der US-Flagge geschmückte Insekten und ihr Verhalten als „Aussaugen“ darstellte.

Klaus F. Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), hat Rügemer verklagt, weil der ihn in dem Artikel „ Die unterwanderte Demokratie“ als Lobbyisten der Arbeitgeber bezeichnet hat, u.a. wegen der Finanzierung des Instituts durch die Deutsche Post Stiftung.[49] Zuvor wurde unter anderem der stern wegen des Lobbyismus-Vorwurf vom IZA bereits abgemahnt. Rügemer unterschrieb keine Unterlassungserklärung und akzeptierte nicht eine einstweilige Verfügung (Az.: 324 O 541/13) die den Vorwurf, das IZA betreibe Lobbying, verbot. Ein vom Gericht vorgeschlagener Vergleich wurde vom IZA abgelehnt. Das juristische Verfahren vor der Pressekammer des Landgerichts Hamburg zog sich seit September 2013 ohne Urteil hin.[50] Am 6. Februar 2015 wurde das Urteil verkündet: Rügemer darf weiter behaupten, dass sich das IZA „ faktenwidrig als unabhängig bezeichnet“ und dass hinsichtlich des IZA „von freier Wissenschaft beim besten Willen nicht gesprochen werden kann“. Untersagt bleibt aber die Darstellung, das IZA betreibe Lobbying und es berichte nicht über seine Finanzierung (Az. 324 O 19/14).[51][52] Rügemer hat angekündigt, er werde in Berufung gehen.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werner Rügemer war 2010 Mitbegründer der Initiative Gemeingut in BürgerInnenhand (gib);[53] vom 5. Mai 2007 bis zum 16. Mai 2009 war er Vorsitzender von Business Crime Control;[54] Im Mai 2009 gründete er gemeinsam mit ehemaligen Bezirks-, Landes- und Bundesvorstandsmitgliedern des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) die „Aktion unabhängiger Rhein-Ruhr-AutorInnen“ (AURA 09 e. V.) unter Vorsitz von Eva Weissweiler.[55] Er ist Mitglied von Transparency International, der International Gramsci Society, des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di, des PEN-Zentrums Deutschland, des wissenschaftlichen Beirates von attac und ist Mitbegründer des Vereins Aktion gegen Arbeitsunrecht in Köln arbeitsunrecht.de.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998 erhielt er den Friedrich-und-Isabel-Vogel-Preis des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft für die Reportage Die legalen Mittäter[56]
  • 2002 den Journalistenpreis des Bundes der Steuerzahler für das Rundfunkfeature 100 Jahre wie ein Tag – Die heimliche Globalisierung der Städte (WDR/DLF 2001)
  • 2003 gewann Rügemer den Journalistenpreis des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) für einen Hörfunkbeitrag über Cross-Border-Leasing, dessen zum Teil verheerende Wirkungsweise und Folgeerscheinungen für Kommunen und Gemeinwesen Rügemer seit 2000 in Deutschland und Europa aufgedeckt hat. Das Preisgeld wurde ihm jedoch kurzfristig aberkannt, weil er einen Aufruf von attac gegen ein Cross-Border-Leasing-Projekt bei den Kölner Stadtwerken unterzeichnet hatte. Daraufhin klagte er das Preisgeld im Höhe von 3.000 Euro erfolgreich vor Gericht ein.[57][58]
  • 2007 erhielt er als Vorsitzender von Business Crime Control (BCC) den Preis Change der Münchener Künstlerin Lucia Dellefant.
  • Im August 2008 erhielt Werner Rügemer den undotierten Kölner Karls-Preis der Ein-Mann-Publikation NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung für Persönlichkeiten, die sich auf dem Feld der kritischen Publizistik verdient gemacht haben.[59]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Psychoanalyse der BILD-Zeitung. 1968 (für Springer-Tribunal und Kritische Universität Berlin)
  • Philosophische Anthropologie und Epochenkrise. Studie über den Zusammenhang von allgemeiner Krise des Kapitalismus und anthropologische Grundlegung der Philosophie am Beispiel Arnold Gehlens. Dissertation. Pahl-Rugenstein, Köln 1979.
  • Neue Technik - alte Gesellschaft. Silicon Valley. Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1985, ISBN 3-7609-0955-8. (übersetzt in mehrere Sprachen)
  • Der Kranke Weltpolizist: Das Innenleben der USA als Gefahr für den „Rest der Welt“. Köln 1986.
  • Uwe Hirschfeld, Werner Rügemer (Hrsg.): Utopie und Zivilgesellschaft. Rekonstruktionen, Thesen und Informationen zu Antonio Gramsci. Berlin 1990.
  • Staatsgeheimnis Abwasser. Zebulon Verlag, Düsseldorf 1995, ISBN 3-928679-32-5.
  • Wirtschaften ohne Korruption? Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-596-13211-8.
  • Grüezi! Bei welchen Verbrechen dürfen wir behilflich sein? Die Schweiz als logistisches Zentrum der internationalen Wirtschaftskriminalität. Essays, Analysen und Materialien. Distel Verlag, Heilbronn 1999, ISBN 3-929348-27-6.
  • Arm und reich. transcript, Bielefeld 2002, ISBN 3-933127-92-0.
  • Die Berater. transcript, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-259-7. (Buchbesprechung (Memento vom 13. Mai 2007 im Internet Archive) in Das Parlament)
  • Cross-Border-Leasing. Westfälisches Dampfboot, Münster 2004, ISBN 3-89691-568-1, (Buchbesprechung in Die Zeit)
  • Der Bankier. Ungebetener Nachruf auf Alfred Freiherr von Oppenheim. 3. erweiterte geschwärzte Ausgabe. Nomen, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-939816-00-0 (Buchrezension in die tageszeitung)
  • Privatisierung in Deutschland. 4. erweiterte und aktualisierte Ausgabe. Westfälisches Dampfboot, Münster 2008, ISBN 978-3-89691-630-3. (Hinweis in die tageszeitung)
  • ArbeitsUnrecht. Anklage und Alternativen. Westfälisches Dampfboot, Münster 2009, ISBN 978-3-89691-780-5.
  • „Heuschrecken“ im öffentlichen Raum: Public Private Partnership - Anatomie eines globalen Finanzinstruments. transcript, Bielefeld 2008, 2.Auflage 2011. ISBN 978-3-89942-851-3.
  • Colonia Corrupta. Westfälisches Dampfboot, Münster 2012 / 8. Auflage 2015, ISBN 978-3-89691-525-2.
  • Ratingagenturen - Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart. transcript, Bielefeld, 2012, ISBN 978-3-8376-1977-5. (spanische Ausgabe: Januar 2013)
  • "Die Fertigmacher. Arbeitsunrecht und professionelle Gewerkschaftsbekämpfung." Papyrossa Verlag, Köln 2014 / 2. Auflage 2015 ISBN 978-3-89438-555-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Werner Rügemer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Udo Baron: Kalter Krieg und heißer Frieden – Der Einfluss der SED und ihrer westdeutschen Bündnisorganisationen auf die Partei „Die Grünen“. LIT Verlag, Münster 2003, ISBN 3-8258-6108-2, S. 56. auch online per google books einsehbar.
  2. PEN Zentrum Deutschland Hrsg: Autorenlexikon 2012/2013. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2012, ISBN 978-3-7795-0421-4, S. 336f.
  3. http://www.hf.uni-koeln.de/31762
  4. Erasmus Schöfer: Der Lancelot von Köln. In: NRHZ. 7. September 2011.
  5. „Let's make money“, Regie: Erwin Wagenhofer, Farbfilm, 110 Minuten, Österreich 2008.
  6. Werner Rügemer: Hundert Jahre wie ein Tag. Die heimliche Globalisierung der Städte. WDR 3, 17. Dezember 2001.
  7. Werner Rügemer: Cross Border Leasing. Ein Lehrstück zur globalen Enteignung der Städte. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2004 und 2005, ISBN 3-89691-568-1.
  8. Die Zeit: Rezension von „Cross Border Leasing. Ein Lehrstück zur Enteignung der Städte“ Blick ins ökonomische Schurkenland, Ausgabe 19/2014, geladen 28. Juli 2014.
  9. Werner Rügemer: Privatisierung in Deutschland. Eine Bilanz. 4. erweiterte und aktualisierte Auflage. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2008, ISBN 978-3-89691-630-3.
  10. Werner Rügemer: Heuschrecken im öffentlichen Raum. Public Private Partnership. Anatomie eines globalen Finanzinstruments. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1741-2.
  11. Werner Rügemer: Brandstifter als Feuerwehr. In: Junge Welt. 23. April 2009.
  12. Werner Rügemer: Die wahren Ursachen der Finanzkrise. www.gulli.com, 18. Dezember 2009 (deutsch und englisch)
  13. Werner Rügemer: Die „Rettung“ Griechenlands und des Euro als Fluch der bösen Tat. In: Das Argument. 287/2010.
  14. Bankster vor Gericht : Kollektive Unschuld und systemische Kriminalität. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. 8/2010.
  15. Zutiefst korruptes System. Die großen Ratingagenturen sind mit den mächtigsten Finanzakteuren verfilzt. Sie taugen nicht zur Regulierung der Finanzmärkte, sondern verstärken deren Krisenanfälligkeit. In: junge welt. 11. und 12. Oktober 2010.
  16. Werner Rügemer: Geheimnisverrat ist Bürgerpflicht. In: Zeitschrift für Direkte Demokratie. Nr. 86, 2/2010, S. 18–21.
  17. stadtrevue [1], geladen am 24. Januar 2015
  18. Immer ein Aha-Erlebnis. Bei seinen Führungen erklärt Werner Rügemer die Regeln des Kölner Klüngels. In: Stern. 12/2002, Inside Cologne.
  19. [http//www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18652 Sturm gegen das Jüdische Museum. Einflussreiche Bürger wollen die soziale Spaltung der Stadt Köln verhindern]. In: Neue Rheinische Zeitung Online. Abgerufen am 16. Dezember 2014.
  20. werner-ruegemer.de
  21. Werner Rügemer: Die Notengeber der Weltwirtschaft. In: jW. 7. April 2012, S. 10 f.
  22. Online-Bezug auf die Rezension der Süddeutschen Zeitung, SZ, 16. Oktober 2012.
  23. Über uns. arbeitsunrecht.de, abgerufen am 3. Januar 2013.
  24. Vorsicht Union Busting! arbeitsunrecht.de, abgerufen am 3. Jan. 2013.
  25. Union Busting in Deutschland. otto-brenner-kompakt.de, abgerufen am 3. Jan. 2013.
  26. Hans-Detlev v. Kirchbach: Wider die Atomisierung des Menschen, nrhz.de vom 18. März 2009, abgerufen am 3. Jan. 2013.
  27. Werner Rügemer (Hrsg.): ArbeitsUnrecht. Anklagen und Alternativen. Westfälisches Dampfboot, Münster 2009, ISBN 978-3-89691-780-5 [2]
  28. Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, www.admin.ch, abgerufen am 3. Januar 2013.
  29. Freiheit der Arbeit - Die universellen Menschenrechte gelten auch für die Arbeitsverhältnisse, arbeitsunrecht.de, abgerufen am 3. Jan. 2013.
  30. Werner Rügemer und Elmar Wigand: Die Fertigmacher. Arbeitsunrecht und professionelle Gewerkschaftsbekämpfung. Papyrossa Verlag, Köln 2. Auflage 2015. ISBN 978-3-89438-555-2
  31. Werner Rügemer. Der Bankier. Ungebetener Nachruf auf Alfred Freiherr von Oppenheim. 3. Nochmals geschwärzte Ausgabe der bereits geschwärzten Auflage 2006. Nomen Verlag Frankfurt am Main. ISBN 978-3-939816-003.
  32. vgl. „Messehallen um jeden Preis. Kluges Projekt oder Kölscher Klüngel?“ Deutschlandradio, 28. Oktober 2005.
  33. a.a.O. S.89, ungeschwärzt
  34. Werner Rügemer: Die „Persönlichkeitsrechte“ der Bank. In: Ossietzky. Nr. 14/2007.
  35. a.a.O. S. 90 und 98 ungeschwärzt
  36. a.a.O. S. 21 f. ungeschwärzt
  37. a.a.O. S. 81 und 83 ungeschwärzt
  38. a.a.O. S. 82 und 85 ungeschwärzt
  39. taz.de
  40. Insgesamt 22 Passagen, Angabe vom 24. Mai 2007; laut aktuellerer Angabe vom Juli 2007 wurde die Schwärzung von acht Passagen aufgehoben und es sind noch 14 Passagen, Quelle: Ossietzky 14/2007
  41. a b Die Privatbank Oppenheim in Nordrhein-Westfalen zieht gegen ein Buch vor Gericht. In: Die Zeit. 20. Juli 2006.
  42. Inzwischen ein Dutzend juristische Verfahren gegen Autor Werner Rügemer - Solidaritätsfonds gegründet. In: Neue Rheinische Zeitung. (online), 21. Februar 2007.
  43. Schwarze Balken für die Wahrheit. In: taz. 26. Juli 2006.
  44. Brisante Falschheiten. auf: welt.de
  45. Rundumschlag mit dem Antisemitismus-Vorwurf: Verdi strich Vortrag mit Werner Rügemer zu TTIP. In: NachDenkSeiten. 10. Dezember 2014, abgerufen am 30. Dezember 2014.
  46. Rügemer wehrt sich gegen die Diffamierung, Antisemit zu sein und gewinnt in allen Punkten. In: NachDenkSeiten. 10. Dezember 2014, abgerufen am 27. Januar 2015.
  47. Ulrike de la Motte: Überheblich und selbstgefällig. ver.di FB 8, 1998.
  48. Die Plünderer kommen., inhaltsgleicher Artikel von Werner Rügemer in der Zeitung der Freitag, 11. Februar 2005.
  49. Werner Rügemer: Die unterwanderte Demokratie. Der Marsch der Lobbyisten durch die Institutionen, Blätter für deutsche und internationale Politik 8/2013, Seite 75.
  50. Norbert Häring: Lobbyist oder nicht? Das Forschungsinstitut IZA wehrt sich vor Gericht gegen den Vorwurf der Parteilichkeit. Handelsblatt 10. November 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  51. Norbert Häring: „Halb Sieg, halb Niederlage“ und „Ein Hauch von Transparenz“, Handelsblatt, 16. Februar 2015, Nr. 32.
  52. Nachdenkseiten: „IZA vs. Rügemer: Zweifelhafter Sieg“, [3], 11. Februar 2015, geladen 15. Februar 2015.
  53. GründungspatInnen [4], abgerufen am 3. Jan. 2013.
  54. Business Crime Control: Hans See ist wieder BCC-Vorsitzender vom 5. Juni 2009.
  55. Vgl. Amtsgericht Köln, Vereinsregister AZ 43 VR 16049, Eintragung vom 21. September 2009 und http://www.aura09.de/
  56. Deutsche Polizei 7/1997, Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei
  57. SEBASTIAN SEDLMAYR: Aktenzeichen 143/C/132/4. In: die tageszeitung. 28. September 2004.
  58. Justitia statt Jury. Kölner Publizist Werner Rügemer klagte Preisgeld ein. In: Journalismus-Zeitschrift von ver.di (DJU). November 2004.
  59. Carl H. Ewald: Engagierter Journalismus hat seinen Preis. In: Neue Rheinische Zeitung. (online), 23. November 2008.