Weseke

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Koordinaten: 51° 54′ 29″ N, 6° 51′ 28″ O

Weseke
Stadt Borken
Ehemaliges Wappen des Amtes Gemen-Weseke
Höhe: 61 m ü. NHN
Fläche: 22,91 km²
Einwohner: 4979 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 46325
Vorwahl: 02862
Weseke (Nordrhein-Westfalen)
Weseke

Lage von Weseke in Nordrhein-Westfalen

Wesekes Ortskern von Osten aus gesehen (2017)

Weseke ist ein Ort im westlichen Münsterland und Stadtteil von Borken.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weseke liegt im westlichen Münsterland unmittelbar an der niederländischen Grenze. Die Umgebung wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberflächennah ist das Gebiet durch die Ablagerungen der jüngeren Eiszeiten (Geschiebelehm, Sande) geprägt. Darunter stehen Gesteine des unteren Jura (Lias) bis zur Oberkreide (Turon) an. Bekannte Untergrundstruktur ist der im westlichen Münsterländer Kreidebecken nachweisbare und hier zu Tage ausstreichende Weseker Sattel. Im westlichen Ortsgebiet stehen unter geringer quartärer Überdeckung Ölschiefer des Lias an, die sich durch ihren Reichtum an Fossilien und den hohen Bitumengehalt (ca. 6 %) auszeichnen. In Plänerkalken der Oberkreide (Turon) sind Vorkommen von Asphalt bemerkenswert, der hier Anfang des 19. Jahrhunderts gezielt abgebaut wurde. Die Mergel- und Kalksteine der Oberkreide wurden bis Ende des 19. Jahrhunderts in mehreren kleineren Gruben zur Herstellung von Dünger und Kalkmörtel abgebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Britische Panzer am 29. März 1945 vor der beschädigten Sankt Ludgerus Kirche.

Durch Lesefunde in der näheren Umgebung des Ortes ist eine Besiedlung seit der jüngeren Steinzeit nachgewiesen. Der Ortsname wird erstmals um 970 in einem Güterverzeichnis des Klosters Werden a. d. Ruhr erwähnt (Uuosiki oder Wuosiki). Der Haupthof in Weseke war 1188 im Besitz des Grafen von Dale. Nach diesem Haupthof nannte sich eine Familie von Weseke, die von 1184 bis 1400 mit verschiedenen Mitgliedern nachweisbar ist.

Schon seit dem 12. Jahrhundert ist von der Existenz einer Kirche (capella) im Ort auszugehen. Ende des 14. Jahrhunderts wurde eine Pfarrkirche errichtet, die 1892 dem heutigen Kirchenbau weichen musste.

Im Zweiten Weltkrieg geriet der Ort gegen Kriegsende in den Fokus vorrückender britischer Truppen. Am 22. März traf ein Luftangriff den Ort, am 28. und 29. März kam es zu Schäden durch Kämpfe zwischen deutschen Truppen und der britischen 7th Armoured Division (Panzer der 5th Royal Inniskilling Dragoon Guards und Infanterie der Durham Light Infantry).[1]

Am 1. Juli 1969 wurde Weseke nach Borken eingemeindet.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1498 247
1662 729
1723 1223
1822 1522
1861 1814
1937 2298
1961 3075
2009 5007
2010 5016
2011 4976
2012 4949
2014 4979

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung ist überwiegend römisch-katholisch.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Ludgerus
die Bockwindmühle

Die Weseker Pfarrkirche St. Ludgerus (Bauzeit 1892–1895) mit seinem das Ortsbild dominierenden 75 m hohen Turm ist ein Musterbeispiel für die Neugotik in Westfalen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Der Entwurf stammt von dem Münsteraner Architekten Hilger Hertel d. J. (1860–1918). Das Langhaus der Kirche besteht aus 2 schmalen Jochen, die das Querhaus einschließen. Durch die hohen Fenster des Querhauses und die fast vollständige Verglasung von Haupt- und Nebenchören erhält der Kirchenraum seinen hellen und weiten Charakter. Originale, neugotische Verglasungen haben sich nur in den 3 Fenstern des nördlichen Nebenchores erhalten. Von der neugotischen Ausstattung sind im Wesentlichen unverändert nur noch der Hochaltar und das Vierungskreuz vorhanden. Die übrigen spätgotischen und barocken Ausstattungsstücke stammen noch aus der alten Kirche.

Im Ort haben sich nur wenige historische Gebäude ohne wesentliche Umbauten erhalten. In einigen Gebäuden ist aber noch das typische Erscheinungsbild des westfälischen Ackerbürgerhauses erhalten geblieben. Der ehemalige Bahnhof am östlichen Ortsrand wurde 1902 an der Strecke der Westfälischen Nordbahn (Westfälische Landes-Eisenbahn) gebaut und ist ein typisches Beispiel für die Bahnhofsgebäude in der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Auf dem Gelände der ehemaligen Bahnstrecke Richtung Borken ist ein kleines Freilichtmuseum mit historischen Gebäuden entstanden. Das Wellenhäuschen am Eingang des Parks ist im Jahre 1900 auf der Holtbachquelle erbaut worden und steht heute als frühes Beispiel einer öffentlichen Wasserversorgung unter Denkmalschutz. Kern des Parks ist das Heimathaus, bei dem es sich um ein 1748 erbautes Bauernhaus handelt. In dem gegenüberliegenden historischen Backspeicher (Baujahr 1850) mit einem Holzbackofen wird regelmäßig die Brotherstellung in alter Tradition vorgeführt.

Im Heimathaus sind alte Gerätschaften der Landwirtschaft ausgestellt.

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historischen Gebäude bilden zusammen mit dem geologischen Garten, dem Apothekergarten und einem Kneippschen Tretbecken den Quellengrundpark. Die Gebäude, historische Geräte, Feldbrandmeiler, Rennofen und der „Bargkeller“ zeigen fundiert das „Leben auf dem Lande in alter Zeit“.

  • Der Geologische Garten erklärt anhand von Gesteinen, Fossilien und Pflanzen 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte.
  • Der historische Apothekergarten, in Form einer Spirale angelegt, schickt den Besucher auf insgesamt 21 Stationen durch die Geschichte der Pflanzenheilkunde.[3]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis in die 1970er Jahre waren zwei Betriebe (Gebr. Schmeing, Gebr. Klöcker) große Hersteller für Webschützen und die wichtigsten Arbeitgeber des Ortes (ca. 600 Beschäftigte 1965).

Zudem waren 1965 in drei Schuhfabriken 230 Arbeitnehmer beschäftigt. Heute dominieren Handwerksbetriebe und Mittelständler die gewerbliche Struktur.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar am Ortsrand verläuft die Bundesstraße 70/Bundesstraße 525. Bedeutend für die Erschließung des Gebietes ist auch die Bundesautobahn 31.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen Buslinien in die umliegenden Orte, wie Borken, Weseke, Südlohn, Stadtlohn, Wüllen und Ahaus.

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Nordbahn (WLE)

Der Personenverkehr auf der normalspurigen Bahnstrecke "Nordbahn" (Borken-Stadtlohn-Ahaus-Burgsteinfurt), betrieben durch die Westfälische Landes-Eisenbahn (WLE), wurde am 27. September 1975 eingestellt. Das alte Bahnhofsgebäude fungiert heute als Jugendhaus.

Der nächste aktive Bahnhof ist in Borken, von wo der Regional-Express RE 14 ("Der Borkener") stündlich in Richtung Dorsten/Essen fährt.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Léonide Massine (1896–1979), Tänzer und Choreograf, hat von 1963 bis 1979 in Weseke mit seiner Familie (2 Söhne) gelebt und ist in Borken verstorben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ursula Ninfa: Von Anholt bis Zwillbrock. Bau- und Kunstwerke im Westmünsterland, Kreis Borken. Schriftenreihe des Kreises Borken Band XV. Kreis Borken 1999.
  • Wilhelm Rave (Hrsg.): Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen; Band 46; Kreis Borken, Münster 1954, Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung
  • Ernst Schülingkamp Das Amt Gemen-Weseke, in: Der Landkreis Borken und die Stadt Bocholt, Oldenburg 1965, G. Stalling AG,

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weseke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weseker Heimatblätter Nr. 37, Februar 1996
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 95.
  3. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Apotheker- und Geologischer Garten im Quellengrundpark in LWL-GeodatenKultur