Wesensgleichheit

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Wesensgleichheit, auch Homousie (von altgriechisch ὁμοῦσιος homoũsios; unkontrahiert ὁμοούσιος homooúsios ‚wesensgleich‘), ist ein Begriff der Trinitätslehre bzw. des Bekenntnis von Nicäa, der das Verhältnis Gottes, des Vaters, zu Jesus Christus, dem Sohn, beschreibt. Die zentrale Aussage des nicänischen Bekenntnis (Nicänum) aus dem Jahr 325 ist, dass beide wesensgleich seien und der Sohn aus dem Wesen des Gott Vaters gezeugt sei.[1] Die Frage der Wesensgleichheit ist eine Kernfrage der Trinitätslehre.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

325 berief Kaiser Konstantin der Große das Erste Konzil von Nicaea ein. Dem Konzil ging der arianische Streit voran: Der alexandrinische Presbyter Arius hatte erklärt, dass Gott der Vater und Gott der Sohn weder wesenseins, noch wesensgleich seien.[2][3] In Nicäa wurden entsprechend der Subordinatianismus (die Vorstellung, dass der Sohn dem Vater untergeordnet sei) und die Vorstellung von den drei eigenständigen Hypostasen – Gott, Sohn und Heiliger Geist – des Origenes und des Arius verworfen; Arius selbst wurde exkommuniziert.

Christus ist nach der Definition des Nizänums wesensgleich dem Vater:[4]

  • Er ist, das aus dem Wesen Gott Vaters gezeugt, von gleicher Substanz wie Gott der Vater (das heißt: ihm gebühren die gleichen Attribute, die Gott, dem Vater, zukommen [z. B. der Kyrios-Titel, ewig, unsterblich, wahrer Gott].)
  • Er ist der Sohn Gott Vaters: gezeugt aus dessen Wesen, nicht geschaffen („erste Geburt des Sohnes“, die seiner Fleischwerdung vorausgeht).

Die Dreieinigkeit stellt somit Gottes Sohn und Heiliger Geist dem Gott Vater gleich und nicht als untergeordnet, wie der Subordinatianismus dies annimmt.

Die Entscheidung des Konzils führte jedoch zu keiner Einigung innerhalb der sich langsam formierenden Reichskirche. Im Gegenteil: Obwohl der so genannte Arianismus teilweise verfolgt wurde, kam es noch zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen vor allem zwischen vermeintlichen ‚Arianern‘, mehrheitlich eigentlich Gegnern des Bekenntnis von Nicäa aus Strömungen in Nachfolge der Theologie des Origenes, und den Anhängern des Nicänums. Auch einige Kaiser waren Nicht-Nicäer, so etwa Constantius II., der sich sehr in der Kirchenpolitik engagierte und später versuchte, die Kompromissformel des ‚homöischen‘ Glaubensbekenntnis von 360 zur Befriedung der Gegensätze durchzusetzen. Letztlich wurden im Römischen Reich ab dem späten 4. Jahrhundert das Bekenntnis von Nicäa und das anschließende Nicäno-Konstantinopolitanum (381) für allgemein verbindlich erklärt. Nicht-nicänische Glaubensbekenntnisse, wie jenes ‚homöische‘ von 360, dominierten in den meisten germanischen Reichen, die im Verlauf der Völkerwanderung entstanden, noch wenige Jahrhunderte.

In der Reformationszeit entstanden wieder antitrinitarische Gruppen, die den Dogmen der Bekenntnisse von Nicäa bzw. Nicäa-Konstantinopel widersprachen. Aus den radikal-reformatorischen Antitrinitariern entstanden die Unitarier. Später entstanden weitere antitrinitarische Gruppen wie die Christadelphians, die Zeugen Jehovas und die Mormonen.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolf-Dieter Hauschild, Volker Henning Drecoll: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte. Band 1. Alte Kirche und Mittelalter. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016, S. 80f. 5., vollständig überarbeitete Neuausgabe.
  2. Jan Rohls: Gott, Trinität und Geist (Ideengeschichte des Christentums, Band III/1). Mohr Siebeck, Tübingen 2014, S. 121.
  3. Franz Dünzl: Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche. Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2006, S. 57. ISBN 3-451-28946-6.
  4. Franz Dünzl: Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche. Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 2006, S. 68