West Coast Swing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
West Coast Swing
Technik: smooth
Art: Paartanz, Gesellschaftstanz
Musik: Swing, Disco, Pop, Hip Hop, Blues
Taktart: 44-Takt
Tempo: ≈20–35 TPM
Herkunft: Vereinigte Staaten
Entstehungszeit: 1940er Jahre
Liste von Tänzen
Zwei Tänzer an einem Strictly-Wettbewerb in Frankreich

West Coast Swing ist ein Paartanz aus der Familie der Swing-Tänze.

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie der Name schon sagt, entstand der Tanz an der Westküste der Vereinigten Staaten. Es ist der offizielle Tanz des Bundesstaates Kalifornien.

Als Vorläufer wird meist der Lindy Hop genannt, insbesondere der sogenannte „Hollywood Style“ von Dean Collins. Dieser Interpretation widersprechen einige Tänzer und Swingtanz-Forscher sehr deutlich, so zum Beispiel Nick Williams: „Another misconception is that Dean was responsible for West Coast Swing. This is not true and, in fact, Dean was not entirely a fan of WCS. Lastly, Dean and Jewel are often associated with Hollywood Style. Hollywood Style is Erik Robison and Sylvia Skylar’s style and interpretation of the Southern California dancers in the 1940’s. Dean and Jewel were not their main influences.“[1]

Im Unterschied zu Swing-Tänzen wie dem Lindy Hop orientiert sich der West Coast Swing weniger am ursprünglichen klassischen stark rhythmus-orientierten Feeling (Art der Musikinterpretation). West Coast Swing hat sich seit seiner Einführung ständig weiterentwickelt und dabei jeweils zeitgenössische, neue Musikströmungen aufgegriffen und deren Interpretation in die Tanzbewegungen und Figuren adaptiert. WCS legt Wert auf "contemporary" Musikstile und wird deshalb oft auf Disco, moderne Popmusik und Hip Hop-Musik getanzt, aber natürlich auch auf klassische Swing-Musik.

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der West Coast Swing ist, im Unterschied zu den ursprünglich sehr freien Swing-Tänzen, stationär, das heißt er wird in einem schmalen, länglichen Bereich, dem Slot getanzt. Der Follower (in der Regel die Dame) bewegt sich entlang des Slots, während der Leader (in der Regel der Herr) stationär in der Mitte des Slots bleibt und diesen nur verlässt, um den Follower passieren zu lassen. Da der Slot meist beibehalten wird, ist der Platzbedarf auf der Tanzfläche relativ gering und vorhersehbar.

Die Führungsbewegungen des Leader erfolgen mit Feingefühl und ohne ruckartige Manöver, wodurch sämtliche Figuren im West Coast Swing weich, flüssig und gleitend erscheinen. Der Tanz zeichnet sich auf Fortgeschrittenenniveau durch anschauliche Improvisation und Interpretation der Musik mittels Körperbewegung aus. Der Rhythmus der Musik wird vorwiegend mit eleganten Körperbewegungen als Ausdruck der ganzen Erscheinung des Tanzpaares betont. Die in anderen Swing-Tänzen übliche rhythmische Beinarbeit, mit welcher der Takt der Musik vom Leader an den Follower übertragen wird, der Bounce, fehlt gänzlich. Auf die in den Swing-Tänzen charakteristische Körperhaltung des Tanzpaares zueinander - der sogenannte A- und V-Shape - wird Wert gelegt: Der A-Shape (Körperhaltung in der Form des Buchstabens A mit leichter Neigung nach vorne) wird eingenommen, wenn das Tanzpaar nahe beisammen steht und die Körperspannung zum Zurückweichen aufgebaut wird, wohingegen der V-Shape (Körperhaltung in Forme eines V mit leichter Neigung nach hinten) eingenommen wird, wenn die maximale Distanz erreicht ist und die Spannung zur Annäherung aufgebaut wird.[2]

In den Vereinigten Staaten gibt es im West Coast Swing eine große Wettbewerbsszene. Trotzdem wird viel Wert auf die sozialen Aspekte des Tanzens gelegt. So ist zum Beispiel Jack ’n’ Jill (Zulosung der Tanzpartner) die größte Wettbewerbskategorie mit den meisten Teilnehmern. In Europa hat der Tanz in England und Frankreich eine gewisse Verbreitung gefunden. Auch in Deutschland wird er immer beliebter: So ist West Coast Swing mittlerweile bei über 16 % der Workshops auf Europas großem Tanzfestival Euro Dance Festival das Thema.[3] Auch einige Tanzschulen in Deutschland und Österreich haben den Tanz in ihr Programm aufgenommen.

Wettbewerbskategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt grundsätzlich vier verschiedene Wettbewerbskategorien, die sich in offene Klassen und Klassen mit verschiedenen Könnensstufen unterteilen.

Es gibt im West Coast Swing keine einheitlichen Regeln, lediglich die Aufstiegsregeln für Jack ’n’ Jill sind vom World Swing Dance Council festgelegt. Die restlichen Regeln können sich von Turnier zu Turnier unterscheiden. Jedoch wird von den meisten Veranstaltern das Regelwerk der US Open oder von Swing Diego anerkannt und genutzt.

Jack ’n’ Jill
Dies ist die Wettbewerbsart mit der größten Teilnehmerzahl. Hier meldet man sich entweder als Leader (Herren) oder als Follower (Damen) an. Man bekommt erst auf der Tanzfläche seinen Partner zugelost. In den Vorrunden bekommt man meist einen neuen Partner pro Song und wird einzeln bewertet. Im Finale bekommt man einen festen Partner zugelost und wird als Paar bewertet. Hier gibt es die Könnensklassen Newcomer, Novice, Intermediate, Advanced und die Invitational-Klasse, die je nach Event unterschiedlich bezeichnet werden können (erst ab Novice werden vom World Swing Dance Council Punkte vergeben).
Strictly
Hier meldet man sich als festes Paar an und tanzt auf die verschiedenen Musikrichtungen des West Coast Swing nach dem Prinzip Führen und Folgen.
Es gibt hier dieselben Divisionen wie im Jack ’n’ Jill.
Classic
Diese ist eine offene Division. Das bedeutet, hier gibt es keine Könnensklassen, es tanzen hier auch Profis gegen Einsteiger.
Bei Classic kann das Tanzpaar eine eigene Choreographie auf ein selbstgewähltes Lied vorstellen, wobei jeder Partner Kontakt zum Boden halten muss, Hebefiguren sind verboten. Classic gilt bei den West-Coast-Swing-Tänzern als Königsdisziplin, da deutlich erkennbar sein muss, dass es sich um West Coast Swing handelt, und somit ein großes technisches Wissen vorhanden sein muss. Dazu kommt die Erwartung, dass jede noch so kleine Figur oder Bewegung perfekt zum Lied passt.
Showcase
Bei dieser der Classic-Kategorie sehr ähnlichen Kategorie kommt es jedoch nicht so stark auf die Erkennbarkeit des West Coast Swing an. Der größte Unterschied ist, dass im Showcase eine bestimmte Menge an Hebefiguren vorgeschrieben sind. Diese Menge kann je nach Turnier variieren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: West Coast Swing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nick Williams: Dean & Jewel: The Legacy. In: Swingnick. 16. November 2011, abgerufen am 2. November 2015 (englisch, Blogartikel).
  2. Robert White: Practice Swing - The Swungover* Choose-Your-Own-Adventure Guide To Improving Your Dancing. 2016, ISBN 978-0-692-65536-8.
  3. Stundenplan. In: Euro Dance Festival. Abgerufen am 8. Januar 2016 (Wobei sich die 16 % wohl auf eine ältere Version des Anlasses beziehen).