West Coast Swing

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West Coast Swing
Technik: smooth
Art: Paartanz, Gesellschaftstanz
Musik: Swing, Disco, Pop, Hip Hop, Blues
Taktart: 44-Takt
Tempo: ≈20–35 TPM
Herkunft: Vereinigte Staaten
Entstehungszeit: 1940er Jahre
Liste von Tänzen
Zwei Tänzer an einem Strictly-Wettbewerb in Frankreich

West Coast Swing ist ein Paartanz aus der Familie der Swing-Tänze.

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie der Name schon sagt, entstand der Tanz an der Westküste der Vereinigten Staaten. Es ist der offizielle Tanz des Bundesstaates Kalifornien.
Tanz in der Öffentlichkeit ist ein Abbild der jeweiligen Gesellschaft, der populären Musikströmungen, der Mode und Konventionen bezüglich der Kleidung und auch der Verhaltensweisen. Die Ursprünge des West Coast Swing reichen musikalisch zurück bis in die Zeit der 1920er, als sich der Swing aus den ersten Jazz-Strömungen zu etablieren begann. Die Kleidung wurde aus der vorgängig viktorianisch geprägten Form wesentlich unkonventioneller. "Social Dance", die Form des Paartanzes zu Unterhaltungszwecken, begann sich überall in den USA zu etablieren und wurde mangels Tonträger zu Live­mu­sik in öffentlichen Lokalen getanzt.

Als Vorläufer wird meist der Lindy Hop genannt, insbesondere der sogenannte „Hollywood Style“ von Dean Collins. Dieser Interpretation widersprechen einige Tänzer und Swingtanz-Forscher sehr deutlich, so zum Beispiel Nick Williams: „Another misconception is that Dean was responsible for West Coast Swing. This is not true and, in fact, Dean was not entirely a fan of WCS. Lastly, Dean and Jewel are often associated with Hollywood Style. Hollywood Style is Erik Robison and Sylvia Skylar’s style and interpretation of the Southern California dancers in the 1940’s. Dean and Jewel were not their main influences.“[1]

Die Prägung regionaler Swing-Richtungen verstärkte sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit Rückkehr der US-GIs über die östlichen Landesteile, oftmals New York, brachten sie die Musik und den Tanz der US-Ostküste (Vergleich Lindy Hop u.a.) in ihre Heimat und transformierten diese in ihren Gesellschaftsschichten. Zu den im ganzen Land verbreiteten Musikströmungen des Jazz kamen so regionale Ausprägungen hinzu:

  • New York: Lindy Hop
  • Washington D.C. und Umgebung: Das Hand-Dancing
  • Südliche Ostküste, Nord- und Süd-Carolina: Carolina Shag
  • Chicago: Jitterbug
  • St. Louis: St. Louis Shag und St. Louis Imperial
  • Texas: Dallas Push und Houston Whip
  • Kalifornien: Balboa und Vorläufer des heutigen West Coast Swing

Im Unterschied zu diesen Swing-Tänzen orientiert sich der West Coast Swing weniger am ursprünglichen klassischen, stark rhythmus-orientierten Feeling (Art der Musikinterpretation). Der West Coast Swing hat sich seit seiner Einführung ständig weiterentwickelt und dabei Elemente aus diesen Tänzen aufgegriffen und deren Charakteristika in die Tanzbewegungen und Figuren adaptiert. Im Gegensatz zum "Ballroom-Tanz" (u.a. Lindy Hop), der meist in eigens dafür errichteten Sälen getanzt wurde, zeichnen sich viele dieser Stile durch platzsparende Ausführung aus, denn sie wurden als "Social Dance" vorwiegend in engen Räumlichkeiten, in Bars u.a.m. getanzt. Mit Durchführung grosser, nationaler Tanzveranstaltungen verstärkte sich der Austausch unter diesen Swing-Tanzrichtungen noch erheblicher. Man begann bedeutende, landesweite Wettbewerbe abzuhalten. Die Sieger dieser Veranstaltungen inspirierten WCS. Die Adaption anderer Stile wurde schon fast programmatisch. Heute legt WCS an den vom World Swing Dance Council durchgeführten Veranstaltungen, wie auch an den US Open Swing Dance Championships, besonderen Wert auf "contemporary" Musikstile und wird inzwischen oft auf Disco, moderne Popmusik und Hip Hop-Musik getanzt, aber natürlich auch auf klassische Swing-Musik. WCS inspiriert seinerseits auch andere Tanzstile. So wird die Turnierform des "Jack ’n’ Jill" (frei zugeloste Paarungen, aber mit Einzelwertung der Tänzer und Ausscheidung im K.O.-System) inzwischen auch im Discofox ausgetragen und die besondere Form des Führen-und-Folgens wird im Disco-Swing im Unterricht vermittelt.

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der West Coast Swing ist, im Unterschied zu den ursprünglich sehr freien Swing-Tänzen, stationär, das heißt er wird in einem schmalen, länglichen Bereich, dem Slot getanzt. Der Follower (in der Regel die Dame) bewegt sich entlang des Slots, während der Leader (in der Regel der Herr) stationär in der Mitte des Slots bleibt und diesen nur verlässt, um den Follower passieren zu lassen. Da der Slot meist beibehalten wird, ist der Platzbedarf auf der Tanzfläche relativ gering und vorhersehbar.

Die Führungsbewegungen des Leader erfolgen mit Feingefühl und ohne ruckartige Manöver, wodurch sämtliche Figuren im West Coast Swing weich, flüssig und gleitend erscheinen. Der Tanz zeichnet sich auf Fortgeschrittenenniveau durch anschauliche Improvisation und Interpretation der Musik mittels Körperbewegung aus. Der Rhythmus der Musik wird vorwiegend mit eleganten Körperbewegungen als Ausdruck der ganzen Erscheinung des Tanzpaares betont. Die in anderen Swing-Tänzen übliche rhythmische Beinarbeit, mit welcher der Takt der Musik vom Leader an den Follower übertragen wird, der Bounce, fehlt gänzlich. Auf die in den Swing-Tänzen charakteristische Körperhaltung des Tanzpaares zueinander - der sogenannte A- und V-Shape - wird Wert gelegt: Der A-Shape (Körperhaltung in der Form des Buchstabens A mit leichter Neigung nach vorne) wird eingenommen, wenn das Tanzpaar nahe beisammensteht und die Körperspannung zum Zurückweichen aufgebaut wird, wohingegen der V-Shape (Körperhaltung in Forme eines V mit leichter Neigung nach hinten) eingenommen wird, wenn die maximale Distanz erreicht ist und die Spannung zur Annäherung aufgebaut wird.[2]

In den Vereinigten Staaten gibt es im West Coast Swing eine große Wettbewerbsszene. Trotzdem wird viel Wert auf die sozialen Aspekte des Tanzens gelegt. So ist zum Beispiel Jack ’n’ Jill (Zulosung der Tanzpartner) die größte Wettbewerbskategorie mit den meisten Teilnehmern. In Europa hat der Tanz in England und Frankreich eine gewisse Verbreitung gefunden. Auch in Deutschland wird er immer beliebter: So ist West Coast Swing mittlerweile bei über 16 % der Workshops auf Europas großem Tanzfestival Euro Dance Festival das Thema.[3] Auch einige Tanzschulen in Deutschland und Österreich haben den Tanz in ihr Programm aufgenommen.

Wettbewerbskategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt grundsätzlich vier verschiedene Wettbewerbskategorien, die sich in offene Klassen und Klassen mit verschiedenen Könnensstufen unterteilen.

Es gibt im West Coast Swing keine einheitlichen Regeln, lediglich die Aufstiegsregeln für Jack ’n’ Jill sind vom World Swing Dance Council festgelegt. Die restlichen Regeln können sich von Turnier zu Turnier unterscheiden. Jedoch wird von den meisten Veranstaltern das Regelwerk der US Open oder von Swing Diego anerkannt und genutzt.

Jack ’n’ Jill
Dies ist die Wettbewerbsart mit der größten Teilnehmerzahl. Hier meldet man sich entweder als Leader (Herren) oder als Follower (Damen) an. Man bekommt erst auf der Tanzfläche seinen Partner zugelost. In den Vorrunden bekommt man meist einen neuen Partner pro Song und wird einzeln bewertet. Im Finale bekommt man einen festen Partner zugelost und wird als Paar bewertet. Hier gibt es die Könnensklassen Newcomer, Novice, Intermediate, Advanced und die Invitational-Klasse, die je nach Event unterschiedlich bezeichnet werden können (erst ab Novice werden vom World Swing Dance Council Punkte vergeben).
Strictly
Hier meldet man sich als festes Paar an und tanzt auf die verschiedenen Musikrichtungen des West Coast Swing nach dem Prinzip Führen und Folgen.
Es gibt hier dieselben Divisionen wie im Jack ’n’ Jill.
Classic
Diese ist eine offene Division. Das bedeutet, hier gibt es keine Könnensklassen, es tanzen hier auch Profis gegen Einsteiger.
Bei Classic kann das Tanzpaar eine eigene Choreographie auf ein selbstgewähltes Lied vorstellen, wobei jeder Partner Kontakt zum Boden halten muss, Hebefiguren sind verboten. Classic gilt bei den West-Coast-Swing-Tänzern als Königsdisziplin, da deutlich erkennbar sein muss, dass es sich um West Coast Swing handelt, und somit ein großes technisches Wissen vorhanden sein muss. Dazu kommt die Erwartung, dass jede noch so kleine Figur oder Bewegung perfekt zum Lied passt.
Showcase
Bei dieser der Classic-Kategorie sehr ähnlichen Kategorie kommt es jedoch nicht so stark auf die Erkennbarkeit des West Coast Swing an. Der größte Unterschied ist, dass im Showcase eine bestimmte Menge an Hebefiguren vorgeschrieben sind. Diese Menge kann je nach Turnier variieren.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: West Coast Swing – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nick Williams: Dean & Jewel: The Legacy. In: Swingnick. 16. November 2011; abgerufen am 2. November 2015 (englisch, Blogartikel).
  2. Robert White: Practice Swing - The Swungover* Choose-Your-Own-Adventure Guide To Improving Your Dancing. 2016, ISBN 978-0-692-65536-8.
  3. Stundenplan. In: Euro Dance Festival. Abgerufen am 8. Januar 2016 (Wobei sich die 16 % wohl auf eine ältere Version des Anlasses beziehen).