Westdeutsche Lotterie

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Westdeutsche Lotterie
Rechtsform GmbH & Co. OHG
Gründung 1955
Sitz Münster, Deutschland
Leitung
  • Andreas Kötter
    Sprecher der Geschäftsführung
  • Christiane Jansen
    Geschäftsführer
Mitarbeiterzahl 346
Umsatz 1,69 Mrd. EUR[1]
Branche Lotterien und Sportwetten
Website www.westlotto.de
Stand: 19. August 2017

Ansicht von der Sperlichstraße
Ansicht von der Weseler Straße
Ansicht von der Weseler Straße

Die Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG (kurz: WestLotto) mit Sitz in Münster in Westfalen ist die Lottogesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Tochterunternehmen der NRW.Bank und der Nordwestlotto in Nordrhein-Westfalen GmbH[1] führt sie im staatlichen Auftrag Glücksspiele im zuvor genannten Bundesland durch. Zudem ist sie auf nationaler Ebene Mitglied im Deutschen Lotto- und Totoblock sowie auf internationaler Ebene in der Vereinigung European Lotteries (EL) und der World Lottery Association (WLA).[2]

In der Unternehmenszentrale in Münster sind rund 350 Mitarbeiter beschäftigt. Zusätzlich unterhält die Westdeutsche Lotterie 19 Bezirke innerhalb von Nordrhein-Westfalen, die das Annahmestellennetz bestehend aus rund 3.500 Annahmestellen betreuen.[3] Für das Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1,69 Mrd. Euro, als 656,5 Mio. Euro Abgaben, Lotterie- und Sportwettsteuer für das Gemeinwohl und den Landeshaushalt.[1]

Die Westdeutsche Lotterie ist einer der Initiatoren der Lotterie Eurojackpot, deren Chairman Andreas Kötter seit 2016 ist.[4][5]

Geschichte[6][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Westdeutschen Lotterie erfolgte im Jahre 1955 als Nordwestlotto im Verbund der Nordwestdeutschen Klassenlotterie als gemeinsame Lotterie der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Sie unterhielt dabei zwei Geschäftsstellen in Köln für den rheinländischen und Münster für den westfälischen Landesteil. Zusammen mit der Staatlichen Lotterieverwaltung des Freistaates Bayern fand im selben Jahr, am 9. Oktober 1955, erstmals die Ziehung im System „6 aus 49“ statt.

Im Jahre 1957 erfolgte die Herauslösung aus dem Verbund der Nordwestdeutschen Klassenlotterie und die Westdeutsche Lotterie wurde ein Tochterunternehmen der WestLB beziehungsweise der NRW.Bank nach der Abspaltung von der WestLB am 1. August 2002. Die beiden Landesgeschäftsstellen blieben dabei erhalten. Gleichzeitig übernahm die Lotterie das Geschäft und das Vertriebsnetz der Westdeutschen Fußball Toto GmbH.

1982 erfolgte die Umfirmierung von Nordwestlotto in Westdeutsche Lotterie bei einem gleichzeitigen Wechsel der Rechtsform in eine Offene Handelsgesellschaft. Im Jahre 1991 wurde die Geschäftsstelle in Köln aufgelöst und in Münster mit der bisherigen ausschließlich für Westfalen zuständigen Geschäftsstelle zusammengelegt.

Im September 2016 beteiligte sich die Westdeutsche Lotterie an der Kunst- und Kulturveranstaltung Schauraum 2016 in Münster. Am 2. Oktober 2016 veranstaltete die Westdeutsche Lotterie in Essen erstmals eine eigene Hausmesse.[5]

Produkthistorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • seit 1955: Lotto „6 aus 49“
  • seit 1962: TOTO-Auswahlwette
  • 1967–1974: Olympia-Lotterie
  • seit 1970: Glücksspirale
  • 1971–2003: Rennquintett
  • seit 1975: Spiel 77
  • seit 1985: Jackpot-Verfahren
  • seit 1987: Rubbellotterien
  • seit 1991: SUPER 6
  • 1998–2001: „Lotto Show“ in der ARD
  • seit 2000: ODDSET
  • 2000–2008: Spielen im Internet
  • seit 2005: KENO
  • seit 2012: Eurojackpot, Spielen im Internet
  • seit 2016: Platin 7

Spielangebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den angebotenen Spielen gehören:

Das Spielangebot richtet sich ausschließlich an Volljährige.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Europäische Standards für Responsible Gaming“ (European Lotteries) 2009, 2012, 2016[7][8][5]
  • Zertifikat „WLA Security Control Standard (WLA SCS)“ 2007[9]
  • „Anzeige des Jahres“ 2013 in Gold (ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft)[10]
  • Ökoprofit 2001, 2009/2010[11]
  • „Marketing Intelligence & Innovation Award“ (MIIA) 2016[5]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2014 trennte sich Westlotto von ihrem Berater für Großgewinner. Die Zeitschrift Der Spiegel enthüllte, dass dieser Westlotto-Berater eine enge Zusammenarbeit mit der Privatbank Merck Finck & Co bei der Betreuung von Lotto-Großgewinnern hatte. Der Westlotto-Berater besuchte beispielsweise Gewinner in Begleitung eines Direktors von Merck Finck & Co, einem Studienfreund. Die Mitarbeiter von Merck Finck & Co und Westlotto traten dabei teils schon bei der Gewinnmitteilung gemeinsam auf oder ein gemeinsamer Termin fand sogar in einer Filiale von Merck Finck & Co statt. Die Lottogewinner wurden beraten, ihren Gewinn in Anlageformen wie Schiffsfonds und offene Immobilienfonds zu stecken, ohne über Verlustrisiken zu informieren. Westlotto bestreitet, dass ihr Gewinnberater finanzielle Vorteile durch die Vermittlungen gehabt hätte.[12]

Schon im April 2014 wurde Merck Finck & Co in einem Falle wegen Falschberatung von Westlotto-Gewinnern verurteilt. Ein Ehepaar hatte mehr als 6 Millionen Euro bei Westlotto gewonnen und diese bei Merck Finck & Co angelegt. Die Bank überzeugte das Ehepaar, in sogenannte geschlossene Fonds zu investieren, die sich als unsicher heraus stellten, sodass das Ehepaar einen Großteil des Lottogewinns verlor. Das Landgericht Münster stellte eine Falschberatung fest und verurteilte die Bank dazu, 510.000 Euro plus Zinsen an das Ehepaar zu zahlen. Die Anwälte dieses geschädigten Ehepaars hatten das NRW-Innenministerium als Aufsichtsbehörde von Westlotto eingeschaltet. Dort sah man noch im März 2014 „keine Anhaltpunkte, die das Einschreiten der Glückspielaufsicht erfordern“. Im Mai 2014 schaltete Westlotto die Staatsanwaltschaft Münster ein, um die Vorgänge zu untersuchen. Zudem wurde von Westlotto eine Anwaltskanzlei beauftragt, die Zusammenarbeit ihres Beraters mit Merck Finck & Co zu untersuchen.[12]

Westlotto änderte auf die Vorwürfe auch von der Staatsanwaltschaft Münster hin die Gewinnerbetreuung. Die Untersuchung der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer ergab keine Hinweise auf eine Zahlung von Provisionen oder in die Einbeziehung von Westlotto-Mitarbeitern in die Anlageberatung von Merck Finck & Co. Der Berater für Großgewinner hatte für die Vermittlung von Gewinnern Einladungen zu Fußballspielen erhalten und sich von der Privatbank beschenken lassen. Der Berater wurde entlassen. Um Kungeleien bei der Beratung von Großgewinnern durch Banken zu verhindern, wurde beschlossen, die Gewinner nur noch in den Räumlichkeiten von Westlotto und nach dem Vier-Augen-Prinzip zu beraten. Von 2002 bis 2013 hatte der Berater für Großgewinn-Gewinnern die Eröffnung eines Kontos bei Merck Finck & Co empfohlen. Vor 2002 hatte Westlotto die Kontoeröffnung bei der damaligen Muttergesellschaft von Westlotto der WestLB empfohlen. Im Juni 2013 wurden Empfehlungen zur Kontoeröffnung bei Merck Finck & Co eingestellt. Freshfields Bruckhaus Deringer erhielt den Auftrag, ein neues Compliance-Konzept für Westlotto zu erstellen.[13][14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • WestLotto (Hrsg.): Responsible Gaming. Ein Gewinn für alle. Münster November 2015, DNB 1012392090 (online [PDF; abgerufen am 19. August 2017]).
  • WestLotto (Hrsg.): Geschäftsbericht WestLotto 2014. Aufbruch in eine neue Dimension. Münster April 2015 (online [PDF; abgerufen am 26. Februar 2016]).
  • WestLotto (Hrsg.): Jahresrückblick 2016. Wir erfüllen Träume. Münster April 2017 (online [PDF; abgerufen am 19. August 2017]).
  • WestLotto (Hrsg.): Finanzbericht 2016. Münster März 2017 (online [PDF; abgerufen am 19. August 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Westdeutsche Lotterie – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c WestLotto (Hrsg.): Jahresrückblick 2016. Wir erfüllen Träume. Münster April 2017, S. 14 (online [PDF; abgerufen am 19. August 2017]).
  2. Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG: Über WestLotto ‒ Die Kooperationen von WestLotto. In: www.westlotto.de. Abgerufen am 19. August 2017.
  3. Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG: Zahlen und Fakten - WestLotto.de. In: www.westlotto.de. Abgerufen am 23. Mai 2016.
  4. WestLotto (Hrsg.): Jahresrückblick 2016. Wir erfüllen Träume. Münster April 2017, S. 24 (online [PDF; abgerufen am 19. August 2017]).
  5. a b c d Westdeutsche Lotterie GmbH & Co. OHG: Presse - Pressemitteilung, Pressemeldung, Presseinformation. Pressemitteilungen 2016. In: www.westlotto.de. Abgerufen am 19. August 2017.
  6. Die Geschichte von WestLotto. In: www.westlotto.de. Abgerufen am 19. August 2017.
  7. ISA-GUIDE (Hrsg.): Lotto informiert: Europäische Spitzenposition für WestLotto. (online [abgerufen am 12. Mai 2014]).
  8. WestLotto (Hrsg.): Europäische Spitzenposition für WestLotto. European Lotteries zeichnet WestLotto zum zweiten Mal für verantwortungsvolles Glücksspiel aus. (online [PDF; abgerufen am 12. Mai 2014]).
  9. World Lottery Association (Hrsg.): Organizations currently certified to the WLA Security Control Standard. (online [abgerufen am 14. Mai 2014]).
  10. ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft mbH & Co. KG (Hrsg.): ZeitungKreativ: GOLD für Westlotto. (online [abgerufen am 12. Mai 2014]).
  11. Stadt Münster (Hrsg.): ÖKOPROFIT Münster. Betriebskosten senken sowie Umwelt und Klima entlasten. (online [PDF; abgerufen am 12. Mai 2014]).
  12. a b Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch, Jörg Schmitt: Die unheilige Allianz. In: Der Spiegel. Nr. 22, 26. Mai 2014, ISSN 0038-7452, S. 30–33.
  13. Nach Korruptionsvorwürfen: Westlotto will Kungelei künftig verhindern. Abgerufen am 26. Februar 2016.
  14. Nach Korruptionsvorwürfen: Westlotto stellt sich mit Freshfields neu auf. Abgerufen am 26. Februar 2016.


Koordinaten: 51° 56′ 53″ N, 7° 36′ 50″ O