Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen

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Das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen (WPE)[1] in Essen ist eine klinische Einrichtung des Universitätsklinikums Essen, an der Menschen mit Tumoren im Kopf, in der Wirbelsäule oder der Beckengegend mit Hilfe der Protonentherapie behandelt werden. Der Patientenbetrieb läuft seit 2013. Das Zentrum hat die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH).

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau des Zentrums begann 2006, 2008 wurde Richtfest gefeiert.[2] 2009 war das Protonentherapiezentrum Preisträger beim bundesweiten Wettbewerb Deutschland – Land der Ideen.[3] 2009 sollten erste Patienten behandelt werden, aufgrund fehlerhafter Technik und mangelhafter Ausführung des Gebäudes[4] starteten die klinischen Anwendungen jedoch erst im Mai 2013 mit der Inbetriebnahme des ersten Behandlungsraumes. Seitdem wurden (Stand Dezember 2017) rund 1.000 Patienten behandelt.[5][6]

Im April 2014 ging – parallel zur vollständigen Übernahme des WPE durch das Universitätsklinikum Essen[7] – der zweite von insgesamt vier Behandlungsräumen in Betrieb. Hier können Tumoren mit der Pencil Beam Scanning (PBS) -Technologie bekämpft werden. Der dritte Raum folgte im März 2015. Anfang 2016 wurde mit Inbetriebnahme des vierten Raumes der Ausbau des Zentrums abgeschlossen.[8] Zukünftig wollen die Ärzte dort bis zu 1.000 Patienten pro Jahr behandeln.[9]

Behandelbare Erkrankungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell werden am WPE nicht-vorbestrahlte Tumoren im Kopf-, Wirbelsäulen- und Beckenbereich behandelt (also vornehmlich primäre Hirntumoren sowie Sarkome von Schädelbasis, Gesichtsschädel, Wirbelsäule und Becken). Auch Prostata-Karzinome und fortgeschrittene HNO-Tumoren, wie z. B. Nasopharynxkarzinome (Tumore im Nasenrachenraum) und Karzinome der Nasennebenhöhlen finden Berücksichtigung.[10] Einen Schwerpunkt bildet die Behandlung von kindlichen Tumoren. Auch Kinder unter 5 Jahren können im WPE routinemäßig in leichter Sedierung behandelt werden.[11] Die Kinder schlafen somit während der Behandlung, wachen anschließend von alleine auf und können wieder nach Hause gehen. Inzwischen ist das WPE das europaweit größte Strahlentherapiezentrum im Bereich von Krebserkrankungen im Kindesalter.[12] Bis August 2019 wurden über 1000 Kinder behandelt, davon ca. die Hälfte in Sedierung.[13]

Durch die Pencil Beam Scanning Methode (PBS) und das hochmoderne Therapieplanungssystem wird die Intensitätsmodulierte Protonentherapie (IMPT) routinemäßig bei HNO-Tumoren (inkl. Lymphknotenbestrahlung), Schädelbasis-Tumoren und Prostatatumoren eingesetzt. Ebenfalls kann unter Verwendung von PBS und IMPT bei Tumoren des Zentralen Nervensystems (ZNS) die gesamte Kraniospinale Achse (CSA, beinhaltet Gehirn und Spinalkanal) routinemäßig bestrahlt werden. Die Verfügbarkeit der IMPT ermöglicht zudem einen Simultaneous Integrated Boost (SIB) – also eine gleichzeitige Boostbestrahlung – für Tumoren der Schädelbasis, im HNO-Bereich und der Prostata.[8]

Inzwischen werden im WPE auch bewegliche Tumore behandelt. Insbesondere bei Lebertumoren wie dem hepatozellulären Karzinom kann eine Protonentherapie unter bestimmten Voraussetzungen helfen.[14]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das WPE verfügt über vier Behandlungsräume. In drei Räumen kann die Strahlführung um 360 Grad gedreht werden (Gantry), sodass zusammen mit dem drehbaren Tisch eine günstige Einstrahlrichtung erreicht wird. Der vierte Behandlungsraum ist mit einer horizontalen Strahlführung (Fixed-Beam-Line) und einem Augentherapieplatz ausgerüstet. Für die Therapieplanung und Verlaufsuntersuchung verfügt das WPE u. a. über Ultraschall, Computer- und Magnetresonanztomographen (CT und MRT). Bei Bedarf können Protonentherapie und Therapievorbereitung in Narkose erfolgen.[15] Protonenquelle ist ein Zyklotron der Ion Beam Applications S.A. (IBA) mit einer konstanten Energie von 230 MeV.

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das WPE ist als "Klinik für Partikeltherapie"[16] Teil des Universitätsklinikum Essen und des Westdeutschen Tumorzentrum Essen. So nehmen Spezialisten des WPE u. a. an den diversen, regelmäßig tagenden interdisziplinären Tumorboards teil.

Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am WPE arbeitet ein über 100-köpfiges, internationales Expertenteam bestehend aus Ärzten (darunter Fachärzte für Strahlentherapie und Fachkunde für Partikeltherapie), Physikern, Physikassistenten und Feinmechanikern, Medizinisch-technisch-radiologischen Assistenten, Studienassistenten sowie Case-Management- und Ambulanzkräften.[17] Ärztliche Leiterin ist Beate Timmermann.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage des WPE
  2. Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) vom 29. April 2014: Protonenzentrum startet endlich
  3. Tumore unter Beschuss (Memento des Originals vom 24. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.land-der-ideen.de. Preisträger bei "Deutschland – Land der Ideen"
  4. Kurt-Martin Mayer: Die nackte Kanone. In Focus vom 27. Mai 2013, abgerufen am 16. Juli 2014
  5. Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen | Vierter Behandlungsraum eröffnet – Essener Einrichtung damit größtes Protonentherapiezentrum an einem Universitätsklinikum in Deutschland. In: www.wpe-uk.de. Abgerufen am 26. Oktober 2016.
  6. 1000. Patient behandelt - Protonentherapie | WPE-UK.de. In: Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen (WPE). 11. Dezember 2017 (wpe-uk.de [abgerufen am 13. Dezember 2017]).
  7. Pressemitteilung: Universitätsklinikum Essen übernimmt Westdeutsches Protonentherapiezentrum vollständig.
  8. a b Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen | Vierter Behandlungsraum eröffnet – Essener Einrichtung damit größtes Protonentherapiezentrum an einem Universitätsklinikum in Deutschland. In: www.wpe-uk.de. Abgerufen am 24. Oktober 2016.
  9. Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) vom 29. März 2015: Betrieb im Protonentherapiezentrum nimmt Fahrt auf
  10. Homepage des WPE WPE: Indikationen (Memento des Originals vom 24. Oktober 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wpe-uk.de
  11. Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen | Indikationen. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.wpe-uk.de. Archiviert vom Original am 24. Oktober 2016; abgerufen am 24. Oktober 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wpe-uk.de
  12. 1000. Patient behandelt - Protonentherapie | WPE-UK.de. In: Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen (WPE). 11. Dezember 2017 (wpe-uk.de [abgerufen am 13. Dezember 2017]).
  13. Eine einmalige Expertise: Das kinderonkologische strahlentherapeutische Programm am WPE ist das größte seiner Art in Deutschland – 1000. Kind behandelt. In: Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen (WPE). 23. September 2019, abgerufen am 16. Oktober 2019 (deutsch).
  14. Protonentherapie hepatozellulären Karzinom | Aktuelles WPE-UK.de. In: Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen (WPE). 28. Mai 2019, abgerufen am 16. Oktober 2019 (deutsch).
  15. Homepage des WPE Ausstattung (Memento des Originals vom 1. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.uk-essen.de
  16. Klinik für Partikeltherapie
  17. Klinik für Partikeltherapie

Koordinaten: 51° 26′ 6,3″ N, 6° 59′ 14,5″ O