Westfalenweg

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Hessisches Hinterland (ohne die Exklaven Vöhl und Itter) 1815–1866

Der Westfalenweg ist eine mittelalterliche Handelsstraße. Der Begriff wurde im Raum Gießen geprägt, weil der Weg bis nach Westfalen führte. Die Trasse verläuft auf der Lahn-Dill- bzw. Aar-Salzböde-Wasserscheide.[1] Dem alten Verlauf folgt heute bis zur Zollbuche weitgehend die Landesstraße 3047.

Aus Richtung Gießen kommend führte der Westfalenweg, den Dünsberg und Frankenbach tangierend, zur Zollbuche durch Günterod bis zur Angelburg, dem Kreuzungspunkt alter Fernwege (Leipzig-Kölner Handelsweg, auch Brabanter Straße genannt und Herborner Hohe Straße) im Schelder Wald. Von dort konnte man auf seinen nördlichen Fortsetzungen (z. B. Heerstraße) nach Westfalen, Paderborn und weiter bis nach Bremen gelangen.

Seine Trasse lässt vermuten, dass der Weg schon in der Vor- und Frühgeschichte von Bedeutung gewesen sein könnte, da er das keltische Oppidum auf dem Dünsberg direkt mit den Wilhelmsteinen verband. Die Wilhelmsteine werden als eine überregional bedeutsame vorchristliche Kultstätte (Naturheiligtum) angesehen.

Dieser Weg bot jahrhundertelang (bis 1854, Aufhebung der Zollschranken mit Preußen) die einzige Möglichkeit, Waren zollfrei aus dem hessen-darmstädtischen Hinterland in die Provinzhauptstadt Gießen bzw. nach Darmstadt zu bringen. Er verlief weitgehend auf hessisch-darmstädtischem Gebiet und tangierte nur beim heutigen Gasthaus „Eiserne Hand“ das Territorium der Grafschaft Solms.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Uhlhorn: Grenzbildungen in Hessen, Die Entwicklung der Westgrenze des Kreises Biedenkopf. In: Akademie für Raumforschung und Landesplanung (Hrsg.): Grenzbildende Faktoren in der Geschichte, Forschungsberichte des Ausschusses „Historische Raumforschung“. Band 48. Gebrüder Jänecke Verlag, Hannover 1969, S. 59, 61, 63.