Weteritz

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Weteritz
Koordinaten: 52° 31′ 2″ N, 11° 20′ 0″ O
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 14,75 km²[1]
Einwohner: 195 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 13 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Eingemeindet nach: Gardelegen
Postleitzahl: 39638
Vorwahl: 03907
Weteritz (Sachsen-Anhalt)
Weteritz
Weteritz
Lage von Weteritz in Sachsen-Anhalt

Weteritz ist ein Ortsteil der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Weteritz liegt knapp vier Kilometer südwestlich des Gardelegener Stadtzentrums. Südlich des Ortes liegt das Waldgebiet Weteritzer Forst. Der Weteritzbach fließt im Osten und Süden,[3] der südliche Teil wurde früher Wallgraben genannt.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1362 als der twiger dörper tu Weteritz[5] als Markgraf Ludwig der Römer zwei Bürger zu Gardelegen mit Gerichten zu Weteritz belieh. Im Jahre 1375 wird der Ort im Landbuch von Kaiser Karl IV. als Wertiz und Wertitz genannt.[6](Im Register irrtümlich unter Wernitz aufgeführt).[1]

1472 heißt es in dem dorpe to Weteritz einem Teil der Vogtei Gardelegen.[7]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Weteritz in eine Landgemeinde Weteritz umgewandelt.[8] Bis 1950 war Weteritz eine Gemeinde und verlor durch Eingemeindung in die Stadt Gardelegen am 1. Juli seine politische Selbständigkeit.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1774 180
1789 51
1798 83
Jahr Einwohner
1801 92
1818 82
1840 192
Jahr Einwohner
1864 338
1871 243
1885 222
Jahr Einwohner
1895 212
1905 198
1925 139
Jahr Einwohner
1939 108
1946 168
2016 195

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss und Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weteritzer Schloss
Weteritzer Park
  • Das Rittergut Weteritz wurde 1857 an den herzoglich-anhaltischen Amtsrat Carl Heinrich Theodor Roth aus Dessau verkauft, dessen Familie den Besitz bis zur Enteignung 1945 bewirtschaftete. Die Familie von Alvensleben verlor mit diesem Verkauf den Grafentitel, der ihr erst 1840 unter der Bedingung des ungeteilten Erhalts ihrer Besitzungen verliehen worden war.[11] Carl Heinrich Roth wurde für die „Urbarmachung der Feldmark“ mit dem Orden eines Ritters I. Klasse des herzoglich-anhaltischen Hausordens „Albrecht der Bär“ ausgezeichnet. Sein Sohn, Hubert Roth, war ein anerkannter Dendrologe.
  • Im Jahre 2009 stellte die Familie Roth Ansprüche auf Teile des Inventars, das sich bis 1945 im Schloss und im Familienbesitz befunden hatte. Diese wurden im Rathaus von Gardelegen entdeckt und – im Gegensatz zum Immobilieneigentum – teilweise zurückgeführt.
  • Zur Zeit der DDR war im Schloss ein Altenheim („Feierabendheim Wilhelm Pieck“) untergebracht.
  • Nach der Wende wurde durch das Land die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Schlosses bzw. Herrenhauses gefördert. Seit 1994 befindet sich das Areal im Privatbesitz, ohne dass bisher konkrete Umsetzungsmaßnahmen zur nachhaltigen Nutzung vorgenommen wurden. Im Jahr 2010 sollte das Schloss erneut den Besitzer wechseln. Der Verkauf kam jedoch nicht zustande, da sich der Investor als unseriös entpuppte und wegen versuchten Fördermittelbetruges in Millionenhöhe inhaftiert wurde. Das Schloss wird derzeit im Sinne des Denkmalschutzes instand gehalten, der Park in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gepflegt.
  • Anfang 2016 kauften zwei Unternehmer aus Dresden/Hamburg das verlassene Herrenhaus. Geplant waren Wohnungen, die ausdrücklich nicht im Luxussegment angesiedelt sind. Derzeit steht das Gutshaus wieder zum Verkauf.[12] Im Denkmalverzeichnis wird das Gebäude als Gutshof geführt.[13]

Friedhof und Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf dem Friedhof befindet sich als Grabmal für den im Ersten Weltkrieg gefallenen Regierungsrat Curt Roth auch eine Madonna. Deren Herkunft aus der Werkstatt von Ernst Barlach ist umstritten.[14]
  • Die ehemalige evangelische Kirche, ein stark überformter romanisierender Bau des Klassizismus um 1840, ist heute ein Wohnhaus[1] und steht unter Denkmalschutz.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weteritz liegt südlich der Bundesstraße 188, das gleichnamige Gewerbegebiet nördlich. Im Ort beginnt die Landesstraße 25, die über Calvörde und Erxleben führt und bei Uhrsleben endet. Weteritz liegt unweit der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1522 wurde der aus Gardelegen stammende Theologe Bartholomaeus Rieseberg von der Weteritzer Familie von Alvensleben als erster evangelischer Pastor der Region angestellt. Erst 1539/1540 wurde er Pastor der Stadt Gardelegen.[15]

Die evangelischen Christen in Weteritz bildeten ursprünglich eine eigene Kirchengemeinde und hatten eine Kirche im Dorf.[16] Die Kirche ist heute ein Wohnhaus.[1]

Weteritz gehört heute zum Pfarrbereich Gardelegen[17] im Kirchenkreis Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Weteritz stammen aus dem Jahre 1682.[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2423–2425.
  2. Gardelegen mit Lindenthal, Ipse, Weteritz, Zienau, Ziepel. auf gardelegen.de. Abgerufen am 25. Dezember 2018.
  3. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  4. Top50-CD Sachsen-Anhalt, 1.50000, Landesamt für Landesvermessung und Geoinformation, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie 2003
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 6, 1846, S. 103 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001022_00113~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  6. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 23, 49 (uni-potsdam.de).
  7. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 6, 1846, S. 134 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001022_00144~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  8. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 201.
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  10. Markus Jager (Hrsg.): Schlösser und Gärten der Mark. Lukas, Berlin 2006, ISBN 9783936872965, S. 102. Leseprobe
  11. Familie von Alvensleben – Isenschnibbe-Polvitz. Abgerufen am 13. März 2018.
  12. Gesine Biermann: Ein Schloss in der Warteschleife. In: www.volksstimme.de. Abgerufen am 19. Januar 2017.
  13. Anfragevon Olaf Meister im Landtag Sachsen-Anhalt (PDF), Erfassungsnummer 094 97281 000 000 000 000, abgerufen am 27. Juli 2017
  14. Elke Weisbach: „Habe einen guten Kampf gekämpft“. az-online.de vom 16. November 2013, abgerufen am 22. August 2018
  15. Werner Greiling, Armin Kohnle, Uwe Schirmer: Negative Implikationen der Reformation? Gesellschaftliche Transformationsprozesse 1470–1629. Böhlau, Köln/Weimar 2015, ISBN 9783412501532, S. 383. Auszüge bei books.google.de
  16. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 64 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 25. Dezember 2018]).
  17. Pfarrbereich Gardelegen. Abgerufen am 26. Dezember 2018.
  18. Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft). Leipzig 1925, S. 7 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 26. Dezember 2018]).