Wettlauf ins All

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Wettlauf ins All wird der Wettstreit um den Vorstoß ins Weltall zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bezeichnet, der in den 1950er und 1960er Jahren stattfand.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowjetischer „ASAT-Satellit“, etwa 1960er Jahre
„Man-Made-Threats“. Grafik des US-Verteidigungsministeriums 2000/2001 zeigt mögliche Bedrohungen durch Weltraumwaffen. Fast alle technischen Angaben beziehen sich auf Projekte des US-Militärs.

In den 1950er und 1960er Jahren – der Zeit des „Kalten Krieges“ – fanden die politisch-ideologischen Gegensätze der beiden konkurrierenden Systeme verbunden mit dem Wettrüsten einen weiteren Schauplatz: das Weltall. Den Wettlauf trieben – vereinfacht dargestellt – zwei Motivationen an:

  • Propagandistische Motive: Beide Parteien wollten die eigene technische Überlegenheit beweisen, um die Überlegenheit des eigenen Gesellschaftssystems aufzuzeigen.
  • Militärische Motive: Schon die Aggregat-4-Rakete hatte im Zweiten Weltkrieg ihre Effektivität bewiesen. Zwar war sie militärökonomisch eine Fehlinvestition, da sie sehr ungenau und ihre Produktion sehr teuer war, doch durch ihre hohe Geschwindigkeit war sie nicht abfangbar. Durch Sputnik wurde dann bewiesen, dass es möglich ist, ein Objekt vom eigenen Hinterland über das des Feindes zu befördern. Eine Abwehr solcher Raketen im Flug war zum damaligen Zeitpunkt illusorisch, was ihre Gefährlichkeit weiter steigerte. Auf einen Schlag sahen sich die USA im Wettrüsten mit der UdSSR um Jahre im Entwicklungsrückstand. Die Raumfahrtprogramme waren von vornherein eng mit den militärischen Aspekten des Kalten Krieges verzahnt.

Das Know-how in beiden Lagern – Ost und West – rekrutierte sich nicht unwesentlich aus Raketen-Ingenieuren, die im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite in Peenemünde am militärischen Raketenprogramm gearbeitet hatten. Mit Ende des Krieges fielen diese Ingenieure beiden Lagern sozusagen als Kriegsbeute zu. Im Rahmen der sogenannten Operation Overcast und nachfolgender Programme wurden Wernher von Braun – in den 1960er Jahren Hauptorganisator des amerikanischen Mondfahrtprogramms Apollo – sowie einige seiner Mitarbeiter (Hans Fichtner, Walter Häussermann und Oscar Holderer) in die USA gebracht. Die Sowjetunion unternahm vergleichbare Anstrengungen. Die Aggregat 4 bildete dabei auf beiden Seiten die Basis für die Weiterentwicklung von Raketen, die eine Nutzlast tatsächlich ins Weltall tragen konnten. In den ersten Jahren dominierte die Sowjetunion im Weltraum, später konnten die USA gleichziehen. Mit der Landung auf dem Mond konnten sie in der öffentlichen Wahrnehmung den Wettlauf sogar gewinnen.

Wernher von Braun war ein geschickter Marketing-Stratege für Raketentechnik und bewerkstelligte es, eine Zusammenarbeit mit Walt Disney zu erreichen. Im März 1955 wurde erstmals der Kurzfilm Man in Space ausgestrahlt. Darin erklärt von Braun unter anderem, die allgemeine Raketen-Funktionsweise und Einflüsse welche Raumfahrer in der Lage sein müssten auszuhalten. Mit 42 Millionen Zuschauern gilt der Film als zweiterfolgreichste TV-Sendung aller Zeiten im US-Fernsehen. Die TV-Produktion zog zwei Fortsetzungen nach sich, in denen er ebenfalls zu Wort kam.[1]

Sputnik 1 war 1957 der erste künstliche Satellit auf einer Erd-Umlaufbahn, dies führte gemeinsam mit bereits zwei gescheiterten Testläufen des Vanguard-Projekts auf US-amerikanischer Seite zum sogenannten Sputnikschock und befeuerte den Wettstreit um Ersterfolge in der Raumfahrt. Die US-Amerikaner setzten in dieser Zeit eine Reihe neuer Projekte an, die unter anderem in den Start von Explorer 1 und der Gründung der DARPA und der NASA mündeten.[2]

Da die Raumfahrtprogramme der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg von ideologischer Propaganda geprägt waren, etablierten die beiden Mächte jeweils eigene Begriffe für ihre Raumfahrer, „Kosmonaut“ und „Astronaut“. Aus Angst um Prestigeverlust bei dieser Propaganda-Schlacht wurde bereits beim ersten Lebewesen, das vom Menschen gezielt in eine Umlaufbahn um die Erde befördert wurde verheimlicht und gelogen. Schon nach etwa fünf bis sieben Stunden Flugzeit des Raumflugkörper war, wegen des defekten Wärmeschutzes, die Hündin Laika an Überhitzung gestorben. Der Öffentlichkeit wurde dies vorenthalten.[3]

Deckblatt des Berichtes A Study of Lunar Research Flights - Vol. I

Im Projekt A119, auch bekannt als A Study of Lunar Research Flights (für Eine Studie über lunare Forschungsflüge) wurde Ende der 50er Jahre im Auftrag der United States Air Force ein geheimer Plan entwickelt, eine Nuklearbombe auf dem Mond zu zünden. Ziel war es, durch eine solche Detonation zu demonstrieren, dass die Vereinigten Staaten der Sowjetunion sowie dem Rest der Welt während des „Kalten Krieges“ im Weltall technisch und militärisch überlegen seien. Es gab Hoffnungen, solch eine für alle sichtbare Machtdemonstration könnte die Moral der eigenen Bevölkerung nach dem Sputnikschock wieder heben.[4] Das Projekt wurde nie durchgeführt, hauptsächlich da die Verantwortlichen einer bemannten Mondlandung eine stärkere Propaganda-Wirkung auf die US-amerikanische Öffentlichkeit zusprachen. Die Existenz des Projektes blieb bis in die Mitte der 90er Jahre völlig unbeleuchtet, bis der Autor Keay Davidson es bei Nachforschungen für seine Biografie über Carl Sagan entdeckte. Die Regierung hat eine Beteiligung an der Studie bisher nicht offiziell bestätigt.[5]

Es gab vereinzelt Pressegerüchte um ein fast zeitgleiches vergleichbares sowjetisches Programm, die aber abebten.[6]

Anfang 1957 hatte Edward Teller („Vater der Wasserstoffbombe“ genannt) die Detonation mehrerer Bomben auf und über der Mond-Oberfläche vorgeschlagen, um die Effekte solcher Explosionen bei der dort verringerten Schwerkraft analysieren zu können.[7] Ende 1969 forderte der am Apolloprogramm beteiligte Wissenschaftler Gary Latham die Zündung einer Kleinst-Atombombe auf dem Mond, um Daten über dessen geologische Zusammensetzung zu gewinnen.[8] Das Vorhaben wurde aber verworfen, da amerikanische Astronomen planten, zu einem späteren Zeitpunkt die natürliche Hintergrundstrahlung des Mondes zu messen.[9]

Tereschkowa und Gagarin, Fußballspiel DDR-Ungarn. Walter Ulbricht Stadion, 1963.
Eines der wenigen Mondfotos mit Armstrong im Zusammenhang mit dem „Sieg im Space Race“. Meist wurden fälschlicher Weise Farbfotos die Aldrin zeigen in den Medien verwendet.

Der Gebrauch einer beschönigenden Ausdrucksweise ist im politischen Sektor ein gängiges Phänomen. Nachdem die Sowjetunion mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins All befördert hatte war der angebliche „Wettlauf ins All“ genau genommen endgültig entschieden.[10] Sputnik 1 war der erste Satellit von Menschenhand in der Erdumlaufbahn. Das erste planmäßig mit einer Rakete ins Weltall transportierte Tier war Laika. Die erste Frau im Weltraum war Walentina Wladimirowna Tereschkowa. Es wurde daraufhin ein „Wettlauf zum Mond“ ausgerufen, den die Vereinigten Staaten „gewannen“. Diese Großprojekte waren nicht so etwas wie Sportveranstaltungen, wie die euphemistischen Ausdrücke Wettlauf und -rennen implizierten. Aber als die Sowjetunion erstmals an den olympischen Sommerspielen 1952 teilnahm, bekam Sport und seine Großveranstaltungen bereits eine propagandistische Funktion im „Kalten Krieg“. Es war in diesem Punkt hier kein Wettlaufen von Menschen, sondern vielmehr ein Wettfliegen von Raketen unter enormen technischem Aufwand. Dem sportlichen Wettkampf der politischen Systeme bei den Olympiaden und dem Aufstellen immer neuer sportlicher Weltrekorde auf der Erde, folgte eine bisher ungekannte Technikschlacht im All, bei der die – zugeben auch sportliche – Leistung der Beteiligten überbetont wurde. Es ging hier sehr verstärkt um die Beherrschung von Technik und nicht des eigenen Körpers. Während für die körperliche Betätigung des Laufens grundsätzlich keine technischen Hilfsmittel nötig sind, wird in der bemannten Raumfahrt ein exorbitanter technischer und finanzieller Aufwand betrieben. Der Mensch gerät als Raumfahrer vielmehr im Gegensatz zu einem sportlichen Wettkampf zunehmend indirekt in eine körperliche Beanspruchung, bishin zu einer Überbeanspruchung. Somit wurde der Ausweitung des „Kalten Krieges“ in das Weltall eine sportliche Dimension angedichtet, die es nur sehr indirekt gab. Diese Vorgehensweise wurde in der Presse übernommen, wie zum Beispiel das Verteilen von Punkten – in Tabellenform vergleichbar mit einem Medaillenspiegel bei Olympiaden – für Raumfahrterfolge, in Zuordnung nach dem jeweiligen politischen System, zeigte.[11] Zum Ablenken von der Tatsache der Ausweitung des Wettrüstens ins All bot sich mit einer Umschreibung als „Wettlauf“/„Wettrennen“ ins All oder zum Mond eine gute Möglichkeit. Der erbittert geführte hochtechnologische Wettstreit, um die Erst-Erfolge im Weltall und später besonders auf dem Weg zum Mond, war wegen seiner einzigartigen Symbolik wohl der wichtigste „Ersatzkrieg“ in der Zeit des „Kalten Krieges“.[12] Im englischen Sprachraum gab es die Bezeichnung „Space Race“, was die Sache in Richtung einer Rennveranstaltung deuten ließ. Ein Foto vom Betreten des Mondes, welches Armstrong anfertigte, gilt bis heute als Inbegriff des amerikanischen Sieges im „Space Race“ und avancierte schnell zu einer der Medienikonen des 20. Jahrhunderts. Dieses „Space Race“ kann in erster Linie als ein Widerstreit um die Vorherrschaft von Ideologien, Bildern oder Bilddeutungen, welche die kollektiven Vorstellungswelten prägen oder prägen sollen – also immer auch ein „Picture Race“ (Krieg der Bilder) oder ein „Clash of Icons“ (Aufeinandertreffen von Symbolen), gesehen werden.[13]

Präsident Kennedys Rede in einem Sportstadion (Rice Stadium) über das amerikanische Weltraumprogramm 1962
NASA-Foto: Kongress-Abgeordneter George Paul Miller (auf Heimtrainer sitzend) besucht den Direktor des Marshall Space Flight Center Wernher von Braun. Miller war von 1961 bis 1973 Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Raumfahrt. In dieser Zeit fanden alle bemannten Mondlandungen statt.

Für die Wahrnehmung der Öffentlichkeit dieses Konkurrenzkampfes nach innen und außen war die mediale Vermittlung Voraussetzung. Ohne die Medien wäre dieser Wettstreit im All auf der Erde nicht zu verfolgen gewesen. Eine jede sowjetische oder amerikanische All-Mission rief eine Fülle an Medien-Reaktionen hervor. Dabei beschränkten sich die Medien nicht auf eine Rolle als passive Beobachter, denn die beteiligten Astronauten und Kosmonauten wurden zum Beispiel als neue „Helden“ des „Kalten Krieges“ stilisiert.[14] Aufgrund der schwierigen Abschätzbarkeit aller organischen Belastungen, denen ein Astronaut im Einsatz ausgesetzt sein würde, wurde bei der Auswahl der Kandidaten großer Wert auf körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit gelegt. Ihre Testflüge und Trainingsprogramme machten die größten Schlagzeilen in den Medien. Vor allen die ersten Astronauten galten in der öffentlichen Wahrnehmung als die Topleute unter den amerikanischen Jetpiloten. Sie wurden als smarte Einzelgänger, ausgestattet mit unerschütterlichem Mut und schier übermenschlicher Physis, als so etwas wie Superhelden dargestellt. Wobei gleichzeitig in der Inszenierung ein Spagat zu blütenreinen, volkstümlichen Familienvätern gemacht wurde. Genau betrachtet waren die Raumfahrertätigkeiten aber fast ausschließlich Teamarbeit.[15] Weltraumforschung wurde zudem schon sehr frühzeitig mit der Sprache von Sportberichterstattungen vermittelt und als so etwas wie ein sportlicher „Wettlauf“ inszeniert. Ein weiteres Beispiel ist 1957 die Betitelung der erfolgreichen Sputnikmission als „Ausgleich“ in einer deutschen Zeitschrift.[16] Dabei war offensichtlich, dass mit den Verbesserungen in der Raketentechnologie auch die militärischen Möglichkeiten anwuchsen. Genauso wie es jetzt möglich war Raketen präzise in Erdumlaufbahnen zu schießen, wurde es umgekehrt möglich auch die entlegensten Winkel der Erde zu treffen. Gegen Interkontinentalraketen gibt es zum Beispiel auch heute noch keinerlei Abwehr.

Politik und Medien glorifizierten in den 1960ern das Ringen um kosmische Überlegenheit und allgemeine Begeisterung für den Schauplatz und seine Akteure. Damit ließen sie um die NASA eine Art Zirkusatmosphäre entstehen. Einerseits missfiel der gebildeten Elite der Vereinigten Staaten diese Aura, anderseits sprach es das Massenpublikum durchaus an. Der Fachautor und Kritiker Carl Dreher legte enttäuscht dar, dass der amerikanische Steuerzahler in der bemannten Raumfahrt eine Art von neuen Breitensport für sich entdeckt hätte. In der Astronautendarstellung häufig verwendeten Vokabel waren, bei Befürwortern und ebenso bei Gegnern des durchaus ernst zu nehmenden gleichzeitigen Aufrüsten im All, Weltraumolympiade und -spektakel. Dies verweist auf eine bisweilen sportlich unterhaltsame Komponente in der Rezeption und ermöglichte, ähnlich wie beim Begriff „Wettrüsten“ eine verharmlosende und spielerische Auseinandersetzung mit der entstandenen Weltraum-Front im „Kalten Krieg“. „Moon Race“ war eine weitere Sport-Konnotation in einer Fülle weiterer vergleichbarer in den Medien.[17]

Der Historiker Sebastian Haffner beispielsweise verglich die Emotionen in Russland nach dem Weltraumflug Gagarins mit jenen in Deutschland nach dem Gewinn einer Fußballweltmeisterschaft und betonte gleichsam den „sportlichen“ Charakter des „Wettrennens ins All“: „Grund genug zur Freude in Rußland – derartiger Freude, die in Deutschland empfunden wurde, als die deutsche Nationalelf 1954 die Fußballweltmeisterschaft gewann. Aber dieser sportliche Erfolg sagt weder etwas über die Überlegenheit des russischen (oder deutschen) Regierungs- und Wirtschaftssystems noch über den menschheitsgeschichtlichen Wert des bemannten Raumschusses (oder des Fußballsports) aus.“[18] Durch die Metapher von einem sportlichen Wettlauf, konnte ein ganz anderes Vokabular erschlossen werden, als wenn über den Konkurrenzkampf im All als politisch-militärische Auseinandersetzung berichtet worden wäre. Dadurch wurde eine sanftere, Friedlichkeit vorspiegelnde Wortwahl möglich, welche für die mediale Inszenierung bedeutsam war.[19] Das ganze „Wettrennen ins All“ war ein Prestigeduell im Kalten Krieg, in dem viel Wert auf ein friedliches Image gelegt wurde. Beide Seiten betonten immer den friedlichen Charakter ihrer Weltraumforschung. Die Sprachwahl war, neben den stilisierbaren Protagonisten des „Wettrennens ins All“, den „Helden“, einer der Gründe für die Popularität der Raumfahrt in den 60ern. Durch diese Sprachwahl konnte ein breiteres Publikum angesprochen werden, ein hochpolitisches Thema wurde für breite Massen dadurch „lesbar“, beziehungsweise damit aufbereitet.[20][21]

Ungarische Briefmarke: Raumsonde Lunik 2

Um das, im Grunde schon verlorene, „Space Race“ medial doch noch „gewinnen“ zu können, wurde dieses im folgenden „Moon Race“ großangelegt inszeniert. 1959 war die russische Raumsonde Lunik 2 bereits das erste Objekt von Menschenhand auf dem Mond. Allerdings mit wesentlich geringerem Medienecho als die spätere amerikanische und bemannte Mondlandung. Der Historiker Frank Bösch legt dar, dass es unerwartete und inszenierte Ereignisse in der Medienwelt gibt. Die erste Mondlandung gehört zu den inszenierten, in dem Sinne, dass die Geschehnisse von Anfang an minutiös geplant wurden. Da umfangreiche Informationen von der NASA bereits lange vor dem Flug an Journalisten weitergegeben wurden, waren Artikel schon vor der Landung geschrieben und wurden zum Beispiel nur noch um die tatsächliche Flugdauer ergänzt. Der Doktorand, am Lehrstuhl für Fachjournalistik an der Universität Gießen, Paul Berten zum Thema erste bemannte Mondlandung:

"Apollo 11 verlief so perfekt, so nahtlos und wurde auch so geschildert und zudem, was man dazu auch hinzufügen muss, es war alles vorher schon bekannt. Es gab also sozusagen nichts überraschendes, nichts neues. Man hatte alle Bilder im Endeffekt in Simulationen schon gesehen."

Bösch betont, dass Medien nicht nur Infos übertragen, sie bieten auch eine Lesart an. Sie betten das Geschehen oft in bereits Bekanntes ein, ziehen Parallelen zu anderen Ereignissen oder knüpfen an etablierte Vorstellungen der Konsumenten an. Dies gibt ihren Berichterstattungen einen spezifischen Sinn. Die Lesart, in den westlichen Medien, der Astronauten als „Helden“ die den Weltraum und den Mond erobern knüpft an die sogenannte Frontierstory an:

"..., die Frontierstory verweist auf einen eigentlich der USA inhärenten Mythos, sehr verankert in der Amerikanischen Kultur, der diese Romantisierung der ersten Pioniere in dem Wildenwesten umschreibt. im Endeffekt eine Heldengeschichte mit einem kleinen Twist, in dem eben die lebensfeindliche Umwelt eine sehr wichtige Rolle bekommt. Und es gibt so diesen zu erobernden Ort in der Frontierstory, eben diesen Westen, der erschlossen wird, durch mutige Männer."

Im Wahlkampf 1960 verkündete Kennedy das Regierungsprogramm der New Frontier: Nach dem Vorbild der amerikanischen Siedler gelte es, „Neues Grenzland“ zu erobern. Es werde in seiner Präsidentschaft um die unerfüllten Hoffnungen und Träume gehen, die ungelösten Probleme von Krieg und Frieden, die ungeordneten Nischen von Ignoranz und Vorurteil sowie die unbeantworteten Fragen von Armut und Überfluss.[22]

Apollo 11 funktionierte technisch gesehen und wurde zumindest von westlichen Medien wie von der NASA beabsichtigt gedeutet. Den Stellenwert dieser Apollo-Mission für die Geschichtsschreibung legte Armstrong, als er seinen linken Fuß auf den Erdtrabanten setzte, fest: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“ Der faktische Kern, das, was tatsächlich geschah, spielt für die kulturelle Bedeutung von Ereignissen nicht die entscheidende Rolle. Bedeutsam ist, wie das Gesamtereignis gedeutet wird.[23] Die Berichterstattung zu Apollo 11 verlief global gesehen, trotz zahlreicher nationaler Besonderheiten, weitgehend einheitlich. Auf der einen Seite gelingt der NASA die Inszenierung in erstaunlichem Maße, auf der anderen Seite verlaufen die Versuche der Deutung und Sinnzuschreibung global entlang vergleichbarer Fragestellungen. Aus Ermangelung natürlicher Beobachter, waren alle berichtenden Medien von der NASA abhängig. Diese stellte Informationen und die Bilder zur Verfügung und besaß zudem ein weitgehendes Monopol auf Fachwissen. Printmedien hatten dabei grundsätzlich mehr Spielraum in der Berichterstattung, insbesondere bei der Deutung und Einordnung des Geschehens, als die TV-Medien. Diese Medien ermöglichten Aufgrund globaler Verbreitung eine weltumspannende Medienshow. Ungefähr 500 Millionen Menschen sahen die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond live im TV, eine noch viel größere Zahl verfolgte das Ereignis in Hörfunk und Tageszeitung. Dadurch traten nationale Besonderheiten in der Berichterstattung auf, die darauf hindeuten, dass dieses Medienereignis aber nicht überall das gleiche war.[24]

Eine Kontinuität erfuhren die sportlichen Begrifflichkeiten in den geplanten Marsexpeditionen, welche in den Medien ebenfalls als Wettläufe und -rennen zum Mars ausgerufen wurden. Auch nach Ende des „Kalten Krieges“ bleibt die Sache ein Politikum. Was in Zeiten des Kalten Krieges als Wettstreit zwischen den beiden Supermächten begann, soll heute dem Selbstbewusstsein der Länder Europas und auch anderer in der ESA – zudem zum Beispiel Indien, Japan und China – dienen.[25]

Der US-amerikanische Futurologe Alvin Toffler sah eine große Zukunftsperspektive im All und im Aufbruch in den Weltraum einen Triumph des Ingenieurswesens; einen Höhepunkt des Industriezeitalters. Raumfahrt wird seiner Vorausschau nach zukünftig von kleineren Konsortien übernommen, die nicht unbedingt aus Regierungen bestehen müssen. Damit würde ein neuer Wettlauf ins All beginnen, diesmal zwischen privaten Unternehmen; etwa internationalen Paketdiensten wie UPS, DHL und Federal Express.[26]

Wichtigste Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rendezvous von Gemini 6 und 7
Russische und amerikanische Meilensteine während des „Space Race“
  • Oktober 1957 – Die Sowjetunion bringt im Oktober den ersten künstlichen Satelliten ins All: Sputnik 1. Hierbei handelte es sich um eine verschlossene Kugel mit einem Radiosender, der auch in den USA empfangen werden konnte. Der Schock war in der westlichen Welt und vor allem in den USA so groß, dass von da an vom „Sputnik-Schock“ gesprochen wurde.
  • November 1957 – Die Sowjetunion bringt das erste Lebewesen ins All: Die Hündin Laika. Eine Rückkehr war nie vorgesehen. Laika stirbt wenige Stunden nach dem Start, vermutlich an Überhitzung und Stress.
  • Februar 1958 gelingt es den USA, einen unbemannten Satelliten ins All zu schicken: Explorer 1. Anders als Sputnik ist er bereits in der Lage, wissenschaftliche Untersuchungen vorzunehmen.
  • September 1959 – Lunik 2, war eine Raumsonde der Sowjetunion und die erste Mondsonde, die gezielt auf dem Mond aufschlug. Sie ist damit das erste künstliche Objekt auf dem Mond von Menschenhand.
  • 1961 kann der sowjetische Fliegeroffizier Juri Gagarin an Bord des Raumschiffes Wostok 1 als erster Mensch ins Weltall vorstoßen. Nur wenige Wochen später ist der erste US-Amerikaner im All: Alan Shepard. Allerdings handelt es sich lediglich um einen ballistischen und suborbitalen Flug. Präsident Kennedy verkündet am 25. Mai 1961, dass die USA noch vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond schicken und wieder zurückbringen werden.
  • 1962 gelingt John Glenn als dem ersten amerikanischen Astronauten mit seinem Mercury-Raumschiff eine Mehrfach-Umkreisung der Erde. Er bleibt insgesamt fünf Stunden im All.
  • 1965 schwebt der sowjetische Kosmonaut Alexei Leonow, nur mit einer Leine gesichert, für 12 Minuten außerhalb des Raumschiffes und führt damit den ersten Außenbordeinsatz durch. Drei Monate später verlässt der Amerikaner Edward White ebenfalls sein Gemini-Raumschiff für einen 20-minütigen Weltraumausstieg.
  • 1966 gelingt der Sowjetunion die erste weiche unbemannte Mondlandung mit der Sonde Luna 9. Wenige Wochen später landen auch die Amerikaner ihre unbemannte Sonde Surveyor 1 auf der Mondoberfläche.
  • 1967 erleidet das amerikanische Mondprogramm einen dramatischen Rückschlag, als die drei Astronauten White, Chaffee und Grissom an Bord der Kommandokapsel Apollo 1 bei einem Bodentest durch einen Brand ums Leben kommen. Kurze Zeit später hat auch die Sowjetunion ein Opfer im Wettlauf ins All zu beklagen: Der Kosmonaut Wladimir Komarow stirbt, als die Landekapsel von Sojus 1 nach dem Wiedereintritt in die Atmosphäre durch Fallschirmversagen mit ca. 150 km/h zu Boden stürzt.
  • Am 24. Dezember 1968 umrunden mit Apollo 8 erstmals Menschen den Mond.
  • 1969 betritt der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Erdtrabanten – vor den Augen von mehr als einer halben Milliarde Fernsehzuschauern, die live dabei sind. So ist die Mondlandung im Grunde das erste globale Medienereignis. Armstrongs Ausspruch „ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die ganze Menschheit“ wurden zum geflügelten Wort. Einige Zeit später stellt die Sowjetunion ihre eigenen, unter strengster Geheimhaltung stattfindenden bemannten Mondprogramme ein. Die Sowjetunion hatte zwei separate Programme für das bemannte Umfliegen (vgl. Zond) und die bemannte Landung.

Der Wettlauf ins All wird damit in der medialen Wahrnehmung meist für beendet erklärt, auch wenn weitere Meilensteine wie die ersten Raumstationen (Saljut) und Erforschung anderer Planeten, wie zum Beispiel des Mars die Raumfahrt weiter vorantrieben.

Mediale Aufmerksamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die amerikanische Raumfahrt erhielt in der Medienlandschaft verhältnismäßig mehr Aufmerksamkeit als die sowjetische. Beispielsweise gibt es mehrere Filme, die sich auf amerikanische Missionen beziehen (zum Beispiel Apollo 13), aber keinen über sowjetische Missionen. Während Neil Armstrongs Worte auf dem Mond weltbekannt sind, sind von sowjetischen Kosmonauten getätigte Aussprüche weitgehend unbekannt, obwohl diese eine Reihe von Rekorden aufstellten (zum Beispiel erster Mensch im All). In der medialen Rezeption wird das Wettrennen ins All von den USA durch die Mondlandung gewonnen, mit der sie als erste Menschen auf den Mond beförderten. Wie aber schon die Worte Wettlauf ins All zeigen, ist das zumindest eine vereinfachte und verkürzte Sichtweise.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme und Fernsehserien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.mdr.de/zeitreise/wernher-von-braun-erbe100.html
  2. http://www.nasa.gov/externalflash/SpaceAge/index.html 50th Anniversary of the Space Age. Webseite NASA.
  3. Chris Dubbs: Space Dogs: Pioneers of Space Travel. iUniverse, 2003
  4. https://www.theguardian.com/science/2000/may/14/spaceexploration.theobserver
  5. U.S. had plans to nuke the moon, cnn.com
  6. http://www.spiegel.de/einestages/geheimprojekt-a119-die-atombombe-auf-dem-mond-a-947837.html
  7. Paolo Ulivi, Lunar Exploration: Human Pioneers and Robotic Surveyors. Springer Science & Business Media, 2004, S. 19–21.
  8. news.google.com/newspapers?id=ZJApAAAAIBAJ&sjid=5-cDAAAAIBAJ&pg=5506,6803546&hl=de, The Sydney Morning Herald, 21. Dezember 1969.
  9. news.google.com/newspapers?id=ZQIOAAAAIBAJ&sjid=1nsDAAAAIBAJ&pg=5751,4416523&hl=de, St. Petersburg Times, 7. Januar 1970.
  10. „Moskau hat den Wettlauf mit den USA gewonnen.“ in: Hamburger Echo, 5. Oktober 1957.
  11. http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/08/02/usa-fuehrt-im-wettlauf-ins-all/
  12. Karsten Werth, Ersatzkrieg im Weltraum. Das US-Raumfahrtprogramm in der Öffentlichkeit der 1960er Jahre, (Frankfurt/Main 2006), S. 10.
  13. Sven Grampp, Akademischer Rat am Institut für Theater- und Medienwissenschaft der FAU: Wettlauf zu den Sternen, Institut für Theater, Weltpolitik, Nr. 116, 41. Jahrgang, November 2016, (PDF).
  14. Werth, Ersatzkrieg im Weltraum, 14.
  15. Werth, Ersatzkrieg im Weltraum, S. 133–135, 172.
  16. Kölnische Rundschau, 6. November 1957
  17. Werth, Ersatzkrieg, S. 169–170
  18. Sebastian Haffner, Pionier oder Versuchskaninchen? Der Weltraum kann auch ohne Astronauten entdeckt werden. In: Die Welt, 15. April 1961.
  19. Werth, Ersatzkrieg, S. 169
  20. Werth, Ersatzkrieg, S. 168–173.
  21. Bernhard Kral, Diplomarbeit: „Astronauten und Kosmonauten als Medienhelden der 1960er Jahre in der BRD und der DDR“, Wien, 2011.
  22. Horst Dippel: Geschichte der USA. 8. Auflage. C.H. Beck-Verlag, 2007, S. 114.
  23. http://www.deutschlandfunk.de/was-historische-ereignisse-auszeichnet.1148.de.html?dram:article_id=219799
  24. http://www.uni-giessen.de/fbz/dfgk/tme/KollegiatInnen/Paul%20Berten
  25. Patrick Illinger: Zeit für Europa, aus dem albernen Wettlauf zum Mars auszusteigen. 20. Oktober 2016, abgerufen am 25. Dezember 2016.
  26. http:/www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-9259410.html