Wińsko

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Winzig ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Winzig (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wińsko
Wappen von Wińsko
Wińsko (Polen)
Wińsko
Wińsko
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Wołów
Geographische Lage: 51° 28′ N, 16° 38′ OKoordinaten: 51° 28′ 0″ N, 16° 38′ 0″ O
Einwohner: 1600
Postleitzahl: 56-160
Telefonvorwahl: (+48) 71
Kfz-Kennzeichen: DWL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: ScinawaRawicz
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Fläche: 249,54 km²
Einwohner: 8484
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0222022
Verwaltung (Stand: 2011)
Gemeindevorsteher: Ryszard Mirytiuk
Adresse: pl. Wolności 2
56-160 Wińsko
Webpräsenz: www.winsko.pl



Wińsko [ˈviɲskɔ] (deutsch Winzig) ist ein Dorf in Powiat Wołowski (Wohlauer Distrikt) in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winzig nördlich von Wohlau auf einer Landkarte von 1905

Die Ortschaft liegt in Niederschlesien, etwa 15 km nördlich von Wołów (Wohlau) und 48 Kilometer nordwestlich von Breslau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenzug mit der (bis 1945 evangelischen) Ortskirche im Hintergrund
Kirchenschiff von der Seite

Die erste Erwähnung eines slawischen Dorfes Vin stammt aus dem Jahre 1218. Herzog Primislaus/Primko I. von Sprottau und Steinau gründete daraus 1285 nach dem Steinauer Recht die Stadt Winzig, die mit regelmäßigen Straßenzügen um einen großen Ring angelegt wurde. Die hölzerne Kirche aus dem Jahre 1272 wurde 1354 durch einen festen Bau ersetzt. 1404 erhielt Winzig das Magdeburger Recht. Balthasar Gebhardt aus Winzig, ein Schüler Philipp Melanchthons, führte 1523 die Reformation in seiner Heimatstadt ein.

Der Stadtbrand von 1514 vernichtete den Ort fast vollständig. Der Neubau der Kirche erfolgte unmittelbar nach dem Brand, es entstand eine dreischiffige gotische Hallenkirche.

1675 gelangte Winzig als Teil des Fürstentums Wohlau an die Habsburger, die 1696 die Gegenreformation durchführten. Die Kirche in Winzig war eine der Kirchen, die gemäß der Altranstädter Konvention von 1707 an die evangelische Kirchgemeinde zurückgegeben worden sind. Die verbliebene kleine katholische Gemeinde errichtete später eine eigene Kirche.

Winzig blieb ein Ackerbürgerstädtchen, die Umgebung bot gute Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Seine Bedeutung als Umschlagplatz für den Getreidehandel mit Polen ging im Laufe des 18. Jahrhunderts verloren.

Bedeutsam waren auch die Winziger Viehmärkte, später siedelten sich in der Stadt und der Umgebung Verarbeitungsbetriebe für landwirtschaftliche Produkte an. In Kunern (Konary) nahm Franz Karl Achard 1802 seine erste Zuckerfabrik in Betrieb. In der Stadt gab es eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge und ein Amtsgericht.

Im Jahr 1945 gehörte die Stadt Winzig zum Landkreis Wohlau im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Winzig im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. In den vorherigen Kämpfen mit der deutschen Wehrmacht war Winzig stark zerstört worden. Im Sommer 1945 wurde Winzig zusammen mit fast ganz Schlesien von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Winzig die Ortsbezeichnung Wińsko ein. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Winzig vertrieben. Nach 1945 wurde das Stadtrecht entzogen, und die Ortschaft fiel in die Bedeutungslosigkeit. Bis 1967 erfolgte keinerlei Wiederaufbau in dem zerstörten Ort, so dass das Ortsbild heute große Freiflächen aufweist. Die gotische Kirche überstand den Krieg unversehrt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1787 1.488
1825 1.710
1875 2.255 [2]
1880 2.304 [2]
1890 2.122 davon 315 Katholische und 48 Juden[2]
1905 1.814 davon 294 Katholiken und 37 Juden[3]
1933 2.176 [2]
1939 2.076 [2]
1961 1.200

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde (gmina wiejska) Wińsko umfasst ein Gebiet von 249,54 km² mit 8684 Einwohnern (2005). Dazu gehören folgende Orte:

  • Baszyn (Beschine, 1937–1945: Hartfelde)
  • Białawy Małe (Klein Baulwie, 1937–1945: Röhrsborn)
  • Białawy Wielkie (Groß Baulwie, 1937–1945: Ulmenau)
  • Budków (Bautke, 1937–1945: Eichdamm)
  • Buszkowice (Hochbauschwitz)
  • Buszkowice Małe (Klein Bauschwitz)
  • Gryżyce (Krischütz)
  • Głębowice (Glumbowitz, 1937–1945: Alteichenau)
  • Iwno (Ibsdorf)
  • Konary (Kunern), Wirkungsstätte und Sterbeort des Naturwissenschaftlers Franz Karl Achard
  • Kozowo (Kaschwen, 1937–1945: Brunnwiese)
  • Krzelów (Krehlau)
  • Łazy (Lahse)
  • Małowice (Kunzendorf)
  • Moczydlnica Klasztorna (Mönchmotschelnitz)
  • Morzyna (Mersine, 1937–1945: Maibach N.S.)
  • Piskorzyna (Piskorsine, 1937–1945: Kirchlinden)
  • Rudawa (Seifrodau)
  • Smogorzów Wielki (Groß Schmograu)
  • Turzany (Wińsko) (Exau)
  • Węgrzce (Wangern)
  • Wińsko (Winzig)
  • Wyszęcice (Wischütz)

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht seit 2008 eine Partnerschaft zwischen Hollenstedt und Wińsko. Die Stadt Meschede in Deutschland hat am 10. Juni 1956 die Patenschaft für die Heimatvertriebenen der ehemaligen schlesischen Stadt Winzig übernommen.[4]:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Meurer (1862–1948), deutscher Seeoffizier, zuletzt Vizeadmiral der Kaiserlichen deutschen Marine und Marinehistoriker, im damaligen schlesischen Krehlau geboren
  • Hermann Blache (1900-?), deutscher SS-Oberscharführer und Kriegsverbrecher, im damaligen Exau geboren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Wintzig in der Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/wohlau.html#ew39wohlwinzig
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig/Wien 1909, S. 681.
  4. Internetseite der Stadt Meschede / Patenschaft Winzig