Widderkaninchen

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Ein Widderkaninchen-Männchen

Die Widderkaninchen sind eine Gruppe von Kaninchenrassen verschiedener Größe.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsames Merkmal der Widderkaninchen sind die seitlich am Kopf herabhängenden Ohren. Ihren deutschen Namen haben die Widderkaninchen von der typischen gewölbten Form des Kopfes (Ramsnase), die im Profil der Kopfform eines männlichen Schafes gleicht. Durch den etwas heraufgezogenen, knorpeligen Ohrenansatz entsteht auf dem Kopf eine kleine Wulst, die sogenannte Krone. Die Ohren sollen mit der Öffnung nach innen frei herabhängend (Hufeisenbehang) getragen werden, eine Ausnahme macht hier der Englische Widder. Der Körper ist meist kurz und gedrungen, jedoch beim Englischen Widder lang und schlank. Junge Widderkaninchen haben zunächst Stehohren, erst im Laufe des Wachstums, ab der 4.–6. Lebenswoche oder später kippen die Ohren um.

Widderkaninchen gelten insgesamt als etwas ruhiger und weniger schreckhaft. Sie werden somit eher zutraulich, weshalb die kleinen Exemplare nicht selten auch in der Wohnung gehalten werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Widder, Jungtier mit ungewöhnlicher Fellzeichnung

Hauskaninchen mit einem oder zwei herabhängenden Ohren sind schon seit mehreren hundert Jahren bekannt und auf historischen Abbildungen dargestellt. Charles Darwin beschreibt 1858 halb und ganz hängeohrige Kaninchen in seinem Werk „The variation of animals and plants under domestication“. Das Auftreten von Hängeohren als Domestikationsmerkmal ist auch von Hausschafen, Hausziegen, Hausschweinen und Haushunden bekannt. Verpaarungen von Tieren mit Hängeohren untereinander und entsprechende Auslese führten zur Reinerbigkeit dieses Merkmals.

Nach Deutschland gelangten die ersten französischen Widderkaninchen wahrscheinlich nach dem Deutsch-Französischen Krieg, bei dem viele Soldaten die Kaninchenzucht in Frankreich kennenlernten. Nach anderen Angaben erfolgte die Einfuhr bereits 1869, kurz vor dem Krieg. Wie in der Anfangszeit der Kaninchenzucht häufig üblich, wurden den neuen Rassen „exotische“ Namen beigelegt, die ersten Widderkaninchen wurden auch als „Patagonisches“ oder „Andalusisches“ Kaninchen bezeichnet.

Während man in Deutschland, wie auch in Frankreich, mehr auf die Wirtschaftlichkeit der Tiere Wert legte und aus den ursprünglichen das Deutsche Widderkaninchen herauszüchtete, entstand in England das Englische Widderkaninchen, bei dem das Zuchtziel auf geradezu grotesk lange und breite Ohren ausgelegt war. Sowohl der Französische (Deutsche) Widder wie auch der Englische Widder gehörten zu den ersten in Deutschland gezüchteten Kaninchenrassen und sind sehr häufig auf historischen Plakaten und Vereinsabzeichen zu sehen.

Später wurden weitere Widderrassen gezüchtet, so um 1900 der Meißner Widder, ein mittelgroßes Kaninchen mit gesilbertem Fell.

Deutscher Kleinwidder in wildgrau

Die Kleinwidder wurden seit 1954 von Erhard Diener aus Bischmisheim bei Saarbrücken gezüchtet. Auf einer Ausstellung gezeigt wurden sie erstmals 1957. Die Aufnahme als Rasse in den Standard erfolgte 1968. Da die Anerkennung vom Zentralverband Deutscher Kaninchenzüchter mit dem in der DDR für den gemeinsamen Standard zuständigen Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter nicht abgesprochen war, galt diese Anerkennung nicht für die DDR. Hier zeigte Karl Becker aus Stadtlengsfeld, der auch die Rhönkaninchen gezüchtet hat, 1977 erstmals Deutsche Kleinwidder als Neuzüchtung. Die Anerkennung erfolgte 1980 mit den „Bewertungsbestimmungen für Rassekaninchen in sozialistischen Ländern“.

Widderzwerge wurden von Adrian de Cock aus Tilburg (Niederlande) seit 1952 gezielt gezüchtet. Er verwendete für seine Versuche Farbenzwerge und Französische Widder. Durch Verwandtschaftszucht und Selektion sowie Einkreuzen von madagaskarfarbigen Englischen Widdern und Farbenzwergen erzielte er in 12-jähriger Zucht die Widderzwerge, die 1964 das erste Mal in Den Bosch gezeigt und in den Niederlanden als Rasse anerkannt wurden. Im selben Jahr erfolgte die Einfuhr nach Deutschland, wo die Rasse durch die zeitgleiche Zucht der Kleinwidder vorerst keine große Beachtung fand. Als Rasse wurden die Widderzwerge 1973 in Deutschland anerkannt.

In Deutschland anerkannte Widderrassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutscher Widder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Widder

Der Deutsche Widder ist die direkte Weiterentwicklung der aus Frankreich eingeführten Widderkaninchen. Es handelt sich um eine große Kaninchenrasse (Normalgewicht über 5,5 kg; 9,0 kg Höchstgewicht), die in verschiedenen Farbschlägen anerkannt ist. Der beliebteste und meistgezüchtete Farbschlag ist wild/hasengrau (w./hsgr.). Der Deutsche Widder wirkt eher gedrungen. Sein Kopf erscheint aufgrund der ausgeprägten Backen massig und breit. Die Ohren des Deutschen Widders sind breit und hängen, Öffnung zum Körper, halb über den Augen. Sie erreichen eine Spannweite von 38 bis 45 cm.

Meißner Widder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meißner Widder

Der Meißner Widder wurde erstmals 1900 vorgestellt. Er wurde durch Kreuzungen von Englischen und Französischen Widdern mit Grausilberkaninchen von den Züchtern Leo Reck und Emil Neupold in Meißen erhalten. Sein typisches Rassemerkmal ist damit die Kombination des Widdertyps mit der Farbe der Silberkaninchen. Der Meißner Widder ist ein mittelgroßes Kaninchen mit einem Gewicht von 4,50 bis 5,5 kg. Vom Meißner Widder sind alle Farben anerkannt, die auch beim Kleinsilberkaninchen vorkommen. Laut Statistik des Zentralverbandes Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter liegt der Anteil der Meißner Widder bei 0,3 % aller gezüchteten Kaninchen. (Durchschnitt aller Rassen 1,3 %). Davon machen der schwarzsilberne Farbenschlag 75 % und der blausilberne 18 % aus.

Von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen wurde der Meißner Widder als vom Aussterben bedroht auf die Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen gesetzt.[1][2]

Englische Widder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englischer Widder

Der Englische Widder unterscheidet sich im Typ deutlich von den übrigen Widderkaninchen: Während diese eher blockig und kräftig sind, ist der Englische Widder ein eher feingliedriges Tier. Die Ohren sind durch Auslese besonders lang und breit, in früheren Zeiten wurden Spannweiten von über 70 cm und Breiten von 16 cm erhalten. Man hielt die Tiere in geschützten, teilweise auch erwärmten Räumen, um das Wachstum der Ohren zu fördern. Heute beschränkt man die Spannweite auf 58–60 cm und die Breite auf 12–15 cm. Die Ohren werden mit der Schallöffnung nach vorn schlaff am Kopf herabhängend getragen. Auch vom Englischen Widder sind verschiedene Farbschläge zugelassen. Nachdem der Englische Widder um 1900 eine der beliebtesten Kaninchenrassen war, ist er heute sehr selten geworden.

Deutsche Kleinwidder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Zwergwidderkaninchen-Weibchen (Zibben)

Die Deutschen Kleinwidder gleichen bis auf die geringere Größe den Deutschen Widdern. Im Gegensatz zur großen Stammrasse wiegen die Kleinwidder nur ca. 3,00–4,00 kg. Das Idealgewicht sollte laut ZDRK-Standard bei 3,00–3,5 kg liegen. Bei den Farbschlägen gilt das beim Deutschen Widder Gesagte.

Die Körperform eines Kleinwidders sollte kurz und gedrungen mit einer schönen Rückenlinie und einem breiten, runden Becken sein. Ein typvoller Widderkopf mit Ramsnase und hufeisenförmigem Behang und gut ausgeprägter Krone zeichnen die Rasse aus. Die Ohrlänge (Spannweite) beträgt 30–36 cm. Der Rammler ist meist kräftiger gebaut als die Häsin und zeigt alle Merkmale in sehr ausgeprägter Form, wohingegen die Häsin im Normalfall einen schmaleren Kopf und zierlicheren Körperbau zeigt.

Zwergwidder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in den Niederlanden etwa gleichzeitig zu den Deutschen Kleinwiddern gezüchteten Zwergwidder sind die kleinste Widderrasse. Das Normalgewicht beträgt 1,4 bis 1,9 kg, bei einem Höchstgewicht von 2 kg. Zwergwidder sind ähnlich den Farbenzwergen in einer Vielzahl von Farben bekannt. Sie tragen im Gegensatz zu den Farbenzwergen und dem Hermelinkaninchen nicht den Zwergfaktor.

Zuchtbedingte Gesundheitsgefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keine artgerechte Kleinwidder-Einzelhaltung

Widderkaninchen besitzen aufgrund ihrer durch künstliche Auslese entstandenen Schlappohren eine Disposition für bestimmte Erkrankungen und Verletzungen. Einschätzungen zu deren Häufigkeit beruhen jedoch hauptsächlich auf Beobachtungen und Erfahrungswerten von Haltern und Veterinären. Belastbare Prävalenzstudien, die allgemeingültige Aussagen zulassen könnten, gibt es bislang nicht. Zudem kann keine der zahlreichen Studien zu den im Folgenden dargelegten Punkten als repräsentativ für die Gesamtzahl der als Heimtiere gehaltenen Kaninchen gelten. Problematisch ist an vielen Studien, dass sie meist nicht nach Alter und Rasse bzw. Herkunft der erkrankten Kaninchen differenzieren, sodass sich nicht feststellen lässt, ob es bei den Erkrankungen Zusammenhänge zum Alter der Tiere gibt bzw. ob nur „Promenadenmischungen“ aus unfachmännischer Vermehrung oder auch reinrassige Tiere von seriösen und sachverständigen Züchtern betroffen sind.

Zu den Erkrankungen, die deutlich häufiger bei Kaninchen mit Schlappohren als bei solchen mit Stehohren beobachtet werden, zählen insbesondere Außen-, Mittel- und Innenohrentzündungen sowie Abszesse im Gehörgang, die nicht als Folge einer vorausgegangen oder begleitenden Erkrankung (z. B. Zahnprobleme, Atemwegsinfektionen oder Parasiten) zu erklären sind. Dies wird üblicherweise auf die besondere Anatomie der Ohren von Widderkaninchen zurückgeführt.[3] So ist der Gehörgang bei Stehohren konisch geformt, relativ weit und starr, bei Schlappohren hingegen deutlich verengt und nachgiebig, da ihnen das Knorpelgewebe am Ohransatz fehlt, welches bei anderen Kaninchen die Ohren aufrecht hält. Der dadurch hervorgerufene Knick im Gehörgang stört den natürlichen Abtransport von Ohrenschmalz, wodurch dieser sich mit der Zeit akkumuliert und regelrechte Pfropfen bilden kann. Diese Ansammlungen von Ohrenschmalz gelten als ideale Brutherde für Erreger[4] und können – wie beim Menschen auch – sogar zu Schwerhörigkeit führen. Eine aktuelle Studie an 34 gesunden und 16 an Außenohrentzündung erkrankten Kaninchen konnte signifikante Unterschiede des Mikrobioms in den Gehörgängen zwischen beiden Gruppen feststellen. So fanden sich bei den gesunden Tieren signifikant mehr verschiedene Arten von Bakterien und Pilzen als bei den erkrankten.[5] Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass eine übermäßige Vermehrung bestimmter Erreger eine zentrale Rolle bei der Entstehung primärer Außenohrentzündungen spielt, fraglich bleiben jedoch die dem zugrundeliegenden Ursachen. Nicht abschließend bewiesen ist bislang die Annahme, dass durch den Knick ein Luftabschluss entstünde, der das Wachstum schädlicher Mikroorganismen fördere. In diesem Fall müssten sich im Mikrobiom der Gehörgänge erkrankter Widderkaninchen hauptsächlich anaerobe Erreger finden, in der genannten Studie wurden jedoch auch aerobe Erreger nachgewiesen, die also Sauerstoff benötigen.

Problematisch ist an Außenohrentzündungen bei Kaninchen, dass sie, da sie oft subklinisch verlaufen, häufig lange unbemerkt bleiben und sich so zu einer Mittel- oder schlimmstenfalls einer Innenohrentzündung entwickeln können. Für die Diagnose einer Außenohrentzündung ist normalerweise ein Blick ins Ohr mittels Otoskop oder Endoskop ausreichend, bei Widderkaninchen kann dies durch den verengten und schlechter einsehbaren Gehörgang jedoch erschwert sein. Mittel- und Innenohrentzündungen sind in aller Regel nur mittels bildgebender Verfahren sicher zu diagnostizieren. Die Behandlung von Ohrinfektionen ist generell langwierig und erfordert mehrwöchige Antibiotikagaben. Eine dauerhafte Heilung ist insbesondere bei Widderkaninchen dennoch oft nur durch operative Eingriffe zu erzielen, da es durch die abgeknickten Gehörgänge bei reiner Antibiotikabehandlung meist zu Rückfällen kommt.[6][7] Bei einer Außenohrentzündung hat sich eine Laterale Gehörgangsresektion als wirkungsvoll erwiesen, bei einer Mittelohrentzündung ist eine vollständige Gehörgangsablation mit Ostektomie der Paukenblase angezeigt.[8][9]

Um das Risiko für das Entstehen derartiger Erkrankungen zu verringern, wird empfohlen, die Gehörgänge von Widderkaninchen regelmäßig auf überschüssigen Ohrenschmalz hin zu untersuchen und diesen bei Bedarf zu entfernen. Hierzu ist es meist ausreichend, eine milde Spüllösung (z. B. medizinische Kochsalzlösung, hypochlorige Säure oder kolloidales Silber) in das Ohr einzumassieren, sodass sich der angesammelte Schmalz lösen kann. Die Spüllösung sollte zuvor auf Verträglichkeit getestet werden, da Kaninchen sehr dünne und empfindliche Haut haben. Auch ist vor der Auswahl zu überprüfen, ob das Trommelfell beschädigt ist, da in diesem Fall einige Spüllösungen nicht eingesetzt werden dürfen. Absolut ungeeignet für eine dauerhafte Anwendung ist Chlorhexidin, da dieses zu schweren Hautirritationen und Entzündungen führen kann.[10] Auch dürfen keinesfalls Wattestäbchen oder Ähnliches in das Ohr eingeführt werden. Eine zu häufige Reinigung der Ohren kann jedoch auch schädlich sein, da hierdurch die Schutzwirkung des Ohrenschmalzes verlorengeht, was ebenfalls Infektionen und Hautirritationen nach sich ziehen kann.

Repräsentative Prävalenzstudien zur Häufigkeit primärer Ohrinfektionen bei Kaninchen insgesamt sowie zur relativen Häufigkeit dieser Erkrankungen bei Schlappohren im Vergleich zu Stehohren, liegen bislang nicht vor. Bekannt ist aus veterinärmedizinischen Erfahrungen bisher also nur, dass Widderkaninchen häufiger an Ohrinfektionen erkranken, aber nicht, wie viel häufiger dies geschieht. Aufgrund des häufig subklinischen Verlaufs und der mitunter aufwendigen Diagnostik, ist jedoch bei Ohrinfektionen generell von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Eine weitere Gesundheitsgefahr, der Widderkaninchen ausgesetzt sind, ist ein erhöhtes Risiko für Hitzschläge im Vergleich zu Kaninchen mit Stehohren (ausgenommen einige Zwergkaninchen). So sind die Ohren der von Natur aus stark hitzeempfindlichen Kaninchen eigentlich als ein Instrument der Thermoregulation angelegt und zu diesem Zwecke von einem komplexen Netz aus Blutgefäßen und arteriovenösen Anastomosen durchzogen. Hierdurch kann mittels Vasodilatation und Luftzirkulation Wärme abgegeben werden. Da bei Widderkaninchen die Ohren jedoch seitlich am Körper anliegen, ist die notwendige Luftzirkulation stark beeinträchtigt und somit auch die Wärmeregulierung. Dies hat zur Folge, dass Widderkaninchen mit sommerlichen Temperaturen noch schlechter zurechtkommen als viele andere Kaninchenrassen.[11] Weniger betroffen sind hiervon allerdings Widderrassen mit besonders großen Ohren, z. B. Englische Widder. Bei solchen Rassen besteht stattdessen das gegenteilige Problem: Sie führen über ihre Ohren zu viel Wärme ab, was bei kalter Witterung zu Unterkühlungen führen kann. Infolgedessen sind sie nur bedingt für eine Überwinterung im Freien geeignet.

Die Ohren Englischer Widder berühren nur in aufrechter Position nicht den Boden.

Widderrassen, deren Ohren so groß sind, dass sie beim normalen Sitzen und Hoppeln ständig den Boden berühren, stehen indes auch aufgrund der daraus resultierenden Verletzungsgefahr in der Kritik. So werden die empfindlichen Kaninchenohren durch das dauerhafte Schleifen am Boden permanent gereizt und verschmutzt, was zu schweren Infektionen führen kann. Mitunter können die Schlappohren so lang sein, dass die Kaninchen beim Hoppeln darüber stolpern. Bei Schnee oder kalter Witterung kann es zudem zu Erfrierungen an den Ohren kommen. In Deutschland ist die Spannweite von Ohrspitze zu Ohrspitze bei Englischen Widdern zwar schon seit 2005 vom ZDRK auf 54 – 60 cm begrenzt,[12] A was Exemplare mit längeren Ohren bei Ausstellungen von der Bewertung ausschließt. Da die Ohren auch so noch in fast jeder Position den Boden berühren, bestehen die genannten Probleme aber unvermindert fort, insbesondere wenn die betroffenen Kaninchen ausreichend Platz zur Verfügung haben, um ihrem Bewegungsdrang nachzukommen. So lässt sich Verletzungen der Ohren praktisch nur durch Buchtenhaltung effektiv vorbeugen, wie sie von zahlreichen Züchtern und Zuchtverbänden nach wie vor betrieben wird, auch da Verletzungen auf Ausstellungen zu Punktabzug führen. Aufgrund des enormen Bewegungs- und Beschäftigungsdrangs, den Kaninchen von Natur aus besitzen, ist diese Haltungsform aus tierschutzrechtlicher Sicht jedoch abzulehnen.B  

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

A Rassestandards können von Land zu Land stark voneinander abweichen. So ist die Ohrgröße Englischer Widder beispielsweise im Vereinigten Königreich überhaupt nicht näher definiert (https://thebritishrabbitcouncil.org/Breed%20Standards%20Book%202021.pdf), während sie in den USA mindestens 21 inch (~53 cm) Spannweite betragen muss, aber keine Obergrenze hat (https://aces.nmsu.edu/county/bernalillo/4hyouth/documents/arba-guidelines.pdf)
B Das Revier von Wildkaninchen kann (abhängig von der Nahrungsverfügbarkeit) mehrere tausend Quadratmeter groß sein. Die Mindestmaße für Buchten nach den Empfehlungen des ZDRK liegen jedoch gerade einmal zwischen 0,36 m2 für Zwergrassen und 0,88 m2 für Riesenkaninchen (http://zdrk.de/fileadmin/2015/Einsteigerbroschuere/Einsteigerbroschuere.pdf).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles Darwin: The variation of animals and plants under domestication, Chapter IV, The domestic rabbit. London 1868.
  • Friedrich Karl Dorn, Günther März: Rassekaninchenzucht. Ein Handbuch für Kaninchenhalter und -züchter. 7. Auflage. Augsburg 1989, ISBN 3-89440-569-4.
  • Friedrich Joppich: Das Kaninchen. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1967.
  • A. Franke: Deutsche Kleinwidder. In: Der Kleintierzüchter – Kaninchen. 8/1997. ISSN 0941-0848
  • A. Franke: Widderzwerge. In: Der Kleintierzüchter – Kaninchen. 12/1997. ISSN 0941-0848
  • H. Majaura: Meißner Widder- attraktive Heimatrasse im Aufwind. In: Der Kleintierzüchter – Kaninchen. 23/2006, S. 6–7. ISSN 1613-6357
  • Manning, P. J.; Ringler, D. H. & Newcomer, C. E. 1994. The Biology of the Laboratory Rabbit. 2nd. Ed. San Diego : Academic Press. ISBN 0-12-469235-4
  • Niehaus, H. 1986. Unsere Kaninchenrassen. Band 1: Vererbungslehre. Verlagshaus Oertel + Spörer. ISBN 3-88627-014-9
  • Nachtsheim, H. 1949. Vom Wildtier zum Haustier. 2. Aufl. Berlin, Hamburg : Parey
  • U. Reber: Vom silberfarbenen Widderkaninchen: Meißner Widder im Spiegel der Zeit. In: Der Kleintierzüchter – Kaninchen. 11/2010. ISSN 0941-0848
  • John C. Sandford: The domestic rabbit. 5. Auflage. Blackwell Science, Oxford 1996, ISBN 0-632-03894-2.
  • Wolfgang Schlolaut: Das große Buch vom Kaninchen. 2. Auflage. DLG-Verlag, Frankfurt 1998, ISBN 3-7690-0554-6.
  • Yvonne Eckert, Sandra Witt, Maximilian Reuschel, Michael Fehr: Otitis beim Kaninchen–Symptome, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten (= kleintier konkret). 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Widderkaninchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alles über Meißner Widder
  2. Meißner Widder, Webseite der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.
  3. Ricardo de Matos, Jennifer Ruby, Ruth A. Van Hatten, Margret Thompson: Computed tomographic features of clinical and subclinical middle ear disease in domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus): 88 cases (2007–2014). In: Journal of the American Veterinary Medical Association. Band 246, Nr. 3, 1. Februar 2015, S. 336–343, doi:10.2460/javma.246.3.336 (avma.org [abgerufen am 22. Juni 2022]).
  4. Rebecca Csomos, Georgia Bosscher, Christoph Mans, Robert Hardie: Surgical Management of Ear Diseases in Rabbits. In: Veterinary Clinics of North America: Exotic Animal Practice (= Soft Tissue Surgery). Band 19, Nr. 1, 1. Januar 2016, ISSN 1094-9194, S. 189–204, doi:10.1016/j.cvex.2015.08.005 (sciencedirect.com [abgerufen am 22. Juni 2022]).
  5. Gina Vecere, Shachar Malka, Natasha Holden, Shuiquan Tang, Janina A. Krumbeck: Comparison of ear canal microbiome in rabbits (Oryctolagus cuniculus domesticus) with and without otitis externa using next generation DNA sequencing. In: Journal of Exotic Pet Medicine. Band 42, 1. Juni 2022, ISSN 1557-5063, S. 35–41, doi:10.1053/j.jepm.2022.05.002 (sciencedirect.com [abgerufen am 22. Juni 2022]).
  6. Elisabetta Mancinelli, Angela M. Lennox: Management of Otitis in Rabbits. In: Journal of Exotic Pet Medicine. Band 26, Nr. 1, 1. Januar 2017, ISSN 1557-5063, S. 63–73, doi:10.1053/j.jepm.2016.10.009 (sciencedirect.com [abgerufen am 22. Juni 2022]).
  7. Medirabbit. Abgerufen am 22. Juni 2022.
  8. Vittorio Capello: Lateral ear canal resection and ablation in pet rabbits. 2006, abgerufen am 22. Juni 2022.
  9. Eric P. Chow, R. Avery Bennett, Julia K. Whittington: Total ear canal ablation and lateral bulla osteotomy for treatment of otitis externa and media in a rabbit. In: Journal of the American Veterinary Medical Association. Band 239, Nr. 2, 15. Juli 2011, ISSN 0003-1488, S. 228–232, doi:10.2460/javma.239.2.228 (avma.org [abgerufen am 27. Juni 2022]).
  10. Esther van Praag: Ear pinnae of a lop rabbit show skin burns, phlebitis and necrosis after daily cleaning with chlorhexidine. Abgerufen am 22. Juni 2022.
  11. Michel Gruaz, Janet Geren, Esther van Praag: Heatstroke in Rabbits. Abgerufen am 22. Juni 2022.
  12. ZDRK, 2018 (Hrsg.). Bewertungsbestimmungen. Standard für die Beurteilung der Rassekaninchen und Exponate. Aufl. 2018. Karlsbad : HAGO Druck & Medien GmbH