Wielandgut (Oßmannstedt)

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Gutshaus mit Delphinenbrunnen
Ansicht vom Park

Das Wielandgut Oßmannstedt ist das Landgut in Oßmannstedt (nahe Weimar), welches von 1797 bis 1803 Wohnsitz des Dichters Christoph Martin Wieland und seiner Familie war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Gutshaus und der englische Park wurden von 1757 bis 1762 vom damaligen Premierminister des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, dem Reichsgrafen Heinrich von Bünau, auf dem ehemaligen Rittergut (siehe Geschichte Oßmannstedt) errichtet. Zwischen 1762 und 1775 nutzten Herzogin Anna Amalia und ihre Söhne das Anwesen als Sommersitz. Von 1783 bis 1795 war der Illuminat August Dietrich Reichsgraf von Marschall auf Burgholzhausen Besitzer des „Schatullguts“.

Christoph Martin Wieland 1733–1813
Büste im Garten des Gutes
Wielandhaus auf einer DDR-Briefmarke von 1973

Wieland kaufte das Anwesen 1797. Mit seiner großen Familie lebte er hier sechs Jahre nach dem Vorbild der römischen Dichter Horaz und Cicero als „poetischer Landjunker“. In Anlehnung an deren Landgüter SABINUM und TUSCULUM nannte Wieland sein Oßmannstedter Refugium OSMANTINUM. Hier entstanden unter anderem die Romane Agathodämon (1799) sowie Aristipp und einige seiner Zeitgenossen (1800/1801). Neben den Weimarer Dichtern und Gelehrten Goethe, Schiller und Herder weilte unter anderem Heinrich von Kleist im Haus von Wieland in Oßmannstedt.

Als Gutsherr war nicht nur Wieland von den Dichtern der Weimarer Klassik nicht allzu erfolgreich. Auch Goethe hatte in Oberroßla ein Gut besessen und annähernd zeitgleich aufgeben müssen.

Im Mai 1803 wurde das Gut an den Hamburger Kaufmann Christian Johann Martin Kühne (1758–1827) verkauft. Von 1859 bis 1896 war es im Besitz der Familie des Kammerrats John Grant of Glen Morrisson.

Das Gut wurde durch die Bodenreform Ende der 1940er Jahre geteilt, die Wirtschaftsgebäude und die Umfassungsmauer abgerissen und das Gutshaus zur Schule umgebaut. Grundlegende und umfangreiche Restaurierungsarbeiten erfolgten in den Jahren von 1968 bis 1974 und von 2003 bis 2005.

„Frühsommer 1984 ... In den ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden befand sich zur DDR-Zeit eine Polytechnische Oberschule (POS), die den Namen des Dichters trug und deren Lehrer und Schüler sich auch um die Pflege der Garten- und Parkanlagen kümmerten. Die seit 1956 bestehende und 1983 neugestaltete Gedenkstätte bestand aus zwei Räumen im Erdgeschoß...“[1]

im Museum

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist hier ein Museum mit einer Forschungsstätte, die am 25. Juni 2005 eröffnet wurde. Als einen „symbolischen Ort für die deutsche Spätaufklärung“ bezeichnet Jan Philipp Reemtsma das Anwesen, dessen Restaurierung maßgeblich ihm als Wieland-Forscher zu verdanken ist. Das Wielandgut gehört zur Klassik Stiftung Weimar. In deren Auftrag betreibt die Weimar-Jena-Akademie eine Bildungsstätte, die neben kulturellen Seminaren auch Übernachtungsmöglichkeiten und Tagungsräume anbietet.

Obelisk für Wieland, seine Frau und Sophie Brentano

Wielands Grab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gutspark an der Ilm birgt Wielands Grab, er ruht dort gemeinsam mit seiner Ehefrau sowie Sophie Brentano. Letztere, die 1799 ihre Großmutter Sophie von La Roche, einstige Jugendfreundin und zeitweilige Verlobte Wielands, zum Besuch des Dichters nach Oßmannstedt begleitet hatte, erkrankte bei ihrem zweiten Besuch 1800 schwer und starb. Auf ihren persönlichen Wunsch hin und mit Unterstützung des Weimarer Superintendenten Johann Gottfried Herder war sie die erste, die im Gutspark am Ilmufer ihre letzte Ruhe fand. Ein Jahr später folgte ihr Wielands Frau Anna Dorothea.

Am 25. Januar 1813, fünf Tage nach seinem Tod, wurde der Dichter selbst hier beigesetzt. Den schlichten dreiseitigen Grabobelisken ziert das von Wieland eigens zu diesem Zweck geschaffene Distichon „Liebe und Freundschaft umschlang die Verwandten Seelen im Leben und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein“. Man spricht vom „schönsten deutschen Dichtergrab“.[2]

Arno Schmidt schwärmte 1958: „… Wenige Meter entfernt, unter Büschen, fließt die rührend schmale Ilm in einer Auswärtskurve vorbei – es ist schon eines unserer Nationalheiligtümer, nach dem Jeder einmal im Leben wallfahren sollte, um sein Om mani padme hum (‚Oh, du Juwel im Lotos!‘ oder ‚Den rechten Weg richtig zu gehen, führt zur Vollkommenheit.‘) zu sagen.“[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zit. nach Heinrich Bock: Besuch in Oßmannstedt. In: Ute Harbusch, Gregor Wittkop (Hrsg.): Kurzer Aufenthalt: Streifzüge durch literarische Orte. S. 75.
  2. FAZ vom 14. Februar 1970
  3. Arno Schmidt: Wieland oder die Prosaformen. Funkessay. 1958.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter-Henning Haischer: Christoph Martin Wieland. Ein Weltbürger in Weimar. Weimar 2015, ISBN 978-3-7374-0202-6.
  • Heinrich Bock: Besuch in Oßmannstedt. In: Ute Harbusch, Gregor Wittkop (Hrsg.): Kurzer Aufenthalt: Streifzüge durch literarische Orte. Wallstein, Göttingen 2007. S. 74–76.
  • Jan Philipp Reemtsma, Klaus Manger (Hrsg.): Wielandgut Oßmannstedt. Klassik Stiftung Weimar, Weimar 2008, ISBN 978-3-7443-0142-8. [Zweite Auflage, 1. Aufl. 2005; mit Auswahlbibliographie.]
  • Stefan Grosz: Der Garten als Tusculum – Wielands Landgut in Oßmannstedt. In: Die Gartenkunst, 19 (1/2007), S. 87–92.
  • Michael Zaremba: Christoph Martin Wieland – Aufklärer und Poet. Eine Biografie. Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-22006-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wielandgut Oßmannstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 0′ 49″ N, 11° 25′ 32″ O