Wieliczka

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Wieliczka
Wappen von Wieliczka
Wieliczka (Polen)
Wieliczka
Wieliczka
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kleinpolen
Powiat: Wieliczka
Gmina: Wieliczka
Fläche: 13,40 km²
Geographische Lage: 49° 59′ N, 20° 3′ OKoordinaten: 49° 59′ 0″ N, 20° 3′ 0″ O
Einwohner: 22.442 (31. Dez. 2016)
Postleitzahl: 32-020
Telefonvorwahl: (+48) 12
Kfz-Kennzeichen: KWI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: TarnówKrakau
Nächster int. Flughafen: Krakau-Balice



Wieliczka [vʲɛˈlʲiʧka] (deutsch Groß Salze)[1] ist Stadt im Powiat Wielicki der Woiwodschaft Kleinpolen in Polen; ca. zehn Kilometer südöstlich von Krakau gelegen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit etwa 57.500 Einwohnern.

Das Salzbergwerk Wieliczka und das Salzgrafenschloss gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Blick auf das Stadtzentrum (2008)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle im Salzbergwerk Wieliczka (−96,5 m)

Entwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wird Wieliczka als „Magnum Sal“ (Großes Salz) in einer päpstlichen Urkunde um 1125 erwähnt. Die Stadt erhielt 1290 das fränkische Stadtrecht durch Herzog Przemysl von Krakau und Sandomir verliehen und war königliche Bergstadt. 1361 erhielt Wieliczka von Kasimir dem Großen das Magdeburger Recht und unterstand dem Obersten Gericht der sechs kleinpolnischen Städte in Krakau. Das Salzhandelsprivileg beinhaltete den direkten Einkauf auf der Saline und den Verkauf auf den Märkten in Krakau und Auschwitz, es führte zum Reichtum der Stadt und ihrer Bürger. In dieser Zeit hatte Wieliczka etwa 1000 Einwohner. In der Stadt blühte das Handwerk auf, zu seinem Schutz vor Konkurrenz siedelte König Sigismund II. August die Juden in die Vorstadt Klasno um und verbot Ausländern den Zuzug in die Stadt.

Am Ausgang des 16. Jahrhunderts war die Blütezeit der Stadt beendet. Ursache dafür waren zum einen die zerrütteten politischen Verhältnisse in Polen, aber auch durch ungenügende Sicherung der Bergwerke verursachte Bergschäden und Tagebrüche. Insbesondere der Brand des Bonerschachtes von 1644 bis 1646, bei dem 20 Bergleute ums Leben kamen, führte durch das Zusammenfallen des Schachtes zu großen Schäden in der Stadt. Der Erste Nordische Krieg führte zur Verarmung der Stadt durch Militärdurchzüge, infolge von Seuchen dezimierte sich die Zahl der Einwohner auf 500. Alle weiteren Versuche der polnischen Könige, der Stadt durch weitere Privilegien wieder aufzuhelfen, waren erfolglos.

Infolge der Ersten Teilung Polens von 1772 gelangte Wieliczka zu Österreich, die alten Privilegien wurden aufgehoben, die Selbstverwaltung aufgelöst und Deutsch zur Amtssprache erklärt. Dadurch wurde die Stadtentwicklung stark eingeschränkt, jedoch mit der Öffnung der Saline für den Besucherverkehr auch deren Weltruhm begründet.

In der Zeit des Herzogtums Warschau war die Stadt von 1809 bis 1813 gemeinsamer Besitz Österreichs und des Königs Friedrich August I. von Sachsen. Zur Regelung der speziellen Verhältnisse mit Österreich hatte der sächsische König den späteren Oberberghauptmann Sigismund August Wolfgang von Herder nach Krakau gerufen, der für seine Arbeiten zur Wiederaufhilfe des Bergbaus in Kleinpolen in den Freiherrnstand erhoben wurde. Jedoch bezüglich Wieliczka konnte auch Herder nicht viel erreichen, weil Österreich sämtliche Verhandlungen gekonnt verzögerte.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann der Kurbetrieb in Wieliczka, als Felix Boczkowski die Heilwirkung der Salzsole erkannte.

Mit Errichtung des Königreiches Galizien und Lodomerien im Jahre 1867 wurde Wieliczka Kreisstadt und Sitz des Starosten und die Stadt erlebte einen kurzen kulturellen und gesellschaftlichen Aufschwung. Im Jahre 1877 wurde die Oberstadt durch einen Stadtbrand zerstört. Die Situation der Stadt verschlechterte sich rapide. Als die Stadt 1918 zum wiedererrichteten Polen kam, war sie völlig verkommen und verarmt. Ein weiterer Niedergang geschah 1932 durch die Aufhebung des Stadtkreises Wieliczka und die Schließung der Bergschule.

Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt mehr als 9800 Einwohner und wurde in Groß Salze umbenannt.[2] Im Jahr 1942 wurden die Juden aus dem Stadtteil Klasno deportiert.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1945 erlebte Wieliczka auf Grund seiner Lage in der Umgebung Krakaus einen großen Bevölkerungszuwachs und es entstanden neue Stadtviertel. 1959 wurde die Stadt als für den Tourismus bedeutsam anerkannt und 1971 zum Kurort aufgewertet. 1978 erklärte die UNESCO das Salzbergwerk zu einem der zwölf schützenswertesten Weltkulturgütern.

Seit 1990 wurde vor allem die bis dahin mangelhafte Infrastruktur (Kanalisation, Schulen, Wasser-, Strom- und Gasversorgung) ausgebaut. 1992 kam es durch einen Wassereinbruch im Bergwerk zu einem Tagesbruch am Bahnhof und dem Kloster; durch eine Rettungsaktion konnten das Bergwerk und das Kloster gesichert werden. 1995 wurde die Reliquie der Franziskus von Assisi-Kirche, das Bildnis der Heiligen Maria Gnadenvoll, dem Wunder zugesprochen werden, in einer großen Feier mit päpstlichen Kronen versehen.

Am 30. und 31. Juli 2016 fand auf einem Feld am Stadtrand der Abschluss des Weltjugendtages 2016 statt. Papst Franziskus feierte hier mit mehr als zwei Millionen Teilnehmern die Vigil und die Abschlussmesse des Jugendtreffens.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt-und-Land-Gemeinde gehören neben der Stadt Wieliczka weitere Dörfer mit 29 Schulzenämtern.

Gemeinde- und Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 14. Dezember 2014 betreibt die 2013 gegründete Firma Koleje Małopolskie eine Regionalzugverbindung nach Kraków Główny (Krakau Hauptbahnhof).[3]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten mit Bezug zu Wieliczka[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wieliczka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Stoob: Die Mittelalterliche Städtebildung im südöstlichen Europa. Böhlau, 1977, ISBN 978-3-412-01777-4 (google.de [abgerufen am 4. März 2019]).
  2. Publikationsstelle Berlin-Dahlem: Die Ostgebiete des Deutschen Reiches und das General-gouvernement der besetzten polnischen Gebiete in statistischen Angaben. Selbstverlag, 1940 (google.de [abgerufen am 4. März 2019]).
  3. Voivodship-owned operator Koleje Małopolskie launched, Railway Gazette, Meldung vom 17. Dezember 2014.