Wien Energie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wien Energie GmbH
Logo Wien Energie
Rechtsform GmbH
Gründung 2001
Sitz Wien, Österreich
Leitung Susanna Zapreva,
Robert Grüneis, Thomas Irschik[1]
Mitarbeiter 2.779 (Geschäftsjahr 2011/12)[1]
Umsatz 2.049,5 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2011/12)[1]
Branche Energieversorgungsunternehmen, Telekommunikation
Website www.wienenergie.at
Die thermische Abfallbehandlungsanlage in der Spittelau
Aufnahme des heizöl- und erdgasbefeuerten Fernheizwerk Inzersdorf mit einer thermischen Leistung von 358 MW

Wien Energie GmbH ist als Energieunternehmen Teil der Wiener Stadtwerke. Wien Energie verkauft jährlich insgesamt ca. 23.225.000 MWh Strom, Erdgas und Wärme und zählt zu den größten Arbeitgebern der österreichischen Bundeshauptstadt.

Unternehmensprofil[Bearbeiten]

Wien Energie ist in der Versorgung mit Strom, Erdgas und Wärme von rund 2 Millionen Kunden, 230.000 Gewerbe- und Industrieanlagen sowie 4.500 landwirtschaftlichen Betrieben im Großraum Wien tätig. Mit einem Umsatz von rund 2.050 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2011/12 zählt Wien Energie zu den 30 umsatzstärksten Unternehmen des Landes und mit durchschnittlich 2779 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (2011/2012) zu den größten Arbeitgebern Wiens. Über mehrere Projektbeteiligungen ist Wien Energie seit mehreren Jahren auch im europäischen Ausland tätig. Zu den Tätigkeiten des Unternehmens zählen:

Die Strom- und Wärmeproduktion erfolgt vorwiegend in den kalorischen Kraftwerken in Wien-Simmering, Donaustadt und Leopoldau. Zudem betreibt das Unternehmen mehrere Wasserkraftwerke, Windpark- und Photovoltaikanlagen sowie Österreichs größtes Wald-Biomasse-Kraftwerk in Wien-Simmering. Im Strombereich beläuft sich die installierte Leistung auf 2.072 MW. Der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Gesamtproduktion belief sich 2011/12 auf 16,5 % nach 10,1 % im Geschäftsjahr 2009/2010. Bis 2030 soll der Vergleichswert auf 50 % ausgebaut werden.

Mit 1. August 2013 gab es umfangreiche organisatorische Änderungen im Energiesektor [2]der Wiener Stadtwerke. Das ehemalige Tochterunternehmen von Wien Energie - Wien Energie Fernwärme - wurde in die Wien Energie GmbH integriert. Die Gesellschaft "Wiener Netze" fasst Wien Energie Stromnetz, Wien Energie Gasnetz, die das Primärnetz der Fernwärme und die Telekommunikationsnetze von Wien Energie zusammen.

Produktion[Bearbeiten]

Produktionsanlagen Strom[Bearbeiten]

Kalorische Kraftwerke[Bearbeiten]

Wien Energie betreibt an drei Standorten kalorische Kraftwerke, durch die im Geschäftsjahr 2011/12 etwa 83,5 % der gesamten Stromerzeugung abgedeckt werden konnten. Als Primärenergie kommt vorwiegend Erdgas zum Einsatz. Simmering 1 ist mit einer installierten elektrischen Leistung von 710 Megawatt bei einer gleichzeitigen Fernwärmeleistung von 450 Megawatt das leistungsstärkste Kraftwerk von Wien Energie. Am selben Standort befinden sich die Kraftwerke Simmering 2, Simmering 3 und das Wald-Biomasse-Kraftwerk, wobei mit 1.755.000 t/Jahr CO2-Emissionen und 522.000 kg/Jahr Stickoxide(NO/NO2)-Emissionen die Anlage zu den größten Schadstoffemittenten Österreichs gehört. [3]

Das Kraftwerk Donaustadt nahm seinen Betrieb 2001 auf und verfügt dank einer der weltweit größten Gasturbinenanlagen über eine installierte Leistung von 347 Megawatt Strom und 250 Megawatt Fernwärme. Während bei alleiniger Stromerzeugung ein Wirkungsgrad von 58% erzielt werden würde, erhöht sich bei gleichzeitiger Erzeugung von Fernwärme der Vergleichswert auf herausragende 86 %. Es zählt damit zu den effizientesten Anlagen Europas.

Wasserkraft[Bearbeiten]

Wien Energie betreibt Wasserkraftwerke in Opponitz, Gaming und Trumau, die über eine Gesamtleistung von 18,3 Megawatt verfügen. Das Wasserkraftwerk Opponitz versorgt seit fast 90 Jahren über 25.000 Haushalte mit Strom aus Wasserkraft. In den nächsten Jahren modernisiert Wien Energie das Kraftwerk nach ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten. Neben der Errichtung einer Fischaufstiegshilfe wird die Wehranlage in Göstling erneuert und damit die Restwassermenge in der Ybbs nachhaltig erhöht, sowie der Hochwasserschutz verbessert. Die Fertigstellung des neuen Druckstollens in Opponitz, der auch die Effizienz der Stromerzeugung erhöht, ist frühestens 2017 geplant.[4]

Am Wasserkraftwerk Nußdorf (Gesamtleistung 4,8 Megawatt), das mehr als 10.000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt, ist Wien Energie zu einem Drittel beteiligt. Unter der von Otto Wagner errichteten Schemerlbrücke mit den signifikanten Löwenstatuen wurde das Kraftwerk eingebaut. Hier sind keine sichtbaren Eingriffe in das denkmalgeschützte Jugendstil-Bauwerk erkennbar.[5]

Darüber hinaus hält Wien Energie Strombezugsrechte an den Donaukraftwerken Freudenau (22 MW) und Greifenstein (37 MW). Aufgrund des beschränkten Ausbaupotenzials für weitere Wasserkraftwerke im Großraum Wien verfolgt Wien Energie diesbezügliche Projekte in Österreich.

In Deutschland erwarb Wien Energie 2011 einen Anteil von 13 % an der Verbund Innkraftwerke GmbH, die 13 Wasserkraftwerke entlang des Inns in Bayern mit einer installierten Gesamtleistung von über 310 Megawatt betreibt. Aus dieser Beteiligung erhält Wien Energie anteilige Strombezugsrechte zu Marktpreisen, womit die gesamte Stromerzeugung aus Wasserkraft um 45 % gesteigert werden konnte. Nach erfolgreichem Abschluss eines umfassenden Erneuerungsprogramms betreibt Wien Energie 27 Wasserkraftwerke in Rumänien mit einer installierten Leistung von 17 Megawatt.

Windkraft[Bearbeiten]

Wien Energie setzt seit 1997 auf Windenergie und verfügt über eigene Anlagen und Beteiligungen aktuell über eine installierte Windkraftleistung von 60 Megawatt. Neben den Standorten in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland wird seit 2008 im ungarischen Lével ein Park mit zwölf Windkraftanlagen und einer installierten Leistung von 24 Megawatt betrieben. In Kooperation mit EVN erfolgte im Berichtsjahr die Errichtung des Windparks Glinzendorf, der mit seinen neun Windrädern und einer installierten Leistung von 18 Megawatt im Oktober 2012 in Betrieb genommen wurde. [1]

Biomasse[Bearbeiten]

Wien Energie betreibt am Standort Simmering in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten Österreichs größtes Wald-Biomassekraftwerk. Bei Kraft-Wärme-Kopplung verfügt die Anlage über eine installierte elektrische Leistung von 16,2 MW und über eine thermische Leistung von 37 MW.

Die Wien Energie Tochter Energiecomfort betreibt weitere Biomasse-Ortswärmeprojekte in Österreich wie beispielsweise in Purkersdorf, Trumau, Seefeld, Tannheim und Grän sowie im bayrischen Oberstaufen und in Presov, Slowakei. [1]

Photovoltaik[Bearbeiten]

Wien Energie baut seit 2012 eine Reihe von Solarkraftwerken mit Darlehen von Bürgern. Im Juli 2013 wurde mit dem Bau des fünften Wiener Solarkraftwerkes begonnen, dieses befindet sich auf dem Dach des neuen Gebäudekomplexes Wien Mitte.

Weitere Photovoltaikanlagen von Wien Energie sind an verschiedenen Stellen in Betrieb. Auf dem Dach des Vienna International Centre im 22. Wiener Gemeindebezirk liefert ein Stahlträger-Bauwerk mit 200 Quadratmeter Solarzellen Strom.

Produktionsanlagen Wärme und Kälte[Bearbeiten]

Fernwärme[Bearbeiten]

Wien Energie versorgt rund 330.000 Haushalte und mehr als 6.400 Großkunden mit Raumwärme und Warmwasser und zählt damit zu den größten Unternehmen seiner Art in Europa. In Summe speisen 17 Erzeugungsanlagen an zwölf Standorten Heißwasser in das Fernwärmeverbundnetz ein. Als Grundlast wird die Abwärme der Müllverbrennungsanlage Spittelau, die aktuell modernisiert wird, Müllverbrennungsanlage Flötzersteig, Simmeringer Haide und Müllverbrennungsanlage Pfaffenau verwendet.

Alle vier Standorte verwerten im Regelbetrieb jährlich rund 900.000 Tonnen Abfall, Sondermüll und Klärschlamm und produzieren daraus rund 1.500.000 Megawattstunden Wärme. Zur Erzeugung der durchschnittlichen Nachfrage werden die Kraft-Wärme-Kopplungen der Kraftwerke Donaustadt, Simmering, Leopoldau und des Wald-Biomassekraftwerks Simmering sowie die Kraftwerke der OMV-Raffinerie in Schwechat verwendet.

Das Fernwärmenetz mit einer Gesamtlänge von knapp 1.170 Kilometer unterteilt sich in ein Primär- und ein Sekundärnetz. Im Primärnetz werden große Wärmemengen bei hohem Druck und hoher Temperatur durch ganz Wien transportiert. Es mündet in die weit verästelten Sekundärnetze, die letztlich zu den einzelnen Gebäuden führen und dort in sogenannten Umformerstationen die Wärme an die Hausanlagen abgeben. Das Primärnetz liegt seit 1. August 2013 bei den Wiener Netzen, das Sekundärnetz wird weiterhin von Wien Energie betrieben.

Die Liste von fernwärmeversorgten Gebäuden ist lang: von öffentlichen Gebäuden wie dem Stephansdom oder Schloss Schönbrunn, über Wiens wichtigste Spitäler, Bahnhöfe und Universitätsgebäude, bis hin zur Luxusimmobilie.

Nahwärme[Bearbeiten]

Zusätzlich zur Fernwärme betreibt Wien Energie auch Nahwärme, die über relativ kurze Distanzen transportiert wird und hauptsächlich Gemeinden und Gewerbetreibende versorgt.[1]

Fernkälte[Bearbeiten]

2009 ging die erste Fernkältezentrale für Fernkälte in der Spittelau ans Netz, die unter anderem das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien, sowie das Immobilienprojekt Skyline und den Radiosender Ö3 versorgt.

Mittlerweile gibt es auch noch weitere Kältezentralen bzw. -anlagen von Wien Energie im Krankenhaus SMZ Ost, am Schwarzenbergplatz, bei der Rudolfsstiftung bzw. am Bürostandort TownTown im dritten Wiener Gemeindebezirk. Seit April 2013 läuft die Fernkältezentrale am Schottenring, die unter anderem die Wiener Städtische, die Vienna Insurance Group, die bei der Roßauer Lände entstehende „Uni Wien Roßau“ und die Raiffeisen mit Fernkälte versorgt. 2014 erfolgt die Erstinbetriebnahme der Fernkältezentrale Hauptbahnhof. Mit einer Leistung von 20 Megawatt im Endausbau ist sie eines der größten Fernkälteprojekte. [1] Die ersten Projekte wurden 2007 in Betrieb genommen und mittlerweile sind 65 Megawatt an Fernkälteleistung in Betrieb. Wien Energie will mit weiteren Projekten mittelfristig ein Potential von 200 Megawatt erreichen.

Elektro- und Erdgasauto[Bearbeiten]

Elektromobilität[Bearbeiten]

Wien Energie engagiert sich im Projekt „e-mobility on demand“ der Wiener Modellregion und im Pilotprojekt „Vibrate – Vienna Bratislava e-mobility“, in Zuge dessen die erste grenzüberschreitende Modellregion für Elektromobilität entsteht.[6]

Erdgasauto[Bearbeiten]

Derzeit sind fast 600 Erdgasfahrzeuge für Wien Energie und die Schwestergesellschaft Wiener Netze im Einsatz. Die damit größte Erdgasflotte Österreichs wurde für die Erreichung der Klimaschutzziele im Jahr 2010 mit dem klima:aktiv-Preis ausgezeichnet.

Sponsoring[Bearbeiten]

Im Bereich Sport sponsert Wien Energie verschiedene Vereine, wie den SK Rapid Wien, die Vienna Capitals, den Wiener Sportklub und First Vienna FC.

Des Weiteren engagiert sich das Unternehmen im kulturellen Bereich mit Veranstaltungen wie dem jährlichen Fernwärme Open Air im Rahmen des JazzFest Wien, sowie der Veranstaltungsreihe „Heiß und Kalt“ mit Ausstellungen und Lesungen zeitgenössischer Künstler wie Christian Ludwig Attersee, Karl Hodina, Helmut Kand, Leslie de Melo, Gerhard Sternheim, u. a. Zudem veranstaltet Wien Energie jährlich den Kurzfilmwettbewerb „Night of the Light“ und bietet verschiedene Angebote für Kinder und Jugend.[7]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Wien Energie Jahrbuch 2011/12, abrufbar auf http://www.wienenergie.at/eportal/ep/programView.do/pageTypeId/11894/programId/17929/contentTypeId/1009/channelId/-27234
  2. http://www.vipress.at/wiener-stadtwerke/news/meldung/2268/smarker/1/
  3. PRTR Meldung - Kraftwerk Simmering EZG - PRTR-Meldung 2011 http://www5.umweltbundesamt.at/PRTR-web/auswahlNachBetriebseinrichtungen.do?txid=d1bda532374b369d44b7bc0c19de93244c178bcf
  4. Wien Energie Presseinformation vom 11. Mai 2013: http://www.vipress.at/wien-energie/news/meldung/1973/
  5. Wien Energie Orange Buch 2010, S.52
  6. http://www.wienenergie.at/eportal/ep/channelView.do/pageTypeId/11893/channelId/-30125 (abgerufen am 3. Oktober 2013)
  7. http://www.wienenergie.at/eportal/ep/channelView.do/pageTypeId/11894/channelId/-22103 (abgerufen am 3. Oktober 2013)