Wiener Neustädter Blutgericht 1522

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Das Wiener Neustädter Blutgericht 1522 bezeichnet die Hinrichtung der rebellischen Ratsherren der Wiener Landesregierung im August 1522 in Wiener Neustadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Maximilian I verstarb am 12. Jänner 1519 in der Burg Wels. Zur Nachfolge bestimmte er seinen Enkel Karl V. (1500–1558), welcher wegen seines jungen Alters unter der Vormundschaft von Maximilians Tochter Margarete von Österreich (1480–1530) stand. Obwohl Maximilian Karl V. ein geeintes Reich übergab, entstand durch Karl V. eine spanische Linie und mit dem jüngeren Bruder von Karl V. Ferdinand I. eine österreichische Linie.

1519 verweigerten Ratsherren der Wiener Landesregierung der Regentschaft von Niederösterreich die Anerkennung, welche Niederösterreich einst von Kaiser Maximilian I. zugesprochen war. Sie ließen eigene Münzen prägen und verfügten über das landesfürstliche Kammergut.

Am 17. Juni 1522 forderte Erzherzog Ferdinand alle Ratsherren Wiens des Jahres 1519 auf, nach Wiener Neustadt zu kommen, damit ihre Klagen gehört und Recht gesprochen werden könne. Die angesprochenen Personen waren der Wiener Bürgermeister Martin Siebenbürger, die Adeligen Michael von Eytzing und Hans von Puchheim, wie auch die Ratsherren Hans Rinner, Stefan Schlagindweit, Friedrich Pietsch, Martin Flaschner und Hans Schwarz; Ankläger war Markus Beck.

Es gab elf Angeklagte und das Erinnerungsmal am Hinrichtungsplatz geht davon aus, dass alle elf Angeklagten hingerichtet wurden.

Bei Grabungsarbeiten für die Neugestaltung des Belages des Hauptplatzes wurde im Oktober 1996 die ursprüngliche gepflasterte Hinrichtungsstelle ergraben.

Bodendenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hinrichtung auf dem Hauptplatz erfolgte auf einem Schafott, welches auf einem kreisförmigen Fundament aus Steinplatten stand. Da die Steinplatten mit der Zeit zerfielen, ließ die Stadt an dieser Stelle ein Kreuz aus Terrazzo in den Boden legen. 1974 war dieses Denkmal durch den Zweiten Weltkrieg und durch Verwitterung baufällig. Der Rotary Club stiftete ein neues Denkmal. Den Wettbewerb zur Gestaltung gewann Emmerich Beranek. Sein Werk bildete eine elfeckige Syenitplatte mit der Jahresangabe 1522 und elf Kreuzen. Das Erinnerungsmal wurde am 18. Oktober 1974 der Stadt übergeben. Eine Erklärungstafel zum Bodendenkmal befindet sich an der Ostseite des Grätzls auf Hauptplatz 35.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungsmal Blutgericht 1522. In: Gerhard Geissl: Denkmäler in Wiener Neustadt. Orte des Erinnerns. Kral Verlag, Berndorf 2013, ISBN 978-3-99024-167-7, S. 88–89.
  • Thomas Winkelbauer: Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. Teil 1. In: Herwig Wolfram (Hrsg.): Österreichische Geschichte 1522–1699. Verlag Carl Ueberreuther, Wien 2004, ISBN 3-8000-3532-4, S. 36–38.

Koordinaten: 47° 48′ 47,8″ N, 16° 14′ 37,5″ O