Wiener Schule (Vorklassik)

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Wiener Schule ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Komponisten und deren Musikstil in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zwischen Spätbarock und Wiener Klassik.

Der Wiener Schule um 1750 kommt zusammen mit der Mannheimer Schule eine wegbereitende Funktion für die Wiener Klassik zu. Der Stil beider Gruppen werden zusammen mit einigen Bachsöhnen und anderen Komponisten vereinfachend als Vorklassik oder Vorklassik bezeichnet.

Doch diese übliche Einordnung ist willkürlich: Ist es ein „Nicht-mehr“ des Barock oder ein „Noch-nicht“ der Klassik? Oder sollten Begriffe wie empfindsamer und galanter Stil gebraucht werden? Jedenfalls zeichnet sich diese Zeit durch Vielfalt, Aufbruchscharakter, Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit aus, und zwar sowohl im kulturellen als auch gesellschaftlich-politischen Bereich (vergleiche Zweite Wiener Schule).

Die traditionelle Barockmusik prägten bis dahin neben Bach und Händel auch ein schlichter Bauernsohn aus der Steiermark, Johann Joseph Fux. Er stieg vom Organist an der Wiener Schottenkirche zum „k.k. Hofcompositeur“ und Lehrer Maria Theresias auf. Sein Einfluss auf die jungen Komponisten kam neben seinen Meisterwerken auch vom Lehrbuch Gradus ad Parnassum, das bis heute die Basis des Kontrapunkt-Unterrichts darstellt.

Die jungen Wiener Komponisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts möchte eine Gruppe junger Komponisten - unter ihnen Georg Christoph Wagenseil, Reutter der Jüngere und Georg Matthias Monn - der als pompös empfundenen Barockmusik einen neuen, empfindsamen Stil entgegensetzen. Sie begründen die Wiener Schule, in der bereits Stil und Harmonie der späteren Klassik anklingen. In diesen Bestrebungen folgen ihnen mehrere andere Musiker, unter ihnen Leopold Mozart.

Zunächst sind Georg Christoph Wagenseil und Georg Matthias Monn die wichtigsten Vertreter des Wiener Stils. Sie wollen die Strenge des Spätbarock und seinen „Schwulst“ auflösen und dem freieren, anmutigen Style galant zum Durchbruch verhelfen. Sie befassen sich dabei mit der Erneuerung der Sonatensatzform, indem sie deren zweites Thema und die Durchführung ausbauen. Später führt Joseph Haydn diese Merkmale zur Vollendung. Bekannter als Monn ist dessen Schüler Johann Georg Albrechtsberger, ein exakter Zeitgenosse von Haydn. Auch Leopold Mozart ist mit der Wiener Schule der Vorklassik verbunden, sowie zeitweilig Antonio Salieri.

Neue Formen der Sonate - Bach, Mannheim und Wien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Entwicklung der klassischen Wiener Sonatenhauptsatzform trug auch Carl Philipp Emanuel Bach bei, dem J.-G. Prod'homme diese Erfindung zuschreibt. E. Reischl merkt hingegen an, dass in vielen seiner Sonaten die Reprise unvollständig ist oder fehlt und Bach keinem strengen Formenschema folgte.

Eher trifft dies auf den Zeitgenossen Johann Stamitz zu, der 1750 mit F. X. Richter und Ignaz Holzbauer die Mannheimer Schule gründete. Sie entwickelt die moderne Form des Sonatenhauptsatzes und der Sinfonie. Tatsächlich nennt Stamitz die für sein Spitzenorchester komponierten Sinfonien Sonate für Orchester, weil ihr Aufbau derselbe ist.

Durch die gegenseitige Anregung der Wiener und Mannheimer Komponisten und einer norddeutschen Schule entwickelte sich Wien zur neuen Hochburg der Musik, nicht zuletzt durch Joseph Haydn und W. A. Mozart. Formal sind ihre Kammermusik- und Klaviersonaten und die Sinfonien nicht neu, sondern bestehen in einem meisterlichen Variieren der frühklassischen Mannheimer Form. Die Wiener Klassiker verstehen es, die dreisätzige Sonatenform mit reizvollen und überraschenden Inhalten zu füllen.

Auch im Bereich der Oper werden ganz neue Wege beschritten: mit den so genannten Reformopern Orpheus und Euridike, Alceste und Paris und Helena gelingt es Christoph Willibald Gluck, die klassische Ästhetik von klaren, einfachen Formen mit einem dramatischen Stil zu verbinden. Er wird bis zu Hector Berlioz, Richard Wagner, Richard Strauss und Claude Debussy Bewunderer und Nachahmer finden.

Weitere Komponisten der Vor- und Frühklassik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenige Jahrzehnte später kulminieren diese Beiträge in der Wiener Klassik mit dem Dreigestirn Haydn, Mozart und Beethoven. Wien wird endgültig zur Musikhauptstadt, gefördert durch reiche Fürstenhöfe (Esterházy, Lichniowsky, Lobkowitz, Rasumovski) und durch das aufstrebende Bürgertums. Angeführt vom nunmehrigen Papa Haydn vollenden die Drei die Sonatenform und die Gattungen von Sinfonie, Streichquartetts und Sonate. Auch ihre geistliche Musik, Oratorien und Opern werden zu den meistgespielten Werken der abendländischen Musik.