Wiener Stadtwerke

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WIENER STADTWERKE GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1999 (als Aktiengesellschaft)
Sitz Wien 3, Thomas-Klestil-Platz 13[1]
Mitarbeiterzahl

rund 16.000 (Jahresdurchschnitt 2017)[2]

Umsatz 3,45 Mrd. EUR (GB 2017)[3]
Branche Energie, Verkehr, Garagierung, Bestattung & Friedhöfe
Website www.wienerstadtwerke.at

Wiener Stadtwerke Konzernzentrale im Orbi Tower, Erdberg.

Die Wiener Stadtwerke GmbH ist der Infrastrukturdienstleister von Stadt und Land Wien.

Die Wiener Stadtwerke GmbH ist Österreichs größter kommunaler Infrastrukturdienstleister und zählt zu den 25 größten Unternehmen Österreichs. Im Jahresdurchschnitt 2017 waren konzernweit rund 16.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 19. Jahrhunderts lagen Energieversorgung, öffentlicher Verkehr und Bestattung in Wien bei privaten Unternehmen. Bürgermeister Karl Lueger, Exponent der christlichsozialen Partei, kommunalisierte diese Bereiche. Alle noch bestehenden Pferdebahnlinien wurden auf elektrischen Betrieb umgestellt; die Wiener Dampftramwaylinien wurden in der Folge gekauft und ebenfalls umgestellt. 1899 folgte die Inbetriebnahme des Städtischen Gaswerks in Simmering, – mit dem Anheizen einer Ofenbatterie am 28. September wurde erstmals Leuchtgas in das Rohrnetz eingeführt. Im gleichen 11. Bezirk nahm 1902 ein Dampfkraftwerk den Betrieb auf, das erstmals Strom an das Wiener Straßenbahnnetz lieferte. Bestattungen wurden ab 1903 von der Städtischen Leichenbestattung der Gemeinde Wien übernommen.

Insbesondere im Jahr 1903 kam es zwischen den Städtischen Elektrizitätswerken und privaten Stromanbietern zu Auseinandersetzungen, da der Kommunalbetrieb Konkurrenzunternehmen an der Ausführung ihrer Aufträge teilweise mit Brachialgewalt hinderte, bisweilen sogar wider bestehende Gerichtsbeschlüsse.[4]

Nach Vorverhandlungen im Sommer 1923[5] mit den Österreichischen Bundesbahnen (damals BBÖ) auf Übertragung der zuvor von der BBÖ mit Dampfzügen bedienten Wiener Stadtbahn Strecken der Oberen und Unteren Wiental-, Donaukanal- und der Gürtellinie, sowie dem Verbindungsbogen zwischen Brigittabrücke und der Abzweigstelle Nußdorfer Straße, konnte im Dezember 1923 zwischen der Gemeinde Wien und dem Bund, dem die Vollbahnstrecken unterstanden, ein befristeter Pacht- und Betriebsvertrag geschlossen werden. Gesetzlich umgesetzt wurde dies über drei inhaltsgleiche Bundes- und Landesgesetze der Stadt Wien und des Landes Niederösterreich.[5] Ab 1924 bauten die Gemeinde Wien – städtische Straßenbahnen, gänzlich aus dem Gemeindebudget finanziert, die übernommenen Strecken zu einem straßenbahnmäßig[5] elektrifizierten und nunmehr städtischen Stadtbahnnetz um.[6] Beginnend ab Juni 1925 konnten die Wiener Verkehrsbetrieb die Stadtbahn, unter der Bezeichnung Wiener Elektrische Stadtbahn und mit gemeindeeigenem Wagenpark, der auch im normalen Straßenbahnnetz[7] eingesetzt wurde, nach und nach die Teilstrecken in Betrieb nehmen. Die bei der BBÖ verbliebenen Strecken der Vorortelinie und der Verbindungsbahn, sowie das übrige österreichische Eisenbahnnetz, waren nun gänzlich von der neuen elektrischen Stadtbahn abgetrennt.[6]

Nach dem „Anschluss Österreichs“ wurde der „Entwurf der Satzung über den Aufbau der Behörde des Reichsstatthalters in Wien – Gemeindeverwaltung […] mit Erlaß des Reichsministers des Innern vom 4. Juni 1942 […] zugestimmt […]. Nach Beratungen mit den Ratsherren […] wurden die Hauptsatzung des Reichsgaues Wien und die Satzung über den Aufbau der Behörde des Reichsstatthalters in Wien – Gemeindeverwaltung vom Reichsstatthalters am 6. November 1942 genehmigt“ und unter den Nr. 154[8] und 155[8] im Verordnungs- und Amtsblatt für den Reichsgau Wien (VABlWien) verlautbart. In der Satzung über den Aufbau der Behörde des Reichsstatthalters in Wien – Gemeindeverwaltung wurden nach § 2 die Hauptabteilungen A bis M gegliedert. In der Hauptabteilung K wurden die Wirtschaftlichen Unternehmungen und [die] Wirtschaftsförderung gebündelt.

Demnach führte die Gemeindeverwaltung folgende Eigenbetriebe:[9]

In der wiedererrichteten Republik Österreich wurde im Jahr 1946 eine gemeinsame Generaldirektion für die Wiener städtischen Elektrizitätswerke, die Wiener städtischen Gaswerke und die Wiener städtischen Verkehrsbetriebe errichtet,[16] die 1955–2010 im damals neu errichteten Ringturm zu finden war. Durch die Zusammenfassung der drei städtischen Unternehmen Elektrizitätswerke, Gaswerke und Verkehrsbetriebe erfolgte zum 1. Jänner 1949 die Gründung der Wiener Stadtwerke. 1953 wurde die städtische Bestattung wieder eingegliedert. Die politische Aufsicht besaß der für die Wiener Stadtwerke zuständige amtsführende Stadtrat gemeinsam mit dem zuständigen Gemeinderatsausschuss.

Der Startschuss für den U-Bahn-Bau fiel am 26. Jänner 1968. Bereits ein Jahr später begannen die Bauarbeiten am Karlsplatz. Nach einer Bauzeit von 13 Jahren war 1982 das Grundnetz der Wiener U-Bahn-Linien, bestehend aus Strecken mit 32 Kilometer Länge und den Linien U1U2 und U4, fertiggestellt. Bis 1989 wurde aus der Gürtellinie der Stadtbahn die Linie U6.

Die Heizbetriebe Wien wurden 1969 gegründet mit dem Auftrag, die Fernwärmeversorgung aufzubauen, neue städtische Wohnhausanlagen mit umweltfreundlicher Heizenergie zu versorgen sowie das Fernheizwerk Spittelau zu betreiben. 14 Jahre später wurden sie – inzwischen umbenannt in Fernwärme Wien (heute Wien Energie Fernwärme) – Unternehmen der Wiener Stadtwerke. Die Wiener Stadtwerke und die Heizbetriebe Wien gründeten 1985 eine gemeinsame Energieberatung mit dem Ziel einer umfassenden und kompetenten Kundenbetreuung in allen Energiefragen. Heute präsentiert sich der gemeinsame Auftritt der Energieversorgungsunternehmen unter dem Namen Wien Energie nach wie vor als kundenorientierter Dienstleistungsbereich.

Wegen der Umstellung auf Erdgas mussten 1970–1978 bei mehr als 750.000 Abnehmern rund 1,5 Millionen Gasgeräte umgestellt und angepasst werden. 1986 eröffnete das heutige Verkehrsmuseum Remise als Straßenbahnmuseum, das heute mit 90 historischen Originalfahrzeugen als größtes Straßenbahnmuseum der Welt gilt.

1999 wurden die Wiener Stadtwerke aus der Gemeindeverwaltung, dem Magistrat, ausgegliedert und in die Aktiengesellschaft Wiener Stadtwerke Holding AG umgewandelt. In den folgenden Jahren wurden ihre Geschäftsfelder liberalisiert (1999–2003: Strommarkt-Liberalisierung, 2000: Gasmarkt-Liberalisierung, 2002: Marktöffnung bei der Bestattung). 2007 folgte die Eröffnung der Wien Energie Gasnetz-Direktion Simmering.

Die Konzernzentrale der Wiener Stadtwerke befindet sich seit 2010 im TownTown genannten Areal in Erdberg (3. Bezirk). Im Jahr 2010 erfolgte außerdem die Umstrukturierung des Konzernbereichs Bestattung und Friedhöfe unter das Dach der B & F Wien – Bestattung und Friedhöfe Wien GmbH.

2011 wurde der Energiebereich der Wiener Stadtwerke neu organisiert und in einen regulierten Bereich (Gas- und Stromnetz) und einen Wettbewerbsbereich (Fernwärme, Vertrieb, Energiekomfort) unterteilt. Weiters wurde 2013 Wien Energie mit integrierter Fernwärme als zentrales Wettbewerbsunternehmen weiter geführt und die neue Gesellschaft „Wiener Netze“, zuständig für Netze von Strom, Erdgas, Fernwärme und Telekommunikation, geschaffen.

Am 6. November 2017 beschloss der Gemeinderat, das Unternehmen in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umzuwandeln.[17] Am 20. Dezember 2017 wurde die Änderung im Firmenbuch eingetragen.[18]

Aufbau und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Konzern ist im Eigentum der Stadt Wien. Eigentümervertreterin ist Ulrike Sima, amtsführende Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke.

Management[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsführung:[19]

  • Generaldirektor Martin Krajcsir (Geschäftsbereich: Finanzen und Beteiligungen, Immobilienangelegenheiten, Compliance, Konzernstrategie, Kommunikation, Revision und Compliance, Bestattung und Friedhöfe)
  • Direktorin Gabriele Domschitz (Geschäftsbereich: Mobilität, Recht und Vergabewesen, FTI & Smart City, Nachhaltigkeit)
  • Generaldirektor-Stellvertreter Peter Weinelt (Geschäftsbereich: Energie, Netze, Europäische Energieangelegenheiten, Personal und IT)

Aufsichtsrat:[20]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Konzern gehören die Unternehmen:[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Städtewerk: Das neue Wien. „Herausgegeben unter offizieller Mitwirkung der Gemeinde Wien“, Elbemühl, Wien 1928 (Digitalisat in: wienbibliothek digital der Wienbibliothek im Rathaus).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kontakt: https://www.wienerstadtwerke.at/eportal3/ep/contentView.do/pageTypeId/71952/programId/71263/contentTypeId/1001/channelId/-49484/contentId/75347 abgerufen am 23. Juli 2018.
  2. Geschäftsbericht 2017, S. 27: https://www.wienerstadtwerke.at/eportal3/ep/contentView.do/pageTypeId/71283/programId/3600056/contentTypeId/1001/channelId/-49476/contentId/4201477 abgerufen am 4. September 2018.
  3. Geschäftsbericht 2017, S. 19: https://www.wienerstadtwerke.at/eportal3/ep/contentView.do/pageTypeId/71283/programId/3600056/contentTypeId/1001/channelId/-49476/contentId/4201477 abgerufen am 4. September 2018.
  4. Der Kampf der Kommune Wien gegen die privaten Elektrizitätsgesellschaften. Mit einer photographischen Aufnahme. In: Wiener Bilder, Nr. 20/1903 (VIII. Jahrgang), 13. Mai 1903, S. 6, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrb.
  5. a b c Markus Kaiser: Die Geschichte der Wiener Verkehrsbetriebe von 1903–1938. Diplomarbeit an der Universität Wien, Wien 2012, S. 74. Vgl. hierzu auch das Zitat sowie die zugehörige Fußnote 263 zu: Verwaltungsbericht der Gemeinde Wien – städtische Straßenbahnen für das Jahr 1923 unter der Berücksichtigung des II. Halbjahres 1921 und des Jahres 1922. Wien 1924, S. 4. (Volltext online; PDF; 127 S.)
  6. a b c (Lit.): Stadtbahn. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 98–116, hier insb. S. 98: „… Die Gemeindeverwaltung gewann ferner auf Grund reiflichen Studiums der Sachlage durch die Straßenbahndirektion die Überzeugung, daß einerseits nur der vollkommene Zusammenschluß der Stadtbahn mit der Straßenbahn in betriebstechnischer und tarifarischer Beziehung und die Schaffung eines gemeinsamen Wagenparkes die Grundbedingungen waren, um mit erschwinglichen Mitteln und Aussicht auf einen wirtschaftlichen Erfolg die Elektrifizierung durchzuführen, andererseits nur ein möglichst dichter und rascher Verkehr auf der elektrischen Stadtbahn den Verkehrsbedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden konnte. …“ Siehe dazu auch die Legende zum Abbild „Wiener Stadtbahnnetz. // Gürtel- Donaukanal- u. Wientallinie // Vollbahn // Verbindungsbahn // Vorortelinie“.
  7. a b (Lit.): Die städtischen Straßenbahnen. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 73–97
  8. a b Verordnungs- und Amtsblatt für den Reichsgau Wien (VABlWien), Jahrgang 1942, 43. Stück, ausgegeben in Wien, am 14. November 1942 (Digitalisate in ALEX – Historische Rechts- und Gesetzestexte Online):
    • Nr. 154, Hauptsatzung des Reichsgaues Wien, 6. November 1942, S. 131f.
    • Nr. 155, Satzung über den Aufbau der Behörde des Reichsstatthalters in Wien – Gemeindeverwaltung, 6. November 1942, S. 132
  9. Verwaltungsbericht Die Gemeindeverwaltung des Reichsgaues Wien vom 1. April 1940 bis 31. Mai 1945, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Wien, Abteilung für Statistik, Bd. 1940–1945, ohne Datum (Digitalisate in: wienbibliothek digital der Wienbibliothek im Rathaus):
    • Satzungen in Abschnitt I. Allgemeine Verwaltung – Ziffer 1. Organisation, S. 9–10.
    • XII. Städtische Unternehmungen und gemischtwirtschaftliche Betriebe – 1.) Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten, S. 407.
  10. (Lit.): Die Elektrizitätswerke. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 47–72
  11. (Lit.): Die Gaswerke. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 13–46
  12. (Lit.): Die städtische Leichenbestattung. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 127–134
  13. (Lit.): Die Ankündigungsunternehmen. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 135–144
  14. (Lit.): Das Brauhaus der Stadt Wien. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 117–126
  15. (Lit.): Die städtischen Lagerhäuser. In: Städtewerk: Das neue Wien. 1928, S. 169–174
  16. Gemeinderat – Öffentliche Sitzung vom 28. März 1946. In: Amtsblatt der Stadt Wien, Bd. 1946, Nr. 11, 3. April 1946, S. 1: „6. (Pr. Z. 288, P. 1) Der Antrag auf Errichtung einer Generaldirektion für die Städtischen Elektrizitätswerke, Gaswerke und Verkehrsbetriebe sowie auf Änderung des Organisationsstatuts für die Unternehmungen der Stadt Wien wird in der in der Beilage Nr. 8 vorgeschlagenen Fassung auf Grund des § 24 der Geschäftsordnung ohne Verhandlung angenommen.“ (Digitalisat in: wienbibliothek digital der Wienbibliothek im Rathaus.)
  17. Wiener Stadtwerke werden Anfang 2018 von einer AG zur GmbH. In: Der Standard. 7. November 2017, abgerufen am 7. November 2017.
  18. Die Wiener Stadtwerke sind ab sofort eine „GmbH“. Website des Unternehmens, abgerufen am 20. Dezember 2017.
  19. Mitglieder der Geschäftsführung: http://www.wienerstadtwerke.at/eportal3/ep/channelView.do/pageTypeId/71283/channelId/-51139 abgerufen am 23. Juli 2018.
  20. Mitglieder des Aufsichtsrats: http://www.wienerstadtwerke.at/eportal3/ep/channelView.do/pageTypeId/71283/channelId/-51140 abgerufen am 3. September 2018.
  21. Konzernberichte der Wiener Stadtwerke: http://www.wienerstadtwerke.at/eportal3/ep/channelView.do/pageTypeId/71283/channelId/-51226 abgerufen am 23. Juli 2018.

Koordinaten: 48° 11′ 31,3″ N, 16° 24′ 46,8″ O