Wiesenhagen

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Wiesenhagen
Stadt Trebbin
Koordinaten: 52° 10′ 32″ N, 13° 14′ 16″ O
Höhe: 39 m
Fläche: 10,56 km²
Einwohner: 271 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1997
Postleitzahl: 14959
Vorwahl: 03373
Dorfanger
Dorfanger

Wiesenhagen (bis 1938 Neuendorf bei Trebbin) ist ein Ortsteil[1] der Stadt Trebbin im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming. Der Ort war bis 1997 eine selbständige Gemeinde, die vom Mittelalter bis 1822 zur Burg und Vogtei Trebbin, später zum Amt Trebbin genannt, gehörte.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiesenhagen liegt rund fünf Kilometer Luftlinie südlich von der Innenstadt Trebbin entfernt. Der Ort ist von Trebbin aus über Kliestow oder Klein Schulzendorf zu erreichen. Wiesenhagen liegt im südlichen Teil des Gemeindegebietes von Trebbin. Im Norden grenzt die Gemarkung Wiesenhagen an Kliestow und Klein Schulzendorf und im Nordosten an Lüdersdorf, alle drei Orte sind Ortsteile der Stadt Trebbin. Im Süden und Westen grenzt Wiesenhagen an die Gemarkung Schöneweide (Ortsteil der Gem. Nuthe-Urstromtal).

Auf der Gemarkung liegen die Wohnplätze Forsthaus Altlenzburg und Forsthaus Lenzburg.

Geschichte und Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

13. bis 16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort hieß bis 1938 Neuendorf, gelegentlich auch mit dem Zusatz Neuendorf bei Trebbin. Er wird 1375 im Landbuch Karls IV. zum erstmals urkundlich genannt. Das Dorf gehört damals zur Burg bzw. Vogtei Trebbin. Der Name ist selbstredend deutschen Ursprungs (Brandenburgisches Namenbuch, Teil 3 Die Ortsnamen des Teltow, S. 200) im Sinne von ein neuangelegtes Dorf. Die ursprüngliche Dorfform war ein Runddorf. Runddörfer oder Rundlinge wurden vor allem im 12./13. Jahrhundert im Kontaktbereich von slawischen und deutschen Siedlern als Plansiedlung unter deutscher Herrschaft angelegt.[2] Schon der Name „Neuendorf“ impliziert, dass es sich um ein neuangelegtes Dorf handelte, vermutlich unter Aufgabe älterer kleinerer Siedlungen oder um eine völlige Neuanlage, denn slawische Siedlungen sind auf der Gemarkung bisher nicht nachgewiesen. Die Rundlinge zeichnen sich gegenüber den späteren, von (überwiegend) deutschen Siedler angelegten Angerdörfern durch wenige, aber große Hufen mit entsprechend höheren Abgaben aus. Der Lehnschulze hatte im Allgemeinen zwei Hufen, die übrigen Bauern je eine Hufe. Die Dörfer hatten ursprünglich auch keine Kirchen, sondern waren kirchlich an eine Großparochie angegliedert.

Nach dem Landbuch Karls IV. von 1375 hatte das Dorf zehn Hufen, davon hatte der Lehnschulze zwei Hufen, ein Lehnmann eine Hufe und die übrigen zehn Bauern ebenfalls je eine Hufe. Die zehn Bauernhufen gaben je fünf Scheffel Roggen und fünf Scheffel Hafer an die Burg und Vogtei Trebbin. An Bede war ein Schock breite Groschen fällig. Jedes Haus, ausgenommen war davon der Lehnschulze und der Lehnmann, musste zudem ein Rauchhuhn abliefern. Der Schulze musste einen halben Schock Groschen bezahlen, der Lehnmann 13½ Groschen. Im Jahr 1403 wurde lapidar von dem „Dorf, zur Burg Trebbin gehörig“ ohne weitere Angaben berichtet, ebenso 1505 als „Dorf im Amt Trebbin“. 1561 wurde durch den Amtshauptmann aus Trebbin eine neue Schäferei von „17 Gebind“ in der Heide vor Neuendorf errichtet.

17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dreißigjährige Krieg scheint den Ort schwer getroffen zu haben, denn: Im Jahr 1624 gab es zwölf Hufner, drei Kossäten und einen Hirten. 1652 war der Hof des Lehnschulzen verweist und auch drei der Einhüfner lagen wüst. Ein Hof war dem Schäfer zur Nutzung gegeben worden, von einem anderen Hof stand noch ein Spieker, in dem der Leineweber wohnte. Alle drei Kossätenhöfe waren unbewohnt und unbewirtschaftet.

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst 1704 waren wieder alle Bauern- und Kossätenhöfe besetzt und bewirtschaftet. Es gab mittlerweile zehn Einhufner sowie drei Kossäten „mit kleinen Gärten und etwas Acker“ sowie den Hirten. 1719 wurde im Nutheknie gegenüber von Märtensmühle südwestlich des Ortskerns von Wiesenhagen ein Teerofen angelegt, später auch Hopfwinkel genannt. 1745 wird erstmals ein Krug und außerhalb des Dorfes eine Schmiede genannt, ebenso ein Hammelstall in der königlichen Heide. 1757 wurde ein Leineweber, ein Schneider, der zugleich Schulmeister war und vier Einlieger erwähnt. Hinzu kamen der Schulze, der nach wie vor zwei Hufen bewirtschaftete sowie elf Bauern mit je einem Hufen. 1771 hatte der Ort „15 Giebel“ (=Wohnhäuser); es gab den Hirten, dreieinhalb Paar Hausleute sowie die Gemarkung mit 13 Hufen, die jede acht Groschen Abgaben kostete.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiesenhagen („Neuendorf“) auf dem Urmesstischblatt von 1840

1801 existierten in Wiesenhagen 30 Feuerstellen (=Haushalte). Darunter sind nun 12 Büdner und 9 Einlieger sowie 12 Ganzbauern und drei Ganzkossäten. 1817 wurden erstmals das Forsthaus Lenzburg (später Alt-Lenzburg) sowie das Etablissement Pechhütte dokumentiert. 1840 lagen außerhalb des Dorfes der Hammelstall und die Etablissements Lenzburg und Pechhütte; in Wiesenhagen standen zu dieser Zeit 35 Wohnhäuser. 1858 wird letzteres Etablissement Hopfwinkel genannt. Es gab 15 Hofeigentümer mit 27 Knechten und Mägden, dazu kamen 15 nebengewerbliche Landwirte mit drei Knechten und Mägden sowie 17 Arbeiter. In Wiesenhagen gab es 31 Besitzungen. Eine war 501 Morgen groß, 14 weitere zwischen 30 und 300 Morgen (zusammen 3119 Morgen), zwei zwischen 5 und 30 Morgen (zusammen 22 Morgen) sowie 14 unter 5 Morgen (zusammen 31 Morgen). Im Ort hatten sich einige Gewerke niedergelassen, darunter ein Schneidermeister mit einem Gesellen sowie sechs Zimmergesellen. Außerdem gab es einen Beamten, einen Rentier (=Rentner) und zwei Arme. 1860 gab es ein öffentliches, 39 Wohn- und 68 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Getreidemühle im Ort.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltkriegsdenkmal
Forsthaus Alt Lenzburg

1900 war der Ort auf 73 Häuser angewachsen, 1931 standen 77 Wohnhäuser. Im Jahr 1929 wurden Teile des Gutsbezirks Lenzburger Forst mit den Forsthäusern Lenzburg und Birkhorst eingemeindet. Im Jahr 1932 bestand die Gemeinde Wiesenburg mit den Wohnplätzen Forsthäuser Birkhorst, Lenzburg und Trebbin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 19 ha vom Kummerdorfer Forst enteignet und aufgeteilt. Zehn Bauern erhielten maximal einen Hektar Land, zusammen acht Hektar. Acht weitere Bauern erhielten zwischen einem und fünf Hektar, zusammen elf Hektar. 1953 entstand die erste LPG vom Typ III, die 1956 mit 19 Mitgliedern 154 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftete. 1960 hatte die LPG 108 Mitglieder und 582 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. 1971 schlossen sich die LPG Lüdersdorf, Klein Schulzendorf und Wiesenhagen zusammen. Sitz der neuen LPG war in Klein Schulzendorf. Im Jahr 1973 bestanden im Ort die LPG sowie das Forsthaus Lenzburg der Oberförsterei Trebbin.

Bevölkerungsentwicklung von 1624 bis 1996[3][4]
Jahr Einwohner
1624 ca. 70–80
(12 Bauern, 3 Kossäten,
1 Hirte)
1734 102
1772 146
1801 189
1817 208
1840 247
1858 309
1895 361
1925 420
1939 373
1946 467
1964 338
1971 292
1981 257
1991 239
1996 262

Politische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuendorf, das spätere Wiesenhagen gehörte seit dem Mittelalter zur Burg und Vogtei Trebbin, die später Amt Trebbin genannt wurde. 1822 wurde das Amt Trebbin aufgelöst und mit dem Amt Zossen zusammengelegt. Das Amt Zossen wurde 1872 aufgelöst. Die Vogtei Trebbin wurde traditionell zum Teltow gerechnet, obwohl die Talsandinsel Trebbin durch Nuthe und Nuthegraben vom eigentlichen Teltow getrennt ist. Mit Ausbildung der Kreise im 16. Jahrhundert kam Trebbin (und damit auch Neuendorf/Wiesenhagen) zunächst zum Beritt Teltow, später Kreis Teltow. Mit der Kreisreform von 1952 wurde der alte Kreis Teltow aufgelöst, Trebbin und Wiesenhagen kam zum neuen Kreis Luckenwalde (1990 bis 1993: Landkreis Luckenwalde). Dieser wurde 1993 mit den Kreisen Jüterbog und Zossen zum neuen Landkreis Teltow-Fläming zusammengelegt. 1992 mit Beginn der Ämterverwaltung in Brandenburg schloss sich Wiesenhagen mit elf anderen kleinen Gemeinden und der Stadt Trebbin zum (neuen) Amt Trebbin zusammen[5]. Zum 31. Dezember 1997 schlossen sich die Gemeinden Glau, Kliestow, Wiesenhagen und die Stadt Trebbin zur neuen Stadt Trebbin zusammen[6]. Wiesenhagen ist seither ein Ortsteil der Stadt Trebbin. Das Amt Trebbin wurde 2003 aufgelöst, die Stadt amtsfrei[7].

Kirchliche Verhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiesenhagen hatte nie keine Kirche, sondern war immer eingepfarrt in Trebbin. Jede der ursprünglich 13 Hufen musste an den Trebbiner Pfarrer einen Scheffel Roggen geben, das sog. Scheffelkorn.[8]

Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Denkmalliste des Landes Brandenburg Landkreis Teltow-Fläming verzeichnet für Wiesenhagen kein Baudenkmal[9].

Bodendenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dagegen liegen sechs Bodendenkmale ganz oder teilweise auf der Gemarkung Wiesenhagen[9].

  • Nr. 130895 Im Grenzzwickel der Gemeinden Liebätz, Schöneweide und Wiesenhagen: ein Rast- und Werkplatz der Steinzeit
  • Nr. 131252 Schöneweide (Flur 9)/Wiesenhagen (Flur 5): ein Rast- und Werkplatz des Mesolithikum, eine Siedlung der Urgeschichte
  • Nr. 130166 Flur 1: der Dorfkern des Mittelalters und der Neuzeit
  • Nr. 131085 Flur 2: eine Siedlung der Urgeschichte
  • Nr. 131250 Flur 5: eine Siedlung der Urgeschichte
  • Nr. 131251 Flur 5: ein Rast- und Werkplatz des Mesolithikum

Naturdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfstraße

Eine Eiche auf dem Dorfanger ist wegen ihrer Ortsbild prägenden Schönheit als Naturdenkmal geschützt[10].

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lieselott Enders und Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV. Teltow. 395 S., Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1976
  • Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter und Dörfer in derselben als Fortsetzung des Landbuchs Kaiser Karl's IV. Band I. enthält: I. den Kreis Teltow, II. den Kreis Nieder-Barnim. Berlin, Guttentag, 1857 (Teil I: XVIII + 160 S., Teil II: XVIII + 144 S.)
  • Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch Teil 3 Die Ortsnamen des Teltow. 368 S., Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972.
  • Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Brandenburgische Landbücher Band 2. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (S. 102/3)
  • Wilhelm Spatz: Der Teltow. Teil T. 3., Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow. 384 S., Berlin, Rohde, 1912.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hauptsatzung der Stadt Trebbin vom 18. Februar 2009 (Memento des Originals vom 15. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/st-trebbin-v4.dakomani.de (PDF; 45 kB)
  2. Rundlinge und Slawen, Beiträge zur Rundlingsforschung, Hrsg.: Wolfgang Jürries, Lüchow, 2004, ISBN 3-9806364-0-2
  3. bis 1971 aus dem Historischen Ortslexikon (S. 18/9)
  4. ab 1981 aus dem Historischen Gemeindeverzeichnis: Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg für 1875 bis 2005. 19.14 Landkreis Teltow-Fläming PDF
  5. Bildung des Amtes Trebbin. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 13. Mai 1992. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 38, 15. Juni 1992, S. 744.
  6. Zusammenschluss der Gemeinden Glau, Kliestow, Wiesenhagen und der Stadt Trebbin (Amt Trebbin) zu einer neuen Stadt Trebbin. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 23. Dezember 1997. Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 9. Jahrgang, Nummer 2, 17. Januar 1998, S. 26.
  7. Viertes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming (4.GemGebRefGBbg) vom 24. März 2003
  8. Oskar Liebchen: Siedlunganfänge im Teltow und in der Ostzauche. Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 53: 211–247, Berlin 1941.
  9. a b Denkmalliste des Landes Brandenburg für den Landkreis Teltow-Fläming (Stand: 31. Dezember 2011) PDF (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bldam-brandenburg.de
  10. Landkreis Teltow-Fläming Naturdenkmale – Bäume PDF (Memento des Originals vom 14. Dezember 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.teltow-flaeming.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wiesenhagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien