Wiesethbruck

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Wiesethbruck
Markt Bechhofen
Koordinaten: 49° 9′ 33″ N, 10° 36′ 26″ O
Höhe: 421 m ü. NHN
Einwohner: 125 (31. Dez. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 91572
Vorwahl: 09822
Wiesethbruck, Luftaufnahme (2016)
Wiesethbruck, Luftaufnahme (2016)

Wiesethbruck ist ein Gemeindeteil des Marktes Bechhofen im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt etwa vier Kilometer östlich von Bechhofen. Von der Stadt Gunzenhausen ist es zwölf Kilometer entfernt. Die Wieseth teilt es in einen Nordteil, historisch Großwiesethbruck genannt, und einen Südteil, Kleinwiesethbruck genannt. Der Ort liegt in einer flachhügeligen Ebene bestehend aus Grünland mit vereinzeltem Baumbestand und Ackerland. Im Nordwesten wird die Flur Lämmerwasen genannt, im Südwesten Erl. 0,75 km nordöstlich liegt das Rügholz.

Die Kreisstraße AN 57 führt nach Voggendorf (1,1 km westlich) bzw. nach Arberg zur Staatsstraße 2222 (1,6 km südlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Mörlach zur Kreisstraße AN 55 (1,8 km nördlich) und zur Waffenmühle (1,2 km östlich).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1194 bis 1287 waren die Grafen von Truhendingen Lehnsherren des Ortes. Wie so mancher Ort im Wiesethgrund hatte später auch Wiesethbruck seinen eigenen Ortsadel. Auf einem von der Wieseth umflossenen Wasserschloss residierten um das Jahr 1300 „Ulrich von Wiesenbrugg“ und seine Söhne, die im ältesten eichstättischen Lehensbuch als die Lehensherrn genannt wurden. Das Kloster Heilsbronn erwarb 1194 dort einen Zehnten. 1287 kam ein Grundgefälle hinzu. 1406 verkaufte Hans Holzinger von Salach an das Kloster Güter. Bereits 1381 erfolgte ein Herrschaftswechsel. Niklas von Holzingen und seine Familie hatten gewisse Einkünfte in und um Arberg, die sie vom Bischof zu Lehen bekamen. 1455 erscheint Fritz von Halderstetten, genannt Stettner, als Besitzer von Wiesethbruck.

Wiesethbruck lag südlich der Wieseth im Fraischbezirk des ansbachischen Oberamtes Feuchtwangen und nördlich der Wieseth im Fraischbezirk des eichstättischen Kastenamts Arberg-Ornbau. 1732 bestand der Ort aus 18 Anwesen mit 22 Mannschaften. Außerdem gab es ein zu diesem Zeitpunkt ödes Schloss,[3] ein kommunal genutztes Hirtenhaus und die evangelische Kapelle St. Johannes. Grundherren waren das Kastenamt Arberg-Ornbau (1 Mahlmühle, 1 Hof mit doppelter Mannschaft, 3 Höfe, 2 Gütlein) und das Rittergut Wiesethbruck der Schenken zu Geyern (1 Hof mit doppelter Mannschaft, 1 Gut mit Backrecht, 1 Gut mit Wirtschaft, 1 Gut mit Schmiede, 2 Güter mit doppelter Mannschaft, 2 Güter, 3 Söldenhäuslein).[4] An diesen Verhältnissen änderte sich bis zum Ende des Alten Reiches nichts.[5][6] Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Feuchtwangen.

1806 kam Wiesethbruck an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Wiesethbruck dem Steuerdistrikt Bechhofen zugeordnet. Wenig später entstand die Ruralgemeinde Wiesethbruck, zu der Voggendorf und Waffenmühle gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herrieden zugeordnet.[7] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 5,424 km².[8]

Im Jahre 1897 wurde die Freiwillige Feuerwehr Wiesethbruck gegründet.

Im Zuge der Gebietsreform wurde Wiesethbruck am 1. Oktober 1971 mit Ausnahme der Waffenmühle, die Arberg zugeordnet wurde, nach Bechhofen eingemeindet.[9]

Im Jahre 1989 wurde das alte Gemeindehaus abgerissen und an gleicher Stelle ein Feuerwehrhaus mit Schlauchtrockenturm errichtet. Im Zuge der Flurbereinigung wurde ein Bolzplatz für die Jugend geschaffen und der Dorfplatz neu gestaltet. Seit 1997 wird jeweils am zweiten Augustwochenende die Kerwa gefeiert. 2009/10 wurde die Brücke über die Wieseth erneuert, wobei die alten Gründungen und Lager erhalten blieben. Die Einweihung erfolgte vor dem alljährlichen ökumenischen Freiluftgottesdienst am 25. Juli 2010.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Haus Nr. 14: bemalte steinerne Relieffigur des "Schenken von Geiern", neuzeitlich volkstümlich; an zugehöriger Scheune
  • Haus Nr. 41: Mühle, Mühl- und Wohngebäude, zweigeschossiger massiver Satteldachbau, mit getrepptem Volutengiebel, Ecklisenen und Putzgliederung, 17./18. Jahrhundert
  • Kath. Dreifaltigkeitskapelle, kleiner massiver Satteldachbau, mit einfacher Putzgliederung, bezeichnet 1746 mit Ausstattung. Von dem nach Budapest ausgewanderten Anton Christ gestiftet.
  • Langwasen: Wegkapelle, Reiserkapelle, kleiner massiver Satteldachbau, mit Putzgliederung, 1754 mit Ausstattung. von Anton Christ gestiftet.
  • Heckäcker: Kriegerdenkmal 1914/18, mit steinernem Kruzifix; an der Straße nach Mörlach, bei der Abzweigung Taugenroth
  • Erlfeld: Wegkreuz, Gusseisenkruzifixus auf Sandsteinsockel, Mitte 19. Jahrhundert; am Weg nach Röttenbach
  • Heckäcker: Wegkreuz, Gusseisenkruzifixus auf Sandsteinsockel, Mitte 19. Jahrhundert; an der Straße nach Voggendorf
  • Kr AN 57: Wegkreuz, Gusseisenkruzifixus auf Sandsteinsockel, Ende 19. Jahrhundert; an der Straße nach Arberg

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Wiesethbruck

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 278 296 311 283 315 330 294 313 326 326 314 316 339 334 346 324 354 367 344 489 1229 898 352 366
Häuser[10] 54 52 62 67 72 73 74 76
Quelle [11] [12] [13] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [13] [13] [20] [13] [13] [13] [21] [13] [13] [13] [22] [13] [8] [23]

Ort Wiesethbruck

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002001 002011 002017
Einwohner 132 165 172 160 164 182 185 993 176 172 164 152 137 125
Häuser[10] 27 27 34 36 37 38 36 38
Quelle [11] [12] [14] [16] [19] [20] [21] [22] [8] [23] [24] [25] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Blasius (Arberg) gepfarrt, die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession nach St. Johannis (Bechhofen).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wiesethbruck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Halbjahresstatistik 31.12.2017.pdf auf der Website markt-bechhofen.de
  2. Wiesethbruck im BayernAtlas. Sämtliche Entfernungsangaben jeweils Luftlinie.
  3. Im Jahre 1716 gab Albrecht Schenk von Geyern einem Zimmerermeister aus Ornbau den Auftrag, das Schloss in Wiesethbruck zu renovieren, was jedoch nicht erfolgte. 1729 wurde der einstige Sitz des Amtsvogtes für 4000 rheinische Gulden und 100 Spezialdukaten verkauft, nachdem Wiesethbruck inzwischen ein Lehen der Markgrafen von Ansbach geworden war.
  4. Nach der Vetterischen Beschreibung des Oberamtes Feuchtwangen von 1732 (s. a. Wiesethbruck (Grundherrschaft) auf der Website geschichte-feuchtwangen.de). Dort finden sich keine Angaben von geteilter Fraisch.
  5. Johann Bernhard Fischer: Wiesenbruk. In: Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs, oder des Fürstentums Brandenburg-Anspach. Zweyter Theil. Enthaltend den ökonomischen, statistischen und sittlichen Zustand dieser Lande nach den funfzehen Oberämtern. Benedict Friedrich Haueisen, Ansbach 1790, S. 195 (Digitalisat).
    Dort finden sich keine Angaben von geteilter Fraisch.
  6. J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 6, Sp. 219.
  7. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 46 (Digitalisat).
  8. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 780 (Digitalisat).
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 461.
  10. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 103 (Digitalisat). Für die Gemeinde Wiesethbruck zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Voggendorf (S. 98) und Waffenmühle (S. 98).
  12. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 162 (Digitalisat).
  13. a b c d e f g h i j k Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 171, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  14. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1026, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  15. Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 161 (Digitalisat).
  16. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1192, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  17. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, S. 63 (Digitalisat).
  18. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, S. 181 (Digitalisat).
  19. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1122 (Digitalisat).
  20. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1190 (Digitalisat).
  21. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1228 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1060 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 168 (Digitalisat). Waffenmühle auf S. 167.
  24. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 324 (Digitalisat).
  25. Arbeitskreis Buch des Marktes Bechhofen (Hrsg.): Bechhofen. 650 Jahre Marktrecht. Bechhofen 2001, S. 192.