Wikingerzeit auf Orkney

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Die Wikingerzeit auf Orkney begann etwa 780 n. Chr. und damit vor dem Überfall auf Lindisfarne. Obwohl es keinen Zweifel am letztlichen Umfang der skandinavischen Besiedlung gibt, sind die genauen Umstände der Ankunft und Übernahme der Orkney durch die Wikinger umstritten, da die Quellenlage schlecht ist.

Die Besiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bereits 742 erfolgter Angriff auf Burghead Fort im Land der Pikten ist als erster nachgewiesen. Als die nächsten Wikingerüberfälle auf die Britischen Inseln erfolgten (787 Dorset, 793 Lindisfarne beide in England, 795 Lambay Island Irland), scheinen die Skandinavier auf Orkney bereits Stützpunkte unterhalten zu haben. Die strategische Lage zwischen Norwegen und den Zielgebieten machten sie über Jahrhunderte zur Basis für Überfälle vor allem in Irland, Schottland und Wales. Der Status der ersten orkadischen Siedlungen (eventuell nur Winterlager) ist unklar. Obwohl die frühen Kontakte bestanden, wird angenommen, dass die Skandinavier erst im 9. Jahrhundert in größerer Zahl auf die Orkney und in andere Regionen der Britischen Inseln gingen.

Ruine der Rundkirche von Orphir beim Orkneyinga Saga-Zentrum

Die Jahrhunderte nach der Übernahme der Orkney niedergeschriebenen isländischen Sagas geben dem norwegischen König Harald Schönhaar (etwa 853–933) die Schuld am Exodus. Auch wenn politischer Druck die Auswanderung beförderte, lag der Zeitraum der ersten Überfälle (die vermutlich aus einer wirtschaftlichen Notlage entstanden) etwa ein Jahrhundert vor seiner Zeit. Übervölkerung war nur einer der Faktoren, die zur Expansion in den Nordatlantik führten. Die Landnahmen in Ostengland und der Normandie erfolgten wenig später. Die nordgermanische Südwanderung (Goten, Kimbern etc.) und die angelsächsische Eroberung Englands gehen dieser Landnahme voraus. Als Ergebnis der klimatischen Verhältnisse in Skandinavien gab es zumindest seit der Zeitenwende Migrationswellen, die angesichts der inzwischen vorliegenden nautischen Fähigkeiten der Wikinger über die See nach Osten und Westen führten. Die Siedler auf Orkney kamen vor allem von der norwegischen Westküste.

Das Jarltum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orkneyinga saga ist in der Auslegung der Gründung der Grafschaft Orkney klar. Der norwegische König Harald Harfagri (Schönhaar) (852–933) segelte nach Westen, um Wikinger, die Norwegen überfallen und auf Orkney ihre Basis hatten, zu stellen. Als Ergebnis dieses Heerzuges erhält "Rognvald, Jarl von More", von Harald die neu gegründete Grafschaft Orkney als Entschädigung für den Verlust seines Sohnes Ivar. Rognvald übergab aber etwa 880 n. Chr. die Grafschaft seinem Bruder Sigurd Eysteinsson (Sigurd der Mächtige gest. 892). Seine Nachfolge tritt Turf-Einarr („Torf“-Einar), der uneheliche Sohn von Rognvald von More, an. Torf-Einar erhielt den Jarlstitel, nachdem zwei seiner Brüder an der Aufgabe, das Jarltum zu führen, gescheitert waren und die Jarlswürde formell ablegten. Er verbesserte die Existenzbedingungen auf den Inseln. Torf-Einar importierte aus der Gegend um den Moray Firth den ersten Torf und die Technik der Torfgewinnung. Ohne diesen Fortschritt wäre eine Besiedlung durch größere Einwanderergruppen schwer möglich gewesen, da der Archipel kaum über Brennholz verfügte. Gleichzeitig übernahm Torf-Einar die Steuerlast für die ersten Siedler, die er so von seinem Wohlwollen abhängig machte. Diese mindestens 300 Jahre nach den Ereignissen niedergeschriebene Saga ist die einzige, jedoch zweifelhafte Quelle.

Innerhalb weniger Generationen wurden die Orkney dann eine Grafschaft der Nordmänner, von der aus Jarls wie Thorfinn Einarsson, genannt „Hausakljufer“ („Thorfinn der Schädelspalter“), die Shetlands, die Hebriden, die Isle of Man und Teile des nordwestlichen Schottland kontrollierten. Mit dem angeblich 995 von Olav I. Tryggvason getauften Sigurður Hlöðvisson (Sigurd der Dicke), der 1014 in der Schlacht von Clontarf fiel, heirateten die Jarls der Orkney ins schottische Königshaus ein.

Die Nordländer dominierten die Inseln. Ihre Sprache, das Altnordische, setzte sich anstelle der einheimischen Sprache der Pikten durch und ihre Ortsnamen ersetzten die älteren. Das Verhältnis zwischen Skandinaviern und den Pikten ist umstritten. Es gibt die Friedenstheorie der Archäologin Anna Ritchie, die aus Funden wie dem Gräberfeld von Westness auf ein friedliches Nebeneinander von Wikingern und Pikten schloss, und die Genozidtheorie von Brian Smith, der aus dem Verlust aller piktischer Ortsnamen die gewaltsame Unterdrückung der piktischen Bevölkerung und Kultur folgert.[1] Im Jahre 839 wurde der letzte überlieferte Piktenkönig Uuen (auf dem Festland) von Wikingern getötet. Während der Herrschaft der Wikinger über die Inseln kam es 843 n. Chr. zur Vereinigung der Pikten und Skoten unter Kenneth MacAlpin, die aber ein Jahrhundert kaum Einfluss auf die Orkney hatte.

Das Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die männliche Nachkommenlinie der Wikinger-Jarle erlosch mit dem Tod des Orkneyjarls Jon Haraldsson, der 1231 in Thurso ermordet wurde. Die Orkneys fielen nach ihm für 90 Jahre über eine weibliche Nachkommenlinie unter die Herrschaft einer Dynastie, die von den schottischen Earls of Angus abstammte, dann ebenfalls über eine weibliche Nachkommenlinie an die schottische Familie Sinclair. Als 1469 König Christian I. von Dänemark, Norwegen und Schweden seine Tochter Margarethe an König Jakob III. von Schottland verheiratete, erhielt diese Orkney und Shetland als Mitgift, wodurch diese Territorien 1470 an die schottische Krondomäne fielen und das norwegische Jarltum von Orkney erlosch. Bis 1470 war Orkney ein Teil Norwegens, dessen Kultur, Sprache und Lebensweise zu dieser Zeit denen einer nordischen Grafschaft entsprachen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria-Claudia Tomany: Destination Viking und Orkneyinga saga. Probleme der Geschichtsschreibung und regionalen Identität in Orkney. Utz, München 2007, ISBN 978-3-8316-0417-3, S. 74 f. sowie insbesondere die Darstellung des Streites bei William P. L. Thomson: The New History of Orkney. 2001, S. 43–49.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William P. L. Thomson: The New History of Orkney. Mercat Press, Edinburgh 2001, ISBN 1-84183-022-4.
  • Brian Smith: The Picts and the Martyrs or Did Vikings kill the native population of Orkney and Shetland. In: Northern Studies. Bd. 36, 2001, ISSN 0305-506X, S. 7–32.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]