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Stadtarchiv Ulm
[Quelltext bearbeiten]Grußwort
[Quelltext bearbeiten]von Dr. Antje Diener-Staeckling, Stadt Ulm / Haus der Stadtgeschichte – Stadtarchiv (AR), Abteilungsleitung, zum 25. Geburtstag von Wikipedia
„ Liebe WIKIPEDIA!
25 Jahre freie Enzyklopädie – dazu möchten wir, das Stadtarchiv Ulm, herzlich gratulieren! Seit einem Vierteljahrhundert öffnet ihr Wissen für alle, über Grenzen, Generationen und Sprachen hinweg. Dass historische Überlieferung heute global sichtbar, auffindbar und zitierfähig ist, verdanken wir auch eurer Community und eurem unermüdlichen Engagement für freie Inhalte.
Zu diesem Jubiläum freuen wir uns, euch einige ganz besondere Geschenke überreichen zu dürfen: Archivalien aus acht Jahrhunderten Ulmer Geschichte – alle als Digitalisate und unter CC-BY-Lizenz frei zugänglich. Es ist uns ein Anliegen, dass diese Quellen nicht nur im Lesesaal liegen, sondern dort, wo Menschen nach Wissen suchen: in WIKIPEDIA.
Dabei sind zahlreiche Highlights, die Vergangenheit lebendig machen, u.a.:
Der Große Schwörbrief – das politische Herzstück der Ulmer Verfassungsgeschichte und Grundlage des Schwörmontags.
Und natürlich: Dokumente zu Albert Einstein, dessen Geburtseintrag und Briefe weit über Ulm hinaus wirken.
Abstimmungslisten zur Wahl der Konfession in der Reichsstadt Ulm in der Reformationszeit, die zeigen, wie tiefgreifend religiöse Veränderungen in den Alltag eingriffen und welche politische Bedeutung die Konfession damals für den einzelnen, aber auch für die Stadt Ulm hatte, die dem Kaiser unterstand.
Die historische Karte des Ulmer Territoriums – ein Blick auf Macht, Einfluss und Grenzen.
Die Entstehungsgeschichte der Friedrichsau – von der Stiftung über Pläne und Ansichten bis zum Schießhaus als geselligem Mittelpunkt.
Der Schlumberger-Plan zur Stadtentwicklung im 19. Jahrhundert, ein Meilenstein moderner Urbanität.
Das Herbarium des Hieronymus Harder, früher Beleg der botanischen Welt, heute ein digitales Fenster in die Naturgeschichte.
Originalquellen zur napoleonischen Zeit – bis zur Kapitulation Ulms 1805.
Brücken, Theaterzettel, Straßenbahnen und Schachteln – Zeugnisse einer Stadt, die sich stetig wandelt.
All diese Quellen gehören jetzt – dank WIKIPEDIA – nicht nur uns, sondern allen. Sie können geteilt, weitergegeben, zitiert, diskutiert und neu erzählt werden. Das ist im besten Sinne öffentliche Geschichte.
Wir danken Euch für 25 Jahre gelebtes Wissen – barrierefrei, offen, kollaborativ. Auf die nächsten 25 – mit noch mehr Neugier, Vielfalt und freien Archiven!
Mit herzlichen Grüßen“
Geschenke
[Quelltext bearbeiten]| Albert Einstein, Brief
Brief an die Ulmer Abendpost, 18. März 1929. „Die Stadt der Geburt hängt dem Leben als etwas ebenso Einzigartiges an wie die Herkunft von der leiblichen Mutter. Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens. So gedenke ich Ulm in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet.“ (Stadt A Ulm, J 1 Autografen, Neue Ordnung, Einstein, Albert, Nr. 2) | |
| Schwörfeier auf dem Weinhof
Originalgemälde (Gouache) auf Pergament von Jonas Arnold (um 1650). Das Schwörhaus brannte 1785 und wurde verändert wieder aufgebaut. Dargestellt sind hier das Schwörhaus mit dem Schwörakt und die umgebenden Gebäude auf dem Weinhof (StadtA Ulm, F 3/1 Ansicht 0639) | |
| Schlumberger-Plan von 1808
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| Stiftungsbuch-des Funden- und Waisenhauses, 1662
Im November 1662 beförderte „Ein Erbare Gesellschafft der SchiffLeute“ einen kaiserlichen Gesandten mit sieben großen Schiffen nach Wien. Damit die Fahrt gut verliefe, hatten ihre Frauen zuvor einen Kreuzer und zwei Wecken an die armen Waisen verteilt und dasselbe für künftige Fahrten versprochen. Unterschrieben haben Angehörige der Schiffer- und Fischerzunft; es tauchen die Namen der alteingesessenen Familien wie Scheiffele, Käßbohrer, Rueß und Held auf. (StadtA Ulm, A [7193/1]) | |
| Siegel der Reichsstadt mit Reichsadler und Umschrift „Sigillum universitatis civium in Ulma“ am Großen Schwörbrief von 1397.
Die Verfassung der Reichsstadt ist hervorgegangen aus dem innerstädtischen Ringen um die Macht zwischen Zünften und Patriziern und dokumentiert in den Schwörbriefen von 1345, 1397 und 1558. Darin werden grundgesetzartig u. a. die Wahl und Zusammensetzung des Rates und damit die Machtverteilung festgehalten. Im Kleinen und Großen Schwörbrief haben die Zünfte die Mehrheit, im Schwörbrief von 1558 die Patrizier. Geregelt wird im Großen Schwörbrief die Zusammensetzung von Großem Rat (30 Zünftige - 10 Patrizier) und Kleinem Rat (17 -14), ohne weitere Aussagen über die Kompetenzen der beiden Gremien festzulegen. Aktives Wahlrecht hatten nur die Vollbürger der damals 17 städtischen Zünfte, nicht mehr die Patrizier. Sie wählten ihre Vertreter im Kleinen Rat (17 Zunftmeister) und im Großen Rat (30 Zunftmitglieder). Die 47 Zunfträte wählten dann die Ratsherren des Patriziats und den Bürgermeister, der aber in der ganzen Reichsstadtzeit dem Patriziat entstammte. In der Erinnerungskultur der Stadt ist bis heute der Schwur des reichsstädtischen Bürgermeisters aus den Schwörbriefen von 1345 und 1397 bei der Feier des alljährlichen Schwörmontags präsent: „Ain gemainer man ze sind rychen und armen uff alliu gelichiu, gemainiu und redlichiu ding, ane alle geverde“. In heutiger Übersetzung: „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in den gleichen gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt". (StadtA Ulm, A Urk. - 0817) |
Mehr Geschenke des Stadtarchivs Ulm könnt ihr hier finden.