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Wikipedia:WikiMUC/2025-03-09/Wolfgang Fischer - Bilder eines Lebens

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Wolfgang Fischer - Bilder eines Lebens

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Die Ausstellung

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Eröffnung der Ausstellung war am 31. März 2025. Seit dem 20. September ist nun der zweite Teil zu sehen.

Der Münchner Journalist Wolfgang Fischer hinterließ ein kleines Archiv mit seinen Fotografien aus den 1960er und 1970er Jahren. Diese werden nach und nach digitalisiert und von seinem Sohn J. Patrick Fischer Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt.

Die Bilder zeigen verschiedene Arbeiten:

Stierkampf in Portugal
Der Stierkampf

Fischer nahm an einem Fotowettbewerb von Opel mit einer ungewöhnlichen Idee teil. In Lissabon ließ er einen Opel in eine Stierkampfarena fahren lassen und fotografiert, wie der Stier das Auto attackiert. Opel war von der Aktion nicht so begeistert. Bei dem Wagen handelte es sich um einen Prototyp und die handgemachte Karosserie hatte einige Dellen abbekommen. So erhielt das Foto nur den 2. Preis und verschwand vermutlich bei der Werbeabteilung in einer Schublade. Interessanterweise verwendete ein französischer Autobauer in den 1990er Jahren eine Grafik mit einer ähnlichen Szene als Werbung für den Seitenaufprallschutz in seinem Fahrzeug. An dem Tag schoss Fischer auch Bilder vom damaligen, portugiesischen Stierkampf (Corrida de Touros) und versuchte sich auch selbst als Torero.

Die Flucht von Günther Petersen (1964)

Für die Quick dokumentierte Fischer die Republikflucht von Günther Petersen 1964. Petersen sollte ursprünglich von einem Passagierdampfer der DDR am Bosporus über Bord springen und in ein auf ihn wartendes Motorboot klettern. Der erste Versuch scheiterte aber, da Wachpersonal in der Meerenge die Passagiere von der Reling fernhielt. Beim zweiten Versuch in der Ostsee vor Dänemark warteten der Bruder Alfred Petersen, Fischer und der Bootsführer Hanns Hubmann in der Ostsee bei Windstärke 6 bis 7 auf den Dampfer Völkerfreundschaft. Hier gelang es Günther Petersen ins Wasser zu springen. Mit einem Rettungsring und einer Leine zog sein Bruder ihn auf das Boot und man fuhr mit Höchstgeschwindigkeit nach Travemünde, um nicht in die Hände der DDR-Volksmarine zu geraten. Die Reportage wurde nicht nur in der Quick abgedruckt, auch im Ausland wurde über diese spektakuläre Flucht berichtet.

Ein Geschichtenerzähler in Marokko (1963)
Glamour

Auch verschiedene Prominente fotografierte Fischer. So zum Beispiel Arthur Miller (hier im Portrait). Ein Schnappschuss der kamerascheuen Soraya gelang 1962 im Kerzenschein bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Divonne. Königin Elisabeth II. besuchte 1965 bei ihrem ersten Staatsbesuch in Deutschland auch Schwäbisch Hall. Hier stieg Fischer auf den Kirchturm um eine gute Kameraposition zu erhalten. Das Objektiv hatte eine Brennweite von einem Meter.

Und ewig lockt…

Auch Frauen gehörten zu Fischers Motiven. Modells, Prominente, Frauen in Alltagssituationen. In den Zeiten der sexuellen Befreiung zeigten sich die Frauen selbstbewusster und doch auch sinnlich. Oswalt Kolle machte sich einen Namen als der Aufklärer der Nation. In einigen Büchern von ihm finden sich auch Aufnahmen von Fischer, so die Frau mit der Zigarette und dem… nun ja,... deutlich an ihr interessierten Herrn im Hintergrund.

Marokko

1963 reiste Fischer mit zwei Modells für Bademodeaufnahmen nach Marokko. Dort entstanden auch eine Reihe von Bildern von Land und Leuten, so in Marrakesch und in Chefchaouen. Das Bild vom kleinen Jungen mit einem der Modells wirkt das Aufeinandertreffen zweier Welten.

Chichén Itzá (1965)
Mexiko

Als die Lufthansa 1965 die Strecke Frankfurt – Mexiko-Stadt eröffnete, bot Fischer an, für einen kostenlosen Hin- und Rückflug Werbefotos für die Fluggesellschaft zu machen. Er reiste mehrere Wochen durch das Land. In Acapulco traf er Amerikaner aus dem Jest Set, die hier am Pool das Leben genossen, auf dem Land hart arbeitende Frauen und in den Katakomben von Maexiko-Stadt alte Mumien. Pilger, die damals die Kathedrale von Mexiko-Stadt besuchten, rutschten den gesamten Vorplatz bis in die Kirche auf ihren Knien, wo sie vor einem Marienbildnis beteten. Heute ist dieser Brauch durch die Regierung untersagt. Die Hinterlassenschaften der Azteken und Maya in Teotihuacán und Chichén Itzá gehörten ebenfalls zu Fischers Fotomotiven, ebenso wie die vielen Kinder, die teils bereits schwere Arbeiten verrichten mussten.

Das Mädchen aus den Abruzzen

Kann man ein einfaches italienisches Bauernmädchen zu einer edlen Dame machen? Fischer und ein Kollege machten die Probe aufs Exempel. Sie heuerten ein junges Mädchen in den Abruzzen an und begleiteten ihre Verwandlung auf Verlagskosten mit der Kamera. Bei der Frieseurin, die die langen Haare abschnitt, war sie noch etwas skeptisch, zeigte sich abe mit der Zeit als freche, junge Dame, die sich den Schneid nicht abkaufen ließ. Nach Einkleidung (unter anderem aus einer großen Auswahl von Schuhen) und passendem Make Up bewegte sie sich in Rom im Luxushotel, als hätte sie nie woanders gelebt.

Wolfgang Fischer (* 1919 in Langenreihe, Ostpreußen; † 2012 in Markt Schwaben, Bayern) absolvierte zunächst in Leipzig eine Buchdruckerlehre. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war er als Wehrpflichtiger bereits am Polenfeldzug beteiligt. Später kämpfte er in Frankreich, Russland, Griechenland und Jugoslawien. Am letzten Kriegstag gelang ihm die Flucht vor der Roten Armee in das einzige Kriegsgefangenlager der Amerikaner in der Tschechoslowakei, sodass er wenige Wochen später bereits nach Hause zurückkehren konnte. Der Krieg, in dem 29 % der Männer seiner Generation ums Leben kamen, prägte ihn sein ganzes Leben.

In der Sowjetischen Besatzungszone arbeitete er zunächst als Holzfäller und in einer Kürschnerei, bevor er in Halle eine Anstellung als Laborhelfer in einem Fotoatelier erhielt. Er hatte bereits mit 14 Jahren das Fotografieren begonnen und auch viele Bilder im Krieg gemacht. Er begann als Fotoreporter zu arbeiten. Schon bald geriet er in Konflikt mit dem kommunistischen Regime und floh bereits ein Jahr später 1949 über Berlin nach Westdeutschland.

Hier arbeitete er für die Schwäbische Illustrierte, Neue Zeitung, Revue und diverse andere Publikationen. Seinen Durchbruch als namhafter Journalist hatte er bei der Quick, bei der er von 1950 in Stuttgart und ab 1961 in München arbeitete. Er führte Interviews, recherchierte und verfasste Reportagen. Von 1967 bis 1972 war er bei der Illustrierten Jasmin, danach beim Fachmagazin „Die Infusionstherapie“. Es folgten vier Jahre in Hamburg als stellvertretender Chefredakteur bei der Geschichtsmagazin Das Dritte Reich vom John Jahr Verlag. Nach zwei Jahren als freier Autor mit zahlreichen Serien (meist zu zeitgeschichtlichen Themen) in Bild am Sonntag und Welt am Sonntag kehrte er 1979 nach München zurück. Bei Burda wurde er stellvertretender Chefredakteur der Aufbauredaktion von Ambiente, Redakteur für besondere Aufgaben bei Das Haus und stellvertretender Chefredakteur bei der Entwicklung der deutschen Ausgabe der Architectural Digest.

Nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand 1986 verfasste Fischer eine Autobiographie zu seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg, die 1989 veröffentlicht wurde. Er arbeitete danach noch bis 1991 als Lektor und Ghostwriter für Langen Müller Ullstein.

Commons: Fotos von Wolfgang Fischer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien