Wildbiologie und Jagdwirtschaft

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Wildbiologie beschäftigt sich primär mit der Biologie und Ökologie von Wildtieren und deren Lebensräumen. Im Gegensatz zur Wildökologie fokussiert sich die Wildbiologie mehr auf die Biologie der einzelnen Arten. Zum Erkenntnisobjekt der Wildbiologie gehören diejenigen Arten, welche einer spezifischen Interaktion mit dem Menschen unterliegen. Sie beschäftigt sich vor allem mit Arten, welche entweder der menschlichen Nutzung unterliegen oder welchen sich der Mensch anderweitig, etwa durch seine besondere Verantwortung im Rahmen des Artenschutzes, verbunden fühlt. Aus diesem Grunde befasst sich die Wildökologie vornehmlich, aber nicht ausschließlich mit Wirbeltieren. Sie beschränkt sich als Wissenschaftsdisziplin auch nicht auf die enge Auswahl an Arten, welche in Deutschland etwa das Bundesjagdgesetz als „Wild“ (englisch: „game“) definiert. Der Begriff „Wild“ wird allerdings im deutschen Sprachraum meist deutlich enger gefasst als im angelsächsischen, wo „wildlife“ oftmals auch die freilebenden Pflanzen mit einschließt. Wildbiologie und Wildökologie bedienen sich naturwissenschaftlicher, genauer gesagt biologischer und ökologischer Methodik.

Jagdwissenschaft und Jagdwirtschaft befassen sich demgegenüber primär mit dem Menschen als Jäger, sind also ein Teil der Human- und der Geisteswissenschaften.

Die Wildbiologie geht damit deutlich über die allgemeine oder spezielle Zoologie als Teilgebiet der Biologie hinaus.[1]

In Deutschland befasst sich die Wildbiologie aktuell vor allem mit jenen Säugetieren und Vögeln, die im Fokus verschiedener Interessensgruppen stehen (Jagd, Fischerei, Naturschutz, Tourismus, Land-, Forst-, und Wasserwirtschaft, Raumplanung etc.). Dies betrifft auch, aber keineswegs ausschließlich jagdbares Wild[2], gefährdete und geschützte Tierarten, „Neubürger“ oder (Wieder-)Einwanderer sowie Wildtiere mit hohem, gesellschaftspolitischem Konfliktpotential. Neben der Grundlagenforschung zu Habitatwahl, Nahrungsökologie oder Populationsdynamik stehen auch praxisbezogene und anwendungsorientierte Aspekte im Vordergrund (z. B. Monitoringkonzepte, Managementpläne, nachhaltige Bejagung, Wildschadensvorbeugung).

Bekannte deutsche Wildbiologen und Jagdkundler sind Fritz Nüßlein, Antal Festetics, Erhard Ueckermann, Wolfgang Schröder, Reinhold R. Hofmann und Sven Herzog und Michael Petrak.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Gossow: Wildökologie - Begriffe, Methoden, Ergebnisse, Konsequenzen. Reprint der zuletzt im BLV erschienenen Auflage, Verlag Kessel, Remagen 1999, ISBN 3935638035
  • F. Müller, D. G. Müller (Hrsg.): Wildbiologische Informationen für den Jäger
  • Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon, Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haseder S. 893
  2. definiert im Bundesjagdgesetz § 2