Naturpark Wildeshauser Geest

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Naturpark Wildeshauser Geest in Deutschland

Wildeshauser Geest ist der Name eines Naturparks im westlichen Niedersachsen, der im Wesentlichen im Landkreis Oldenburg, teilweise aber auch in den Kreisen Cloppenburg, Vechta und Diepholz liegt.

Begriff Geest[Bearbeiten]

Der Begriff „Geest“ ist eine Substantivierung des niederdeutschen Adjektivs güst, das trocken und unfruchtbar bedeutet. Es ist eine Altmoränenlandschaft, geprägt von den sandigen Ablagerungen der Eiszeit. In den Niederungen dazwischen gibt es Feuchtwiesen, bei schlechtem Abfluss Moore.

Lage der Wildeshauser Geest[Bearbeiten]

Naturpark Wildeshauser Geest im regionalen Zusammenhang
Heide bei Großenkneten
Hunte bei Dötlingen
Zwischen Bassum und Nordwohlde
Östlicher Geestrand bei Süstedt

Das Gebiet der Wildeshauser Geest liegt im Norddeutschen Tiefland. Es erstreckt sich überwiegend über die Ems-Hunte-Geest, eine Naturräumliche Einheit dritter Ordnung, vor allem über die Untereinheit Delmenhorster Geest[1], daneben aber auch über den östlichen Teil der Cloppenburger Geest[2] und über den nordwestlichen Teil der Syker Geest[3]. In den Nordwesten der Wildeshauser Geest wird der östlichste Abschnitt der Hunte-Leda-Moorniederung einbezogen, die zur Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest gerechnet wird.[4]

Nördlich grenzen an den Naturpark Wildeshauser Geest die Marschen von Hunte und Weser (von denen ein Abschnitt ganz im Süden noch zum Naturpark Wildeshauser Geest gehört), südlich ein bis nahe ans Wiehengebirge reichender Moorgürtel mit Großem Moor, Wietingsmoor und Sulinger Moor [5], die der Dümmer-Geestniederung zugerechnet werden. Im Nordwesten geht die Landschaft des Naturparks Wildeshauser Geest ebenfalls in großflächige Moorgebiete, und zwar der Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest über. Die Geesthochflächen im Naturpark liegen überwiegend 50 bis 60 m ü. NN, im nicht mit zum Naturpark gehörenden Südosten in der Nähe von Nienburg sogar bis zu 80 m. Der eindrucksvolle östliche Geestrand erhebt sich zwischen Hoya und Syke etwa 40 m über der Weserniederung, westlich von Syke sind es noch 20 bis 30 m. Am Südrand gibt es hier und da einen Höhenunterschied von 20 m, oft gar keinen.

Die größeren Gewässer des Naturparks fließen von Süden nach Norden. Neben der aus dem Wiehengebirge kommenden Hunte sind das vor allem die in der Delmenhorster Geest entspringenden Delme, Klosterbach und Hache. Die Täler dieser Flüsschen geben der Landschaft eine charakteristische Gliederung und Welligkeit. Am Nordrand der Geest zwischen Ganderkesee und Barrien knicken sie nach Osten ab. Kleinere Bäche der Syker Geest sammeln sich in nordwärts fließenden Niederungsgewässern wie dem Süstedter Bach.

Im Zentrum des Parks liegen Wildeshausen, die Hauptstadt des Landkreises Oldenburg, und Harpstedt.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Die heutige Flächennutzung ist ein Mosaik aus Wäldern, Ackerland und Grünland, das z.T. von Wallhecken gegliedert ist. Der Wald ist teils Mischwald, teils Nadelwald. Der Waldanteil ist am höchsten in dem Dreieck WardenburgTwistringenSyke, das auch Wildeshausen und Harpstedt einschließt.

Geschichte des Naturparks[Bearbeiten]

Der Naturpark Wildeshauser Geest wurde 1984 ausgewiesen und 1993 erweitert, sodass er jetzt nahezu vollständig die Delmenhorster Geest umfasst. Seine Fläche beträgt ca. 1.532 km² mit einer Ost-West-Ausdehnung von rund 50 km. Er gehört zu den größten in Deutschland. 4 % der Fläche des Naturparks sind Naturschutzgebiete und 50 % Landschaftsschutzgebiete. Auf 20 % der Fläche finden sich Wälder.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten]

Besonders eindrucksvoll sind die vorgeschichtlichen Zeugnisse, zahlreiche Megalithanlagen (Hünengräber) und Grabhügel, die größtenteils Stationen der Straße der Megalithkultur bilden. Die bekanntesten sind die Anlagen:

Im frühen Mittelalter wurden die beiden Burganlagen Arkeburg (Gemeinde Goldenstedt) und Hünenburg (Gemeinde Twistringen) errichtet. Von der Arkeburg ist heute noch der Ringwall erhalten.[6] Die Hüneburg wurde teilrekonstruiert; nachgebaut wurden die Toranlage sowie ein Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Burg.[7]

Zu den wichtigsten historischen Gebäuden aus Mittelalter und früher Neuzeit zählen die Stiftskirche in Bassum, die Klosterruine in Hude, das gotische Rathaus und die Alexanderkirche in Wildeshausen und der Amtshof in Syke. In Neubruchhausen gibt es außer der historischen Oberförsterei ein kleines Scheunenviertel. Ein solches befindet sich auch am westlichen Ortsrand von Harpstedt. Auffällig ist die große Zahl erhaltener Schafkoben[8][9] und funktionstüchtiger Wassermühlen[10] in der Wildeshauser Geest.

Als Kulturdenkmäler sind mittlerweile auch die beiden Museumseisenbahnen zu betrachten, die durch die Geest fahren: Die Schmalspurbahn von Bruchhausen-Vilsen nach Asendorf war die erste Museumsbahn in Deutschland (1966, Deutscher Eisenbahn-Verein) und hat sehr viele jährliche Betriebstage. Die vollspurige Museumsbahn von Delmenhorst nach Harpstedt wird Jan Harpstedt genannt.

Tourismus[Bearbeiten]

Träger des Naturparks und Dachverband für den Tourismus ist der Zweckverband Wildeshauser Geest mit Sitz in Wildeshausen, dem außer den Landkreisen Diepholz, Oldenburg und Vechta auch Städte und Gemeinden angehören. Der Verband ist eine öffentlich-rechtliche Institution. In der touristischen Verbandsarbeit ist der Zweckverband für die Außendarstellung und Vermarktung zuständig. Er betreibt die Internetseite des Naturparks, gibt Broschüren heraus, schaltet Anzeigen und präsentiert sich auf Messen. Als Träger des Naturparks versucht der Zweckverband weiterhin Tourismus- und Naturschutzbelange in Einklang zu bringen und wird bei größeren Eingriffen in die Landschaft befragt, um einen Interessenausgleich zwischen den Naturschutzvertretern und den touristischen Akteuren herzustellen. Die ganze Wildeshauser Geest ist ein beliebtes Radwandergebiet, die mittlere Hunte ein Paddelrevier. Alle Städte der Gegend außer Sulingen haben einen Bahnhof mit Personenverkehr.

Im Mai 2009 wurde die Straße der Megalithkultur eröffnet. Sie verbindet viele Megalithanlagen der Wildeshauser Geest miteinander und mit den Anlagen im Emsland und im Landkreis Osnabrück. Seit 2008 führt ein neuer Abschnitt der Niedersächsischen Mühlenstraße durch die Wildeshauser Geest, der in Harpstedt beginnt und den Naturpark hinter Goldenstedt verlässt.[11][12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Huntemann: Die Wildeshauser Geest. Wege und Wanderungen. Oldenburg ³1981, 136 S. m. 7 Fotos, 2 Zeichnungen, 1 Faks. u. 52 Kartenskizzen
  • Helga Klöver: Wildeshauser Geest. Städte und Landschaften im Naturpark entdecken und erleben. Ein illustriertes Reisehandbuch. Bremen 2000, 208 S. m. zahlr. Abb.
  • Harald Witt: Die schönsten Radwanderungen zwischen Hunte, Weser und Wümme. Natur – Kultur – Geschichte. Bremen 2003, 207 S. m. 96 Abb.
  • Nils Aschenbeck u. Rüdiger Lubricht (Fotos): Kirchen und Kirchhöfe an Hunte und Weser. Oldenburg 2000, 48 S. m. Abb.
  • Ernst Andreas Friedrich: Naturdenkmale Niedersachsens. Hannover 1980, ISBN 3-7842-0227-6

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Naturpark Wildeshauser Geest – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesamt für Naturschutz: Karte der Delmenhorster Geest
  2. Bundesamt für Naturschutz: Karte der Cloppenburger Geest
  3. Bundesamt für Naturschutz: Karte der Syker Geest
  4. Lokale Aktionsgruppe LEADER in der Wildeshauser Geest: Regionales Entwicklungskonzept LEADER 2007–2013 (PDF; 1,9 MB). Karte S. 6
  5. Hans Bartl. 1998, S. 115
  6. Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest: Burgwall „Arkeburg“. Goldenstedt, Gemeinde Goldenstedt
  7. Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest: „Hünenburg“. Stöttinghausen, Gemeinde Twistringen
  8. Bernd Rothmann: Schafkoben in der Wildeshauser Geest (PDF; 1,7 MB). In: Bürgerpost. Ausgabe 9. S. 12–15
  9. Bernd Rothmann: Auflistung und GPS-Positionen der Schafkoben
  10. Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest: Wassermühlen
  11. Verlauf der Niedersächsischen Mühlenstraße durch den Landkreis und die Stadt Oldenburg
  12. Verlauf der Niedersächsischen Mühlenstraße durch den Landkreis Vechta