Wildnisgebiet Dürrenstein

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Im Wildnisgebiet dürfen Bäume ihr natürliches Alter erreichen

Das Wildnisgebiet Dürrenstein bzw. zukünftig Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal[1] beherbergt den größten Urwald Mitteleuropas, den sogenannten Rothwald in der niederösterreichischen Eisenwurzen im südlichen Teil des Bezirk Scheibbs. Es ist ein Wildnisgebiet (IUCN Ia + Ib) nach Richtlinie der World Commission on Protected Areas der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN-WCPA)

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wildnisgebiet Dürrenstein mit geplanter Erweiterung[2]
Totholz, das in Wirtschaftswäldern weitgehend fehlt, ist Grundlage für eine Vielzahl von Lebewesen, die ausschließlich hier vorkommen und hier erstmals beschrieben wurden

Das Wildnisgebiet Dürrenstein liegt in Niederösterreich und grenzt heute direkt an die Steiermark. Es erstreckt sich um den Dürrenstein und ist Heimat zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten. Es ist primär ein Waldschutzgebiet, reicht aber über die Waldgrenze hinaus und beherbergt auch alpine Rasen und Fels­gebiete sowie Almen. Vom Alpensalamander über den Habichtskauz, den Luchs bis zum Steinadler leben zahlreiche alpine Arten in diesem Schutzgebiet. Menschen haben nur im Rahmen geführter Themenwanderungen und auf markierten Steigen und Wanderwegen Zutritt.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee, großflächige Wälder, die vom Menschen unberührt waren, vor dem forstlichen Zugriff und der Zerstörung für sich und seine Nachwelt zu retten, wurde in diesem Gebiet 1875 vom Unternehmer und Bankier Albert Rothschild initiiert. 400 ha Wald des Kerngebiets, des Rothwaldes, sind nie forstlich bewirtschaftet worden und bilden damit einen echten Primärwald, der sich seit der Würm-Kaltzeit (der letzten Kaltzeit) weitestgehend ungestört entwickelt hat. Auf Basis des Rothwalds wurde 120 Jahre später das Schutzgebiet auf 2400 Hektar erweitert und in den Jahren 1997–2001 das Wildnisgebiet Dürrenstein ins Leben gerufen.

Das Wildnisgebiet dient dem Schutz gefährdeter Lebewesen und Lebensgemeinschaften. Es soll jedoch kein bestimmter Zustand konserviert werden, sondern vielmehr dürfen natürliche Prozesse weitestgehend ohne Einfluss des Menschen ablaufen (Prozessschutz). Die Anerkennung als erstes Wildnisgebiet Österreichs der Kategorie I nach den Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN wurde im Jahr 2003 verliehen, und umfasst 23,7 km2, wobei etwa die Hälfte (Westteil) der Kategorie Ib (Wilderness) angehören, der Ostteil mit den etwa 4 km2 des Rothwalds wurde als Kategorie Ia (Strict Nature Reserve Ia, Strenges Naturreservat) ausgewiesen. Das Wildnisgebiet bildet so eine Pufferzone um den Urwald. Im August 2010 wurde das Wildnisgebiet um 72 ha erweitert.

2013 konnte die Fläche um weitere 1.000 ha[3] (10 km²) auf nun insgesamt 3.500 ha[4] (35 km²) vergrößert werden.

Im Herbst 2013 initiieren engagierte steirische Unternehmer eine Erweiterung des bestehenden Wildnisgebiets Richtung Steiermark, damit die von der IUCN empfohlene Mindestfläche von 10.000 ha erreicht wird. Erst ab einer Wildnisgebietsfläche von rd. 10.000 ha bleibt die Biodiversität gesichert erhalten und Umwelt­prozesse können naturnahe ablaufen. Ihr Ziel ist die Außer-Nutzung-Stellung des steirischen Lassing­tales mit rd. 5.800 ha. Im Lassingtal befinden sich die ältesten großflächigen Buchenwälder des Alpen­bogens und die dortigen Wälder können einen für die Biodiversität wichtigen hohen Totholz­anteil aufweisen.[5][2] Die Grundeigentümerin des Lassingtales ist die Österreichische Bundesforste AG, die sich im alleinigen Besitz der Republik Österreich befindet.

Am 15. Oktober 2015 leitete schließlich die steirische Landesregierung das Verfahren zur Erklärung des steirischen Lassingtales mit rd. 5.800 ha zum Wildnisgebiet gemäß den IUCN-Richtlinien ein.[1]

Kooperation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wildnisgebiet Dürrenstein kooperiert mit dem Nationalpark OÖ Kalkalpen und dem Nationalpark Gesäuse im Projekt „Netzwerk Naturwald“,[6] dessen Ziel die Gründung einer auch die Grundeigentümer, die Gemeinden und weitere Entscheidungsträger einschließenden Kooperationsplattform[7] ist. Durch Diese soll eine Verbindung der in den Schutzgebieten bestehenden Lebensräume verschiedener Arten erfolgen, mittels naturnaher Trittsteinflächen, die durch Vertragsnaturschutz im Projektgebiet[8] zwischen den Schutzgebieten geschaffen werden.[6] Die drei kooperierenden Schutzgebiete haben gemeinsam mit den alpinen Vereinen den NaturWaldWeg zusammengestellt, der die Schutzgebiete miteinander verbindet.[9]

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erwähnenswert sind auch die Rothschildhäuser, typische Forsthäuser der Region, die sich in der weiteren Umgebung des Wildnisgebiets Dürrenstein befinden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Thomas Rossacher: Steiermark rittert um Titel Weltnaturerbe. Das nahezu unberührte Lassingtal (Wildalpen, Liezen) wird von der Regierung zum Wildnisgebiet erklärt. 2016 soll dieser Urwald zum ersten Weltnaturerbe Österreichs zählen. In: kleinezeitung.at. Kleine Zeitung GmbH & Co KG, 13. Oktober 2015, abgerufen am 17. Oktober 2015.
  2. a b Günter Pilch: Die Steiermark wird jetzt zum Urwaldgebiet. In: kleinezeitung.at. Kleine Zeitung GmbH & Co KG, 20. Mai 2015, abgerufen am 28. Juni 2015.
  3. Erweiterung des Wildnisgebietes Dürrenstein unterfertigt! In: wildnisgebiet.at. Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein, 12. Februar 2013, abgerufen am 13. November 2013.
  4. Porträt – Geschichte [des Wildnisgebietes Dürrenstein]. In: wildnisgebiet.at. Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein, aufgerufen und empfangen am 20. August 2016.
  5. Jakob Traby: Steirischer Wald soll Wildnis bleiben. In: krone.at. Krone Multimedia GmbH & Co KG, 20. Mai 2015, abgerufen am 28. Juni 2015.
  6. a b Natur und Kultur als Potenzial für die Region. In: netzwerk-naturwald.at. Nationalpark OÖ Kalkalpen Ges.m.b.H., aufgerufen und empfangen am 24. August 2016.
  7. Gemeinsam ein großes Ziel. In: netzwerk-naturwald.at. Nationalpark OÖ Kalkalpen Ges.m.b.H., aufgerufen und empfangen am 24. August 2016.
  8. Einzigartige Naturlandschaft mit großer Geschichte und Projektgebiet Netzwerk Naturwald (PDF-Datei, 294,67 KiB). Beide in: netzwerk-naturwald.at. Nationalpark OÖ Kalkalpen Ges.m.b.H., aufgerufen und empfangen am 24. August 2016.
  9. Der NaturWaldWeg. In: nationalpark.co.at. Nationalpark Gesäuse GmbH, 25. Juni 2015, aufgerufen und empfangen am 24. August 2016 (alternative URL mit Veröffentlichungsdatum).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wildnisgebiet Dürrenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 46′ 38″ N, 15° 3′ 5,5″ O