Wilfried Loth

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Wilfried Loth (* 29. August 1948 in Wadern) ist ein deutscher Historiker und Politikwissenschaftler.

Wilfried Loth studierte in den Jahren 1966 bis 1972 die Fächer Germanistik, Geschichte, Philosophie und Erziehungswissenschaften an der Universität des Saarlandes. Im Sommersemester 1974 erfolgte dort seine Promotion mit einer von Walter Lipgens angeregten Untersuchung über Theorie und Praxis der Außenpolitik der französischen Sozialisten zwischen 1940 und 1950. Von 1974 bis 1984 war er dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Hochschulassistent tätig. Loth habilitierte 1983 in Neuere Geschichte über Katholiken im Kaiserreich. Der politische Katholizismus in der Krise des wilhelminischen Deutschlands. 1984/85 war er Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Eine Professur für Politikwissenschaft an der Universität Münster folgte 1985/86. Seit 1986 ist er Professor für Neuere Geschichte an der Universität Essen. Loth war in der Zeit von 1993 bis 1997 Präsident des Kulturwissenschaftlichen Instituts im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen und ist seit 2013 Präsident des deutsch-französischen Historikerkomitees. In Anerkennung seines Einsatzes für die deutsch-französische Verständigung in der geschichtswissenschaftlichen Forschung hat ihm die französische Regierung im Jahr 2015 den Ordre des Palmes Académiques verliehen. Ferner verlieh die Babeș-Bolyai-Universität im rumänischen Cluj-Napoca Loth 2013 die Ehrendoktorwürde.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die Geschichte des Katholizismus und des Sozialismus, Geschichte des Deutschen Kaiserreichs, die Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert sowie die Geschichte des Ost-West-Konflikts und der europäischen Einigung.

Loth gilt durch zahlreiche Publikationen zur Geschichte der französischen Geschichte des 20. Jahrhunderts zu den besten Kennern der Materie. Im Jahre 1987 veröffentlichte eine Darstellung über die Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert. Im Jahre 2015 veröffentlichte er eine Biographie über Charles de Gaulle. Sein Ziel mit der Biographie ist es, „die großen Linien im Leben von Charles de Gaulle nachzuzeichnen, aber auch die Brüche und Wendungen zu markieren, die es in diesem Leben gegeben hat“.[1] Loth kommt zu dem Ergebnis, dass de Gaulle als Staatsmann seine „größten politischen Erfolge erzielte […], wenn er sich auf Kompromisse einließ, die über seine ursprünglichen Vorstellungen hinausgingen“.[2] Loth zählt zu den besten Kennern des Kalten Krieges. Umstritten ist seine Position zur Stalin-Note 1952, der er mehr Ernsthaftigkeit zumisst als die Mehrheit der Historiker. Seine Gesamtdarstellung von 1998 zur Entspannungspolitik[3] hat Loth unter dem geänderten Titel Die Rettung der Welt. Entspannungspolitik im Kalten Krieg 1950–1991 und in überarbeiteter Form neu vorgelegt. In der 2016 veröffentlichten Arbeit behandelt Loth in zehn chronologisch aufeinander aufbauenden Kapiteln die vier Jahrzehnte vom Ausbruch des Koreakrieges 1950 bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien

  • Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges 1941–1955. dtv, München 1980. (erw. Neuausgabe 2000, ISBN 3-423-30756-0)
  • Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert. 2. Auflage. Fischer, Frankfurt 1992, ISBN 3-596-10860-8.
  • Stalins ungeliebtes Kind. Warum Moskau die DDR nicht wollte. Rowohlt, Berlin 1994, ISBN 3-87134-085-5.
  • Das Kaiserreich. Obrigkeitsstaat und politische Mobilisierung. dtv, München 1996, ISBN 3-423-04505-1.
  • Die Sowjetunion und die deutsche Frage. Studien zur sowjetischen Deutschlandpolitik von Stalin bis Chruschtschow. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-36298-3.
  • Europas Einigung. Eine unvollendete Geschichte. Campus, Frankfurt am Main u. a. 2014, ISBN 978-3-593-50077-5.
  • Charles de Gaulle (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Band 660). Kohlhammer, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-17-021362-3.
  • Die Rettung der Welt. Entspannungspolitik im Kalten Krieg 1950–1991. Campus, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-593-50616-6.
  • „Freiheit und Würde des Volkes“. Katholizismus und Demokratie in Deutschland. Campus, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-593-50838-2.
  • Fast eine Revolution. Der Mai 68 in Frankreich. Campus, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-593-50832-0.

Herausgeberschaften

  • Deutscher Katholizismus im Umbruch zur Moderne (= Konfession und Gesellschaft. Beiträge zur Zeitgeschichte. Band 3). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1991, ISBN 3-17-011729-7.
  • mit Rolf Badstübner: Wilhelm Pieck. Aufzeichnungen zur Deutschlandpolitik 1945–1953. Akademie-Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-05-002198-5.
  • Walter Hallstein – der vergessene Europäer? Europa-Union-Verlag, Bonn 1995, ISBN 3-7713-0499-7.
  • mit Bernd-A. Rusinek: Verwandlungspolitik: NS-Eliten in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Campus, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-593-35994-4.
  • Das europäische Projekt zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Leske + Budrich, Opladen 2001, ISBN 3-8100-2908-4.
  • Entwürfe einer europäischen Verfassung. Eine historische Bilanz. Europa-Union-Verlag, Bonn 2002, ISBN 3-7713-0604-3.
  • Europäische Gesellschaft. Grundlagen und Perspektiven. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, ISBN 3-531-14758-7.
  • mit Jost Dülffer: Dimensionen internationaler Geschichte. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71260-5.
  • mit Étienne François: Gewerkschaften, Arbeitswelt und Arbeiterkultur in Frankreich und Deutschland von 1890 bis 1990 (= Schriftenreihe des Deutsch-Französischen Historikerkomitees. Band 13). Steiner, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-515-11584-1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michaela Bachem-Rehm, Claudia Hiepel, Henning Türk (Hrsg.): Europäische und Internationale Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Wilfried Loth. Oldenbourg, München 2014, ISBN 978-3-486-71574-3.
  • Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 51. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 2013, S. 702.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilfried Loth: Charles de Gaulle. Stuttgart 2015, S. 9.
  2. Wilfried Loth: Charles de Gaulle. Stuttgart 2015, S. 307.
  3. Wilfried Loth: Helsinki, 1. August 1975. Entspannung und Abrüstung. München 1998.