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Wilhelm Böckmann

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Wilhelm Böckmann

Wilhelm Böckmann (* 29. Januar 1832 in Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal); † 22. Oktober 1902 in Schöneberg[1]) war ein deutscher Architekt.

Grabstätte auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof

Böckmann war ein Sohn des Lehrers Wilhelm Böckmann. In seinem Geburtsort Elberfeld absolvierte Böckmann seine Schulausbildung auf dem städtischen Gymnasium. 1848 ging er vom Gymnasium ab, da er als Reaktion auf die gescheiterte Revolution eine Auswanderung nach Amerika plante. Bis 1850 machte er eine Lehre als Zimmermann und setzte dann seine Schulausbildung am Gymnasium fort, die er 1852 mit dem Abitur abschloss. Nach praktischer Bautätigkeit begann Böckmann 1854 an der Berliner Bauakademie sein Studium, das er 1858 mit dem 1. Staatsexamen („Bauführerprüfung“) abschloss. Für sein vorzügliches Prüfungsergebnis erhielt er einen Preis, der es ihm und seinem Freund Hermann Ende ermöglichte, längere Zeit auf Studienreisen zu gehen. Für einen Entwurf „Palastartiges Wohnhaus“ erhielt er 1858 den Schinkelpreis des Architektenvereins zu Berlin, dem er seit 1854 angehörte.

1859 nach Berlin zurückgekehrt, gründete er noch im selben Jahr zusammen mit Hermann Ende die Firma Ende und Böckmann, die schnell zu den großen Architekturbüros in Berlin avancierte. Ihr Büro lag in der Neustädtischen Kirchstraße in Mitte. Erst anschließend legten Böckmann und Ende ihre 2. Staatsexamina („Baumeisterprüfung“) ab. 1863 reiste er nach Frankreich und ab 1864 wirkte er zusammen mit Ende aktiv für Wohnungsbaugenossenschaften im Kongreß deutscher Volkswirte. 1867 heiratete er Elisabeth Neuhoff.[2] Das Paar hatte zwei Söhne und sechs Töchter. Seine Schwester heiratete den Architekten Emil Boethke (1828–1896).[3][4] 1864 wurde sein Neffe Julius Boethke geboren, der später ebenfalls ein bekannter Architekt wurde.[4]

1866/67 unterrichtete er an der Berliner Bauakademie.[5]

Böckmann war seit 1869 für viele Jahre Vorsitzender des Architektenvereins zu Berlin und wurde 1902 zu dessen Ehrenmitglied ernannt. 1879 war er Gründungsmitglied der Vereinigung Berliner Architekten. 1886 und 1890 unternahm er wegen eines Bauauftrags Reisen nach Japan.

Das Architekturbüro Ende und Böckmann, in dem auch andere Architekten wie Rudolf Schilling vorübergehend arbeiteten, erlangte Weltruhm und wurde 1895 aufgelöst, als sich die Begründer zur Ruhe setzten. 1895/96 war er Mitbegründer der Sternwarte in Berlin-Treptow.

Böckmanns Anwesen, der „Böckmannhof“, eine von Böckmann und Ende der 1870er Jahre erbaute zweigeschossige große Backsteins­villa, lag in einem Park am Rande der Villenkolonie Neubabelsberg hinter dem Bahnhof Griebnitzsee, zwischen der Rudolf-Breitscheid-Straße und Stubenrauchstraße. Seinen 70. Geburtstag feierte der Architekt im Restaurant des Berliner Zoologischen Gartens mit einem großen Festmahl und zahlreichen Gästen.[6] Wilhelm Böckmann starb noch im gleichen Jahr im Alter von 70 Jahren in einer Privatklinik in Schöneberg.[1] Er wurde auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt; das Grab ist erhalten.[7][8]

Wirtschaftsgebäude der Villa von der Heydt
Altes Justizministerium in Tokio

Fachzeitschrift

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1866/1867 gründete Böckmann zusammen mit Kollegen die Deutsche Bauzeitung.

Bauten und Entwürfe im Deutschen Reich (Auswahl)

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Der Schwerpunkt des Bauschaffens von Ende und Böckmann waren Villen im Berliner Stadtbezirk Tiergarten, vor allem im Diplomatenviertel. Nur wenige dieser Bauten haben den Zweiten Weltkrieg überstanden. Auch planten und begründeten sie den Bau des Potsdamer Villenviertels Neubabelsberg. Bemerkenswert waren darüber hinaus die verschiedenen Bauten für den Berliner Zoo. 1857 gründeten sie mit Peter Joseph Lenne vor dem Halleschen Tor in Berlin die Villenkolonie Wilhelmshöhe. Ende und Böckmann errichteten weltweit zahlreiche Bauten und unterhielten zeitweise sogar eine Außenstelle in Japan.

Bauten im Ausland

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In Japan bekamen sie den Auftrag für die Gebäude des Parlaments, Justizministeriums und des Obersten Gerichtshofs. Die ersten Entwürfe lehnte die Regierung 1889 ab, da sie zu japanisch (Japonismus) waren. Nach ihren Plänen konnten sie dagegen das Justizministerium (1895) und den Gerichtshof fertigstellen, während das Parlament ein temporäres Gebäude aus Holz erhielt. Ihr Vertrag wurde wegen zu hoher Kosten vorzeitig 1890 aufgelöst.[14]

1881 wurde Böckmann mit dem Titel eines (königlich preußischen) Baurats ausgezeichnet.[15] 1902 wurde er Geheimer Baurat. Böckmann war Ehrenmitglied der Kaiserlichen Akademie in St. Petersburg und des Institutes of American Architects. Die Böckmannbrücke in Berlin-Zehlendorf wurde nach ihm benannt.

  • Wilhelm Böckmann: Reise nach Japan. Reichsdruckerei, Berlin 1886 (Digitalisat. Staatsbibliothek Berlin)
  • B.: Geheimer Baurath Wilhelm Böckmann †. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 85, 1902, S. 525–526 (zlb.de Nachruf).
  • Jörg Limberg: Potsdam. Die Villen- und Landhauskolonie Neubabelsberg. In: Brandenburgische Denkmalpflege, 1993, Heft 2, S. 42–50; potsdam.de (PDF).
  • Franziska Pagel: Ende & Böckmann. Ein Berliner Architekturbüro im 19. Jahrhundert. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-7861-2814-4.
  • Hiltrud und Carsten Preuß: Die Guts- und Herrenhäuser im Landkreis Teltow-Fläming. 1. Auflage. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, 2011, ISBN 978-3-86732-100-6, S. 244.
  • Uwe Kieling: Berliner Privatarchitekten und Eisenbahnbaumeister im 19. Jahrhundert, Biographisches Lexikon. Kulturbund der DDR, Berlin 1988, S. 7–8.
Commons: Wilhelm Böckmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 1 2 StA Schöneberg I, Sterbeurkunde Nr. 933/1902.
  2. Berlin, Dorotheenstädtische Kirche, Heiraten 1859–1874, Doppelseite 373. In: Ancestry.com. Deutschland, ausgewählte evangelische Kirchenbücher 1500–1971 [Datenbank online].
  3. Emil Boethke. In: archINFORM; abgerufen am 23. September 2018.
  4. 1 2 Schm.: Julius Boethke †. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 59, 1917, S. 379 (zlb.de).
  5. Wilhelm Böckmann. In: Catalogus Professorum.
  6. Das Große Festmahl für W. Böckmann. In: Königlich privilegierte Berlinische Zeitung, 30. Januar 1902.
  7. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 749.
  8. B.: Geheimer Baurath Wilhelm Böckmann †. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 85, 1902, S. 525–526 (zlb.de Nachruf).
  9. Villa von der Heydt
  10. Heinz-Georg Klös, Ursula Klös (Hrsg.): Der Berliner Zoo im Spiegel seiner Bauten 1841–1989. Eine baugeschichtliche und denkmalpflegerische Dokumentation über den Zoologischen Garten Berlin. 2. Auflage. Heenemann, Berlin 1990, ISBN 3-87903-069-3.
  11. Vermischtes. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 31, 1884, S. 320 (zlb.de Notiz zur Eröffnung des Affenhauses).
  12. Wohnhaus Conradstraße 13
  13. Deutsche Bauzeitung, 20. Jg., Nr. 75, 18. September 1886, S. 445.
  14. Dallas Finn: Reassessing the Rokumeikan. In: Ellen P. Conant (Hrsg.): Challenging Past and Present. The Metamorphosis of Nineteenth-century Japanese Art. University of Hawai'i Press, Honolulu HI 2006, ISBN 0-8248-2937-9, S. 227–239, hier S. 235 (Google Bücher).
  15. Personal-Nachrichten. In: Centralblatt der Bauverwaltung. Nr. 4, 1881, S. 30 (zlb.de Notiz zur Titelverleihung).